Björn Brodersen | (1)

Max, Torino S, Porto S: Die Coolpad-Smartphones im Hands-on

Preiswerte Smartphones mit einzelnen Highend-Features, die sonst nicht in der jeweiligen Preisklasse zu finden sind - das ist die Rezeptur, mit der Coolpad auf dem deutschen Markt angreift. Wir haben uns im Hands-on einen ersten Eindruck von den ersten neuen Coolpad-Smartphones Max, Torino S und Porto S verschafft.

So schnell wie gedacht kommen die neuen, am Donnerstagabend vorgestellten Coolpad-Smartphones doch nicht in die Läden. Das 129 Euro teure Porto S und das 199 Euro teure Torino S werden erst ab 1. April dieses Jahres in den Läden stehen, das im edlen Aluminium-Unibody steckende Coolpad Max für einen Preis unter 300 Euro erst Mitte des zweiten Quartals. Die in München gezeigten Geräte wirkten auch noch nicht ganz fertig: Das Coolpad Max soll beispielsweise in Deutschland mit 4 GB RAM herauskommen, das für das Hands-on bereitgestellte Gerät wies aber einen "nur" 3 GB großen Arbeitsspeicher auf. Auf dem Max und dem Torino S lief Android mit Cool UI ohne klassischen App-Drawer, die Benutzeroberfläche des Porto S wirkte dagegen sehr nah an Vanilla UI von Google. Mal sehen, was auf den Geräten läuft, wenn sie ab April erhältlich sind.

Coolpad ist in Deutschland noch eine unbekannte Marke, doch in China und als ODM-Hersteller für Telekomunternehmen eines der Schwergewichte im Smartphone-Markt. Nach Absatzzahl zählt das Unternehmen weltweit zu den Top-10-Herstellern, in China ist es nach eigenen Angaben führender Hersteller von LTE-Smartphones. Im europäischen Markt will das Unternehmen mit schicken und preiswerten Smartphones, die einzelne, in der jeweiligen Preisklasse bislang nicht anzutreffende Highend-Features bieten, vor allem junge Menschen als Kunden gewinnen. Das Coolpad Torino S hat beispielsweise unter den 200-Euro-Smartphones den Fingerabdrucksensor als Alleinstellungsmerkmal, unterstützt LTE für schnelles mobiles Internet und kann dank Infrarot-Schnittstelle als Fernbedienung für den Fernseher eingesetzt werden. Das Einsteigergerät Porto S unterstützt LTE und hat ein bis an den Rand gehendes Display mit gewölbtem Glas. Auch Eltern, die ihre Kinder mit einem preisgünstigen Smartphone ausstatten wollen, gehören zur erklärten Zielgruppe. Bei den übrigen Spezifikationen müssen die Nutzer der neuen Coolpad-Smartphones jedoch mit den im niedrigeren Preissegment üblichen Einschränkungen leben: mit begrenztem Speicherplatz oder kleinen Akkus zum Beispiel.

Torino S: Smartphone mit Fingerabdrucksensor für 199 Euro

Das Torino S ist ein 4,7 Zoll großes Android-Smartphone mit HD-Display und einem 7,9 Millimeter dicken und gerundeten, geschmeidigen Kunststoffgehäuse in Weiß oder Champagner-Gold. Unter der Haube arbeitet der 64-Bit-fähige Quad-Core-Prozessor Snapdragon 410 von Qualcomm mit 1,2 GHz und Anbindung an 2 GB RAM, für die Stromversorgung ist ein 1.800 mAh starker Akku zuständig. Der interne Speicherplatz von 16 GB kann per microSD-Karte erweitert werden. Für Fotoaufnahmen stehen an dem Smartphone eine mit 8 Megapixel auflösende Hauptkamera mit LED-Blitz sowie eine 5-Megapixel-Selfie-Kamera bereit. Auf das Android-Betriebssystem in Version 5.1 Lollipop hat Coolpad beim Torino S im Hands-on die Benutzeroberfläche Cool UI gelegt, die beispielsweise verschiedene Menübereiche in unterschiedlichen Farben anzeigt. Der 360-Grad-Fingerabdrucksensor soll auch nasse Finger erkennen und kann unterschiedliche Funktionen mit den fünf verschiedenen Fingern verknüpfen. Das kann beispielsweise so aussehen: Gerät mit dem Daumen entsperren, einen festgelegten Kontakt anrufen mit dem Ringfinger, einen eingehenden Anruf annehmen durch Auflegen des Zeigefingers, Selfies aufnehmen bei Einsatz des Mittelfingers oder mobil bezahlen durch Bestätigung mit dem kleinen Finger.

Ein Smartphone für knapp 200 Euro mit schnellem mobilen Internet, einem Fingerabdrucksensor sowie einem handlichen, handschmeichlerischen und optisch ansprechenden Kunststoffgehäuse - das kann funktionieren. Das 2,5D-Display-Glas wölbt sich bis an den Rand des Geräts, doch leider ist die Anzeige noch in einen breiten schwarzen Rahmen eingepasst. Das ist auch bei dem neuen Porto S der Fall - man darf allerdings nicht vergessen, in welcher Preisklasse die beiden Geräte angeboten werden. Schade allerdings, dass es diesen schwarzen Rahmen um die Display-Anzeige auch auf dem Coolpad Max gibt. Das mag zu dem schicken, edel wirkenden Alu-Anzug nicht so recht passen. Das Vorzeige-Smartphone für den deutschen und schweizerischen Markt eignet sich am ehesten für den von Coolpad kreierten Marketing-Begriff "Premium-Mittelklasse". Einen Startpreis hat der chinesische Hersteller noch nicht bekannt gegeben, doch vermutlich wird er knapp unter 300 Euro liegen.

Coolpad Max: Alu-Smartphone mit zwei Betriebssystem für unter 300 Euro

Bei der technischen Ausstattung des kommerziellen Geräts gibt es noch einige Fragezeichen: Handelt es sich bei dem Octa-Core-Prozessor von Qualcomm um den Snapdragon 615 oder den Snapdragon 617? Wie groß ist das Full-HD-Display genau: 5,5 Zoll wie von uns geschätzt? Das Coolpad Max soll zudem in Deutschland mit 4 GB RAM und 64 GB Flash-Speicher herauskommen, das Hands-on-Gerät hatte allerdings 3 GB RAM und 32 GB Flash-Speicher. Bei der 32-Gigabyte-Version steht den Nutzern im Auslieferungszustand des Smartphones mit 23 GB überraschend wenig freier Speicherplatz zur Verfügung. Der Grund: Das Coolpad Max ist mit zwei separat voneinander laufenden Betriebssystemen bespielt, für die jeweils eine eigene Partition auf dem Flash-Speicher reserviert ist. Dabei handelt es sich zweimal um Android: einmal in der gewohnten Version mit einem öffentlichen Bereich und einmal in einer durch Zugangssperre, Nachrichtenverschlüsselung und Virenscanner gesicherten Ausführung ("Privacy Space"). Den privaten Bereich für sensible Daten und Anwendungen öffnet man durch Tippen des entsprechenden Homscreen-Icons und Entsperren des Bereich durch Fingerabdrucksensor oder Zeichnen eines Codemusters. Der Wechsel von öffentlichem in den privaten Modus erfolgt zügig, dort genutzte Anwendungen und Funktionen sind für andere nicht sichtbar, wenn das Handy unachtsam liegengelassen wird. Was genau der Privacy Space alles bieten wird, müssen wir in einem richtigen Test des Coolpad Max erkunden.

Coolpad Porto S: Flaches Einstiegs-Smartphone für 129 Euro

Das Einstiegsgerät Porto S mit 5-Zoll-HD-Display, Quad-Core-Prozessor und 1 GB RAM, 8-Gigabyte-Speicher und microSD-Support bis 64 GB, 8-Megapixel- und 2-Megapixel-Kamera, LTE-Unterstützung sowie einem 2.000-mAh-Akku kommt für seine Preisklasse (129 Euro) in einem ungewöhnlich flachen, glatten Polycarbonat-Gehäuse daher. Zum Vergleich: Das direkte Konkurrenzmodell Huawei Y6 hat ein mit 8,3 Millimetern dickeres Kunststoffgehäuse und kostet aktuell mit 149 Euro etwas mehr als das Coolpad-Smartphone. Dafür hat das Huawei-Handy den etwas stärkeren Antrieb (Quad-Core-Prozessor mit 1,1 GHz und 2 GB RAM) und etwas größeren Akku (2.200 mAh). Der schwächere Antrieb macht sich schon beim ersten Ausprobieren des Porto S durch eine trägere Arbeitsgeschwindigkeit bemerkbar.

Vom "Premium-Mittelklasse"-Gerät im edlen Alu-Unibody bis hin zum flachen LTE-Smartphone für den günstigen Einstieg - Coolpad fängt erst einmal kleiner an, hat aber auch für anspruchsvollere Smartphone-Nutzer was in petto. Wir sind gespannt, wie die Geräte ankommen und was der chinesische Hersteller danach folgen lässt.

Was haltet ihr von den Coolpad-Smartphones? Welche Chancen rechnet ihr dem Einsteiger in den deutschen Smartphone-Markt zu?

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Kommentare
  1. 30.01.16 15:25 Whiskas (Member)

    Das Problem bei den Modellen sehe ich bei den, doch recht knapp bemessenen Akkus und bei der Marktsättigung. Selbst die 'Alleinstellungsmerkmale' reißen das nicht raus.

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