Viele focussieren sich m.m. in ihrer Betrachtung Apples zu sehr auf das iPhone und meinetwegen noch das iPad. Ich hingegen betrachte Apples Produkte (einschließlich der Dienste) als eine Art Getriebe, bei dem ein Zahnrädchen ins andere greift — und das nicht nur softwaretechnisch, sondern auch im Marketing.
Im Kern fußt das System Apple nach wie vor auf dem Verkauf von Macs. Darum wird Apples Gesamtstrategie auch weiterhin auf eine Steigerung der Mac-Verkäufe ausgerichtet sein. Auch wenn die üblichen Verdächtigen meine gleich folgende Metapher freudig für ihre wenig gehaltvollen Frotzeleien aufgreifen werden: Auf dem Weg zur Steigerug der Mac-Verkäufe waren die iPods nur eine Art "Einstiegsdroge." Durch die einfache Handhabung des iPod und den damals noch iTunes Media Store heißenden Musikladen angelockt, interessierten sich die iPod-Besitzer bei ihrem nächsten Computerkauf nicht nur auch für den Mac. Sie kauften ihn auch vermehrt und ergänzten ihn in der Regel um weiter Apple-Hard- und Software.
Da die iPod-Verkäufe zunehmend durch das iPhone kannibalisiert werden -was absehbar war- wird die (ich nenne sie jetzt mal so) zukünftige iPhone-Produktlinie die ehemalige FUnktion der iPods als EInstiegsdroge übernehmen. Apple wird m.M. die iPod-Linie jedoch nicht direkt einstellen, sondern deren Modelle sukzessive um eine Telefonfunktion ergänzen, sobald die Bauteile in entsprechend geringer Größe und zu vertretbaren Kosten zur Verfügung stehen werden. Als einen Schritt auf dem Weg dorthin sehe ich auch Apples Vorstoß Ende 2010 zu einem SIM-losen Handy.
Die Wählfunktion eines derartig stark miniaturisierten iPod-Phones könnte bspw. ein Clickwheel übernehmen (in memoriam der Wählscheibentelefone vergangener Tage), sodaß ein "iPhone nano" in etwa die Größe eines iPod nano 5.Gen haben könnte. Eine weitere Verbesserung der Sprachbefehlfunktion vorausgesetzt, halte ich auch ein "iPod-Phone Shuffle" im Format des aktuellen iPod Shuffle für möglich und marktfähig.
Mittelfristig halte ich dieses Produktportfolio für wahrscheinlich:
+ iPod-Phones als Lifestyleprodukt mit "Nur-Telefon + Musicplayer-Funktion"
+ iPhone mit Internetfunktionalitäten
+ iPad
+ MacBook Air (als Einsteigermodell für Notebooks)
+ MacBook Pro
+ Mac mini (als kleiner Homeserver)
+ iMac (als "Universal"-Mac)
+ Mac Pro (als Arbeitstier für hochprofessionelle Ansprüche)
So, nun sind wir / bin ich ein ganzes Stück vom Thema abgewichen. Dennoch erkären meine Ausführungen ("Visionen" wären ein zu großes Wort dafür) vielleicht, warum ich der Meinung bin, daß Apple ein Einsteiger-iPhone braucht bzw. haben sollte und wie es sich in das Apple-Produktportfolio einfügen könnte.
> Den Zenit überschritten haben, heißt ja auch nicht, dass es gleich völlig bergab geht.
Wenn man den Zenit überschreitet, geht es per Definition bergab. Die Frage ist nur, wann er erreicht ist. Ich sehe diesen Punkt bei Apple noch nicht. Vielleicht haben andere da ja mehr Weitsicht als ich.
> Apple wird einen hoffentlich auch in Zukunft mit Innovation überraschen, aber solche Durchbrüche wie iPhone und das iPad sind wohl erstmal nicht drin.
Natürlich nicht mit den jeweiligen Nachfolgeprodukten. Viele meinen ja, das jeweils nächste iPhone müsste wer weiß was können, um im Markt zu bestehen. Er reicht aber im Prinzip, dass zu tun, was die anderen auch machen: Hier mal die Auflösung erhöhen, dort mal das Display 0,2 Zoll größer machen, hier mal die CPU beschleunigen oder gleich 2 Kerne nehmen, dort eine zusätzlich Technik (3G, 4G, NFC ...) einbauen – fertig ist das neue Gerät. Da gibt es keine Wunder mehr, sondern nur noch Produktpflege.
Aber Apple hat in den letzten Jahren ca. alle 3 Jahre eine neue Cashcow auf den Markt geworfen, die jeweils den vorhandenen Markt kräftig aufgewirbelt hat (1998: iMac, 2001: iPod, 2003: iTunes Store, 2007: iPhone, 2010: iPad) und ich frage mich, warum soll das nicht wieder geschehen – nur weil wir das nächste "Wunder-Produkt" noch nicht erahnen? Ich bin eigentlich recht zuversichtlich, dass wir auch wieder 2013 oder spätestens 2014 eine weitere neue Produktkategorie von Apple sehen werden. Bis dahin gibt es halt jedes Jahr frische iPhones und iPads und MacBooks.
> Naja, iCloud wirkt für mich auch eher nach einem nachziehen gegenüber Google...
Ich sehe die iCloud schon etwas weiter, da es die angekündigte API erlaubt, darüber jegliche App-Daten und Dokumente zu syncen (nicht nur die, weniger Office-Dokumentarten) und damit eine unglaubliche Flexibilität ermöglicht. Der geplante Musikservice ist dank Matching auch einiges weiter als die der Konkurrenz. Ich finde, das ganze ist in seiner Konsequenz schon wit mehr als ein Aufrücken zu Google.
> AppleTV ist auch nichts wirklich besonderes, auch nur eine Sreamingbox
Korrekt.
> das iPad basiert auf großen Teilen auf dem iPhone und kann daher als nicht ganz so große Innovation wie dieses gesehen werden.
Eigentlich muss man es ja umgekehrt sehen. Schenkt man den Aussagen von Apple-Internen Glauben, so war das iPad vor dem iPhone fertig. Jobs hat es 2006 nur zugunsten des iPhones zurückgehalten, weil er in dem Smartphone mehr Potential für einen Markterfolg gesehen hat. Ich denke, die Entscheidung war richtig – das iPad mit einem eigenen OS hätte damals noch niemand verstanden.
Signatur “Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz!” (Klaus Kinski)
> das iPad mit einem eigenen OS hätte damals noch niemand verstanden.
Eben das meinte ich, das iPad war keine alleinige Innovation, sondern nur die Evolution des iPhone, das ja die ganzen Apps und das Interesse der Firmen am Entwickeln neuer Apps geliefert hat, die das iPad erst interessant machten.
Was aus iCloud wird wird sich noch zeigen müssen, ich bin jedenfalls neugierig, was da alles kommt und gespannt. Dennoch sehe ich in den Cloud-Technologien bis dato immernoch mehr Potential bei Google als bei Apple.