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Autor: Björn Brodersen 28.11.2016 - 18:00 | 0

Microsoft Hololens Testbericht

Mixed-Reality-Headset Microsoft Hololens: Ich sehe was, was ihr nicht seht

Microsoft Hololens ist ein Headset für die Mixed Reality: Die Nutzer sehen weiterhin ihre reale Umgebung, die durch Projektionen mit Anwendungen und Informationen ergänzt wird. Das soll zunächst vor allem Mitarbeitern von Unternehmen im Arbeitseinsatz helfen. Wir haben Microsoft Hololens kurz ausprobiert und berichten von unseren Eindrücken im Hands-on.

Die Kombination aus virtueller und erweiterter Realität bezeichnet Microsoft als gemischte Realität: Virtual Reality (VR) simuliert vor den Augen der Nutzer eine aufgezeichnete Umgebung, Augmented Reality (AR) blendet Zusatzinformationen in das Sichtfeld ein, während Mixed Reality die reale Welt um 2D- und 3D-Cotent wie Schaltflächen und Hologramme ergänzt. Das passende Microsoft-Gerät zum Erleben der gemischten Realität ist die Hololens, die der Redmonder Konzern im Januar 2015 erstmals vorstellte und ab Ende März 2016 in USA und Kanada anbietet. Jetzt ist das Headset auch in Deutschland erhältlich, mit Preisen von 3.300 Euro (Version für Entwickler) bzw. 5.490 Euro (Version für Unternehmen und Privatkunden) aber noch zu teuer für den Privatgebrauch. Wir haben Microsoft Hololens im kurzen Test ausprobiert.

15 Minuten - mehr Zeit gewährt Microsoft mir auf einem Windows-10-Event in Hamburg nicht zum Ausprobieren der Mixed-Reality-Brille. Also schnell die Hololens auf den Kopf aufgesetzt und den einführenden Erläuterungen des Leiters der Hands-on-Session lauschen. So richtig angenehm sitzt das kantige Kunststoffgerät nicht auf dem Kopf, obwohl der innere Tragerahmen in der Größe verstellt und an unterschiedliche Kopfgrößen angepasst werden kann. Angesichts des Zeitdrucks habe ich mich mit der ersten Einstellung zufrieden gegeben - nach dem Test zeigen sich jedoch deutlich rote Druckstellen auf meiner Stirn.

Microsoft HoloLens: Tragerahmen und Brilelngestell | (c) Microsoft

Microsoft Hololens: Tragerahmen und Brillengestell | (c) Microsoft

Anwendungszenarien von Microsoft Hololens

Zum Tragen draußen auf der Straße ist das ausladende und ein halbes Kilogramm schwere Gerät nicht gemacht, im Vergleich wirkt die vielkritisierte Google Glass federleicht, filigran und dezent. Doch zum Spazierenführen ist Hololens auch nicht gedacht. Vielmehr soll die Mixed-Reality-Brille in geschlossenen Räumen von Unternehmen oder Institutionen zum Einsatz kommen. Ingenieure, Architekten und Möbelhauskunden können beispielsweise virtuell Räume von allen Seiten erkunden, Medizinstudenten den menschlichen Körper, Schüler das Sonnensystem.

Ein anderes Beispiel ist die Erkundung von Fahrzeugen mit der Hololens beim Autokauf, wie sie derzeit Volvo auslotet. "Hololens ermöglicht dem Menschen einen konkreteren Umgang mit der Technologie unserer Fahrzeuge", erläutert das Unternehmen auf der eigenen Website. "Wir stellen uns eine Zukunft vor, in der man ein besseres Verständnis davon erhält, wie unsere Sicherheitsinnovationen Unfälle vermeiden. Oder darüber, wie unsere fortschrittlichen Motoren optimiert werden, um Sie zielgerichtet in verschiedenen Fahrsituationen zu unterstützen. Und darüber, wie unsere interaktiven Dienstleistungen Ihnen das Leben vereinfachen und letzten Endes Zeit sparen." Eines Tages könnte Hololens Menschen auch ermöglichen, ein Fahrzeug zu konfigurieren und beispielsweise Anpassungen an Farbe, Innenausstattung oder Radfelgen-Design realistisch und in Echtzeit vorzunehmen, und bei der Wahl des richtigen Modells nach eigenen Vorstellungen mit genauen, persönlichen Spezifikationen behilflich sein.

Weiteres denkbares Szenario: Handwerker könnten sich vor Ort hilfreiche Informationen zu den zu wartenden oder zu reparierenden Geräten anzeigen lassen, wie das Beispiel des Aufzugherstellers Thyssenkrupp (siehe folgendes Video) zeigt.

Microsoft HoloLens: Die Hardware

Während VR-Brillen einen leistungsfähigen Rechner wie beispielsweise einen PC oder ein Smartphone voraussetzen und eine Computer-generierte Umgebung vorspielen, arbeitet die Microsoft Hololens ungebunden und umgebungsbewusst. Anwender erleben ihre reale Umwelt, die von Projektionen oder Oberflächen überlagert wird.

Die mit Windows 10 laufende Microsoft Hololens erfasst den Raum mit Hilfe von sechs Kameras - darunter eine 2-Megapixel- bzw. HD-Kamera und eine Tiefenkamera - sowie Infrarot-, Umgebungslicht- und Lagesensoren. Die Verarbeitung der Informationen der Sensoren und von Steuergesten findet in der "Holographic Processing Unit" (HPU) mit einem 1 GB großen Arbeitsspeicher statt, die zusätzlich zum 32-Bit-Prozessor mit Intel Atom x5-Z8100 mit 1 GHz, Hololens-Graphics-GPU und 2 GB RAM in das Gerät eingebaut ist. Die Projektionen werden über das kleine durchsichtige Wellenleiter-Display im 16:9-Format mit 2,3 Millionen Lichtpunkten bzw. einer holografischen Dichte von 2.500 Lichtpunkten pro Radiant eingeblendet, das kleiner als das davor liegende schützende Visier ist. Außerdem sind ein 64 GB großer Flash-Speicher, ein Akku, offene Lautsprecher mit räumlichem Klangbild, vier Mikrofone, ein Micro-USB-Anschluss und ein WLAN-ac-Modul an Bord des Headsets. Microsoft verspricht zwei bis drei Stunden aktive Nutzungszeit oder bis zu zwei Wochen Standby-Zeit mit einer Akku-Ladung.

Microsoft HoloLens im kurzen Test | (c) Microsoft

Microsoft Hololens | (c) Microsoft

So wird die HoloLens gesteuert

Gesteuert wird die Hololens über Kopf-, Hand- und Fingerbewegungen oder - hier hilft der Assistenzdienst Cortana - alternativ per Sprachbefehl. Ein kleiner Punkt im Blickfeld ist Fokuspunkt und Cursor zugleich. Was ich per Kopfbewegung mit dem Fokuspunkt anvisiere, wird immer scharf dargestellt. Ein schnelles Zusammenführen der Spitzen von Zeigefinger und Daumen ("Tap") im Sichtfeld kommt einem Mausklick gleich, durch Tappen und Halten lassen sich Objekte im Raum zoomen, drehen oder verschieben. Das Hauptmenü lässt sich durch ein Öffnen der geballten Faust ("Blume") aufrufen. Neben einfachen Befehlen wie "Select", das ich im Test benutze, sollen laut Microsoft auch komplexere Formulierungen zur Verfügung stehen. Die Benutzung der Steuerungsoptionen erfordert etwas Übung, merke ich. Befindet sich die Hand nicht im Sichtfeld der Hololens, kommt auf das Tap oder die Blume keine Reaktion.

Microsoft HoloLens im kurzen Test | (c) Areamobile
Microsoft HoloLens im kurzen Test | (c) Areamobile

Klickgeste (Tap) | (c) Areamobile

Blumen-Geste | (c) Areamobile

 

Die Eindrücke beim kurzen Ausprobieren

In der Hands-on-Session unter Anleitung sehe ich zunächst 3D-Objekte wie ein Space Shuttle mit ausgestiegenem Astronauten und eine Ballerina, unsere Galaxie mit unserem Sonnensystem und den einzelnen Planeten sowie das menschliche Auge. Die Objekte wirken teilweise sehr pixelig, teilweise sehr scharf - offenbar je nach Machart. Die Ballerina, die sich auf Befehl auch tanzend bewegt, sieht beispielsweise auf den ersten Blick fast echt aus, ihre Hände sind jedoch nur angedeutet statt formvollendet ausgestaltet. Die Objekte schweben quasi im Raum und ich kann um sie herumgehen und sie von allen Seiten betrachten sowie ihre Größe oder ihre Position im Raum verändern. Vorsichtig bewege ich mich durch den kleinen quadratischen Raum, denn zwar habe ich durch die Gläser freie Sicht auf meine Umgebung, doch die eingeblendeten Objekte lenken ab, so dass man auf dem Boden liegende Gegenstände wie etwa eine Tasche schnell übersehen kann.

Nähere ich mich einem Objekt zu sehr, wird es ausgeblendet. Ebenso verschwindet es aus meinem Blickfeld, wenn ich den Blick zu weit zur Seite richte. Der Bereich, in dem die Hololens-Apps eingeblendet werden, ist deutlich kleiner als beispielsweise das Blickfeld von VR-Brillen wie der Oculus Rift oder der HTC Vive und ist vergleichbar mit dem eines imaginären, sehr großen Monitors. Bei der App, die ein 3D-Modell des menschlichen Auges in den Raum projiziert, geschieht anderes: Sie öffnet sich, zeigt aus der Seitenansicht in Schichten den Aufbau des Auges und ist innen begehbar - das ist spektakulär! Eine weitergehende Interaktion mit den projizierten Objekten konnten wir in der kurzen Testsession nicht ausprobieren.

Microsoft HoloLens im kurzen Test | (c) Microsoft

Microsoft Hololens: 3D- und 2D-Einblendungen | (c) Microsoft

Auch Menüs, Dashboards und Schaltflächen lassen sich mit der Microsoft Hololens einblenden und nutzen. Die Windows-Fenster sehen ähnlich aus wie am PC und lassen sich perspektivisch richtig ausgerichtete an Wänden platzieren - auch mehrere gleichzeitig. Buttons per Kopfbewegung ansteuern und per Sprachbefehl oder Handgeste auswählen, ist kein Problem. Wenig komfortabel dürfte es jedoch beispielsweise sein, bei der Einrichtung auf einer eingeblendeten virtuellen Tastatur ein WLAN-Passwort mit vielen Sonderzeichen oder einen App-Namen einzutippen.

Es kann gut sein, dass mir in der Kürze der Zeit und angesichts der für mich neuen, teilweise beeindruckenden Darstellungen weitere Details entgangen sind. So kann ich mich im Nachhinein nicht erinnern, wie der Demo-Raum ausgeleuchtet war. Nur, dass es kein besonders helles bzw. grelles Licht war. Erwärmte sich die passiv gekühlte Hololens spürbar bei grafikintensiveren Anwendungen? Ich habe nichts bemerkt, aber ehrlich gesagt auch nicht bewusst darauf geachtet. Ein Haken, Stottern oder Abstürzen erlebte ich beim Ausprobieren der drei vorgeführten Apps nicht. Bewegungen werden verzögerungsfrei visualisiert, so dass anders als mit manchen VR-Brillen bei den Anwendern normalerweise kein Gefühl der Übelkeit auftreten dürfte.

Microsoft HoloLens im kurzen Test | (c) Areamobile

Ohne Hololens sind die Einblendungen nicht sichtbar | (c) Areamobile

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Fazit: Hololens ausgereifter als Google Glass

Die Microsoft Hololens ist wesentlich ausladender als die Google Glass, doch weniger Menschen werden an ihr Anstoß nehmen, denn ihre Anwendung ist in geschlossenem Raum durch Unternehmen für konkrete, sinnvoll erscheinende Zwecke vorgesehen: Navigation, Simulation, Unterstützung und Schulung, aber auch Unterhaltung. Anders als mit VR-Brillen tauchten Nutzer nicht in eine künstliche Welt ab, sondern ergänzen ihre reale Umgebung oder echte Räume, Gegenstände und Objekte um projizierte Informationen und können mit diesen in begrenztem Maße interagieren. Die mir in der viertelstündigen Demo vorgeführten Anwendungen wirken interessant und teilweise beeindruckend, die Steuerung des Headsets funktioniert recht gut. Während die Hardware und die Technik schon ausgereift erscheinen, kommt es jetzt auf die nativen Anwendungen an - noch ist das Angebot im App-Store für die Hololens sehr übersichtlich.

Mit einer für Jedermann erschwinglichen Hololens von Microsoft ist in naher Zeit nicht zu rechnen. Dafür sollen ab Frühjahr 2017 Unternehmen wie HP, Dell, Lenovo, Asus und Acer VR- und AR-Headsets anbieten, die Mixed-Reality-Anwendungen unterstützen. Diese Geräte werden laut Microsoft ab 299 US-Dollar kosten, in Verbindung mit einem Laptop oder PC funktionieren und mit dem Release des Creators-Updates von Windows 10 herauskommen. Ende Oktober hatten die Redmonder dieses als drittes Update für Windows 10 angekündigt. Es wird 3D-Erweiterungen wie Paint 3D bieten, die Darstellung von Mixed-Reality-Erfahrungen über die Windows-Holografic-Schnittstelle ermöglichen und umfassende Neuheiten für Gamer bereithalten.

Apropos Gamer: Mein Kollege Steffen hatte in China in den Testlabors von Huawei ebenfalls die Gelegenheit, die Microsoft Hololens kurz zu testen. In dem Spiel mussten mit der Tap-Geste Monster abgeschossen werden, die aus den Wänden kamen, und das von allen Seiten. Hierbei fällt das begrenzte Sichtfeld der Hololens weniger auf als gedacht, man muss sich schließlich ohnehin immer wieder umdrehen und den Kopf bewegen, um die Gegner zu suchen. Wie es für Außenstehende aussieht, wenn mit der Hololens gezockt wird, zeigt euch das folgende kurze Video.

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