Samsung Galaxy S3 Test - Teil 2. Hier geht es zur ersten Seite vom Samsung Galaxy S3 Test.
Die Vorstellung des Samsung Galaxy S3 hat Fans und Fachpresse gespalten: Der überwiegende Teil war zufrieden und feierte das Gerät als würdigen Nachfolger des Galaxy S2, ein nicht unerheblicher Teil bemängelte aber fehlende technische Innovation, die Materialwahl des Herstellers und das Design des neuen Gerätes. Wer hat recht? Das lässt sich wie so oft nicht eindeutig klären, denn gerade das Design ist Geschmackssache und über Geschmack lässt sich bekanntlich vorzüglich streiten.
Fakt ist aber, dass Samsung beim Material überhaupt nicht geknausert hat, denn mit billigem Plastik hat der verwendete Kunststoff nichts zu tun. Vielmehr stellte der Hersteller vor wenigen Wochen richtig, dass das Gehäuse des Samsung Galaxy S3 aus hochwertigem Polykarbonat besteht – ein Werkstoff, der im Alltag etwa in Motorradhelmen oder sogar in der Luftfahrt eingesetzt wird. Der Grund für diese Materialwahl wird schnell klar: Es stört keine Funkverbindungen, ist leicht und gleichzeitig bis zu 300 Mal stärker und kratzunempfindlicher als herkömmlicher Kunststoff. Tatsächlich fühlt sich das Galaxy S3 auch deutlich hochwertiger an als der Vorgänger, der häufig für die etwas billig wirkende Kunststoffrückseite getadelt wurde. Der Eindruck höherer Wertigkeit liegt beim neuen Modell aber nicht nur am Material, sondern auch an anderen Faktoren.
Durch seine runde und fließende Form liegt das Samsung Galaxy S3 trotz der gewachsenen Maße (136,6 x 70,6 x 8,6 Millimeter statt 125,3 x 66,1 x 8,5 Millimeter beim Galaxy S2) hervorragend in der Hand. Das ebenfalls leicht angestiegene Gewicht (133 Gramm statt 116 Gramm beim Galaxy S2) vermittelt jetzt den Eindruck eines soliden und hochwertigen Smartphones und der vielleicht einen Tick zu rutschige, aber sich dadurch gleichzeitig fast schon weich anfühlende Kunststoff schmeichelt in Verbindung mit der überraschend flachen Bauform richtiggehend der Hand. Im Gegensatz zum Vorgänger ist das neue Galaxy S3 übrigens durchgehend gleich dünn, das Galaxy S2 hatte noch am unteren Ende eine Verdickung – das störte zwar nicht wirklich, dadurch sieht das Galaxy S3 aber noch etwas edler aus. Auch wenn die komplette Rückseite aus einem einzigen Kunststoffteil besteht, lässt sie sich aber nirgendwo eindrücken, sondern sitzt passgenau und ohne Luft auf dem Gehäuse. An ein HTC One X oder gar ein iPhone 4(S) kommt Samsung aber trotzdem nicht ganz heran, die beiden Modelle wirken noch mehr wie aus einem Guss.
Dennoch: Wirklich enttäuscht wird man nur, sobald man beim Samsung Galaxy S3 den Akkudeckel vom Gehäuse abzieht, um Akku, microSD- oder Micro-SIM zu wechseln. Dann werden Erinnerungen an den Vorgänger Galaxy S2 wach, bei dem man die rückseitige Abdeckung mehr vom Rest des Smartphones brechen, als einfach nur lösen musste. Immerhin wirken die kleinen Kunststoffnasen, die den Deckel mit festem Griff am Gehäuse halten, nicht mehr so fragil wie früher und aus Erfahrung mit Galaxy S und Galaxy S2 weiß man inzwischen, dass die Deckel der Galaxy-S-Reihe gleichzeitig so stabil und biegsam sind, dass man eigentlich keine Angst haben muss, sie beim Öffnen zu zerbrechen. Aber Wissen und Glauben sind immer noch zwei unterschiedliche Dinge, daher dürfte Neukäufern das erste Öffnen ihres 600-Euro-Boliden trotzdem den Schweiß auf die Stirn treiben.
An der restlichen Verarbeitungsqualität gibt es nur bei übertrieben strengen Maßstäben etwas zu meckern. So sind das vordere und hintere Lausprechergrating im Chrom-Look nicht hundertprozentig akkurat in ihre Kunststofföffnungen eingesetzt und in dem winzigen Spalt zwischen umlaufendem Rahmen und Display-Einfassung könnte sich theoretisch Staub sammeln. Doch das ist in den bisherigen Testtagen nicht geschehen und die andeutungsweise schiefen Lautsprechergitter dürften nur Pedanten auffallen. Insgesamt überzeugt das Samsung Galaxy S3 daher beim Thema Verarbeitungsqualität vollauf.
Noch ein Wort zu Design und Ausehen des Galaxy S3: Das Modell wirkt in der Realität wesentlich edler als auf Fotos, denn die Wertigkeit des Samsung Galaxy S3 lässt sich nicht nur mit einem Sinn – den Augen - erkennen, sondern kann auch erfühlt werden. Diesen Eindruck hatten wir auch schon auf der Vorstellung des Gerätes in London, dort wurden wie gewohnt aber alle Ausstellungsstücke von einem klobigen Diebstahlschutz und einem kurzen Draht gegen Entwenden gesichert, wodurch der gute Ersteindruck noch nicht so ausgeprägt war wie jetzt nach einigen Testtagen. Welche der beiden Farbgebungen (Dunkelblau oder Weiß) besser aussieht, ist erneut Geschmackssache. In London hatte uns noch die (fast) schwarze Version mit ihrer matteren und mehr an gebürstetes Alu erinnernde Oberfläche besser gefallen, das glänzend-weiße Testmodell sieht in Natura aber mindestens genauso edel aus.
Einige Designelemente des Vorgängers wurden übernommen. So hat Samsung beim Galaxy S3 an Hardware-Tasten festgehalten und man findet unter dem Display wieder den mechanischen Home-Button. Rechts und links daneben sind berührungsempfindliche Sensortasten für Menü- und Zurückfunktion angebracht, deren Beleuchtungsdauer in den Einstellungen kalibriert werden kann. Da Samsung wie auch HTC die eigentlich als Software-Tasten ausgelegten Bedienelemente bei der eigenen Oberfläche entfernt hat, bietet diese Auslegung sogar einen Vorteil: mehr Platz auf dem Display.
Auch das Display des Galaxy S3 wurde im Vorfeld kritisiert. Denn im Gegensatz zum Vorgängermodell verwendet der Hersteller beim neuen Flaggschiff nur Super-AMOLED ohne den Plus-Zusatz und damit auch eine PenTile-Matrix. Die sorgt im Vergleich zur RGB-Matrix durch eine geringere Anzahl an Subpixel dafür, dass ein leichtes Punktraster sichtbar ist und starke Kontrastgrenzen und Schrift leicht ausfransen – kurz: Die Bildschärfe sinkt. Tatsächlich ist davon beim riesigen 4,8-Zoll-Touchscreen des Samsung Galaxy S3 kaum etwas zu sehen, denn die hohe Auflösung von 1.280x720 Pixel verhindert eine offensichtliche Aufpixelung. Nur wenn man das Gerät sehr dicht vor die Augen hält, sind die beschriebenen Nachteile zu erkennen - doch wer macht das schon?
Einzelne Pixel lassen sich trotz PenTile-Matrix wegen der hohen Auflösung nur in Nahaufnahme erkennen.
Stattdessen überzeugt das Samsung Galaxy S3 mit auf Wunsch satten Farben, deren Intensität in vier Stufen angepasst werden kann, und guter Ablesbarkeit auch bei spitzen Blickwinkeln. Die Helligkeit des Galaxy-S3-Displays ist ausreichend, Bestwerte wie ein Sony Xperia P mit seinem White-Magic-Screen liefert es allerdings nicht. Im Alltag störte die etwas niedrigere Leuchtkraft als bei einem unserer Galaxy S2 (das andere war etwa genauso hell) im Test wie bei fast allen Handys aber erst im direkten Sonnenlicht. Die automatische Helligkeitsanpassung soll offenbar beim Stromsparen helfen und fällt für unseren Geschmack etwas zu dunkel aus.
Weiter mit Teil 2: Kamera, Musik und Multimedia. Samsung hat den fast perfekten ersatz für Bluerey-Player und Co. geschaffen.