Nokia Lumia 900 Test - Teil 3. Hier geht es zur ersten Seite vom Nokia Lumia 900 Test.
Kameratechnisch setzt Nokia beim Lumia 900 im Test auf eine 8-Megapixel-Optik von Carl Zeiss im Tessar-Aufbau – das war auch schon beim Lumia 800 so, dort sorgte diese Zusammenstellung aber im direkten Vergleich mit anderen Geräten der gleichen Pixelzahl nur für mittelmäßige Bilder, die noch dazu durch einen deutlichen Grünstich auffielen.
Der Grünstich fehlt beim Lumia 900 zum Glück, Farben und Bildschärfe gefallen, ohne überzeichnet zu wirken. Leider verhagelt die unzureichende Bilddynamik den guten Gesamteindruck, die dunklere Bildinhalte viel zu düster und helle Bereiche stark überstrahlt darstellt. Hier würde eine HDR-Funktion sicherlich für Besserung sorgen, doch die fehlt – bei Optionsvielfalt und Geschwindigkeit der Kamera kann das Windows Phone Lumia 900 im Test nicht mit den modernen Knipsen von HTC One X oder Samsung Galaxy S3 mithalten. Das gilt bei Videos vor allem wegen der auf 720p begrenzten Auflösung, zusätzlich reagiert der kontinuierliche Autofokus bisweilen sehr langsam, was zu sekundenlanger Unschärfe führen kann. Ansonsten ist die Bild und auch die Tonqualität gut.
Musik kommt wie gewohnt nur über die Zune-Software auf das Lumia 900, mehr als etwa 13 Gigabyte schluckt das Gerät aber nicht. Denn von den 16 Gigabyte internem Speicher werden die restlichen 3 Gigabyte vom System belegt und Speicherkarten lassen sich dank der restriktiven Vorgaben von Microsoft bei Windows Phones nicht verwenden - das ändert sich erst mit Version 8. Außerdem fehlt wie immer bei Windows Phones ein Equalizer, Klang-Presets stehen auch nicht zur Verfügung – das schmälert den persönlichen Musikgenuss ungemein. Erschwerend kommt hinzu, dass Nokia ein viel zu billiges und kraftloses Headset in den Lieferkarton legt, das ist völlig unverständlich bei einer UVP des Lumia 900 von stolzen 579 Euro. Ein Tausch ist lnagfristig beinahe zwingend nötig.
Das beiliegende Headset reicht immerhin, um etwa die Funktionen von Nokia Music und dem Mix Radio auszuprobieren. Der Dienst läuft derzeit auf dem Nokia Lumia 800, Lumia 710, Lumia 610 und Lumia 900 und erlaubt den Zugriff auf mehr als 15 Millionen Titel über verschiedene Musik-Kanäle. Eine Registrierung ist dazu nicht erforderlich. Die Musik-Streams können entweder nach vorgegebenen Genres oder nach persönlichen Vorlieben ausgewählt werden. Zu den vorgefertigten Kanälen zählen klassische Genres wie Rock, Pop, Hip Hop oder Neuerscheinungen mit zahlreichen Unterkategorien, aber auch Themenspecials wie EM-Mixe, Party-Songs oder Compilations angesagter Künstler, jeweils mit 50-200 Musiktiteln. Außerdem bietet der Dienst auch landesspezifische Inhalte an, die von regionalen Redaktionen tagesaktuell bereitgestellt werden.
Möchte der Nutzer lieber Titel seiner Lieblingskünstler hören, kann er bis zu drei Bands oder Einzelkünstler auswählen. Dann wird ein personalisierter Stream auf Basis dieser Auswahl zusammengestellt. Das funktioniert mit bis zu vier Streams auch offline, eine dauerhafte Online-Verbindung ist dann nicht notwendig. Titel, die den Nutzern gefallen, können direkt aus der Anwendung heraus im Nokia Music Store gekauft und dauerhaft der eigenen Musik-Bibliothek hinzugefügt werden. Anders als bei ähnlichen Angeboten wie LastFM auf dem PC können nur bis zu sechs Titel pro Stunde übersprungen werden – diese Einschränkung gilt auch für Offline-Titel und hängt nach Aussagen von Nokia-Mitarbeitern mit den Rechteinhabern zusammen. Außerdem kann der Sound von Mix Radio nicht angepasst werden, da kein Zugriff auf Presets oder einen Equalizer besteht – schade, denn die Qualität ist ohnehin schon nicht gerade glasklar, auch wenn sie für unterwegs auf jeden Fall ausreichen dürfte. Insgesamt ist Mix Radio für Musikfans – eine ordentliche Datenflat vorausgesetzt - absolut klasse, ein vergleichbares kostenloses Angebot gibt es derzeit für Smartphones nicht.
Schade, dass es so eine Funktion wie das geniale und kostenfreie Internet-Radio von Nokia nicht auch für Filme gibt. So muss man für Videos immer noch selbst sorgen – die sehen dafür auf dem großen Display trotz der vergleichsweise niedrigen Auflösung von 800x480 Pixel gut aus. Außerdem kann das meist zwingend nötige, automatische Konvertieren von Dateien in ein kompatibles Format durch Zune auch ganz schön dauern. Mehr abspielbare Codecs würden das bessern.