Asus PadFone Test - Teil 2. Hier geht es zur ersten Seite vom Asus PadFone Test.
Das Padfone lässt sich schwer in eine Kategorie drängen. Ist es ein Smartphone oder doch eher ein Tablet? Presst man es in die Smartphone-Kategorie, wird zwangsläufig der Tablet-Aspekt vernachlässigt. Bewertet man das Gerät nur als Tablet, wird man ihm ebenso wenig gerecht, schließlich würden dann konstruktionsbedingte Nachteile wie Dicke und Gewicht viel zu negativ gewertet. Daher haben wir uns für eine zweigeteilte Lösung entschieden: Es gibt eine Wertung als Smartphone und eine als Tablet - gemeinsam in einem Test. Daraus ergbit sich eine modifizierte Gesamtwertung.
Ein Spitzen-Smartphone kostet locker 500 Euro oder mehr, ein entsprechendes Tablet noch einmal den gleichen Preis. Das entspricht mal eben zwei Monatsmieten, dabei ist ein Tablet eigentlich immer noch nur ein zusätzliches Spielzeug - nett und praktisch unter gewissen Umständen zwar, aber zu leistungsschwach, um als Laptop-Ersatz zu dienen. Und wer so ein Gerät auch unterwegs nutzen will, muss entweder auf stromfressendes Tethering über sein Smartphone zurückgreifen oder einen zweiten Mobilfunkvertrag abschließen. Oder natürlich ständig die SIM-Karte wechseln, aber das ist auf Dauer viel zu umständlich. Asus verfolgt daher mit dem Padfone einen anderen Weg.
Die Idee dahinter ist einfach: Man nehme ein leistungsstarkes Smartphone und entwerfe dazu ein passendes Dock mit großem Display und Zusatzakku, in das man das Smartphone stecken kann. Die Rechenleistung liefert dann weiterhin das Smartphone, die Darstellung erfolgt aber wie von anderen Tablets gewohnt auf 10,1 Zoll Display-Diagonale. Und das ganze kostet dann zusammen nur 700 statt 1.000 Euro. Genial? Auf jeden Fall, aber natürlich muss man auch mit – zum Glück nur ein paar wenigen - Einschränkungen leben. Etwa bei Dicke und Gewicht des Tablets.
Der Grund, warum Asus das Padfone zumindest vorerst nur im Bundle mit dem Tablet-Dock anbietet, ist ganz einfach: Als alleiniges Smartphone ist das Gerät hinsichtlich seiner Features schlichtweg zu durchschnittlich und würde wohl auf dem riesigen Markt an Android-Geräten einfach in der Masse untergehen. Und auch äußerlich erfindet Asus das Smartphone nicht neu. Die Front wird vom 4,3 Zoll großen Display dominiert, und durch das Fehlen von Hardware-Tasten und wegen des schicken Metallrahmens, der sich rings um das Gehäuse zieht, wirkt das Gerät edel und wertig. Die Metalltasten, die auf der rechten und oberen Seite des Smartphones aus dem Rahmen lugen, betonen den guten Eindruck weiter.
Die Rückseite des Modells trumpft im Vergleich zur schlichten Front durchaus mit einer gewissen Extravaganz auf, kann aber dem erfreulichen Ersteindruck bei genauerer Untersuchung nicht standhalten. Der Akkudeckel besteht aus einem einzigen großen hellbraunen Kunststoffteil, in das von der Kameralinse ausgehend feine konzentrische Kreise eingraviert sind. Das erinnert an die äußerst edle Verzierung des Transformer Prime und verleiht dem Gehäuse des Padfone auch eine hervorragende Griffigkeit. Allerdings spürt – und hört - man schon beim ersten Drüberstreichen mit dem Daumen ganz klar, dass hier nur einfacher Kunststoff und kein Metall zum Einsatz kommt. Hinzu kommen bei unserem Testmodell leicht unregelmäßige Spaltmaße zwischen Rahmen und Akkudeckel – das verhagelt den edlen Gesamteindruck weiter, auch wenn es zu keinem Zeitpunkt die Funktion einschränkt.
Optische Abstriche muss das Padfone auch für die beiden klaffenden Löcher auf der linken Gehäuseseite hinnehmen, in denen sich Micro-USB- und Micro-HDMI-Anschluss verbergen. Da kann man schon mal beim Versuch, das Smartphone an das Ladegerät anzustöpseln, den falschen Eingang wählen. Ohne den Einsatz von Gewalt geht dabei aber zum Glück nichts kaputt. Eine Abdeckung hätte nicht nur dem Design gutgetan, wäre aber beim Einstecken des Gerätes in das Tablet-Dock hinderlich – einer der kleinen Nachteile wegen der Auslegung als 2-in-1-Gerät. Bei den Messdaten bietet das Padfone hingegen Standard-Kost: Es ist bis zu 9,2 Millimeter dick und wiegt 129 Gramm. Das geht in Ordnung, ohne Bestwerte zu bieten.
Es wurde zu Beginn bereits angesprochen: Als Tablet ist das Padfone schwerer und dicker als Android-Tablets gleicher Display-Diagonale. Das merkt man schon beim ersten Anfassen des Geräts. Allein das Tablet-Dock wiegt 724 Gramm, hinzu kommen die 129 Gramm für das Handy – mit 853 Gramm ist das Padfone in der Tablet-Konfiguration der Sumo-Ringer unter den elektronischen Surfbrettern. Der Vergleich passt auch bei einem Blick auf die Dicke des Geräts: 13,55 Millimeter gibt Asus als durchschnittliche Bautiefe an – offenbar traut sich der Hersteller selbst nicht, die maximale Dicke zu benennen. Denn dort, wo das Smartphone in das Tablet-Dock gesteckt wird ist das Tablet noch einmal bauchiger als der angegebene Wert – und zwar satte 18,3 Millimeter. Zum Vergleich: Das Asus Transformer Prime kommt auf 8,3 Millimeter und 586 Gramm – trotz schicker Metallrückseite.
An der Verarbeitung gibt es im Gegensatz zum Smartphone nichts auszusetzen, lediglich der Mechanismus, mit dem man das Smartphone bei Bedarf wieder aus dem Tablet gedrückt wird, wirkt wegen der dünnen Plastikscharniere nicht sehr langlebig. Da hat man schon fast Angst, etwas abzubrechen, im Test führte das aber zu keinen Problemen. Ansonsten findet man keine Unregelmäßigkeiten. Das Softtouch-Material, das große Teile der Rückseite bedeckt, fühlt sich angenehm an und verleiht dem Tablet gute Griffigkeit. Lediglich die Abdeckung des Smartphone-Schachtes ist wie die Rückseite das Handys wieder aus einfachem Kunststoff und zeigt die gleichen konzentrischen Kreise um die Kameralinse. Und – wer hätte es gedacht – fühlt sich wieder etwas zu billig an. Beim Tablet stört das aber weniger, denn dort fasst man das Tablet selten an.
Am Design gibt es – bis auf den pummeligen Gesamteindruck - auch wenig auszusetzen, lediglich die schmalen Fake-Lautsprecher an den kürzeren Seiten des Displays wirken etwas billig, sobald man erkennt, dass sich der echte Monolautsprecher auf der Rückseite befindet. Offenbar brauchte man den Zusatzplatz und das Tablet musste über das Display hinaus in die Breite wachsen.
Auffällig sind sonst nur die beiden Halteöffnungen seitlich des mittig platzierten 40-Pin-Ports von Asus an der Unterseite des Tablets, mit deren Hilfe sich das zusätzlich erhältliche und schon von den Transformer-Modellen bekannte Tastatur-Dock Halt verschafft. Darüber wird das Padfone dann auch über zusätzliche Anschlussmöglichkeiten und Features wie SD-Kartenleser, HDMI-Ausgang und das Touchpad als Maus-Ersatz verfügen. Und über einen weiteren Akku. Dann wird das Tablet-Dock über den Tastatur-Akku geladen und das Smartphone über den Tablet-Akku. Das Tablet-Dock verfügt nur über einen 3,5-Millimeter-Anschluss für Kopfhörer.
4,3 Zoll misst das von kratzfestem Gorilla-Glas geschützte Super-AMOLED-Display des Padfone. Die Auflösung beträgt 960x540 Pixel, da bietet die Konkurrenz schon deutlich mehr und verweist das Asus-Gerät eher ins obere Mittelfeld. Denn durch die Verwendung einer PenTile-Matrix zeigt das Display bei genauerer Betrachtung das typische Punktraster und die Schrift franst leicht aus. Im Alltag werden allerdings eher der für AMOLED-Displays typisch hervorragende Schwarzwert und die intensive Farbsättigung auffallen.
Noch weniger gibt es am 10,1 Zoll großen Display auszusetzen. Es wird ebenfalls durch Gorilla-Glas geschützt, das darüber hinaus noch mit einem HCLR-Film gegen Fingerabdrücke gekrönt wird – mit mäßigem Erfolg. Denn die Fett-Tapser nehmen wie auf jedem Tablet mit der Zeit überhand, auch wenn sie die Bedienung nicht einschränken. Die Auflösung von 1.280x800 Pixel macht erneut deutlich, dass das Padfone nicht das oberste Ende der Technik-Skala anpeilt, sondern sich im oberen Mittelfeld wohlfühlt. Das neue iPad oder das Infinity Pad von Asus machen das nämlich deutlich schärfer vor, dennoch geht die WXGA-Auflösung des Padfone-Tablets voll in Ordnung. Das gilt auch für Helligkeit, Blickwinkel und Spiegelung der Oberfläche.