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Autor: Stefan Schomberg 18.07.2014 - 13:38 | 12

OnePlus One Testbericht

Tops und Flops
  • Tops
  • Schickes, eigenständiges Design
  • Sehr gutes Display
  • Strammer Akku
  • Sehr schnelle Bediengeschwindigkeit
  • Megascharfe Kamera
  • Hammer-Preis!
  • CyanogenMod mit praktischen Erweiterungen
  • Flops
  • Nicht frei Verfügbar (Invites)

OnePlus One Test: Fast zu schön, um wahr zu sein

Eines hat das chinesische Start-up schon mal geschafft: Es hat unter Smartphone-Fans einen regelrechten Hype um das bislang kaum erhältliche Android-Handy mit dem Namen One erzeugt. Doch wer zu sehr auf die Pauke haut, muss damit rechnen, dass er die geweckten Erwartungen am Ende nicht erfüllen kann und die Nutzer enttäuscht. Wir klären im Test des OnePlus One, ob das China-Handy seinem Versprechen als preisgünstiger "Flaggschiff-Killer" gerecht wird.

Gehäuse-Design und -Verarbeitung

Bislang ist das OnePlus One kaum zu bekommen. Nur wer einen der raren Invites bekommt, kann das Android-Smartphone im Online-Shop des Herstellers bestellen. Ob oder wann das OnePlus One ist größerer Stückzahl auf Lager sein und frei wie andere Handys verkauft wird, ist nicht bekannt. Das hat bislang für ordentlich Frust unter den Interessenten an dem Gerät gesorgt.

OnePlus One Unboxing | (c) Areamobile

Im Test: OnePlus One

OnePlus One Unboxing | (c) Areamobile

Da hat niemand vorher dran rumgegrabbelt!

OnePlus One Unboxing | (c) Areamobile

Schlicht und schick | (c) AM

 

Das Handy an sich bietet jedoch kaum eine Angriffsfläche für Kritik. Im Gegenteil. Schon der Inhalt des Lieferkartons ist hochwertig: Da kommt ein Karton zum Kunden, der mittels eines integrierten Bands aufgerissen werden will und zeigt, dass niemand zuvor dieses Gerät in der Hand hatte. Dann blickt man auf ein schickes rotes USB-Flachkabel mit ausgefallenem USB-Anschluss, das Ladegerät ist einzeln verpackt und das Miniwerkzeug, mit dem man den SIM-Schlitten aus dem Gehäuse lockt, ist geschickt in einen winzigen Schlüsselanhänger integriert, so dass man es immer dabei hat - sinnvoll und darum genial. Nur ein Headset sucht man vergeblich: Das kennt man schon vom Google Nexus 5, das zu einem ähnlichen Preis erhältlich ist.

OnePlus One Unboxing | (c) Areamobile

Sehr gute Verarbeitung, SIM-Schacht per Werkzeug

OnePlus One Unboxing | (c) Areamobile

Design-Element: Zurückspringender Chromrahmen

OnePlus One Unboxing | (c) Areamobile

Sieht nicht aufregend aus, ist aber grandios | (c) Areamobile

 

Die Verarbeitung des OnePlus One im Test ist ebenfalls auf Spitzenniveau. Der SIM-Schlitten ist fast perfekt integriert, die wenigen Tasten stehen minimal aus dem Gehäuse hervor, sind dennoch halbwegs vernünftig zu erfühlen und weisen sehr gute Druckpunkte und knackigen Tastenhub auf. Spaltmaße gibt es nicht - kein Wunder, schließlich lässt sich die Rückseite nicht abnehmen. Beim Design hat sich der neue Hersteller außerdem richtig Mühe gegeben. Rings um die Gehäusefront des One zieht sich ein chromglänzender Rahmen. Der ist zwar aus Kunststoff, sieht aber gut aus. Denn OnePlus kombiniert ihn mit einem anderen Designelement. Die eigentliche Front samt Display, Sensoren, Benachrichtigungs-LED, Frontkamera und Telefonielautsprecher ist in einen filigranen schwarzen Kunststoffrahmen eingefasst und wirkt fast wie eine Schicht, die etwas kleiner als das ganze Gehäuse ausgefallen ist. Dadurch entsteht eine winzige Stufe und der Chromrahmen kommt darunter zum Vorschein.

OnePlus One Unboxing | (c) Areamobile

Aus der Nähe sieht man die raue, Sandpapier-artige Oberflächenstruktur der Rückseite | (c) AM

Noch mehr hat sich das junge Unternehmen für die Rückseite des One einfallen lassen. Es gibt zwei Versionen - die 64-GB-Version in unserem Test kommt in Farbe und Design Sandstone Black. Erwähnenswert ist nicht die Farbe, sondern das Material der Rückseite. Denn passend zum Namen fühlt sie sich wie feines Sandpapier an. Das ist einfach mal ein völlig vom Einheitsbrei der sonstigen Smartphones abweichendes Nutzerempfinden. Da dürfte sich der ein- oder andere Heimwerker versucht fühlen, die kleine Unebenheit am Schlafzimmerschrank mal eben mit dem OnePlus One wegzuschmirgeln. Abseits solcher Zweckentfremdung bietet die Rückseite mit ihrer rauen Oberfläche aber vor allem Extravaganz und sehr guten Gripp. Schmutz sammelt sich zwar schon mal darauf an, ließ sich im Test aber entgegen anderer Befürchtungen wieder gut abreiben. Fraglich bleibt daher nur, wie langlebig diese Oberfläche ist. Einen kleinen Makel gibt es vielleicht doch noch: Das Gerät wiegt 162 Gramm und misst immerhin 8,9 Millimeter. Das ist weder leicht noch ultraflach. Durch seine angenehmen Rundungen liegt es aber trotzdem sehr gut in der Hand. Der Akkudeckel des OnePlus One ist übrigens nicht zum Abnehmen gedacht, auch wenn es funktionieren soll. Ohne Kratzer dürfte das aber nur schwerlich klappen.

Display-Größe und -Qualität

OnePlus One Unboxing | (c) Areamobile

Display-Schärfe | (c) AM

Das Display des OnePlus One ist einer der besten Handy-Bildschirme, die wir in der letzten Zeit getestet haben. Zwar kommt hier keine 2k-Auflösung wie etwa beim LG G3 zum Einsatz, allerdings hatten wir dort ja auch schon festgestellt, dass das des Guten zu viel ist auf einem so kleinen Display - zumindest, wenn es dann wie beim G3 teilweise nicht flüssig läuft. Beim Display des OnePlus One setzt der Hersteller auf Full-HD-Auflösung, also 1.920 x 1.080 Pixel. Damit bietet es knapp über 400 Pixel pro Zoll und folglich ein absolut scharfes Nutzererlebnis. Darüber hinaus kann sich die Helligkeit von 388 Candela pro Quadratmeter durchaus sehen - besser macht es zwar etwa ein iPhone 5S, das kostet aber auch mal eben das Doppelte.

Die Blickwinkelstabilität des Displays des OnePlus One im Test ist hervorragend, sie wird derzeit fast nur von AMOLED-Modellen geschlagen. Bei der Messung der Grautreppe liegen die Delta-E-Farbabweichungen im Schnitt wenig über 10 und sind damit auf Augenhöhe mit doppelt so teuren Spitzenmodellen. Insgesamt wird hier zu viel Blau und zu wenig Rot beigemischt. Herauszuheben ist die Helligkeitsverteilung, die über den gesamten Grautreppenverlauf nahe am Optimum liegt - näher als bei der Konkurrenz. Das gilt auch für den Gammaverlauf, der beim Display-Test des OnePlus One im Schnitt nur bei 2,27 und damit fast beim Optimum von 2,2 liegt.

Display-Messungen | (c) areamobile

Grautreppe | (c) areamobile

Display-Messungen | (c) areamobile

Primär- und Sekundärfarben | (c) areamobile

Bei der Farbmessung gibt es die größten, wenn auch nicht gravierenden Abweichungen bei Rot und Magenta, tendenziell ist ein eher etwas zu warmer und leicht gelblicher Farbton zu sehen. Außerdem fällt auf, dass der sRGB-Farbraum zwar weitestgehend abgedeckt, aber im Bereich von Grün etwas beschnitten wird. Die Darstellung lässt sich allerdings minimal mit einem vorinstallierten Tool beeinflussen, dann kommt man auch auf einen leicht höheren Kontrast als die in der Normaleinstellungen gemessenen und wenig beeindruckenden 605:1. Die Farbeinstellungen sind aber zu rudimentär, als dass sie die Messwerte sinnvoll beeinflussen könnten. OnePlus will das demnächst per Update ausweiten. Die automatische Helligkeitsregulierung ist für unseren Geschmack deutlich zu dunkel.

Die in Foren kritisierten Gelbstiche des Display des OnePlus One können wir bei unserem Testgerät ebenfalls beobachten. Am (im Hochformat) unteren Display-Rand sieht man einen leichten Gelbverlauf, der allerdings nur bei weißem Hintergrund und gezielter Aufmerksamkeit auffällt. Dabei soll es sich wie damals beim iPhone um nicht ausgehärteten Kleber handeln, das Phänomen soll angeblich nach wenigen Tagen verschwinden. Generell ist CyanogenMod auf einen wärmeren (sprich: gelblichen) Farbton ausgelegt und es wurden angeblich aus der Produktion bewusst Displays mit wärmerem Farbton gewählt.

[UPDATE 21.08.2014]: Der Gelbstich des Displays am unteren Rand ist besser geworden, aber immer noch nicht ganz weg. Die Besserung betrifft Farbintensität und Ausdehnung - jetzt sind es noch etwa 3 oder 4 Millimeter vom unteren Rand über die gesamte Breite und die Verfärbung ist kaum mehr zu sehen.

Display-Messungen | (c) areamobile

Farbverlauf Grautreppe | (c) areamobile

Display-Messungen | (c) areamobile

CIE-Farbraum

Display-Blickwinkel OnePLus One | (c) areamobile

Display-Blickwinkel OnePLus One | (c) AM

 

System: Hardware, Software und Bedienung

Da kommt ein neuer und unbekannter Hersteller aus China und baut ein Smartphone, dessen Hardware besser als die der etablierten Konkurrenz ist. Wie geht denn das? Klar, einen Snapdragon 801 haben auch Granaten wie das Samsung Galaxy S5, HTC One M8 oder das Sony Xperia Z2. Doch teilweise ist der dort niedriger getaktet oder kommt mit weniger RAM. Dazu der interne Speicher. Beim OnePlus One gibt es 64 GB, der Rest wird in Deutschland mit 16 oder 32 GB verkauft. Dafür schluckt das China-One keine Speicherkarten - aber bei einem Preis von knapp 300 Euro kann man das verschmerzen. Denn die genannte Konkurrenz kostet gut das Doppelte.

OnePlus One Unboxing | (c) Areamobile

Auf den ersten Blick gibt es...

OnePlus One Unboxing | (c) Areamobile

...wenig Unterschiede zu...

OnePlus One Unboxing | (c) Areamobile

...Standard-Android | (c) AM

 

Klartext: Der Snapdragon 801 mit 2,5 GHz, Adreno 330 und 3 GB RAM bringt richtig Leben in die Bude! Das Smartphone rennt damit, dass es eine wahre Wonne ist. HTC One M8 oder auch (inzwischen) dem Sony Xperia Z2 ist es damit absolut ebenbürtig, als Vergleich wäre wohl ein Google Nexus 5 am treffendsten. Ein Samsung Galaxy S5 ist im direkten Vergleich im Alltag immer noch etwas ruckeliger - sofern man auch da überhaupt von "ruckelig" sprechen kann. Um es mit den poetischen Worten von Detlef D. Soost zu sagen: "Das ist so tight, dass es burnt!" Zum Glück nur im übertragenen Sinne, denn übermäßig heiß wird das OnePlus One auch bei starker Forderung nicht. Gerade einmal lauwarm wird es dem Gerät um die Kamera nach einer Partie Asphalt 8.

Die sehr gute Leistung des OnePlus One im Test setzt sich in Benchmarks fort. Denn in unserer ewigen Bestenliste, in der die Benchmark-Ergebnisse aller Testgeräte zum Testzeitpunkt vermerkt sind, belegt das OnePlus One knapp den zweiten Platz hinter dem Samsung Galaxy Note 3. Bei Antutu (36.650 Punkte) und Vellamo Metal (1.659 Punkte) liegt es sogar auf dem ersten Rang, in den anderen Testprogrammen liegt es knapp hinter Leistungsprotzen wie dem HTC One M8 oder Samsung Galaxy Note 3 oder Samsung Galaxy S5.

OnePLus One Screenshot | (c) areamobile

Benachrichtigungskeiste mit Designpaket

OnePLus One Screenshot | (c) areamobile

Sensortasten sind belegbar

OnePLus One Screenshot | (c) areamobile

Viele Einstellungsmöglichkeiten des Lockscreens | (c) AM

 
OnePLus One Screenshot | (c) areamobile

Optisch stark anpassbar | (c) AM

Ein Grund für die extrem hohe Geschwindigkeit bei der Darstellung dürfte neben der starken Hardware auch die Software sein. Nachdem Konkurrent Oppo bereits beim N1 auf CyanogenMod als Oberfläche setzte, hat nun auch OnePlus beim One diesen Weg eingeschlagen und Version 11.0 installiert, das auf Android 4.4 Kitkat setzt. Und das tut dem Gerät richtig gut. Denn im Gegensatz zu originalem Android sind die Veränderungen nicht zu groß, aber durchaus sinnvoll und clever. Das fängt mit dem Lockscreen an, der per Doppeltipp zuverlässig aufgeweckt werden kann, geht dort mit der Möglichkeit weiter, die Kamera einfach mit einem seitlichen Wisch zu aktivieren und endet damit, die drei Sensortasten unter dem Display bei gesperrtem Bildschirm mit Zusatzbelegungen versehen zu können. Dann kann man das Display etwa nicht nur per Wischbewegung entsperren, sondern durch einen Tipp auf die Home-Taste oder durch langes Drücken der Menütaste etwa die Taschenlampe aktivieren oder den Klingelmodus ändern. Wer Sensor-Tasten unter dem Display nicht mag, deaktiviert diese einfach, um die von Android gewohnten On-Screen-Tasten zu verwenden. Auch der Musikplayer kann so bedient werden - leider nur bei aktiviertem Display, dann werden dafür aber ohnehin Icons eingeblendet. Das klappt bei deaktiviertem Display aber auch über die Lautstärkewippe.

Weitere Highlights sind die Helligkeitsanpassung des Displays, indem man horizontal über die Statusleiste streicht, oder der Wechsel in den Standby, indem man doppelt auf die Statusleiste tippt. Ebenfalls enthalten: Der Modus "Ruhige Stunden", mit dem sich ein Zeitfenster einrichten lässt, in dem das Smartphone auch im eingeschalteten Zustand keine Töne von sich gibt. Ausnahmen lassen sich natürlich festlegen, insgesamt hat man viele Einstellungsmöglichkeiten. Das gilt für das ganze Gerät - hier gibt es wenig, was sich nicht den persönlichen Vorlieben anpassen ließe. Wahnsinn - wenn man bedenkt, dass CyanogenMod ursprünglich ein Hobbyprojekt eines einzelnen Entwicklers war.

OnePLus One Screenshot | (c) areamobile

Störungsfreie Zeiten

OnePLus One Screenshot | (c) areamobile

Display-Einstellungen

OnePLus One Screenshot | (c) areamobile

Manuelle Anpassungen des Displays | (c) areamobile

 

Bei der restlichen Hardware kleckert der Hersteller auch nicht. WLAN b/g/n/ac, Bluetooth 4.0, außerdem UMTS mit HSPA+ und LTE Cat-4 - das ist schon ordentlich. Allerdings fehlt für Deutschland das Frequenzband um 800 MHz, entsprechend müssen Telekom- und Vodafone-Kunden auf dem platten Land auf LTE sowie O2-Kunden ganz auf LTE mit dem OnePLus One verzichten. NFC sowie GPS und Glonass sind ebenfalls integriert, Bewegungsmesser, Gyroskop, Näherungs- und Umgebungslichtsensor auch.

Multimedia: Kamera, Musik und Speicher

Die Hauptkamera des OnePlus One im Test schafft 13 Megapixel und wird von einem Dual-LED-Blitz unterstützt, der dank vorinstallierter Taschenlampen-App oder bei Videos auch als Dauerlicht fungieren kann. Vorne wartet ein Modul mit 5 Megapixel auf Nutzung, sie dürfte vorwiegend für Selfies, also Aufnahmen von sich selbst genutzt werden. Dabei ist die Qualität der Frontoptik besser als die Hauptkamera so manchen  Mittelklassegeräts. Spielereien der Konkurrenz wie Weichzeichner für das Gesicht gibt es dabei nicht, das chinesische One zeigt die Zeichen der Zeit mit jedem Grübchen und Fältchen gnadenlos scharf auf. Ein Kreis um erkannte Gesichter zeigt die funktionierende Gesichtserkennung, das Gerät stellt darauf automatisch scharf. Videos kann die Frontcam mit 720p aufnehmen, sogar im Zeitraffer. Fotos lassen sich dann über den Touchscreen oder bequem mit dem seitlichen Power-Knopf auslösen. Die Bilddynamik ist bei der Frontkamera sichtbar schlechter als bei der Hauptkamera, sollte aber für Selfies kein Problem darstellen.

OnePLus One Originalaufnahme | (c) areamobile

OnePLus One Originalaufnahme | (c) areamobile

Die Hauptkamera des OnePlus One verrichtet im Test ihre Aufgabe sehr gut. Schärfe und Detailreichtum sind beeindruckend, so müssen 13 Megapixel aussehen! Farben werden ausreichend realistisch aufgenommen, Bildrauschen bewegt sich in normalen Bahnen. Lediglich die Bilddynamik kann nicht ganz die Erwartungen erfüllen, denn wie immer werden helle, aber konturierte Flächen schnell zu einem Einheitsweiß. Hier könnte eine ordentliche HDR-Funktion Abhilfe schaffen, doch leider unterstützt das OnePlus One genau dieses Feature nicht - schade, das passt gar nicht zu dem guten Bild, das CyanogenMod 11 ansonsten macht. Bei Videos kann das Gerät das zum Glück wieder etwas ausgleichen - bei der Bildqualität zumindest. Sie entspricht dabei der Leistung bei Fotos, wirkt also sehr scharf, allerdings kommen auch hier die Nachteile der zu gering ausgeprägten Bilddynamik erneut zum tragen.

Die Kamera sehen wir trotz der an sich guten Qualität trotz allem als größte Baustelle im OnePlus One. Denn irgendwie scheint die Software hier noch nicht ganz ausgereift. So ist der Ton bei Videos viel zu leise und auch etwas blechern, außerdem passierte es einmal, dass ein Video in 1.080p zwar richtig aufgenommen und auf dem Gerät auch so abgespielt, auf dem PC aber auch mit verschiedenen Playern auf dem Kopf abgespielt wurde. Weitere Videos in anderen Auflösungen wurden wieder richtig aufgezeichnet, weitere Full-HD-Testvideos ebenfalls. Was wie ein schlechter Witz klingt und Manager von Konkurrenzprodukten spontane Lachanfälle abringt, dürfte Käufern des Gerätes wenig gefallen, denn ohne entsprechende Bearbeitungs-Software ist die Urlaubserinnerung dann unbrauchbar. Immerhin sollten beide Probleme per Update behoben werden können, auf Android L basierende neue Software ist für das Gerät schließlich auch schon angekündigt, und einen schwerer zu behebenden Hardware-Fehler des OnePlus One schließen wir vorerst aus.

OnePLus One Originalaufnahme | (c) areamobile

OnePLus One Originalaufnahme | (c) areamobile

An anderer Stelle läuft auch nicht alles rund. Gerade geknipste Fotos werden kurz in der oberen rechten Display-Ecke als winziges Thumbnail eingeblendet und verschwinden dann viel zu schnell wieder, um sie bequem anklicken und betrachten zu können. Das funktioniert aber auch per Wischgeste vom rechten Bildschirmrand aus, wobei das ganze Sucherfenster weggeschoben wird. Aufgenommene Videos werden hingegen nicht als Thumbnail angezeigt. Auch wenig praktisch gelöst: Bei Zeitrafferaufnahmen können Intervalle von 0,5 Sekunden bis zu 24 Stunden eingestellt werden, die nimmt das Smartphone dann sogar in Full-HD auf. Diese Intervalle lassen sich aber nur bei eingeschaltetem Zeitraffermodus einrichten - geschenkt. Wesentlich unpraktischer ist hingegen der Umstand, dass beim Zeitlupen- oder HFR-Modus (High Frame Rate) zwar die Wahl zwischen 60 und 120 Bildern pro Sekunde besteht, aber nur 60 FPS auch in Full-HD genutzt werden können. 120 Frames lassen sich dann zwar einstellen, sobald man jedoch auf den Auslöser für Videos drückt erscheint nur der (ebenfalls zu kurz) eingeblendete Hinweis, dass diese Funktion nicht in der genutzten Auflösung zur Verfügung steht. Eine Frage, ob umgeschaltet werden soll oder gar ein automatisches Umschalten erfolgt nicht.

Letztendlich sind das Kleinigkeiten, die auch schnell mit einem Software-Update zu beheben wären - falls der Hersteller das für nötig erachtet. Einige Nutzer wird ohnehin der Umstand mehr erfreuen, dass man zwischen 3 Video- (H-263, H.264 und MPEG 4) und 2 Audiocodecs (AAC und AMR-NB) wählen darf und außerdem Videos mit bis zu 3.840 x 2.160 (4K UHD) und sogar 4.096 x 2.160 (4K DCI, Digital Cinema Initiatives) drehen kann.

Musik ist mit dem OnePlus One so eine Sache. Denn direkt aus der Box ist das Gerät dafür nicht zu gebrauchen. Warum? Einfach weil kein Headset dabei ist. Macht nix, werden viele Leser jetzt sagen - ich habe eh vernünftige Kopfhörer zuhause und würde ein beiliegendes Headset nicht nutzen. Möglich, aber davon kann man nun mal nicht ausgehen - gerade Käufer günstigerer Geräte wie dem OnePlus One haben das nicht zwingend und die können eben dann unterwegs keine Musik hören und müssen erst Equipment kaufen. Andererseits kann man auch argumentieren, dass man gerade bei einem günstigen Modell kein beiliegendes Headset erwarten kann - Google hat es mit dem Nexus 5 bereits vorgemacht. Da treffen dann aber wohl zwei Fronten aufeinander, die sich nicht so schnell einigen können werden. Uns stört das zumindest.

OnePLus One Screenshot | (c) areamobile

Schicker Lockscreen bei Musik

OnePLus One Screenshot | (c) areamobile

Aufgehübschter EQ

OnePLus One Screenshot | (c) areamobile

Standard-Google-Player | (c) areamobile

 

Und sonst? Alles schick. Das Highend-Handy aus China gibt es in zwei Versionen: Mit 16 GB und mit 64 GB. Da der Preisunterschied gerade einmal bei 30 Euro liegt gibt es keinen Grund, zu der kleineren Version zu greifen. Deren Speicherplatz wäre auch schon schnell belegt, eine Erweiterungsmöglichkeit per Speicherkarte gibt es in beiden Versionen leider nicht. Mit 64 GB, wovon fast 60 GB zur Verfügung stehen, sollte das aber nicht so schnell passieren. Musik lohnt sich auf diesem Gerät dann richtig, auch wenn man ein Headset finden muss, das zu dem Klang des Chips passt. Mit einem hochwertigen Sennheiser HD650 ließ sich so ein sehr voller, gleichzeitig aber sehr klarer Klang erzeugen, ohne dass der Bass zu sehr dröhnt. Das an sich schon recht gute Standard-Headset des Sony Xperia Z2 klingt demgegenüber wie durch den Mixer gedreht und in einem riesigen Saal abgespielt. Das Headset des Samsung Galaxy S5 hingegen produziert zwar mehr Mitten, lässt sich aber dank des Equalizers, der optisch stark aufgehübscht ist, ansonsten aber auf dem normalen Android-Equalizers zu beruhen scheint, zu gutem Klang überreden.

Das gilt bedingt auch für den Lautsprecher des OnePlus One, dessen zwei Öffnungen beidseitig der Micro-USB-Buchse auf der Fußseite des Gerätes platziert wurden. Er kommt auf gute Lautstärke, übersteuert nicht, klingt aber gelegentlich etwas schrill, obwohl er ansonsten durchaus eine gewisse Fülle bietet. Videos machen ansonsten bei dem großen und qualitativ hochwertigen Display richtig Spaß.

Akku-Laufzeit und Sprachqualität

3.100 mAh leistet der leider fest eingebaute Lithium-Polymer-Akku des OnePlus One im Test. In Anbetracht des großen Displays und der entsprechenden Auflösung ist das durchaus noch ein guter Wert, zumal das Gehäuse schick und nicht übermäßig ausladend ausfällt. Insgesamt schafft das Gerät damit gut 2 Tage bei geringer bis wenig Nutzung - wenn nicht ein Bug rasend schnell den Akku leer saugt. Das passierte im Test allerdings nur einmal, dabei wurde das Gerät wesentlich wärmer, als es für gewöhnlich selbst unter anfordernder Leistung bei 3D-Spielen wird. Dabei verlor es etwas mehr als 30 Prozent Akku-Ladung pro Stunde, ein Neustart behob das Problem umgehend. In unserem Akku-Test, bei dem Youtube-Videos in Dauerschleife bei maximaler Display-Helligkeit von gemessenen 388 Candeloa pro Quadratmeter laufen, schaffte das OnePLus One gute 5 Stunden und 13 Minuten. Damit befindet sich das Gerät im oberen Drittel unserer Laufzeit-Tabelle. Zum Vergleich: Ein Samsung Galaxy S5 liegt bei 374 Candela pro Quadratmeter bei einer Laufzeit von 6 Stunden und 8 Minuten. Der Namensvetter HTC One M8 kommt bei einer Helligkeit von nur 345 Candela pro Quadratmeter auf eine Laufzeit von nur 4:05 Stunden.

Bei der Sprachqualität des OnePlus One im Test gibt es nichts zu meckern. Zumindest meistens nicht und auf der Seite des One-Nutzers schon gar nicht. Hier klingt der Gesprächspartner stets sehr klar und deutlich, die Lautstärke ist hoch. Grundrauschen ist vernehmbar, allerdings nur, wenn gerade niemand etwas sagt und man gezielt auf das Rauschen hört. Am anderen Ende der Leitung sieht die Situation schon wieder anders aus. Zumindest manchmal. Dann klingt der One-Nutzer blechern und nicht übermäßig laut bei hörbarem Grundrauschen, bei den meisten Telefonaten hört der Gesprächsteilnehmer den Smartphone-Nutzer aber genauso gut wie anders herum. Stets gelobt wurde im Test hingegen die gute Umgebungsgeräusch-Unterdrückung. Zu diesem Zweck verwendet OnePlus gleich drei Mikrofone im One. Freisprechen über den Lautsprecher funktioniert zwar, allerdings ist die Lautstärke dabei nicht sonderlich hoch, was erhöhte Konzentration erfordert.

Fazit

Einfach nur wow ... Es ist selten, dass wir absolut ohne Erwartungen an ein Gerät in einen Test gehen und dann so positiv überrascht werden. Die gedämpfte Erwartungshaltung rührt aus der Vorgeschichte: Viele Versprechungen, viele Pannen - das konnte eigentlich nichts werden. Ist es aber doch. Und zwar gewaltig! Das fängt beim schicken und von der Konkurrenz losgelösten Design des OnePlus One an, geht über das hervorragende Display weiter, setzt sich bei der megascharfen Kamera fort, streift den guten Akku und mündet schließlich in der bombigen Bediengeschwindigkeit - der niedrige Preis ist dabei noch gar nicht eingeschlossen. Wenn man überhaupt was zu mosern finden will, dann ist es der nicht wechselbare Akku und die fehlende Erweiterungsmöglichkeit per Speicherkarte. Zumindest letzteres ist eigentlich unverständlich, allerdings sorgt der wahnwitzig niedrige Aufpreis von nur 30 Euro von der Version mit 16 zu 64 GB da auch schon wieder für Entwarnung.

Eigentlich wollten wir dem Gerät die Empfehlung der Redaktion verleihen, denn allen hier hat es richtig gut gefallen. Allerdings kann man das schlecht bei einem Smartphone machen, das im freien Handel nicht zu bekommen ist. Zumindest noch nicht. Also heißt es bislang abwarten und neidische Blicke auf die wenigen OnePlus One werfen, die gelegentlich in freier Wildbahn zu beobachten sind.

Zum Weiterlesen:

Testwertung OnePlus One
 
Handlichkeit und Design 70%
Verarbeitung 99%
Sprachqualität 89%
Akkuausdauer 88%
Ausstattung/ Leistung 92%
Kamera 90%
Internet 99%
Musik 79%
Software und Bedienung 97%
Navigation 89%
Gaming und Video 95%
Gesamtwertung
zum Testzeitpunkt
91%
Zeitwertung
(Stand 21.11.2017)
77%

Unsere Wertung im Detail

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Bewertet am 03.05.2015

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Kommentare & Erfahrungsberichte
  1. 18.07.14 13:53 sottil (Handy Profi)

    Alle Tests sind bisher sehr positiv! Wenn es kleiner und verfügbar wäre, würde ich es wohl holen. Schade. Der Preis ist sensationell.

  2. 18.07.14 14:27 foetor (Expert Handy Profi)

    Danke für den Test!

    "Dabei soll es sich wie damals beim iPhone um nicht ausgehärteten Kleber handeln, das Phänomen soll angeblich nach wenigen Tagen verschwinden."

    Könnt ihr da bitte in paar Tagen nochmal ein Update geben?

  3. 18.07.14 15:19 Gorki (Advanced Handy Master)

    Sind die Fotos wirklich vom OnePlusOne? Ich finde sie nicht so überzeugend, dem Gerätepreis sicherlich angemessen aber wie die Äste und Blätter mit "Himmelhintergrund" absaufen...

  4. 18.07.14 15:32 foetor (Expert Handy Profi)

    Die Kamera sollte eigentlich ziemlich gleich wie die vom G3 sein:

    http://www.gsmarena.com/camera_shootout-review-1104p8.php

  5. 18.07.14 15:36 lostfahrgast
    Besitzerfeedback

    Hallo Zusammen!
    ich kann mich dem Test nur anschließen:
    Es ist ein wirklich tolles Gerät. Ich habe es seit Montag und bin vom Nexus 4 (Carbon-Rom) umgestiegen und bin äusserst zufrieden. Kein ruckeln. Der Gelbstich ist auch bei mir wie im Test beschrieben, vorhanden. Aber sonst gibt es nichts auszusetzen

    Als O2-Kunde bekomme ich zwar leider kein LTE, da in Berlin scheinbar nur 800Mhz von O2 genutzt wird. Evtl. ändert sich das noch in ein paar Jahren... ;)

    Allerdings macht es eh kaum Unterschied zu UMTS, denn wenn man keinen teuren Business-Vertrag hat, bekommt man bei O2 und den anderen Mobilfunkanbietern eh keine 50 Mbit über LTE sondern gedrosselter Maßen nur bis 21,1 MBit/s. Ein Speedtest mittels HDSPA+ hat bei mir ca. 18 MBit erreicht.

    Der einzige Unterschied wird sein, dass die UMTS-Netze stark genutzt werden und die LTE-Netze noch vergleichsweise frei sind. Dadurch wird LTE wharscheinlich deutlich schnellere Antwortzeiten haben.

    Aber was solls. Das Ding rockt. Und für den Preis allemal!

    PS: Mein "Invite" bekam ich übrigens einfach so. Ich hatte irgendwann mal ein Account für das Forum eingerichtet und sonst nie einen Betrag oder irgendetwas geschrieben. Plötzlich bekam ich letzte Woche eine Mail mit der Einladung. Scheint also pures "Glück" zu sein...

  6. 18.07.14 18:51 M.H.
    GlÜck?

    Glückwunsch zum Invite @lostfahrgast,

    ich bin ziemlich aktiv im Forum, aber noch nicht so lange im Forum dabei. Seit letzter Woche wurde begonnen den ältesten Mitgliedern (early Supporter) invites zu geben. Wenn du schon im April oder so dabei warst, fällst du also in die Kategorie.

    Ab Montag wirst du noch "invites to share" bekommen, die du mit anderen teilen kannst.

    Nachdem ich dir dein Glück erklärt habe, wäre es toll, wenn du dein Glück mit mir teilst :)

  7. 19.07.14 01:07 Arminator (Advanced Handy Profi)

    Ist zu schön um wahr zu sein, trotz zahlreicher bemühungen bekomme ich keinen invite =(

  8. 23.07.14 00:39 SiddiusBlack (Handy Profi)

    Warum kann man Areamobile bei Tests nicht ernst nehmen? Ganz einfach, mag Areamobile ein Gerät werden Kontra Punkte ausgelassen so wie hier.

    Ist bei anderen Geräten ein fester Akku und keine Speichererweiterung immer ein fester Kontrapunkt sucht man ihn bei diesen Test hier vergebens...

    Klar es wird im Test erwähnt aber viele lesen die Tests ja erst gar nicht und schauen sich nur Wertung und Pro und Kontra an, traurig aber wahr!

  9. 08.08.14 22:17 darkimomo (Newcomer)

    Finde den Test auch sehr komisch, als einzigen Minuspunkt, das es nicht frei Verfügbar ist .... das hat ja nichts mit dem Handy an sich zu tun , demnach müsste das Gerät ja 98% oder so bekommen - allerdings fehlt der SD Slot eigentlich auch ein minuspunkt , den Akku kann man sehr wohl tauschen ;) also offiziell nicht also hier auch ein punkt Abzug - wenn man ein Yellow Band freies One bekommt , wären so 96% angebracht , schon allein wegen Preis/Leistung .... Vielleicht wird der Test noch angeglichen irgendwann

  10. 21.08.14 10:16 Stefan Schomberg (Leitender Testredakteur)

    @foetor
    Ich habe ein Update Zur Display-Verfärbung eingefügt.

    mfg

    @darkimomo und siddius black
    Detailwertung anschauen, nicht erst meckern ;)

    mfg

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