Autor: Stefan Schomberg 23.08.2014 - 16:00 | (1)

Wiko Getaway Testbericht

Tops und Flops
  • Tops
  • Schick und flach und mit Metall
  • gute Kamera
  • ordentliche Alltagsgeschwindigkeit
  • Android 4.4
  • Flops
  • Verarbeitung nicht gewohnt hochwertig
  • GPS etwas schwach

Wiko Getaway Test: Alles andere als zum Davonlaufen

Der französische Hersteller Wiko ist ein Spezialist für günstige, aber dennoch überraschend hochwertige Smartphones. Mit dem neuen Wiko Getaway will er seinem Ruf erneut gerecht werden – ob das funktioniert, haben wir in diesem Test hinterfragt.

Gehäuse-Design und -Verarbeitung

Wiko baut richtig gute Smartphones. Nicht unbedingt Highend-Smartphones, sondern vielmehr günstige Einsteiger- und Mittelklassemodelle. Ein Ausflug in die gehobene Mittelklasse mit dem Wiko Highway kam entweder zu früh oder war nicht ausreichend geplant - das Modell konnte uns im Test und auch mit dem inzwischen verfügbaren Firmware-Update auf Android 4.4 nicht richtig überzeugen. Mit dem Getaway hat der Hersteller nun aber wieder ein typisches Wiko-Smartphone im Sortiment: Günstiger Preis mit 199 Euro UVP, schick mit Metallrahmen und nur 7,9 Millimeter Bautiefe und trotzdem hat das Modell eine ordentliche Grundausstattung. Nur beim Namen kommt man ins Grübeln. Getaway heißt das bereits Anfang des Jahres auf dem MWC 2014 vorgestellte Gerät, das bedeutet so viel wie Flucht. Vor was will Wiko hier flüchten? Andere Übersetzungsmöglichkeiten sind Ausflug oder Start - ein Neustart nach dem Highway wäre also denkbar und passend. So viel vorab: Das Getaway ist auf jeden Fall nicht so schlecht, dass Käufer davor flüchten müssten.

Wiko Getaway Unboxing | (c) Areamobile

Im Test: Wiko Getaway

Wiko Getaway Unboxing | (c) Areamobile

 Fasst SIM- oder microSD-Karte

Wiko Getaway Unboxing | (c) Areamobile

Dezente Lederoptik | (c) Areamobile

 

Beim Design macht Wiko beim Getaway im Test alles richtig. Die Front ist schnörkellos, die Formgebung kantig-edel. Auffälligstes Merkmal ist von vorne der Wiko-Schriftzug und der schmale Metallfuß unter dem Display. Leider schlampt der Hersteller hier bei der Verarbeitung, denn der Übergang von schickem gebürsteten Alu zum Display-Glas ist der Spalt dazwischen etwas zu breit. Bei unserem zweiten Testexemplar war das besser gelöst und der Spalt schmaler. Da dort an einigen Stellen helles Metall durchschimmert, während sonst nur schwarzes Nichts zu sehen ist, wirkt der Spalt wellenförmig ungleichmäßig. Ein ähnliches Problem stellten wir bei der Rückseite zumindest an einer Stelle fest. Während sich rings um das Gerät ein dunkler und schicker Alurahmen zieht, ist die rückwärtige Akkuabdeckung auf Lederoptik getrimmt. Die dezente Leder-Prägung sieht man erst beim genaueren Hinsehen, sie wirkt hochwertig, auch wenn klar zu spüren ist, dass es sich nur um Kunstleder, also Kunststoff handelt. Für Leder ist das Material auch etwas zu rutschig, auch wenn das Wiko Getaway im Test insgesamt durchaus griffig ist. Im Vergleich zu Samsungs Kunstleder beim Galaxy Note 3 liegt das Getaway knapp hinten.

Ein weiterer Nachteil: Die Kunstleder-Rückseite lässt sich beim Wiko-Smartphone nicht abnehmen, der Akku kann also nicht ohne Weiteres ausgetauscht werden. Damit steht Wiko allerdings bei weitem nicht allein da. Insgesamt ist das Getaway für 5 Zoll noch recht handlich. Neben der schmalen Bauform von nur 7,9 Millimeter trägt hierzu auch das angenehm niedrige Gewicht von 135 Gramm bei. Suboptimal ist auch die geringe und nicht einstellbare Leuchtkraft der Sensortasten unter dem Display - auch hier gefiel uns das zweite Testmodell besser. Dafür lassen sich Power- und Lautstärketaste wegen nur minimal zu harten Druckpunktes und optimalen Tastenhubs gut bedienen.

Display-Größe und -Qualität

Display-Messung Wiko Getaway | (c) areamobile

Blickwinkel Wiko Getaway | (c) areamobile

5 Zoll sind für ein günstiges Smartphone schon eine Menge, darüber hinaus bietet Wiko beim Getaway sogar noch eine HD-Auflösung, also 1.280 x 720 Pixel - nicht schlecht für ein so günstiges Gerät. Für Schutz sorgt kratzresistentes Gorilla-Glas. Natürlich ist das mit knapp unter 300PPI nicht messerscharf, aber im Alltag dürfte das nur den wenigsten Kunden auffallen. Klar ersichtlich ist bei unserem ersten Testgerät hingegen ein starkes, über das ganze Display gehendes Flackern. Beim zweiten Gerät war das aber nicht der Fall. Insgesamt bringt es das Getaway auf sehr beachtliche 450 cd/m², allerdings liegt der Kontrast nur bei 500:1 - das geht besser, reicht im Alltag aber aus.

Display-Messung Wiko Getaway | (c) areamobile

Display-Messung Wiko Getaway | (c) areamobile

Bei Grautreppe und Farbmessung liegt das Display des Wiko Getaway im Test kontinuierlich und vergleichsweise stark daneben, aber auch hier ist die Alltagsnutzbarkeit nicht eingeschränkt. Der sRGB-Farbraum wird grob abgedeckt, allerdings weicht er bei Grün sichtbar vom Optimum ab. Insgesamt lässt sich trotz deutlicher Überhöhung des Blauanteils bei der RGB-Verteilung nur ein leichter Blaustich bei Weißdarstellung erkennen. Der wird besonders deutlich bei einer Blickrichtung über die Diagonale, ansonsten ist die Blickwinkelstabilität sehr passabel.

System: Hardware, Software und Bedienung

Normalerweise stellen wir an dieser Stelle zuerst den Prozessor vor. Das verschieben wir beim Wiko Getaway aber, denn das echte Highlight des Gerätes ist der so genannte Hybrid-Karteneinschub. Damit schluckt das Gerät entweder eine zweite SIM-Karte oder eine micro-SD-Karte, um den in dieser Preisklasse überraschend dicken internen Speicher von 16 GB weiter aufzustocken. So eine Hybrid ist uns derzeit in keinem anderen Smartphone bekannt - Hut ab, Wiko!

Wiko Getaway Unboxing | (c) Areamobile

Überraschend handlich für 5 Zoll

Wiko Getaway Unboxing | (c) Areamobile

App-Drawer

Wiko Getaway Unboxing | (c) Areamobile

Browser mit Tastatur | (c) Areamobile

 

Der Antrieb des Wiko Getaway ist auf den ersten Blick wenig beeindruckend. Zwar werkelt im Gerät ein Quad-Core-Chip, allerdings handelt es sich dabei um einen Mediatek-Prozessor MT6582, der auf 1,3 Ghz getaktet ist. Unterstützt wird er von 1 GB RAM. Diese Cortex-A7-Lösung gilt allgemeinhin als Billiglösung, allerdings ist der Ruf schlechter als die tatsächliche Leistung. Natürlich kann der Einfach-Chip in Benchmarks nicht überzeugen, hier schafft das günstige Gerät etwa bei GFXBench nur 4,1 FPS, bei Antutu sind es immerhin etwa 17.000 Punkte und bei 3DMark sind es nur etwa 2.900 Punkte. Damit kann man nicht mal alte Mittelklassegeräte schocken und es lässt außerdem Böses für die Alltagsleistung erahnen.

Doch weit gefehlt: Wer mit dem Getaway normal arbeitet, wird selten oder gar keine Ruckler feststellen. Denn egal ob auf Homescreen, im Hauptmenü oder im Browser: Überall eitel Sonnenschein. Das dürfte auch an der kaum veränderten Oberfläche von Android 4.4 liegen. Zu den offensichtlichsten Anpassungen gehört etwa eine Funkion, die das Gerät automatisch zu einer bestimmten Uhrzeit herunter- und zu einer anderen Uhrzeit wieder automatisch hochfahren lässt und eine Gestensteuerung. Dafür kommt hier neben den Standards wie WLAN, Bluetooth 4.0, GPS und HSPA zum Einsatz, LTE fehlt. Ein Highlight ist der Hybrid-Kartensteckplatz: Wer gerne 2 SIM-Karten nutzt, muss auf eine Erweiterung per microSD-Karte verzichten und sich auf den in dieser Preisklasse überraschend großen internen Speicher mit 16 GB verlassen, von dem immerhin 13 GB zur freien Verfügung stehen. Ansonsten fasst der 2. Kartenschacht wahlweise auch eine microSD - das ist derzeit einzigartig auf dem deutschen Markt.

Wegen einiger Foren-Berichte über Probleme mit WLAN und GPS beim Wiko Getaway haben wir darauf ein besonderes Augenmerk gelegt. Dabei stellte sich das WLAN im Vergleich zu einem Samsung Galaxy S5 sogar als minimal stärker heraus, GPS hingegen als wesentlich schwächer. So fand das S5 in Gebäuden bis zu 17 Satelliten zur Standortbestimmung, das Getaway nur 6. Unter freiem Himmel ist das kein Problem, hier reichen in Europa auch weniger Verbindungen für eine annähernd genaue Positionsbestimmung. Das Wiko-Modell schnitt hier zwar schlechter ab und positionierte den Nutzer gelegentlich mehrere Meter neben dem tatsächlichen Standort, das S5 ist hier deutlich genauer. Zur normalen Navigation im Auto reicht aber normalerweise auch das Getaway.

Kamera

Wer denkt, bei der Kamera hätte Wiko beim Getaway im Test gespart, der irrt abermals. Stolze 13 Megapixel für die Hauptkamera samt LED-Blitz und BSI-Sensor und 5 Megapixel für die Frontkamera verwendet der Hersteller, davon kann sich mancher "Premiumhersteller" eine Scheibe abschneiden. Zumindest wenn die Qualität stimmt - und das tut sie weitestgehend. Bildschärfe und Detailtreue sind gut, Farben werden insgesamt natürlich wiedergegeben. Negativ fällt schnell auftretendes Bildrauschen in dunkleren Bereichen des Bildes auf, außerdem ist die Bilddynamik zu schwach ausgeprägt. Der HDR-Modus kann in der vorhandenen Form nicht helfen, Bilder aus freier Hand aus freier Hand verwackeln wegen der hohen Auslösezeit der einzelnen Bilder zwangsläufig. Bei normalen Aufnahmen gibt es damit kein Problem, hier lösen Fotos schnell und direkt aus. Die Bilder und Videos etwa für Livestreams per Videochat sehen dank der hohen Auflösung richtig gut aus.

Wiko Getaway Originalaufnahme | (c) areamobile

Wiko Getaway Originalaufnahme | (c) areamobile

Videos können nicht vollständig begeistern. Zwar gibt es kein Tearing und kaum Verzerrungen bei schnellen Schwenks, allerdings ist die Bildschärfe für 1.080p zu niedrig. Bildrauschen sieht man bei den bewegten Bildern wesentlich weniger, dafür fällt auch hier die zu gering ausgeprägte Dynamik auf, bei der helle Flächen überstrahlen und als Gegenmittel schnell ganze Einstellung zu dunkel geraten. Dafür gefällt der Sound mit natürlicher Wiedergabe.

Sprachqualität und Akku

Gesprächspartner klingen sehr lebensecht, aber etwas dumpf. Wegen der hohen Lautstärke macht das aber nichts, die Verständlichkeit ist sehr gut. Das gilt auch für Gespräche über den Lautsprecher, der überraschend laut und klar verständlich ist.

Der Akku des Wiko Getaway bietet nur 2.000 mAh und daher überrascht es nicht, dass er keine Bestwerte liefern kann. Allerdings liefert er auch keine schlechte Leistung ab - über den Tag kommt man mit dem Gerät zuverlässig, auch bei stärkerer Nutzung. Wegen der hohen Display-Helligkeit kommt das Wiko Getaway in unserem Video-Dauertest nur auf 3:01 Stunden, das geht dadurch aber auch noch in Ordnung.

Fazit

Natürlich ist nicht alles perfekt am Wiko Getaway. Aber bei dem Preis ergibt das ein absolut rundes Gesamtergebnis. Das Design ist überraschend schick, die Materialien hochwertig genug, um auch ein paar Klassen weiter oben mitzuspielen. Nur die Verarbeitung schwächelt an einigen Stellen, zumindest bei unserem ersten Testexemplar. Das haben wir von Wiko schon besser gesehen. Die Kamera macht bei gutem Licht wirklich brauchbare Fotos, der interne Speicher ist überraschend groß, und die Hybrid-Kartenlösung fasziniert. Die Alltagsgeschwindigkeit des Wiko Getaway ist sehr gut, selbst aufwändige Spiele kann man damit noch spielen, auch wenn es dafür bessere Geräte gibt. GPS ist etwas schwach, sollte aber normalerweise nicht zu Problemen führen. Flüchten muss vor dem Getaway zumindest niemand (Englisch: u.a. Flucht). Eigentlich fehlt zum Glück nur noch LTE, denn das gibt es in der Preisklasse ab 200 Euro auch schon. Also Wiko, auf zum nächsten Schritt!

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Langsam werden mir Wiko-Handys etwas unheimlich - trotz teilweise nicht gerade starker Hardware laufen die Dinger super, kosten nix und sehen häufig auch noch richtig schick aus. Irgendwie hat man den Eindruck, dass sich die Franko-Chinesen einfach mehr Mühe geben als manch alteingesessener Hersteller!

Persönlicher Kommentar von Stefan Schomberg

Testwertung Wiko Getaway
 
Handlichkeit und Design 87%
Verarbeitung 87%
Sprachqualität 87%
Akkuausdauer 67%
Ausstattung/ Leistung 69%
Kamera 80%
Internet 80%
Musik 86%
Software und Bedienung 85%
Navigation 82%
Gaming und Video 67%
Gesamtwertung
zum Testzeitpunkt
79%
Zeitwertung
(Stand 25.05.2016)
74%

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Kommentare & Erfahrungsberichte
  1. 23.08.14 18:08 Nuvolari (Advanced Handy Profi)

    Hmmm...man könnte meinen Ihr hättet bei
    TONG O Mania mobile
    unter www.facebook.com/tong.o.mania.mobile
    gespickelt und abgekupfert! ;-)

    SPASS!

    Schön zu sehen, dass 2 unabhängige Seiten auf einen Nenner kommen. :-)

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