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Autor: Stefan Schomberg 11.06.2015 - 18:00 | 3

Mobiwire Taima Testbericht

Mobiwire Taima Test: Neu ist nicht immer gut

Der französische Hersteller Mobiwire will aus dem Schattendasein als OEM-Hersteller raus und unter eigenem Namen an das Licht der Öffentlichkeit. Dazu hat man sich in Deutschland das Mobiwire Taima und das Pegasus ausgesucht, die auch in namenhaften Elektronikmärkten verkauft werden. Wir haben das etwas besser ausgestattete Mobiwire Taima genauer unter die Lupe genommen.

Gehäuse-Design und -Verarbeitung

Mobiwire ist kein Begriff? Das kann man niemandem verdenken, schließlich war das Unternehmen bislang eher als Auftrags-Hersteller für Netzbetreiber tätig. Aber der eigentliche Vorgänger sollte ein Begriff sein: Sagem. Der fertigte schon vor etlichen Jahren Handys, ging dann pleite und 2011 ging daraus Mobiwire hervor. Jetzt will man es offenbar der Konkurrenz aus eigenem Lande nachmachen und wie Wiko auf dem deutschen Markt Fuß fassen. Dazu schickt der Hersteller zwei Smartphones ins Rennen um die Käufergunst und platziert sie auch bei bekannten Elektronikketten: Mobiwire Pegasus und Mobiwire Taima.

Mobiwire Pegasus und Mobiwire Taima Unboxing | (c) Areamobile

Neu auf dem deutschen Markt: Mobiwire mit dem Pegasus und dem Taima im Test | (c) Areamobile

Mobiwire Pegasus und Mobiwire Taima Unboxing | (c) Areamobile

Die Addilette unter den Smartphones

Mobiwire Pegasus und Mobiwire Taima Unboxing | (c) Areamobile

Einfach zu einfach | (c) Areamobile

 

Das Mobiwire Taima im Test ist minimal besser ausgestattet und schon eher ein Phablet - 5,5 Zoll sind sind auch eine Hausnummer, bei der man nicht mehr von einhändiger Bedienung sprechen kann. Hinzu kommen weitere Erschwernisse. So misst das Gerät stolze 9,2 Millimetern in der Tiefe und bringt schwere 180 Gramm auf die Waage. Zudem ist die Kunststoffrückseite ziemlich rutschig, was insgesamt keine gute Kombination ist. Im Gegensatz zu Geräten wie einem HTC One M9 oder LG G4 mit ähnlicher Bautiefe ist die Rückseite aber auch nicht stark genug gerundet, sondern das Taima ist einfach generell dick. Übermäßig viel Platz wird aber gar nicht verschenkt bei dem Mobiwire-Gerät, zumindets nicht auf der Front. Der Rahmen auf den Seiten des Displays ist ausreichend schmal, über und unter dem Touchscreen wurde auch nicht zu viel Raum verschenkt, auch wenn hier noch Potenzial vorhanden gewesen wäre. Natürlich setzt dabei aber auch der eher niedrige Verkaufspreis Grenzen.

Das ganze Design erinnert an ältere HTC-Geräte, auch die Farbgestaltung hat man so schon etwa bei einem HTC Desire 820 gesehen: Weiß mit kräftigen blauen Akzenten, die auf der Gehäuseseite, dem Lautsprecher auf der Front und der Kameraeinfassung auf der Rückseite zu finden sind. Das muss man mögen - für den einen geht das als modern und spritzig durch, andere erinnert es an ballonseidene Jogging-Anzüge aus den 80er Jahren oder Addiletten. Immerhin peppt der Anbieter so die ansonsten eher langweilige Plastikwüste etwas auf. Die seitlichen Tasten lassen sich zwar in Bezug auf Tastenhub und -druck gut bedienen, wurden aber zu hoch am Gerät platziert, sodass man sich immer etwas verrenken muss.

Display-Größe und -Qualität

Mobiwire Taima Display | (c) Areamobile

Mobiwire Taima Display | (c) Areamobile

5,5 Zoll und einfache HD-Auflösung sind keine optimale Kombination - das sollten gerade Anbieter wissen, die einen Markt neu betreten und sich dort einen Namen verschaffen wollen. Natürlich spielt wie schon beim Design hier ebenfalls der Preis eine große Rolle, aber andere Anbieter haben für nicht viel Geld mehr deutlich besseres zu bieten. So bleibt bei 1.280 x 720 Pixel eine Bildschärfe von knappen 267 Bildpunkten pro Zoll - und das sieht man. Gerade bei einfarbigen Flächen erkennt man ein Raster, das man sonst nur von AMOLED-Displays mit Pentile-Matrix kennt, zudem ist die Darstellungsoberfläche weit unter dem äußeren Display-Glas, was die Qualitätsanmutung weiter senkt. Gut gefällt uns hingegen die hohe Helligkeit von 438 cd/m², der mit 719:1 völlig ausreichende Kontrast und die stabilen Blickwinkel, bei denen selbst die Abschattung bei flacheren Winkeln sehr verhalten auftritt. Bei der genauen Darstellung von Grautreppe und Farben gibt es Abweichungen von 7,4 und 5,4 Delta E - das sind akzeptable Werte im Mittelfeld.

Display-Test MobiWire Taima Grautreppe | (c) Areamobile

Display-Test MobiWire Taima Grautreppe | (c) Areamobile

Display-Test MobiWire Taima Farbgenauigkeit | (c) Areamobile

Display-Test MobiWire Taima Farbgenauigkeit | (c) Areamobile

System: Hardware, Software und Bedienung

Großes Display, einfaches, aber ordentliches Gehäuse - so weit, so gut. Beim Rest merkt man den Rotstift dann aber doch schon stärker - in Relation zum Preis von 200 Euro zumindest. Als Antrieb dient ein Mediatek MT6582 mit Mali 400MP2 und 1 GB RAM - das war bestenfalls vor einem vollen Jahr akzeptabel. Denn diese Kombination ist einfach nicht wirklich leistungsstark, bei Spielen muss man da schnell die Grafik herunter regeln. Das sieht man auch an Benchmarks wie GFXBench, wo das Mobiwire Taima gerade einmal knapp 4 Frames erreicht. Auch bei 3DMark Icestorm Unlimited stellt das Gerät mit nur 2870 Punkten unter Beweis, dass der gewählte Chipsatz für grafische Anforderungen einfach zu schwach ist.

Mobiwire Pegasus und Mobiwire Taima Unboxing | (c) Areamobile

Im Alltag ist das Mobiwire Taima...

Mobiwire Pegasus und Mobiwire Taima Unboxing | (c) Areamobile

... schnell genug, aber...

Mobiwire Pegasus und Mobiwire Taima Unboxing | (c) Areamobile

... ansonsten schnell überfordert | (c) Areamobile

 

Im Alltag läuft das Gerät hingegen nicht immer zwar, aber meist doch flüssig. Das gilt auch für den Browser, für Homescreens und Hauptmenü erst recht und dürfte auch daran liegen, dass Mobiwire an der Nutzeroberfläche wenig ändert. Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass Updates schnell auf das Gerät kommen können, allerdings setzt der Hersteller ab Werk auf die veraltete Android-Version 4.4.2 und ein Update auf Android Lollipop wird es nach Rücksprache mit Mobiwire nicht geben. Der Chiphersteller Mediatek könnte daran aber wohl nicht ganz unschuldig sein.

An technischen Features bietet das Mobiwire Taima einerseits zwar die Standards wie WLAN, GPS, Bluetooth und neben HSPA sogar LTE, andererseits patzt der Hersteller bei der Speichergröße: Gerade einmal 4 GB interner Speicherplatz existieren, etwas mehr als die Hälfte davon ist frei nutzbar. Zwar kann der Platz per Micro-SD-Karten mit (offizielle) bis zu 32 GB erweitert werden, aber so wenig interner Speicher ist einfach nicht mehr zeitgemäß - auch nicht in einem Modell für 200 Euro.

Kamera

Mobiwire Taima Orig | (c) areamobile

Mobiwire Taima Orig | (c) areamobile

Bei Kameras bietet Mobiwire beim Taima im Test Standardkost: Eine Hauptkamera mit 8 Megapixel und LED-Blitz und eine Frontkamera mit 2 Megapixel. Bei der Nutzeroberfläche der Kamera-App gibt es nicht viel zu sagen, sie wurde dezent angepasst und bietet einige der bekannten Features der Google-Smartphones wie Gesichts- und Lächelerkennung. Die Fotoqualität geht in Ordnung - für wirklich gute Bilder ist die Bildschärfe etwas zu niedrig, außerdem sieht man starke Verzerrungen zu den Rändern hin und Bildrauschen ist nicht von der Hand zu weisen. Dennoch gefallen Fotos mit naturgetreuen Farben und überraschend guter Bilddynamik. Bei Innenaufnahmen steigt das Bildrauschen schnell an, die Bildschärfe lässt im gleichen Maße nach. Die Frontkamera bietet mit 2 Megapixel für ordentliche Aufnahmen zu wenig Pixel, reicht aber für Videochats. Bei Videos, die sogar in Full-HD aufgenommen werden können, gelten im Wesentlichen die gleichen Punkte wie bei Fotos, allerdings fällt hier die etwas niedrige Schärfe nicht so auf. Dafür sieht man bei schnellen Schwenks starke Verzerrungen und der Ton ist ziemlich dünn. Insgesamt ist die Bildqualität der Preisklasse angemessen.

Akku-Laufzeit und Gesprächsqualität

Der Kraftspender des Mobiwire Taima im Test fasst stolze 3.000 mAh - das ist eine ganze Menge für die niedrige Auflösung und den nicht gerade kraftstrotzdenden Chipsatz. Könnte man meinen. Tatsächlich hält das Gerät nur wenig länger als die Konkurrenz durch. Schließlich ist das Display recht hell und der Prozessor nicht gerade übermodern und dementsprechend nicht gerade ein Stromsparwunder. Im Alltag werden die meisten Nutzer zwei Tage mit einer Akkuladung hinkommen, wer das Gerät intensiv fordert, zwingt den Akku aber (wie bei jedem Smartphone) schon vor Tagesende in die Knie. In unserem Dauertest hielt das Taima 4 Stunden und 15 Minuten durch - angesichts des prallen Akkus kein toller Wert.

Bei der Gesprächsqualität gibt es - erneut in Relation zum Preis - nicht übermäßig viel zu meckern. Der Nutzer des Taima darf sich auf angenehm hohe Lautstärke und etwas dumpfen, aber sehr gut verständlichen Sound freuen. Für ihn sind auch kaum Verbindungseinbrüche zu hören. Am anderen Ende der Leitung sieht das schon anders aus. Hier beklagten sich Testpersonen mehrfach über gelegentliche Mikroaussetzer bei der Tonübertragung und generell über blechernen Klang.

Fazit

Werbung muss auffällig sein, interessant, außergewöhnlich. Bei einem neuen Hersteller auf dem (deutschen) Markt ist das mit seinen ersten Geräten nicht viel anders - aber Mobiwire scheint das nicht zu interessieren. Okay, dass es anders geht hat schon Wiko gezeigt. Erstmal kam das ebenfalls französische Unternehmen auch nur mit eher langweiligen und einfachen Geräten nach Deutschland, aber es gibt einen Unterschied zu Mobiwire: Die Wiko-Geräte waren für die gebotene Technik richtig billig. Beim Taima kann man das nun beileibe nicht behaupten. 200 Euro für einen veralteten Mediatek-Chipsatz, nur 4 GB internen Speicher, ein nicht gerade scharfes Display und ein langweiliges Design nebst dickem Plastikgehäuse? Tut mir leid, Mobiwire, aber damit seit ihr ein gutes Jahr zu spät dran, damals hätte wohl auch noch LTE in der 200-Euro-Klasse für Anerkennung gesorgt. Ohne die bisherigen Verkaufszahlen zu kennen - aber das kann eigentlich nichts werden. Oder wenn, dann nur, weil Käufer nicht informiert waren und sich von geschulten Verkäufern überreden lassen. Denn für den gleichen Preis gibt es etwa das wesentlich bessere Honor 4X von Huawei.

Testwertung Mobiwire Taima
 
Handlichkeit und Design 47%
Verarbeitung 90%
Sprachqualität 85%
Akkuausdauer 80%
Ausstattung/ Leistung 67%
Kamera 78%
Internet 86%
Musik 65%
Software und Bedienung 86%
Navigation 44%
Gaming und Video 65%
Gesamtwertung
zum Testzeitpunkt
73%
Zeitwertung
(Stand 15.12.2017)
65%

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Kommentare & Erfahrungsberichte
  1. 12.06.15 10:21 dragon-tmd (Advanced Member)
    Nicht immer gut, aber trotzdem 73%

    @Stefan

    Wenn ich dein Fazit lese, dann ist das Gerät eigentlich überflüssig und du vergibst trotzdem 73%. Sind das dann die rein sachlichen Werte nach dem Stand der Technik des Gerätes?

    Bei so einem Teil hätte ich irgendwas um die 60% erwartet. Was für eine Note würdest du erst für ein richitg schlechtes Smartphone evrgeben? :D

  2. 12.06.15 10:52 Stefan Schomberg (Leitender Testredakteur)

    Klar, steht mein name drunter, aber ich kann nichts dafür, dass die neue Testwertung immer noch nicht da ist. Die Alte Wertung haut dann halt solche Dinger raus, da kann ich nichts dran ändern. Denn wenn ich unter Flops "überflüssiges Phone -10%" angegeben hätte, währe der Sturm der Entrüstung noch größer gewesen ;) Eine andere Möglichkeit, auf die Wertung Einfluss zu nehmen, habe ich derzeit aber nicht und die ist leider lange nciht mehr optimal.

    Aber ja - irgendwas um 60% (allerdings nur bei Betrachtung von Preis/Leistung) wäre auch nicht ganz falsch gewesen.

    mfg

  3. 12.06.15 11:33 IMPULS

    @ Stefan S.

    Danke für den Test.
    Schön,das man auch von "Neulingen" im Einstiegssegment berichtet. :)

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