Autor: Tobias Czullay 16.10.2015 - 13:00 | (16)

Sony Xperia Z5 Testbericht

Tops und Flops
  • Tops
  • Gute Performance
  • Flotter und zuverlässiger Fingerabdrucksensor
  • Hochwertiges Gehäuse
  • Bester Musik-Genuss auf einem Android-Smartphone
  • Flops
  • Nicht das schönste Xperia-Design
  • Kaum Neuerungen gegenüber dem Vorgänger
  • Schwächen bei der Kamera

Sony Xperia Z5 Test: Die Ergänzung zur Premium-Ergänzung

Zwei hochpreisige Top-Smartphones im Abstand von drei Monaten – kann das gut gehen? Sony sagt ja und bringt nur kurz nach dem Verkaufsstart des Xperia Z3 Plus - der selbsternannten "Premium-Ergänzung" zum Xperia Z3 - das Xperia Z5 in die Läden. Wie sich das neue Flaggschiff schlägt und ob es seine Anschaffung wert ist, erfahrt ihr in unserem Test.

Der von mir herbei gewünschte Neuanfang mit neuer Xperia-Serie und frischem Design, den ich den Aussagen einiger Sony-Vertreter in Gesprächen auf dem Mobile World Congress noch zu entnehmen glaubte, ist nicht eingetroffen. Mit der nunmehr sechsten Auflage des Xperia Z mit der Ziffer 5 gibt sich Sony weiter konservativ und wenig innovativ. Nicht Ordnung bringen die Japaner in ihr Portfolio, sondern im Gegenteil: Chaos. Das fängt mit der wenig nachvollziehbaren Namensgebung an - dem Xperia Z3 aus dem vergangenen Jahr folgte das nur in wenigen Regionen als Xperia Z4 verkaufte Xperia Z3 Plus, nun das Xperia Z5 -, führt über den zeitlich viel zu nah am Vorgänger angesetzten Release des neuen Flaggschiffs - gerade einmal drei Monate sind seither vergangen - und endet in den auf den ersten Blick marginalen Unterschieden auf technischer Seite.

Als langjähriger Nutzer der Sony-Smartphones wird dieser Test auch ein persönlicher, und ich bin ehrlich: Auf mich übt das Xperia Z5 nur sehr wenig Anziehungskraft aus, zu aktuell noch sind meine - überwiegend guten - Erfahrungen mit dem Xperia Z3 Plus und zu wenig sehe ich im aktuelleren Modell Vorteile. Eine Abrechnung soll der Artikel nun freilich nicht werden, es bleibt aber abzuwarten, ob Sony meine Voreingenommenheit am Ende besiegen und mich umstimmen kann.

Gehäuse-Design und -Verarbeitung

Mit dem Design des allerersten Xperia Z setzte Sony den Grundstein für alle folgenden Smartphones und Tablets aus seiner Premium-Reihe. "Omnibalance" tauften die Japaner das kantige, symmetrische und vergleichsweise schnörkellose Erscheinungsbild ihrer mobilen Geräte, das mit jeder Generation eher überschaubare Veränderungen erfahren hat. Mal fällt der bei den großen Modellen in Metall gehaltene Rahmen etwas runder, mal etwas kantiger aus, vorne wie hinten gibt es stets Glas zu bestaunen.

Sony Xperia Z5 Xperia Z3 Plus Xperia Z3 Xperia Z2 im Vergleich | (c) Areamobile

Vier Vertreter der Xperia-Z-Serie im Omnibalance-Design | (c) Areamobile

Sony Xperia Z5 Xperia Z3 Plus Xperia Z3 Xperia Z2 im Vergleich | (c) Areamobile

Oben nach unten: Sony Xperia Z5, Xperia Z3 Plus, Xperia Z3 und Xperia Z2 | (c) Areamobile

 

Für das Xperia Z5 wagt Sony den Schritt zurück, der Rahmen ist nämlich nicht mehr ganz so rund wie noch bei Xperia Z3 und Xperia Z3 Plus. Da er hinten ein wenig über die Glasflächen hinausragt und vorne eine leichte Stufe aus Plastik zwischen Rahmen und Bildschirm eingepflanzt wurde, liegt das Smartphone nicht mit dem blanken Glas auf dem Tisch. Auf diese Weise verkratzt das Glas weniger, auf Dauer wird aber wohl oder übel das überstehende Metall seine Lackierung einbüßen - so geschehen bei unserem Xperia Z3 Plus. Für die Rückseite des Xperia Z5 setzt der Hersteller auf "Frosted Glass" bzw. Milchglas, wodurch sie sich optisch angenehm von der Vorderseite absetzt. Weniger spannend ist das Farbangebot, das der Hersteller für sein Flaggschiff vorfährt: Wo die "Premium-Ergänzung" zum Xperia Z3 mit kräftigen Farben wie Aquamarin oder Kupfer aufwartet und zusammen mit dem Hochglanzrahmen ein stimmiges und edel anmutendes Gesamtbild abgibt, da sorgt das Xperia Z5 allenfalls in Grün für entzückte Blicke.

Sony Xperia Z5 Kamera | (c) Areamobile

Die Frosted-Glass-Rückseite ist ein Hingucker | (c) Areamobile

Sony Xperia Z5 Unboxing | (c) Areamobile

Das Xperia-Logo im Rahmen | (c) Areamobile

 

Wie schon beim Xperia Z3 Plus gibt es keinen magnetischen Anschluss mehr, Zubehör soll nun an den Micro-USB-Anschluss am unteren Ende angestöpselt werden. Der ist wie die Kopfhörerbuchse innen verkapselt und gegen eindringendes Wasser und Staub geschützt, die Einschübe für microSD- und Nano-SIM-Karte sind wie gehabt unter einer abgedichteten Klappe verborgen. Das Xperia Z5 ist wie alle vorigen Xperia-Z-Modelle nach IP68-Klassifizierung wasser- und staubdicht, geändert hat der Hersteller allerdings Werbung und Produktbeschreibung: Das Smartphone soll nicht mehr als Badebegleiter herhalten, stattdessen den Regenschauer oder vereinzelte Wasserspritzer überstehen. Damit dürfte sich Sony gegen Schäden absichern wollen, die durch mutwillige Tauchgänge entstehen, denn gegen Chlor- und Salzwasser war noch keines der Geräte explizit geschützt.

Sony Xperia Z5 Unboxing | (c) Areamobile

Der Micro-USB-Anschluss ist verkapselt und gegen eindringendes Wasser geschützt | (c) Areamobile

Sony Xperia Z5 Kamera | (c) Areamobile

Der Beweis | (c) Areamobile

Sony Xperia Z5 im Vergleich mit Sony Xperia Z3 Plus | (c) Areamobile

Oben: Die neue Power-Taste mit Fingerabdrucksensor | (c) Areamobile

 

Neu am Xperia Z5 ist der Fingerabdrucksensor, der in der Power-Taste auf der rechten Seite eingebaut ist. Zwar ist der Einsatz an dieser Stelle eleganter gelöst als bei einigen anderen Smartphones, die ihn beispielsweise auf der Rückseite angebracht haben. Das hat allerdings auch zur Folge, dass der dezente, runde Knopf als charakteristisches Merkmal der Xperia-Z-Serie verloren geht und die Lautstärkewippe so weit nach unten rutscht, so dass sie nicht mehr bequem mit dem Daumen erreicht werden kann. Auch wurde die Power-Taste in den Rahmen versenkt, so dass sie sich nicht mehr so leicht ertasten lässt.

Haptisch gibt es keine großen Überraschungen, das gradlinige Gehäuse des Xperia Z5 mit seinen glatten Glasoberflächen ist weder ein besonderer Handschmeichler, noch das richtige Gerät für Personen, die ihr Handy hin und wieder unfreiwillig auf den Boden segeln lassen. An der Verarbeitung des neuen Sony-Flaggschiffs gibt es nichts auszusetzen, am gegenüber dem Xperia Z3 Plus weniger filigranen und fast etwas klotzigen Design werden sich aber wohl die Geister scheiden.

Display-Größe und -Qualität

Der Bildschirm des Xperia Z5 misst 5,2 Zoll und löst mit Full-HD auf. Nach Zahlen hat sich damit seit dem Xperia Z2 nichts verändert, dieselbe Auflösung kommt gar seit dem ersten Xperia Z zum Einsatz - der geforderte Sprung auf mehr Pixel erfolgt erst mit dem Sony Xperia Z5 Premium. Mit seinen 424 PPI kann das neue Sony-Smartphone anderen aktuellen Geräten wie dem Samsung Galaxy S6 zwar nicht das Wasser reichen, für eine ansehnliche Darstellung ohne Pixelbrei reichen die versammelten Bildpunkte aber allemal aus. Mit rund 550 cd/m² ist das Display sehr hell, das gemessene Kontrastverhältnis mit 755:1 ist deutlich besser als noch beim Xperia Z3 Plus (592:1) und damit auf dem Niveau eines HTC One M9.

Sony Xperia Z5 Displaytest | (c) Areamobile

Sony Xperia Z5 RGB-Histogramm | (c) Areamobile

Sony Xperia Z5 Displaytest | (c) Areamobile

sRGB-Farbraumabdeckung | (c) Areamobile

Sony Xperia Z5 Display | (c) Areamobile

Blickwinkeltest | (c) Areamobile

 

Weniger gut fällt die Blickwinkelstabilität des Bildschirms aus, denn je nach Neigung macht sich vor allem auf hellen Hintergründen ein Grauschleier bemerkbar und die Anzeige verliert deutlich an Helligkeit - hier schlägt sich beispielsweise Apples iPhone 6S besser. Auch spiegelt das Deckglas ein wenig stark, wobei die Anzeige immerhin automatisch im Kontrast an das Umgebungslicht angepasst und damit die Ablesbarkeit verbessert wird. Wie es seit dem Xperia Z1 Gang und Gäbe ist, lässt sich die ab Werk etwas kühl eingestellte Farbtemperatur über die System-Einstellungen justieren. Insgesamt schlägt sich das Display des Xperia Z5 gut, andere Hersteller wie Samsung oder Apple liefern aber bessere ab.

System: Hardware, Software und Bedienung

Für das Xperia Z5 setzt Sony auf Qualcomms Flaggschiff-Chipsatz Snapdragon 810. Dessen Octa-Core-Prozessor teilt sich in einen leistungsstarken Vierkerner mit einer Taktfrequenz von 2 GHz und einem energieeffizienteren Quad-Core-Prozessor mit 1,5 GHz auf. Trotz bereitstehender 64-Bit-Technologie kommen wieder 3 GB RAM zum Einsatz, die im Alltagseinsatz allerdings auch völlig ausreichen. Der Snapdragon 810 hat sich schon vor seinem Erscheinen Anfang dieses Jahres einen Ruf als Taschenheizung aufbauen können - und auch im Xperia Z5 wird er ihm gerecht.

Obwohl Sony den Besuchern auf der IFA im September sogar einen Einblick in die zusätzlichen Vorkehrungen zur Kühlung des Prozessors gewährte, wird das Smartphone unter Last heißer als solche ohne den Qualcomm-Chip. Im selben Testparcours, durch den wir bereits die Snapdragon-810-Smartphones LG G Flex 2, HTC One M9 und das Sony Xperia Z3 Plus schickten, konnten wir auf der Rückseite etwas versetzt zur Kamera eine Temperatur von 46 Grad messen - die traurige Spitzenposition in unseren bisherigen Messungen. Auch wenn das mehrmalige Durchlaufen eines Benchmarks wohl kaum zum alltäglichen Einsatzgebiet eines Smartphones zählen dürfte, kann der Test sehr wohl nachweisen, dass auch das aktuelle Sony-Flaggschiff unter Last zu einer überdurchschnittlichen Hitzeentwicklung neigt.

Heatpipes im Sony Xperia Z5 | (c) AM

Zwei Heatpipes im Sony Xperia Z5 mit Snapdragon 810 | (c) AM

Last bedeutet im Fall des Xperia Z5 und seines direkten Vorgängers aber leider auch schlicht das Ausführen der Kamera-App und darin vor allem der Augmented-Reality-Features, die anders als bei Xperias ohne Snapdragon 810 zu einem enormen Performance-Verlust, einer steigenden Temperatur des Geräts und zu regelmäßigen Abstürzen der Anwendung führen. Fairerweise muss man anführen, dass sich die für gewöhnlich mit der Hitzeentwicklung einhergehende Drosselung des Prozessors in Grenzen hält: Nach 15 Durchläufen des Manhattan Tests im GFXBenchmark sinkt die Framerate um gerade einmal 2 Bilder pro Sekunde - in vorigen Tests mit dem Qualcomm-Chip konnten es schon bis zu 8 Bilder pro Sekunde weniger sein als zu Beginn.

Sony Xperia Z5 Unboxing | (c) Areamobile

Der Sony-Launcher auf dem Xperia Z5 | (c) Areamobile

Sony Xperia Z5 Unboxing | (c) Areamobile

Wieder etwas zu viel Software ist vorinstalliert | (c) Areamobile

 

Von einem langsamen System kann folglich gar nicht die Rede sein, Sony scheint - leider erst mit dem zweiten Versuch - einen guten Weg gefunden zu haben, den Snapdragon 810 zu bändigen und seine wahre Kraft auszuspielen. Das bescheinigen dem Xperia Z5 die Ergebnisse gängiger Benchmarks, denn in AnTuTu werden beispielsweise immerhin stolze 61.000 Punkte erreicht. Es lässt sich aber auch ganz gut im Alltag feststellen: Wo das Xperia Z3 Plus noch mit einigen Rucklern zu kämpfen hat, da macht Sonys neuester Neuling eine noch etwas bessere Figur - auch wenn der hin und wieder auftretenden Micro-Schluckauf noch nicht gänzlich ausgemerzt wurden.

Geschuldet sein dürfte dieser Umstand auch der noch weiter reduzierten Android-Benutzeroberfläche, die vielleicht mehr als je zuvor an Googles Rohfassung erinnert, sich aber durch Sonys kostenlose wie zahlungspflichtige Designs gut nach den eigenen Wünschen anpassen lässt. Vorinstalliert ist auf dem Xperia Z5 noch Android 5.1.1 Lollipop, ein Update auf die Marshmallow-Version haben die Japaner aber mittlerweile angekündigt und dürfte zum Anfang des kommenden Jahres erscheinen. Trotz schlanken Xperia-Launchers hat Sony auf seinem Flaggschiff aber auch wieder haufenweise Software vorinstalliert, darunter neben Facebook, Spotify und Dropbox auch AVG Protection, die MobiSystems Office Suite und die Amazon-Shopping-App. Die Microsoft-Apps, die auf dem Xperia Z4 Tablet vorzufinden sind, müssen beim Xperia Z5 manuell aus dem Google Play Store geladen werden.

Sony Xperia Z5 Kamera | (c) Areamobile

Sony Xperia Z5 | (c) Areamobile

Neu mit an Bord der Xperia-Z5-Reihe ist der oben bereits angesprochene Fingerabdrucksensor in der Home-Taste, der sich ganz und gar schnörkellos über die Sicherheitseinstellungen einrichten lässt: Über mehrmaliges Auflegen des Daumens wird der Abdruck aus unterschiedlichen Positionen abgetastet und registriert, das ganze Prozedere dauert keine zwei Minuten. Danach kann das Gerät wahlweise über die zuvor festgelegte PIN - beispielsweise, wenn das Xperia Z5 auf dem Tisch liegt und sich die Power-Taste mit dem Daumen nur schwer erreichen lässt - oder eben mit dem eigenen Fingerabdruck entsperrt werden. Der Sensor reagiert dabei sehr schnell und zuverlässig, das Entsichern des Smartphones wird zum Kinderspiel. Doch nicht nur als Gerätesicherung soll künftig der Abdruck herhalten, auch für die Autorisierung eines App-Kaufes oder als Passwort-Ersatz - hier dürfen wir auf kommende Apps gespannt sein, die von der nativen Unterstützung von Fingerabdruckscannern Gebrauch machen.

Multimedia

Das Xperia Z5 ist wie seine Vorgänger prädestiniert für den Konsum von Medieninhalten. Dazu trägt nun nicht nur das 5,2 Zoll große Full-HD-Display bei, auch die vielen Verbindungsmöglichkeiten, Software-Lösungen und unterstützten Codecs und Standards lassen die Sony-Smartphones stets in einer eigenen Liga spielen. Das Xperia Z5 bietet Lösungen für die unkomplizierte Drahtlosverbindung mit Windows-PCs, Mirror-Link-Autoradios oder anderen DLNA-fähigen Geräten im Haushalt, die dann Inhalte vom Smartphone abspielen können. Über PS4 Remote Play lässt sich das Smartphone auch als Notfall-Bildschirm für die PlayStation 4 einsetzen, obendrein gibt es einen Empfänger für UKW-Radio.

Vor allem die Wiedergabe von Musik in hoher Qualität hat sich Sony auf die Fahne geschrieben und bietet dazu gleich mehrere Funktionen beim Xperia Z5 an. Dazu zählt zum einen die digitale Geräuschunterdrückung über einen optional erhältlichen passiven DNC-Kopfhörer, die vor allem bei Zugfahrten oder Flügen wahre Wunder wirkt. Zum anderen werden Musiktitel in eher bescheidener Tonqualität über das DSEE-HX-Feature im Klang aufgehübscht und das Xperia Z5 unterstützt viele Hi-Res-Formate wie FLAC, ALAC, DSD und LPCM. Sonys eigener LDAC-Standard verspricht darüber hinaus eine hochwertigere Musikübertragung mittels Bluetooth-Funk - entsprechende Lautsprecher von Sony vorausgesetzt.

Sony Xperia Z5 Compact Hands-on  | (c) Areamobile

Der neue DNC-Kopfhörer ist leider nicht mit Lieferumfang... | (c) Areamobile

Sony Xperia Z5 Unboxing | (c) Areamobile

...dafür aber ein recht gutes In-Ear-Headset | (c) Areamobile

 

Seit dem Xperia Z2 spendieren die Japaner ihren Xperia-Z-Smartphones auch Stereo-Lautsprecher, über ihren Status als nettes Beiwerk haben sie es bislang aber nicht hinaus geschafft. Das ist auch beim Xperia Z5 nicht anders: Den ober- und unterhalb des Bildschirms in die schmalen Schlitze gepressten Klanggebern fehlen für einen harmonischen Sound schlicht die Tiefen. Wie bei den Vorgängern vibriert das Gehäuse des Smartphones bei der Wiedergabe, selbst ein zum Vergleich herangezogenes Moto X (2. Generation) mit nur einem Lautsprecher bietet da einen angenehmeren und volleren Klang. Da kann auch die beeindruckende Lautstärke des Xperia Z5 nicht viel dran ändern.

Kamera

Man fragt sich: Wie bringt Sony es zustande, die Konkurrenz von Apple und Samsung mit guten Kamerasensoren zu beliefern, aber bei eigenen Spitzensmartphones seit zwei Jahren stets auf das falsche Pferd zu setzen? Diese Zeit soll nun vorüber sein, die Japaner schicken ihren betagten Bildsensor IMX220 endlich in die Wüste und ersetzen ihn durch einen neuen Exmor-RS-Sensor. Er ist mit 1/2,3 Zoll ebenso groß wie sein Vorgänger, löst nun aber nicht mehr 20,7 Megapixel, sondern 23 Megapixel auf. Der Clear Image Zoom, der auch ohne Tele-Objektiv eine nahezu verlustfreie Vergrößerung möglich machen soll, wird von einem 3-fachen auf einen 5-fachen Zoom angehoben, setzt dabei nun aber auch auf einen Zusatz aus digitalem Zoom.

Sony Xperia Z5 Kamera | (c) Areamobile

Sony Xperia Z5 Kamera | (c) Areamobile

Sony Xperia Z5 Kamera | (c) Areamobile

Sony Xperia Z5 Kamera | (c) Areamobile

Sony Xperia Z5 Kamera | (c) Areamobile

Sony Xperia Z5 Kamera | (c) Areamobile

 

Mehrgleisig fährt auch der neue Fokus-Motor des Xperia Z5. Als Hybrid-Autofokus bezeichnet Sony die Software-gesteuerte Entscheidung der Kamera für oder gegen das Scharfstellen durch Phasenvergleichs- oder Kontrastmessung. Das Smartphone misst bei geöffnetem Sucher die Entfernung zum Objekt und wählt schließlich automatisch aus, wodurch die Fokusgeschwindigkeit auf nur 0,03 Sekunden gedrückt werden soll. Ob die Kamera nun wirklich so schnell scharfstellt lässt, sich mit der menschlichen Wahrnehmung kaum belegen, tatsächlich aber ist der Fokus rasend schnell. Ein weiterer Vorteil des Hybrid-Autofokus ist der, dass selbst Gegenstände in den Ecken noch schnell und gut fokussiert werden können.

Der technische Unterbau stimmt also schon einmal, Sony schlägt mit dem Xperia Z5 den richtigen Weg ein. Das Ergebnis dieser Innovationen bleibt aber leider hinter den Erwartungen zurück, denn trotz dieser Fortschritte hat die neue Sony-Kamera mit vielen Problemen aus den vorigen Generationen zu kämpfen. Dazu zählen der mitunter drastische Abfall der Bildschärfe und die Verzerrungen zu den Ecken hin, die Neigung zu ausgebrannten Lichtern unter kontrastreichen, aber auch idealen Lichtbedingungen und die matschigen und mit leichten Fehlfarben durchsetzte Textur in Mitteltönen und Schatten.

Sony Xperia Z5 Vergleichsaufnahme | (c) Areamobile

Sony Xperia Z5 Vergleichsaufnahme | (c) Areamobile

Sony Xperia Z5 Vergleichsaufnahme | (c) Areamobile

Sony Xperia Z5 Vergleichsaufnahme | (c) Areamobile

 

Aus zuletzt genanntem Umstand gehen Fotos mit gegenteiligem Schärfeverhältnis hervor, denn wo helle Bereiche eben gestochen scharf und recht detailreich daherkommen, da wirken die dunkleren bisweilen einfach unscharf. Besonders die Zeichnung der Aufnahmen ist kein Vergleich zu Konkurrenzprodukten wie dem Galaxy S6 (siehe obenstehendes Bildbeispiel). Hervorzuheben bei der Kamera des Xperia Z5 sind der treffsichere automatische Weißabgleich, die gute und natürliche Farbwiedergabe sowie die in den meisten Fällen sehr gute Belichtungsmessung und stimmige Bilddynamik (mit erwähnten leichten Ausreißern in den Lichtern).

Sony Xperia Z5 Kamera | (c) Areamobile

Sony Xperia Z5 Kamera | (c) Areamobile

Nicht optimal schlägt sich die Kamera auch bei Aufnahmen unter schlechteren Lichtbedingungen. Die Rauschreduzierung leistet ganze Arbeit und übertreibt es dabei mit der Weichzeichnung - die Folge ist ein recht starker Detailverlust. Außerdem erkennen wir bei Nachtaufnahmen einen unüblichen und störenden Blauschimmer auf den Fotos, der zwar nicht in der Bildmitte, aber an den Ecken recht deutlich sichtbar ist. Der neue Hybrid-Autofokus kann es bei Dunkelheit nicht gegen einen Laserfokus aufnehmen, macht seine Arbeit aber insgesamt gut.

Sony Xperia Z5 Kamera | (c) Areamobile

Nachtaufnahme ohne Blitz | (c) Areamobile

Sony Xperia Z5 Kamera | (c) Areamobile

Nachtaufnahme mit Blitz | (c) Areamobile

Sony Xperia Z5 Kamera | (c) Areamobile

Nachtaufnahme | (c) Areamobile

 

Punktabzug gibt es für die Abstürze der Kamera-Anwendung während der Aufnahme von Fotos und Videos mit den AR-Effekten sowie die grausige Performance. Auch ohne die durch das Bild laufenden Dinosaurier oder spießenden Pilze ist die Leistung der Software eher kläglich, ganz flüssig ist die Anzeige auf dem Sucher nämlich nicht und die deutlich zu lange Verarbeitungszeit nach dem Auslösen kann den Spaß am Knipsen verderben. Von der "weltweit besten Kamera in einem Smartphone", wie sie der Hersteller selbst bewirbt und wie es ihr kürzlich vom Testlabor DxO bescheinigt wurde, ist das Xperia Z5 also noch ein ganzes Stück entfernt. So eignen sich die Fotos aus dem neuen Sony-Flaggschiff abermals wenig zum Pixel-Peeping oder für den Leinwand-Ausdruck im Wohnzimmer, auf dem Smartphone- oder Tablet-Bildschirm gehen sie aber in Ordnung.

Telefon-Funktion und Daten-Schnittstellen

Das Xperia Z5 kann - wie es sich für ein Top-Smartphone gehört - mit den aktuellsten und schnellsten Datenschnittstellen aufwarten, die es derzeit am Markt gibt. Dazu zählen LTE Cat-6 für Downloadraten von bis zu 300 MBit/s, WLAN ac im Dual-Band-Modus sowie Bluetooth 4.1 und ein NFC-Chip. Wo das Sony-Smartphone also ausreichende Verbindungsmöglichkeiten mit dem Internet bietet, da lässt es sich freilich auch zum Telefonieren verwenden. Die Sprachqualität ist nicht wirklich gut, Gesprächspartner dringen eher dumpf ans Ohr und berichten am anderen Ende selbiges. Hinzu kommen gelegentliche Verzerrungen an der anderen Leitung sowie ein minimal hörbares Leitungsrauschen. Auch das Telefonieren per Freisprechanlage bringt da keine Besserung, immerhin auch keine hörbaren Nachteile.

Akku-Laufzeit

Sony Xperia Z5 Kamera | (c) Areamobile

Sony Xperia Z5 | (c) Areamobile

Die Akku-Laufzeit des Xperia Z5 bleibt wie schon beim Xperia Z3 Plus hinter den geschürten Erwartungen zurück. Zumindest in einer Zeit, in der Sony auf den Snapdragon 810 als Antrieb setzt, scheinen die zwei Tage Laufzeit der Vergangenheit anzugehören - ärgerlich nur, dass der Hersteller sein Werbeversprechen seitdem nicht geändert hat. Um das Xperia Z5 über zwei Tage zu bringen, sind schon einige Einschnitte bei der Nutzung nötig. Wer viel im Internet surft, Filme schaut oder Spiele spielt, der wird das Smartphone spätestens nach anderthalb Tagen wieder an die Steckdose klemmen müssen. Auch in unserem Videotest zeigte sich das Xperia Z5 schwachbrüstig, mit einer Laufzeit von gerade einmal 3:52 Stunden ist es zwar minimal ausdauernder als das Xperia Z3 Plus, ein Xperia Z1 hält unter denselben Voraussetzungen aber mehr als anderthalb Stunden länger durch.

Schade ist, dass Sony sich wieder einmal dagegen gesträubt hat, sein Flaggschiff mit einem Akku auszustatten, der drahtlos geladen werden kann. Auch einen USB-Anschluss vom Typ-C sucht man vergeblich.

Fazit

Es bleibt dem Betrachter überlassen, ob er nun das drei Monate alte Xperia Z3 Plus oder aber das Xperia Z5 als überflüssigen Vertreter in Sonys Smartphone-Portfolio ansehen möchte. Fakt ist: Beide Geräte haben viele Gemeinsamkeiten, sei es beim technischen Unterbau, der Software oder beim Erscheinungsbild. Gemeinsam haben die zwei Xperias aber auch einige Probleme, denn der Snapdragon 810 sorgt nicht nur für gelegentliches System-Schluckauf (vor allem bei der Kamera), sondern auch dafür, dass das Xperia Z5 in gewissen Situationen heiß wird - trotz einer zusätzlichen Kühlungseinrichtung vom Hersteller. Auch die Kamera kann nicht restlos überzeugen und reiht sich trotz neuer und guter Ansätze bei der Technik hinter iPhone 6(S), Samsung Galaxy S6 und LG G4 ein.

Käufer eines Sony-Smartphones stehen vor der Entscheidung: Finden sie das Design des Xperia Z3 Plus oder das des Xperia Z5 ansprechender und können sie auf den Fingerabdrucksensor verzichten? Und ob sie ggf. bereit sind, die aktuell rund 200 Euro Mehrpreis für das Xperia Z5 zu berappen.

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Ich bin enttäuscht Sony! Dem Xperia Z3 Plus konnte ich mit etwas Wohlwollen doch einige Vorzüge gegenüber dem Xperia Z3 abgewinnen, vor allem aber hatte es mir das edle Design eurer Premium-Ergänzung angetan. Das kann ich nun vom Xperia Z5 nicht behaupten, der Funke ist bei mir als Nutzer der vergangenen vier Generationen einfach nicht übergesprungen. Das mag am kurzen Abstand zum Vorgänger liegen, oder am uninspirierten, klobigen Look. Auch einen wirklichen Mehrwert konnte ich einfach nicht ausfindig machen; die Kamera ist zwar etwas besser, hinkt aber nach wie vor deutlich hinter der Konkurrenz zurück. Schade, denn so wird das Xperia Z5 das erste Sony-Smartphone seit zwei Jahren sein, das an mit vorüber gehen wird.

Persönlicher Kommentar von Tobias Czullay

Testwertung Sony Xperia Z5
 
Handlichkeit und Design 81%
Verarbeitung 98%
Sprachqualität 91%
Akkuausdauer 81%
Ausstattung/ Leistung 92%
Kamera 89%
Internet 99%
Musik 98%
Software und Bedienung 97%
Navigation 91%
Gaming und Video 90%
Gesamtwertung
zum Testzeitpunkt
92%
Zeitwertung
(Stand 31.05.2016)
90%

Unsere Wertung im Detail

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Kommentare & Erfahrungsberichte
  1. 16.10.15 13:41 foetor (Advanced Handy Profi)
    "Beste Kamera in einem Smartphone" :D Fail Sony!

    Unglaublich und Sony wirbt mit "die beste Kamera in einem Smartphone"? Das ist mehr als dreist. Aber war zu erwarten. Die Nachtaufnahme geht ja mal gar nicht.
    Es ist einfach wahnsinnig schade weil ich seit dem ersten Z fast alle aus der Reihe hatte und mir Sony echt gefällt aber wegen der miesen Bidlqualität schwanke ich immer mehr auf andere Hersteller (leider bieten die keine IP-Zertifizierung)


    @AM Ihr hättet ruhig 1-2% abziehen können bei so einer Kamera und Akkuleistung.

  2. 16.10.15 13:51 blueskyx (Member)

    Ich hätte Wetten sollen, wer den Test zuerst kommentiert. :D

  3. 16.10.15 13:51 M.a.K (Handy Master)

    Heatpipes in einem Smartphone. Dass ich das noch erleben darf :)

    Hatte ich aber schon zum Release des S800 vermutet bald ähnliches zu sehen. Und wie damals vermutet, bringt es in der Praxis nicht wirklich etwas. Wenn die wenigstens mit der Gehäuseseite verbunden wären, aber da gibt es ja nur Kunststoff... Die Abwärme bleibt also im Gerät.

    So richtig schlau werde ich aus dem Test auch nicht. Was hatte Sony denn geplant als sie das Z5 entwickelt haben?

    Ich kann keinen Fortschritt erkennen.

  4. 16.10.15 14:00 foetor (Advanced Handy Profi)

    @blueskyx
    :D Naja hatte erst eben Mittagspause und habe es dann zufällig gesehen :P

    Bist du denn nicht enttäuscht?

    Finde halt so gut wie keine Punkte die für das Gerät sprechen:
    - Display -> nciht so gut
    - CPU -> Wäre der 808 besser gewesen
    - Kamera -> kein Fortschritt im Gegenteil, Ränder unscharf und Nachtaufnahmen nochmal schlechter
    - IP-Zertifzierung zwar vorhanden aber man darf damit nicht mehr in den Pool
    - Akku -> schlechter
    - Alter Micro USB-Anschluss
    - Design -> meins ist es nicht
    - Wieder nur eine Foto LED

    Das einzige Positive:
    - Fingerabdruckscanner

  5. 16.10.15 14:47 Marcitos (Handy Profi)

    Positiv ist tatsächlich nur der Fringerabdrucksensor und die schöne Rückseite (rein optisch).
    Ansonsten man man man...

  6. 16.10.15 14:55 Tobias Czullay (areamobile.de)

    @foetor: Du durftest auch mit früheren Modellen nicht in den Pool, es seidenn sie sind wie in Sonys Werbung komplett mit chlorfreiem Süßwasser gefüllt.

  7. 16.10.15 15:01 foetor (Advanced Handy Profi)

    @Tobias
    Ja gut das stimmt, aber meinem hat es nie geschadet egal ob ich im Pool oder Meerwasser war, danach kurz noch mit Süßwasser abgespült und gut war es :-) aber gebe dir Recht, nur Pool ohne Chlor?

    Also in den Pool möchte ich dann nicht :p
    http://cdn.news.o2.co.uk.s3.amazonaws.com/wp-content/uploads/2014/09/Xperia_Z3_underwater.jpg

  8. 16.10.15 15:09 theflo (Advanced Member)

    Ein Problem dürften die kurzen Release-Zyklen zu sein. Braucht es wirklich zwei Flaggschiffe pro Jahr?

  9. 16.10.15 15:38 Aladan (Member)

    Lustig, da berichtet eine auf Fotografie spezialisierte Seite, dass die Kamera die beste ist (und andere Seiten stimmen mit ein) und hier steht wieder was ganz anderes.

    Ja was denn nun?

  10. 16.10.15 16:25 foetor (Advanced Handy Profi)

    @Aladan

    Also bisher hat nur die eine Seite berichtet dass es "die Beste Kamera" ist alle anderen Tests zeigen was anderes ;-)

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