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Autor: Tobias Czullay 15.03.2017 - 17:34 | 13

Huawei P10 Testbericht

Tops und Flops
  • Tops
  • Tolle Kamera, die einfach Spaß macht
  • Knackiges Display
  • Sehr gute Verarbeitung
  • Top-Performance
  • Flops
  • Wenig Neues zum P9
  • Nur USB 2.0
  • Kein Wasserschutz

Huawei P10 Test: Stillstand auf hohem Niveau

Das Huawei P10 tritt ein schweres Erbe an, das P9 galt im Vorjahr immerhin als eines der besten Smartphones mit einer wegweisenden Kamera. Können die Chinesen den Erfolg wiederholen? Der Test soll es klären.

Huawei P10 | (c) Areamobile

Huawei P10 im Test | (c) Areamobile

Spätestens mit dem P9 und der Zusammenarbeit mit dem deutschen Kamera-Hersteller Leica ist Huawei auch bei Smartphone-Laien und Vertragsverlängerern ins Blickfeld gerückt. Zu recht, das P9 bietet ein gutes Preis-Leistungsverhältnis, sieht schick aus und hält eine der spannendsten und besten Smartphone-Kameras bereit. Mit dem Huawei P10 greift der chinesische Hersteller die Erfolgsformel des Vorgängers auf - wagt dabei aber keine Experimente.

Gehäuse-Design und -Verarbeitung

Das P10 ist wie andere hochpreisige Smartphones von Huawei erwartungsgemäß hervorragend verarbeitet. Nichts wackelt, nichts klappert, die Kamera ist bündig zur Rückseite verbaut, Tastendruckpunkte und -Hübe sind ausgezeichnet. Für das Gehäuse setzen die Chinesen traditionell auf Metall, nur die Dual-Kamera, der Blitz und das Laserfokusmodul sitzen in einem schmalen Balken aus Glas. Die Antennen des P10 lässt der Hersteller, ähnlich wie Apple beim iPhone 7, zu den kurzen Enden hin ranken. Wirklich unauffälliger als beim Vorgänger sind sie deshalb aber nicht. Mit den Antennen enden die Gemeinsamkeiten mit dem Apple-Smartphone aber nicht, die Form des Unibodys mit seinen starken Rundungen findet sich so auch beim iPhone 7 vor. Zur Vorderseite hin gibt es eine feine Schliffkante, die in eine schmale Plastikeinfassung übergeht, die wiederum das leicht gewölbte Displayglas hält.

Huawei P10 | (c) Areamobile
Huawei P10 | (c) Areamobile

Huawei P10 | (c) Areamobile

Die Farbe Dazzling Blue mit Diamond-Cut-Finish | (c) Areamobile

 

Im Rahmen finden sich die gebräuchlichen Aussparungen und Knöpfe. Rechter Hand ist das die farbig umrandete und mit einem fühlbaren Relief versehene Power-Taste, darüber sitzt die Lautstärkewippe, links ist das Schubfach für Nano-SIM- und microSD-Karte im Gehäuse versenkt. Am Stirnende gibt es lediglich eine kleine Mikrofonöffnung, am Fußende finden sich der Lautsprecher, der USB-C-Anschluss und ja, auch eine Klinkenbuchse. Letztere ist arg scharfkantig geraten und schneidet bei längerem Halten in den stützenden kleinen Finger ein - wird der weiter zum USB-Port verlagert, gibt es an der Haptik des P10 im Test keinen Grund zur Kritik.

Der wohl größte Unterschied zum P9 liegt beim neuen Modell in der Positionierung des Fingerabdrucksensors. Für das P10 und auch die folgenden Top-Smartphones verfrachtet Huawei den Scanner von der Rückseite nach vorne unter das von Gorilla Glas 5 bedeckte Display. Dort sitzt er leicht vertieft und lässt sich auch ohne direkten Blick auf das Smartphone leicht erfühlen, durch seine Glasoberfläche und die unsichtbare Metalleinfassung fügt er sich sehr gut das Gesamtbild ein, trotz der Stufe wirkt die Front wie aus einem Guss. Der Sensor dient auch als Home-Taste für das Android-Betriebssystem, allerdings gibt es anders als bei den Galaxy-Smartphones von Samsung keine kapazitiven Schaltflächen ringsum. Wie der Knopf trotzdem zur Bedienung aller gängigen Funktionen genutzt wird, klären wir weiter unten im Test.

Huawei P10 | (c) Areamobile
Huawei P10 | (c) Areamobile
Huawei P10 | (c) Areamobile

Der Power-Button ist rot umrandet | (c) Areamobile

Unten sitzen USB-C- und Kopfhöreranschluss | (c) Areamobile

Unter dem Display befindet sich neuerdings der Fingerabdrucksensor | (c) Areamobile

 

Unterm Strich ist das Huawei P10 im Test durchaus schick anzuschauen. Sonderlich weit aus dem Fenster gelehnt hat sich der Hersteller aber auch nicht. Zu vertraut erscheint das Design, zu wenige besonders hervorstechende Details gibt es zu begutachten. Zumindest bei der schwarzen Variante, dessen Metallrücken mit Sandstrahlbehandlung auf einen matten Look getrimmt wurde. Von den auf dem MWC angekündigten Varianten mit dem extravaganten Hyper-Diamond-Cut erscheint das P10 nur in Blau und Gold, in Schwarz und Grau gibt es das Smartphone nur mit matter Metalloberfläche.

Display-Größe und -Qualität

Das Display des P10 misst 5,1 Zoll und stellt 1.920 x 1.080 Pixel dar. Damit ist es bei gleich bleibender Auflösung sogar minimal kleiner als beim Vorgänger, dessen Bildschirm 5,2 Zoll groß ist. Das verwundert gerade in Anbetracht der Tatsache, dass Huawei das Gehäuse des P10 nicht kleiner gestaltet hat, es im Gegenteil sogar einen Millimeter länger ist. Damit setzt der Hersteller einen Kontrapunkt zu LG G6 und Samsung Galaxy S8, da hier die Hersteller die neuen Topmodelle ähnlich groß zu den Vorgängern bauen, aber deutlich größere Displays hinein stecken. Das ist ein wenig schade, wird dadurch doch ein der Eindruck gefestigt, dass Huawei Bildschirmtrends einfach aussitzt und abwartet, statt selbst die Rolle des Vorreiters einzunehmen.

Huawei P10 im Displaytest - Blickwinkelstabilität | (c) Areamobile
Huawei P10 im Displaytest | (c) Areamobile

Huawei P10 im Displaytest - Blickwinkelstabilität | (c) Areamobile

CIE-Farbraum | (c) Areamobile

 

Schlecht ist das IPS-Display im P10 deshalb natürlich nicht. Hinsichtlich der Farbwiedergabe und Kontrastdarstellung ist es sogar im direkten Vergleich zum P9 um einiges knackiger. Darüber hinaus ist es viel heller: Wo das P9 nach unserer Messung nur bis zu 370 cd/m² erreichte, da leuchtet das Display des P10 mit bis zu 530 cd/m². Die Blickwinkelstabilität ist gut, die Anzeige wird bei Neigung des Smartphones zwar etwas dunkler, die Farben werden nur wenig blasser. Das schnellste Panel scheint Huawei jedoch nicht zu verbauen, beim Scrollen durch Webseiten und sonstige Listen zieht das Bild sichtbar hinterher. An der Auflösung haben wir generell nichts zu bemängeln, Full-HD reicht bei einem Bildschirm knapp über der 5-Zoll-Marke für eine scharfe Anzeige aus.

System: Hardware, Software und Bedienung

Unter der Haube des P10 sitzt mit dem Kirin 960 derselbe Chipsatz, den Huawei schon im Mate 9 verbaut hat. Dabei handelt es sich um einen Octa-Core-Prozessor im big.LITTLE-Design, der sich aus einem leistungsstarken Cortex-A73-Vierkerner mit 2,4 GHz und einem schwächeren 1,8 GHz Quad-Core-Riegel in Cortex-A53-Bauweise zusammensetzt. Gepaart ist die 16-Nanometerplatine mit einem 4 GB großen Arbeitsspeicher, nur im größeren P10 Plus stecken 6 GB RAM. Die meisten Hersteller belassen es für ihre diesjährige Top-Smartphones bei 4 GB, ein Problem stellt das aber nicht dar. Denn noch lassen sich die Vorteile eines größeren Arbeitsspeichers allenfalls erahnen, wirklich spürbar sind sie auch während des Multitaskings nicht. Wichtiger ist da vielmehr, dass die Geschwindigkeit der Speichermodule stimmt - und dafür Huawei setzt beim P10 mit LPDDR4 und UFS 2.0 beim 64 GB großen internen Speichermedium auf aktuelle High-Speed-Standards.

In den einschlägigen Benchmarks kann das P10 seine tolle Leistung dann auch unter Beweis stellen, der Vorteil gegenüber dem P9 mit Kirin 955 und sogar dem Mate 9 fällt dabei mitunter deutlich aus. Auch die Top-Smartphones aus dem Vorjahr anderer Hersteller wie HTC oder Samsung sticht das P10 aus, jedoch bleibt abzuwarten, wie sich die unmittelbar bevorstehenden Geräte mit Snapdragon 835 und Exynos 8895 im Vergleich schlagen werden.

Android 7.0 mit EMUI 5.1 bietet zahlreiche nützliche Features

Seitens der Software ist das neue Huawei-Smartphone nur fast auf dem aktuellsten Stand, statt Android 7.1.1 bekommen wir Android 7.0 Nougat mit der neuen UI-Version EMUI 5.1 vorgesetzt. Rein optisch unterscheidet sich das neue EMUI kaum von der Ausgabe auf dem Mate 9, mit der sich Huawei glücklicherweise von den bislang ja immer sehr offensichtlichen iOS-Anleihen gelöst hat. Zwar gibt es nach wie vor einige Elemente, die an das Apple-Betriebssystem erinnern, so beispielsweise die Leiste aus Schnellzugriffen, die sich auf dem Sperrbildschirm von unten nach oben ins Bild wischen lässt. Da hier aber in der Tat sehr hilfreiche Direktzugänge zu Taschenlampe, Stoppuhr oder den Taschenrechner geboten werden, gibt es hieran nichts auszusetzen.

Huawei P10 Unboxing | (c) Areamobile
Huawei P10 Unboxing | (c) Areamobile
Huawei P10 Unboxing | (c) Areamobile

EMUI 5.1 mit App-Drawer | (c) Areamobile

Die vorinstallierten Apps | (c) Areamobile

Die Benachrichtigungsleiste | (c) Areamobile

 

Die Anleihen an Googles Material Design sind seit Version 5 des Herstelleraufsatzes stärker ausgeprägt, Transparenzeffekte wurden reduziert und sogar ein App-Drawer kann hinzugeschaltet werden. App-Shortcuts wie bei den Smartphones von Google oder Samsung gibt es nicht, zudem unterstützen viele Huawei-Apps die mit Android 7.0 Nougat eingeführte Splitscreen-Ansicht nicht.

Vor allem aber unter der Oberfläche will Huawei Verbesserungen in EMUI untergebracht haben. Dazu zählt zum einen das intelligente Speichermanagement "Ultra Memory", mit dem die vom Nutzer häufiger aufgerufen Apps analysiert werden und zu gewissen Bestandteilen im Arbeitsspeicher verbleiben. Zum anderen merkt EMUI 5.1 sich wiederholende Nutzungsabläufe, beispielsweise eine Reihenfolge stets hintereinander geöffneter Apps oder Funktionen. Durch Priorisierungen und Vorhersagen sollen die Aufrufzeiten von Apps reduziert und ihre Performance gesteigert werden. Funktionen, die sich im Alltag so bislang kaum bemerkbar gemacht haben und ohnehin nur schwer messbar sein wird. Merklich schneller als andere Smartphones mit 4 GB RAM ist das P10 jedenfalls nicht.

In EMUI 5.1 hat Huawei außerdem neue Touchscreen-Treiber untergebracht, die für eine besonders schnelle Reaktionszeit sorgen sollen. Tatsächlich ist der Bildschirm sehr sensibel, auch versehentliches Auflegen des Handballens beim Halten verzeiht das Smartphone nicht. Darüber hinaus kommt es zumindest bei mir regelmäßig dazu, dass Wischgesten beim Scrollen durch den Homescreen oder dem Entfernen von Benachrichtigungen nicht vollständig erfasst werden - Bildschirm und Nachricht schnappen dann wie ein Gummiband in ihren Ausgangszustand zurück. Das ist mir bislang bei keinem anderen Smartphone passiert, beim P10 allerdings gleich bei drei unterschiedlichen Geräten. Deren eigentliche Nutzer haben diese Probleme nicht. Auch der immerhin 2,7 GB schwere Day-One-Patch für das P10 hat die Bedienung für mich nicht leichter gemacht.

Huawei P10 Unboxing | (c) Areamobile
Huawei P10 Unboxing | (c) Areamobile
Huawei P10 Unboxing | (c) Areamobile

Die Onscreen-Buttons können auf Wunsch eingeblendet werden | (c) Areamobile

Bei einfachem Tippen auf den Home-Button wird zurück navigiert, ... | (c) Areamobile

... langes Drücken führt zum Homescreen, Wischen zum Multitasking | (c) Areamobile

 

Woran ich mich entgegen meiner Erwartung gewöhnen konnte ist der neue Home-Button. Nachdem ich anfangs instinktiv die On-Screen-Buttons eingeschaltet hatte, störte ich mich schnell an der ungenutzten Taste unter dem Bildschirm. Anders als bei den Smartphones von Samsung, dem OnePlus 3 oder dem HTC 10 befinden sich neben der berührungsempfindlichen Home-Taste keine weiteren Schaltflächen, stattdessen nimmt sie die Funktion von drei Knöpfen ein. Langes drücken führt zum Homescreen, durch kurzes Antippen wird zurück navigiert und ein Wischen von links oder rechts in die Sensorfläche hinein öffnet sich die Multitasking-Ansicht. Google Now wird durch Wischen vom unteren Rand in die Bildschirmmitte aufgerufen. Das ist ziemlich ungewöhnlich und erfordert eingangs auch ein wenig Konzentration. Allerdings geht die Bedienung schnell in Fleisch und Blut über, Huawei hat die Funktionsbelegung sehr intuitiv und mit der absolut richtigen Gewichtung vorgenommen.

Der Fingerabdrucksensor in der Home-Taste ist wie von den Smartphones von Huawei gewohnt sehr schnell und zuverlässig, durch die ovale Form entstehen keine Nachteile. Wohl aber fordert die Platzierung auf der Vorderseite ein Opfer: Die von früheren Smartphones bekannten Wischgesten, mit denen zum Beispiel die Benachrichtigungsleiste ausgeklappt werden konnte, gibt es bei P10 nicht. Stattdessen setzt der Hersteller weiter auf die Knöchelgesten, die - sofern aktiviert - wie gehabt dann und wann auch bei normalen Fingereingaben auslösen und selten dann funktionieren, wenn sie es sollen.

Sinnvoll ist hingegen die Bewegungssteuerung, mit der das Smartphone beispielsweise einfach mit dem Display nach unten auf den Tisch gelegt werden kann, um einen eingehenden Anruf stumm zu schalten. Auch das mit dem Mate 9 eingeführte App-Cloning ist beim P10 mit dabei. Damit lässt sich das Duplikat einer App erstellen, welches dann parallel zum Original mit einem anderen Account genutzt werden kann. Das Feature beschränkt sich bislang jedoch auf WhatsApp und Facebook und funktioniert nur dann, wenn der EMUI-Launcher eingerichtet ist - bei alternativen Launchern wie Nova wird das Icon des Zwillings nicht angezeigt. Vor allem für die ja immerhin für den freien Verkauf in Deutschland vorgesehene Dual-SIM-Version des P10 ist die Aussicht auf zwei parallele WhatsApp-Accounts sehr attraktiv.

Kamera

Wie schon beim P9 rückt Huawei beim P10 die Kamera ins Rampenlicht. Die setzt sich erneut aus zwei gleichen 28-Millimeter-Objektiven mit f/2.2-Blende sowie je einem Farb- und einem Monochrom-Bildsensor zusammen und wurde in Zusammenarbeit mit Leica entwickelt. Der Kamerahersteller aus Wetzlar zeigt sich unter anderem für die Definition der Bildqualität in den Bereichen Farbtreue, Weißabgleich, Kontrastumfang und Schärfe verantwortlich, hat die Konstruktion des Kameramoduls in Hinblick auf Streulichteffekte überwacht und allgemeine Produktionsstandards und -Toleranzen festgelegt.

Huawei P10 | (c) Areamobile
Huawei P10 Unboxing | (c) Areamobile

Die Dual-Kamera wurde mit Leica entwickelt | (c) Areamobile

Die App ist übersichtlich | (c) Areamobile

 

Streng genommen steckt im P10 neben dem selben Prozessor auch dieselbe Kamera, die es bereits mit dem Mate 9 zu kaufen gibt - eine Dual-Kamera mit größerer Blende gibt es nur im P10 Plus. Der Farbsensor im P10 hat eine Auflösung von 12 Megapixel, der Monochrom-Sensor löst 20 Megapixel auf. Letzterer ist nicht nur zum Knipsen von Schwarz-Weiß-Fotos, sondern auch für die Messung von Tiefeninformationen abbestellt, anhand derer sich Fotos mit einer künstlichen Tiefenunschärfe ("Bokeh") belegen lassen. Zudem ist er für die Kontrastabbildung verantwortlich, vermengt mit den Farbinformationen des RGB-Sensors sollen sich dadurch besonders knackige Bilder ergeben.

Die maximal mögliche Bildauflösung orientiert sich am Monochrom-Sensor, Farb- und Schwarz-Weiß-Aufnahmen können also mit bis zu 20 Megapixel aufgenommen werden. Neu in der P-Serie - beim Mate 9 schon vorhanden - ist die von Huawei "Hybrid Zoom" genannte, zweifache Bildvergrößerung, die bei einer Auflösung von höchstens 12 Megapixel direkt auf dem Sensor und dadurch weitestgehend verlustfrei ausgeführt wird. Der Hybrid Zoom kann jedoch nur für Farbfotos genutzt werden, bei Schwarz-Weiß-Aufnahmen greift der gängige, verlustbehaftete Digitalzoom. Neben dem Zoom gibt Huawei ambitionierten Fotografen noch allerhand nützliche Funktionen und Einstellungen in die Hand, so beispielsweise einen manuellen Modus, in dem Belichtungszeiten kleinschrittig bis zu 30 Sekunden definiert werden dürfen, oder die Möglichkeit, Fotos im RAW-Format aufzunehmen.

Huawei P10 Kamera | (c) Areamobile
Huawei P10 Kamera | (c) Areamobile

Standard-Brennweite mit 20 Megapixel | (c) Areamobile

Hybrid-Zoom mit 12 Megapixel | (c) Areamobile

 

Wie schon beim P9 macht es ungeheuren Spaß mit der Kamera des P10 zu fotografieren. Das Interface ist vergleichsweise übersichtlich, trotz der vielen zuschaltbaren Filter, Aufnahmemodi und Effekte. Die größte Freude macht die Aufnahme von Schwarz-Weiß-Fotos, die durch ihren speziellen Look eigentlich jedes Motiv cool aussehen lassen. Besonders atmosphärisch geraten natürlich in Schwarz-Weiß gehaltene Street-Aufnahmen, Porträts erhalten durch den Kontrast ihren einzigartigen Charakter. Ein gesonderter Porträtmodus, der sich jederzeit hinzuschalten lässt, verstärkt die Zeichnung und gibt den Fotos dadurch mehr Tiefe. Dafür hat Huawei dann auch einen eigenen Algorithmus entwickelt, der auf Gesichtsformen und Hauttönen basiert. Bei maximaler Einstellung werden Gesichter wie bei so einigen Beauty-Filtern aber komplett glatt bügelt und erscheinen unnatürlich.

Huawei P10 Kamera | (c) Areamobile
Huawei P10 Kamera | (c) Areamobile

Farbfoto | (c) Areamobile

Schwarz-Weiß-Szene | (c) Areamobile

 

Auch Farbfotos gelingen in der Regel gut, die Farbwiedergabe ist nicht zu aufdringlich, der automatische Weißabgleich arbeitet zuverlässig und gibt den Fotos einen natürlichen Ton. Die Belichtungsmessung im Automatik-Modus ist bei Tageslichtaufnahmen ausgezeichnet, auf Wunsch kann der Messpunkt gesondert zum Fokus ganz einfach durch Berührungen im Sucher nachjustiert oder eben vollständig manuell bestimmt werden. Wird es dunkel regelt das P10 zuallererst den ISO-Wert auf bis zu 3.200 hoch, ehe die Belichtungszeit verlängert wird. Dadurch entsteht ein sehr unansehnliches Bildrauschen, Verwacklungen sollen dadurch aber reduziert werden. Mit ein wenig Stützhilfe oder einem Stativ lohnt es sich, den ISO-Wert und die Belichtung eigenhändig festzulegen, die Ergebnisse sind fast immer besser als die aus der Automatik.

Huawei P10 Kamera | (c) Areamobile
Huawei P10 Kamera | (c) Areamobile
Huawei P10 Kamera | (c) Areamobile

Nachtaufnahme, Automatik | (c) Areamobile

Nachtaufnahme, Manuell | (c) Areamobile

Testfoto | (c) Areamobile

 

Die Schärfe bei der Dual-Kamera des Huawei P10 ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sind Fotos fast schon überscharf, was sich bei feineren Kanten durch die darum entstehenden Heiligenscheine bemerkbar macht. Auch das Grundrauschen kommt dadurch in Mitteltönen stärker zur Geltung. Andererseits sitzt der Autofokus vor allem bei weiter entfernten Motiven hin und wieder dezent daneben, was sich zu allem Ärger meist erst in der Originalansicht auf dem großen Bildschirm zeigt. Das sollte durch die immerhin vier Messmethoden Laserfokus, Kontrast- und Tiefenmessung sowie Phasenerkennung eigentlich nicht passieren. Schön schnell ist die Fokussierung immerhin, sie steht dem rasanten Galaxy S7 in nichts nach. Allerdings: Nur im Farbmodus, bei Schwarz-Weiß-Fotos ist der Fokus langsamer, der Motor pumpt sichtbar nach.

Huawei P10 Kamera | (c) Areamobile
Huawei P10 Kamera | (c) Areamobile

Testfoto | (c) Areamobile

Selfies werden mit 8 Megapixel geknipst | (c) Areamobile

 

Wird in den Monochrom-Modus gewechselt, muss der Nutzer mit einigen Einschränkungen leben. Es können keine Videos in Schwarz-Weiß aufgenommen werden, Selfies auch nicht, Echtzeit-Filter lassen sich nicht auswählen, der Hybrid-Zoom funktioniert nicht und eine Bildstabilisierung gibt es ebenfalls nur bei Farbaufnahmen. Immerhin lässt sich der manuelle Modus in vollem Umfang nutzen, ebenso die "Große Blende". Zuletzt genannter Modus wird von Huawei und auch von anderen Herstellern gerne beworben, bei P9, Mate 9 und P10 soll ja sogar der Zweitsensor für viel bessere Ergebnisse sorgen. Wer wie ich privat mit Spiegelreflex- und Systemkameras mit Wechselobjektiven unterwegs ist, dem wird dieses künstliche Bokeh nicht viel mehr als ein müdes Lächeln entlocken, vor allem die unsauberen Kanten stören den Effekt und lassen ihn sehr unnatürlich wirken. Ganz nett ist die Möglichkeit, den Bokeh-Effekt auch nachträglich noch am einmal ausgerichteten Motiv in seiner Intensität zu beeinflussen.

Huawei P10 Kamera | (c) Areamobile
Huawei P10 Kamera | (c) Areamobile
Huawei P10 Kamera | (c) Areamobile

Ohne Porträtmodus | (c) Areamobile

Mit Porträtmodus | (c) Areamobile

Große Blende | (c) Areamobile

 

Der Modus "Große Blende", in dem Blendenöffnungen zwischen f/0,95 und f/16 simuliert werden, lässt sich auch während der Aufnahme von Videos einsetzen und sogar in Echtzeit manipulieren. Allerdings reduziert sich die Auflösung dann auf 1.280 x 720 Pixel und auch die optische Bildstabilisierung wird dafür ausgeschaltet. Maximal möglich sind dem P10 Videos mit 4K-Auflösung, zudem gibt es einen Aufnahmemodus für Full-HD mit 60 Bildern pro Sekunde und einen Zeitlupenmodus mit Full-HD und bis zu 120 Bildern pro Sekunde. Videos gelingen der Huawei-Kamera recht ordentlich, allerdings muss man mit gelegentlichem Fokuspumpen und spontanen Veränderungen am Weißabgleich leben können. Letzterer lässt sich auf Wunsch für eine Aufnahme manuell definieren, ebenso kann zwischen den Fokus-Modi AF-S, AF-C und manuell gewechselt, eine Belichtungskorrektur vorgenommen und der Messmodus bestimmt werden.

Gesprächsqualität und Akku-Laufzeit

Die Gesprächsqualität beim Huawei P10 gibt keinen Anlass zur Kritik, die Anrufer dringen klar und deutlich durch die Hörmuschel ans Ohr. Die Reduzierung von Umgebungsgeräuschen ist wirkungsvoll, lässt den Klang am anderen Leitungsende aber bisweilen ein wenig dumpf werden. Auch bei der Nutzung der Freisprechfunktion gibt es keine Auffälligkeiten, die Lautsprecher des Smartphones sind laut und klar im Klangbild, die Mikrofone filtern Lärmquellen gut heraus.

Bei der Akkulaufzeit hapert es hingegen, hier konnte uns das P10 nicht überzeugen. Trotz der gegenüber dem P9 leicht gestiegenen Kapazität von 3.200 mAh ist mehr als ein Tag bei gemäßigter Nutzung mit Musikhören, Internetsurfen und Schreiben von WhatsApp-Nachrichten kaum drin. In unserer Videodauerschleife erreichte das P10 exakt 6 Stunden Betrieb bei maximaler Bildschirmhelligkeit, im Akku-Benchmark von PC-Mark waren es 5:26 Stunden. Das Huawei-Smartphone unterstützt Schnellladen, ein entsprechendes Super-Charge-Netzteil ist im Lieferumfang enthalten. Geladen wird über einen USB-C-Anschluss, der allerdings nur Datenübertragung nach USB-2.0-Standard beherrscht.

Fazit

Das Huawei P10 ist ein tolles Smartphone, keine Frage. Allerdings hebt sich das neue, 599 Euro teure Flaggschiff nur wenig von seinem Vorgänger ab, die Chinesen gehen auf Nummer sicher. Und lassen sich nach dem jahrelangen Aufschluss zur Konkurrenz wieder überholen: Wo LG und Samsung auf extragroße Displays im kompakten Gehäuse setzen, da geht Huawei den entgegengesetzten Weg, verpennt den Trend zum Wasserschutz und setzt weiter auf einen alten USB-Übertragungsstandard. Auch bietet es weder Besonderheiten wie Stereo-Lautsprecher oder Unterstützung für Google Daydream. Die Empfehlung steht und fällt also mit der Dual-Kamera.

Das Fotografieren mit der Dual-Kamera machte schon beim P9 viel Spaß, das ändert sich mit dem P10 nicht. Der Schwarz-Weiß-Modus lässt auf Knopfdruck kleine Kunstwerke entstehen, wirklich viel falsch machen kann man damit nicht. Hinzu kommen ein optischer Bildstabilisator und der "Hybrid Zoom", der Bokeh-Modus wird seine Fans finden, wird ambitioniertere Fotografen aber nicht zufrieden stellen. Der Kamerafokus ist flink bei der Sache, allerdings nicht immer ganz treffsicher. Flink ist auch der Kirin 960 mit 4 GB RAM, der uns zu keiner Gelegenheit im Stich gelassen hat. Der neue Home-Button mit integriertem Fingerabdrucksensor und Dreifachbelegung erfordert zum Einstieg ein wenig Umgewöhnung, die Bedienung geht aber schnell in Fleisch und Blut über.

Unterm Strich ist das Huawei P10 natürlich leistungsstärker und bietet die etwas bessere Kamera, Besitzer eines P9 dürfen aber bedenkenlos noch ein weiteres Jahr ausharren und auf ein hoffentlich wieder ambitionierteres P11 warten.

Testwertung Huawei P10
 
Handlichkeit und Design 89%
Verarbeitung 97%
Sprachqualität 93%
Akkuausdauer 77%
Ausstattung/ Leistung 87%
Kamera 92%
Internet 98%
Musik 83%
Software und Bedienung 98%
Navigation 90%
Gaming und Video 92%
Gesamtwertung
zum Testzeitpunkt
91%
Zeitwertung
(Stand 22.07.2017)
87%

Unsere Wertung im Detail

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Bewertet am 05.04.2017

Alle 2 Meinungen zusammengefasst
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berechnet aus 2 Bewertungen von Areamobile Lesern.

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Kommentare & Erfahrungsberichte
  1. 15.03.17 20:17 gogega (Member)
    Mit EMUI drauf ist alles nichts.

    Die Hardware kann noch so gut sein:
    EMUI hat noch jedes Gerät ruiniert.

    Eine Software, die fehlerhaft trotz aller Berechtigungen Apps im Hintergrund willkürlich abschießt (selbst noch beim Mate 9!), die kann man komplett vergessen.

    Ein Fehler, der sich bei vielen EMUI-Geräten ab EMUI 4.x findet und auch noch bei EMUI 5 weiter besteht.

    Absolut sinnlos. Empfehle dazu einen erhellenden Blick in's Android-Hilfe-Forum ...

  2. 15.03.17 20:55 SiddiusBlack (Advanced Member)

    @gogega
    Ich hab jetzt eine Woche das Nova und Emui ist das beste was ich je erlebt habe...da wird nix abgeschossen...alles läuft wunderbar und ich nutze nicht gerade wenig Apps täglich...

    Hier macht Huawei alles richtig. Hater findest halt überall die kacke über andere Hersteller erzählen nur um ihr eigenes Konkurrenz Gerät ins beste Licht zu rücken

  3. 15.03.17 22:12 gogega (Member)

    @ SiddiusBlack:

    Keine Bange, mein Telefon ist das Huawei Mate S, bei dem das gleiche passiert.

    Dort werden, genau auch wie etwa beim Mate 8 und 9, P9 und P9 lite, GPS-Apps (etwa Runtastic etc.) nach einiger Zeit geschlossen, so dass längere Aufzeichnungen bei ausgeschaltetem Bildschirm unmöglich werden.

    Vielleicht hast Du eben genau dies bisher nicht mit Deinem Telefon getan (wie wohl nur die Wenigsten), aber das macht die Sache für die Betroffenen nicht weniger nervig.w

  4. 15.03.17 23:07 chief (Professional Handy Master)

    @Siddius

    Das stimmt was gogega schreibt. Habe das Thema bei Android-Hilfe auch verfolgt, da ich aktuell am P10 Plus interessiert bin.

    Aktuell haben alle Geräte irgendwie einen Pferdefuß. Muss man sich wohl, für den einen persönlich am geringsten zum tragen kommenden, erscheinenden.

  5. 15.03.17 23:47 AlfredENeumann (Handy Profi)

    @SiddiusBlack
    Wart mal ab, kommt noch.
    Huawei hat da wirklich was vermurkst. Entweder werden Apps die noch laufen willkürlich geschlossen oder Push funktioniert nicht richtig. Bei meinem P8 hab ich so ziemlich alles freigegeben damit nichts geblockt oder geschlossen wird. Dadurch verliert es aber mächtig an Laufzeit. Im laufe des Tages 80% ohne großartig in Aktion gewesen zu sein.

  6. 16.03.17 03:58 Pikachus (Handy Profi)

    also is eig das beste Gerät das Galaxy s7, das hat alles von Wasserdichtigkeit über SD Slot zu MegaAkku

  7. 16.03.17 14:35 Jackthehype (Advanced Member)

    Die Kamera klingt jetzt nicht so gut: Bildrauschen, Überschärfe, Autofokus-Probleme, Einschränkungen im Monochrom-Modus. Ich denke mal, mehr als aufschließen konnten die nicht...

    Dazu kommt, das Gerät ist total langweilig und uninteressant für den Preis. Es hat keinen HIFI-DAC (oder es wird rein gar nicht darauf eingegangen), einen alten Prozessor, nur USB 2.0 (hallo 2017???), keine gute Akkulaufzeit, immer noch zu große Bezeln und besondere Features kann es nicht bieten. Die Verarbeitung und Qualität sind natürlich Standard in dem Segment, schafft mittlerweile jeder Hersteller.

    Warum sollte man es dann kaufen, besonders mit solchen Software-Problemen?

  8. 16.03.17 21:01 benthepen (Advanced Handy Master)

    Was mich stört, ist das langweilige allerweltsdesign, und diese dicken Ränder oberhalb und unterhalb vom Display. Selbst der Rand unten mit dem Sensor ist riesig, und das 2017. Wie es geht, zeigt man ja mit der Mate Reihe. Zudem ist das P10, infolge dessen, für 5,1 Zoll echt groß, und das Plus ist für 5,5 fast so groß wie das Mate 9! Hallo? Kein Induktives Laden, immernoch nicht wasserdicht und noch USB 2.0.

  9. 16.03.17 22:15 bocadillo (GURU)

    So,

    Und jetzt schauen wir mal auf den Preis, dann auf den angekündigten des LG G6 und jetzt sag mir mal einer waru LG den Preis niedriger hätte ansetzen sollen. Es sind halt ANdroiden und alle kochen mit der selben Suppe.

    Pikachus

    Ob das S7 das beste ist...da kommen dann wieder die Touchwizz hasser ;-)

    Das Beste gibt es. Nicht- jedes gErät ist ein subjektiver Kompromiss mit nur einem halbwegs rationalem Faktor- dem Budget für den Preis

  10. 16.03.17 22:15 bocadillo (GURU)

    So,

    Und jetzt schauen wir mal auf den Preis, dann auf den angekündigten des LG G6 und jetzt sag mir mal einer waru LG den Preis niedriger hätte ansetzen sollen. Es sind halt ANdroiden und alle kochen mit der selben Suppe.

    Pikachus

    Ob das S7 das beste ist...da kommen dann wieder die Touchwizz hasser ;-)

    Das Beste gibt es. Nicht- jedes gErät ist ein subjektiver Kompromiss mit nur einem halbwegs rationalem Faktor- dem Budget für den Preis

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