In der größten Krise seit den 1930er Jahren, welche die Weltwirtschaft gerade durchlebt, sieht die Mobilfunk-Industrie eine Chance. Die Chefs der 25 weltgrößten Netzbetreiber, Handy-Hersteller und Netzausrüster versprechen in einem offenen Brief an die Teilnehmer des G20-Gipfels in London schier unglaubliches. Man wolle mehr als 25 Millionen Arbeitsplätze durch Investitionen von mehr als 550 Milliarden US-Dollar schaffen - aber nur, wenn diese etablierten Mobilfunkanbieter ihre benötigten Funkfrequenzen zugeteilt bekommen und die Regulierung des Mobilfunkmarktes eingedämmt wird.
Zu den Unterzeichnern gehören René Obermann (Deutsche Telekom / T-Mobile), Carl-Hennig Svanberg (Ericsson), Olli Pekka Kalasvuo (Nokia) und viele andere Schwergewichte der Branche. Sie wollen die Mobilfunkversorgung und den Zugang zum mobilen Internet massiv ausbauen und versprechen, der Weltwirtschaft dadurch einen Schub zu geben. Vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern würde ein Ausbau der mobilen Infrastruktur zu Produktivitätssteigerungen auf breiter Basis führen.
Ihr Versprechen verknüpft die Mobilfunkindustrie aber mit deutlichen Forderungen. Zum einen müssten sie die benötigten neuen Funkfrequenzen zugeteilt bekommen. In diesem Sommer werden weltweit neue Lizenzen vergeben, weil nach der Abschaltung des Analogfernsehens viel Spektrum frei ist. Das interessiert auch Neueinsteiger wie Google oder Wimax-Anbieter, die den etablierten Unternehmen lästig werden könnten. Zum anderen fordert die neue Mobilfunk-Lobby ein "stabiles, berechenbares und durch minimales Eingreifen gekennzeichnetes Regulierungsumfeld". Im Klartext: der Staat soll sich aus dem Mobilfunkmarkt weitgehend heraushalten. Vor allem die Europäische Union (EU) ist den großen Monopolisten ein Dorn im Auge. EU-Kommissarin Viviane Reading hatte in der Vergangenheit die Preise gedeckelt und beispielsweise verhindert, dass die Netzbetreiber dauerhaft hohe Preise für Auslands-SMS kassieren. Die Mobilfunkunternehmen sehen das ganz anders. "Der wirtschaftliche Nutzen von mobilem Breitband ist sehr stark von politischen Vorgaben abhängig. In der Vergangenheit haben wir einen Trend hin zu wachsender Regulierung beobachtet, oftmals dort, wo es nicht zweckdienlich ist", beklagen sie in ihrem Brief. Sie verschweigen dabei, dass die Regulierung den Verbraucher in vielen Fällen vor überhöhten Preisen bewahrte. Wenn die etablierten Mobilfunkanbieter jetzt unregulierte Funk-Lizenzen zum Schnäppchenpreis erobern, weil die krisengebeutelten Regierungen sie billig abgeben, dann wäre es das Geschäft ihres Lebens.
Zum Kommentar des Prinzen Luipold:
So schlecht war die französische
Revolution nun auch wieder nicht.
@Harry der Baptist (Gast) 06.04.2009 um 16:23
Und was sollen dann wir armem,
technikverliebten "Kiddies" tun?
Ich weiß zwar nicht wie viel du verdienst,
aber dieser Obermann gehört in diesem Bereich garantiert nicht zum
Durchschnittsdeutschen.
In den Staaten - und nur wenn diese betroffen sind, redet man von einer
"globalen Sache" - ging die Weltwirtschaftskrise von Ende den 20ern bis Anfang
der 40er (bis zum Kriegseintritt).
Bin mal gespannt, wie deren Konzept -
sofern jemals wirklich ein solches in Betracht gezogen worden ist - bezüglich
den 25 Millionen Arbeitsplätzen aussehen soll.
Dürfen wir die Firmen dabei
unterstützen, daß noch mehr Aufträge in die dritte Welt geworfen werden? Echt
klasse ...
Schon alleine die genannte Summe von über einer halben Billion
zeigt doch, daß die Unternehmen alles andere als in einer Krise stecken. Ihnen
geht's blendend, aber in diesem System wollen sie selbstverständlich noch mehr.
Ich hoffe nicht, dass sich die EU auf solche Spielchen einlässt, wenn der Bedarf
an neuen Mitarbeitern vorhanden ist werden sie auch einstellen, ohne
irgendwelche Zugeständnisse. Finde es sehr wichtig, dass den großen
Mobilfunkanbietern auf die Finger geschaut wird!
Im Herbst sind Bundestagswahlen, die Firmen könnten dem ein oder anderen
Politiker der um seine Wiederwahl fürchten muss sicher den ein oder anderen gut
bezahlten Posten anbieten, um sie gefügig zu stimmen.
Damit sollte sich das
Vorhaben locker durchdrücken lassen.
Ich hoffe auf den Erfolg der Konzerne,
die Deutschen haben ohnehin noch zu viel Geld.
Heftig! Aber wir können wahrscheinlich nichts dagegen tun, wir sind doch schon
längst "Sklaven" des Systems.
Nur wenn die breite Masse aufwacht gibt es eine
Chance... doch in den Medien etc wird es heißen: "ARBEITSPLÄTZE" und alles
andere wird in den Hintergrund gerückt.
Was Geld aus so einem sozialen Tier
wie dem Menschen macht, kann ich nicht begreifen.... Schlimm!
*kopfschüttel*
Man muss das ganze Vorhaben irgendwie boykottieren xD