Boot to Gecko ist ein Smartphone-Betriebssystem der anderen Art: Es setzt auf offene Web-Standards und stellt wenig Anforderungen an die Hardware. Areamobile wirft einen Blick auf das von Mozilla und Qualcomm zusammen mit Mobilfunkbetreibern entwickelte OS.
Boot to Gecko in der O2-Version | (c) Areamobile
Als Rene Schuster, der CEO von Telefónica Germany (O2), in der vergangenen Woche auf der eigenen MWC-Pressekonferenz davon sprach, dass im kommenden Jahr Smartphones schon für Preise ab 50 Euro ohne Vertrag erhältlich sein werden, hatte er eine bestimmte Plattform im Hinterkopf. Der Münchener Mobilfunkbetreiber bastelt wie berichtet zusammen mit dem Browser-Entwickler Mozilla, dem Chip-Hersteller Qualcomm und der Telekom an einem Betriebssystem für Billig-Smartphones. Die Geräte mit dem Boot to Gecko genannten OS richten sich vor allem an Nutzer in Schwellenländern, doch auch hierzulande dürften zumindest einige dieser Geräte in den Handy-Shops zu finden sein.
Auf dem Messegelände in Barcelona konnten MWC-Besucher sich am Mozilla-Stand auch gleich einen ersten Eindruck von Boot to Gecko verschaffen. Dort führten die Entwickler eine Vorab-Version des auf offenen Standards wie HTML, JavaScript und CSS basierenden Betriebssystems auf einem Samsung Galaxy S2 vor, das sie - mit Ausnahme des Linux-Kernel - komplett vom Android-Betriebssystem befreit hatten. Das läuft schon ganz gut, wenn auch noch nicht alle Funktionen bereitstehen. Denn Mozilla muss etwa für Telefonie oder SMS erstmal neue APIs entwickeln, die es bislang in HTML5 nicht gibt. Wie Boot to Gecko mit der Gaia genannten Benutzeroberfläche und den Web-Apps aussieht und bedient wird, seht ihr in folgendem Video.
Die Bedingungen, die Boot to Gecko an die Hardware stellt, sind unter anderem 600-Megahertz-Prozessor sowie 256 Megabyte Arbeitsspeicher. Diese Voraussetzungen übertrifft das Samsung Galaxy S2 deutlich. Am O2-Stand ließen wir uns allerdings auch den Prototyp eines solchen Einfach-Smartphones zeigen. Am Beispiel der O2-Version von Boot to Gecko ist auch zu erkennen, wie stark die Partner das UI nach ihren Wünschen verändern können.
Anwendungen für Boot to Gecko können über den Entwickler-eigenen Online-Marktplatz heruntergeladen werden, in dem bislang rund 100 Web-Apps zur Auswahl stehen. Zum Start des Web-App-Stores im Juni sollen die Nutzer hier bereits tausende Anwendungen für ihre Smartphones vorfinden. Zudem können die Mobilfunkbetreiber oder andere Unternehmen auch ihre eigenen Download-Plattformen für Boot to Gecko launchen. Erste Smartphones mit Boot to Gecko sollen erst gegen Ende des Jahres herauskommen.
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