Werde Teil der Community - Registriere dich jetzt kostenlos! | Login
 
 
Autor: Björn Brodersen 18.06.2012 - 16:46 | (6)

E-Plus und O2: Ex-Chefregulierer hält Fusions-Gerüchte für Geplänkel

Seit Jahren wird über ein mögliches Zusammengehen der beiden kleineren Netzbetreiber E-Plus und O2 spekuliert. Jetzt erhalten diese Gerüchte neuen Auftrieb, weil der mexikanische Milliardär Carlos Slim mit seinem lateinamerikanischen Konzern America Movil ein Teilübernahmeangebot für den E-Plus-Mutterkonzern KPN vorgelegt hat. Der ehemalige Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, glaubt aber nicht, dass es wirklich eine Fusion von E-Plus und O2 geben wird.

E-Plus und O2: Ex-Chefregulierer hält Fusions-Gerüchte für Geplänkel

Matthias Kurth | (c) Bundesnetzagentur

Kurth ist der Ansicht, dass beide Mobilfunkkonzerne - KPN mit E-Plus und Telefónica mit Telefónica Germany (O2) - nicht von einem Zusammengehen profitieren würden, während eine solche Fusion den Verbrauchern sogar schaden würde. Sowohl KPN als auch Telefónica stünden vor allem in den Heimatmärkten unter Druck, während die Ableger auf dem deutschen Markt sich durchaus erfolgreich schlügen. Die Mutterunternehmen von E-Plus und O2, KPN und Spaniens Telefónica haben aus unterschiedlichen Gründen Probleme wären einer Kapitalspritze nicht abgeneigt, doch warum solle gerade der deutsche Markt dafür eine Vorreiterfunktion übernehmen, fragt Kurth in einem Gastbeitrag in der Welt am Sonntag angesichts dieser Situation.

"Es wird suggeriert, eine Marktbereinigung könnte die Tendenzen zu einem vorgeblich ruinösen Wettbewerb dämpfen oder gar umkehren und es so den Unternehmen ermöglichen, wieder mehr Mittel in Infrastruktur und Zukunftsmärkte zu investieren", schreibt Kurth und widerspricht im Folgenden dieser Behauptung: "Vor allem haben wir es im Mobilfunk mit einem dramatisch wachsenden Markt zu tun, und die Nachfrage nach mobilen Internetzugängen steigt von Jahr zu Jahr explosionsartig. Wenn es überhaupt Ertragsprobleme geben sollte, dann hängt das nicht von der Frage ab, ob es drei oder vier Anbieter auf dem Markt gibt."

Entwicklung Mobile-Daten-Dienste | (c) Bundesnetzagentur

Entwicklung Mobile-Daten-Dienste | (c) Bundesnetzagentur

Garant für Infrastruktur-Investitionen sei "der lebendige und vielfältige Wettbewerb", so Kurth weiter. Auch der Verbraucher habe von dem Konkurrenzkampf und den preisaggressiven Angeboten von E-Plus und O2 profitiert: "Aldi Talk, Simyo, Ay Yildiz, Tchibo und so weiter hätten sich ohne die Türöffnerfunktion der kleinen Anbieter nicht so schnell als weitere Angebote etablieren können."

Der ehemalige Chef-Regulierer, der von 2001 bis 2012 als Präsident der Bundesnetzagentur führte, sieht auch kaum Chancen, dass die Wettbewerber Telekom und Vodafone eine Fusion von E-Plus und O2 so einfach hinnehmen und die Kartellbehörden erlauben würden. Das zugesprochene Frequenzspektrum, das einen Großteil des Firmenwerts ausmache, dürften die beiden Netzbetreiber bei einem Zusammengehen sicherlich nicht in vollem Umfang behalten. Kurth hält es eher für möglich, dass E-Plus und O2 bei der Nutzung von Netzwerktechnik zusammenarbeiten werden, beispielsweise durch Outsourcing, gemeinsame Antennenstandorte und Basisstationen oder Kooperationen beim Netzausbau, um Geld zu sparen.

Kurth deutet an, dass es KPN zurzeit auch nur darum gehe, durch das Offenhalten einer anderen Option den Preis für E-Plus hochzutreiben. Schließlich hat vor kurzem der Carlos Slim, der jetzt auch bei Telekom Austria einsteigen wird, ein Teilübernahmeangebot für den E-Plus-Mutterkonzern vorgelegt. "Wenn ein Eigentümer aussteigen will, dann ist doch sein Hauptinteresse, einen guten Preis zu erzielen. Wenn dabei E-Plus die umworbene Braut ist, dann ergibt es durchaus Sinn, zumindest den Preis nach oben zu treiben, indem man Carlos Slim zeigt, dass man auch anders könnte", heißt es in dem Beitrag. "Wenn man den Schritt eines wie auch immer gearteten Zusammengehens bis zum Ende durchspielt, wird sich aber zeigen, dass auch aus Sicht der beiden Eigentümer dieser Schritt nicht die günstigste Variante sein könnte."

Senden
Artikel bewerten
Kommentar schreiben

Die Kommentarfunktion ist hier leider nur für angemeldete Benutzer freigegeben.

Du bist nicht dabei?
Werde Teil der Community
Registriere Dich jetzt kostenlos! | Login
Sichere Dir Deinen Usernamen, damit Deine Beiträge und Bewertungen nicht verloren gehen.
 
Lesen Sie alle 6 Kommentare in unser Community.
Kommentare
  1. 19.06.12 09:53 bocadillo (Professional Handy Master)

    Aladan

    Alles schön und gut- nur produzieren die e-plus Kunden nunmal nicht so einen Traffic wie z.B. Telekom Kunden,

  2. 19.06.12 07:59 Aladan (Youngster)

    Er hat schon recht. Das Problem an so einem Zusammengang wäre der definitive Verlust der Frequenzen eines Anbieters, damit wären plötzlich doppelt so viele Kunden in einem Netz versammelt..viel Spaß!

  3. 18.06.12 18:36 bocadillo (Professional Handy Master)
    Wird ja noch schlimmer

    "Vor allem haben wir es im Mobilfunk mit einem dramatisch wachsenden Markt zu tun, und die Nachfrage nach mobilen Internetzugängen steigt von Jahr zu Jahr explosionsartig. Wenn es überhaupt Ertragsprobleme geben sollte, dann hängt das nicht von der Frage ab, ob es drei oder vier Anbieter auf dem Markt gibt.""
    In D??? Kleiner Spaßvogel . Und das Erträge nicht von der Anzahl der Wettbewerber abhängt ist wohl der größte STuß.

    Aber was will man von einem Politiker nebst Jurist erwarten. Keine Ahnung von Wirtschaft im Behördenstaat.

  4. 18.06.12 18:32 bocadillo (Professional Handy Master)

    "Kurth ist der Ansicht, dass beide Mobilfunkkonzerne - KPN mit E-Plus und Telefónica mit Telefónica Germany (O2) - nicht von einem Zusammengehen profitieren würden, während eine solche Fusion den Verbrauchern sogar schaden würde."

    Entweder sieht der es nur von der technischen Seite oder er weiß nicht was er sagt.

    Dem Verbraucher würde es schaden- wegen höherer Preise.

    Profitieren würde man- durch höhere Margen

    Eine Fusion wäre mehr wie sinnvoll.

  5. 18.06.12 18:31 bocadillo (Professional Handy Master)
    Naja

  6. 18.06.12 17:09 Bosancero (Handy Profi)

    Wie gesagt ;)

antworten
 
Aktuelle Geräte im Test