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Autor: Björn Brodersen 09.08.2012 - 09:54 | (48)

Samsung kämpft mit Vorwurf der Kinderarbeit

Der Smartphone-Hersteller Samsung geht Vorwürfen nach, in der Zuliefererfirma HEG Electronics sei Kinderarbeit an der Ordnung. Die Arbeiterschutzorganisation China Labor Watch geht nach Ermittlungen davon aus, dass arbeitende Minderjährige bei dem chinesischen Unternehmen nicht ungewöhnlich sind.

Samsung kämpft mit Vorwurf der Kinderarbeit

Samsung-Smartphone Galaxy S3 | (c) Areamobile

Kinderarbeit ist bei dem Samsung-Zulieferer HEG Eletronics gängig, heißt es in einem Bericht von China Labor Watch. Mitarbeiter der in New York ansässigen Organisation haben den Angaben zufolge im Juni und Juli 2012 sieben Fälle von Kinderarbeit bei dem Unternehmen festgestellt, die tatsächliche Zahl schätzen sie auf 50 bis 100. Die unter 16 Jahre alten Kinder würden bei dem Unternehmen, das Mobiltelefone und DVD-Player für Samsung zusammenbaut, als Studenten angemeldet, die Echtheit ihrer Personendokumente würden so gut wie nie überprüft. China Labor Watch bemängelt in dem 31-seitigen Bericht auch, dass es bei dem Unternehmen in der chinesischen Provinz Guangdong keine Maßnahmen gebe, Kinderarbeit zu unterbinden. Als das Unternehmen von den beschäftigten Kindern erfahren habe, wurden diese einfach nur außerhalb des Fabrikgeländes untergebracht.

Neben Kinderarbeit prangert China Labor Watch weitere Missstände in den Werken des Samsung-Partners an. So seien je nach Saison bis zu 80 Prozent der Angestellten Studenten, denen häufig gefährliche Tätigkeiten übertragen werden, die in etlichen Fällen zu Verletzungen führten. Auch Löhne unterhalb des vorgeschriebenen Mindestlohns, Bestrafungen durch Schläge und viele Überstunden seien an der Tagesordnung.

Laut China Labor Watch arbeitet HEG Electronics auch für andere Smartphone-Hersteller aus dem Android-Lager wie Motorola und LG Electronics. Das Unternehmen verletze chinesische Arbeitsgesetze, das angeblich im Auftrag von Samsung für die Überprüfung der Arbeitszustände in der Fabrik zuständige Unternehmen Intertek sei - das zeigten auch andere Fälle - nicht zuverlässig. Es sei nicht einmal sichergestellt, ob Intertek die Fabrik überhaupt überprüft habe. China Labor Watch fordert von Samsung, die betreffenden Kinder zu entschädigen und ihnen dabei zu helfen, ihre Ausbildung in der Schule fortsetzen zu können.

[Update, 10. August 2012] LG Electronics hat gegenüber Areamobile eine Zusammenarbeit mit HEG dementiert. "Entgegen der Aussage im Bericht von China Labor Watch unterhält LG Electronics keinerlei Geschäftsbeziehungen zur Firma HEG Electronics (Huizhou) in China und hat diese auch nie unterhalten. Wir haben die Firma HEG aufgefordert, den Namen von LG von ihrer Website zu entfernen, zudem haben wir China Labor Watch darüber in Kenntnis gesetzt, dass die veröffentlichten Informationen unzutreffend sind", teilte LG Areamobile mit. "Als erstes koreanisches Unternehmen, das dem UN Global Compact (Globaler Pakt der Vereinten Nationen) beigetreten ist, unterstützt LG Electronics nachdrücklich die Bestrebungen zur Abschaffung aller Formen von Zwangsarbeit, Kinderarbeit und Diskriminierung in Bezug auf Beschäftigung und Beruf." [Update-Ende]

Gegenüber dem Spiegel kündigte Samsung an, dass ab heute ein Inspektoren-Team zu HEG Electronics reisen und gegebenenfalls direkte Maßnahmen zur Verbesserung der Zustände einleiten werde. Dies wäre die dritte Überprüfung des Werks in diesem Jahr. Auch Samsung-Konkurrent Apple wurde zuletzt für die Arbeitsbedingungen in den Werken des Zulieferers Foxconn kritisiert und hatte im Mai eine Initiative zur Verbesserung der Zustände angekündigt.

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Kommentare
  1. 10.08.12 10:20 NewPhone (Expert Handy Profi)

    > Ja richtig und das eines der reichsten Unternehmen der Welt [...], die Preise der Zulieferer immer noch mehr nach unten drückt...

    Ich nehme an, du meinst Apple. Komisch, ich habe hingegen gelesen, dass bei Foxconn (auch aufgrund Apples Engagement in der Sache) die Löhne in der Vergangenheit mehrfach erhöht wurden (gegenüber dem, was z.B. zu Nokia-Zeiten bezahlt wurde) und 2013 nochmal kräftig angehoben werden sollen. Auch hat Apple unabhängige Auditteams zu seinem Zulieferer hingeschickt, von denen man bislang nicht lesen musste, dass sie bestochen wurden.


    > und das eines der reichsten Unternehmen der Welt (davon ist Samsung so was von entfernt) ...

    Samsung ist aber auch nicht gerade ein kleiner Fisch: "Die Samsung Group ist der größte südkoreanische Mischkonzern. In der Samsung-Gruppe sind über 340.000 Menschen beschäftigt und sie gehört zu den weltweit größten Unternehmen gemessen an Umsatz und Marktstärke. Samsung zahlt in Südkorea 5 Milliarden Euro Steuern, was 8 Prozent der Staatseinnahmen entspricht, und bestreitet ein Fünftel der südkoreanischen Exporte." (Wikipedia)

    Bei der Macht, die Samsung in Südkorea besitzt, wird es nicht einfach sein, gegen sie vorzugehen.


    > Dennoch ist beides nicht gut zu heißen.

    Richtig. Aber Apple hat schon einige Verbesserungen bei den Zulieferern eingeleitet, Samsung windet sich noch und streitet vorwiegend ab. Da muss jetzt öffentlicher Druck entstehen bzw. erhöht werden – genau wie bei Apple hier auch oft gefordert wurde. Warum sollte man Samsung anders behandeln? Nur, weil sie auch billige Geräte herstellen und der Börsenwert geringer ist?

    Ist ja nicht das erste Mal, dass Samsung bzgl. der Arbeitsbedingungen (sogar in eigenen Werken) auffällig geworden ist:

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Schwere-Vorwuerfe-wegen-Arbeitsbedingungen-bei-Samsung-1424729.html


    Aber wie gesagt, ich glaube nicht, dass der Sturm der Entrüstung auch nur annähernd den Status erreicht, wie das bei Foxconn der Fall war – es fehlt einfach der schillernde und zugleich Angriffsfläche bietende Name Apple in den Meldungen.

  2. 10.08.12 09:19 eichyl (Advanced Handy Profi)

    "Sei die sicher - Samsung würde den gleichen profit anstreben wenn es denn nicht darum ginge erstmal paar androidwettbewerber wegzubeißen ."

    Aha, das sagt Dir Deine Glaskugel, oder wie? Immer wieder lustig mit anzusehen, wie Du einfach irgendeine Hätte-Würde-Wäre-Aussage in den Raum stellt und das dann als Argument verkaufen willst.

    "Es geht nicht darum welche Margen Samsung gerne hätte sondern welche sie wirklich haben und welche Apple hat. "

    Ja richtig und das eines der reichsten Unternehmen der Welt (davon ist Samsung so was von entfernt), die Preise der Zulieferer immer noch mehr nach unten drückt...

    Ja, die Situation ist die gleiche wie wei Apple / Foxconn die Rahmenbedingungen aber ganz andere. Dennoch ist beides nicht gut zu heißen.

  3. 09.08.12 23:17 pixelflicker (Advanced Handy Master)

    Es wird wirklich mal Zeit, dass es eine einheitliche Rechtssprechung gibt, die den Herstellern vorschreibt Informationen offen zu legen. Aber bei unserer Industriefreundlichen Rechtssprechung wird das wohl noch lange ein Wunschtraum bleiben.


    @Boca:
    Es geht nicht darum welche Margen Samsung gerne hätte sondern welche sie wirklich haben und welche Apple hat.

  4. 09.08.12 22:21 Frankfurter Knackarsch (Advanced Handy Profi)

    @boca
    der Androidbereich ist der profitablere Bereich, ich ging aber von den 25,-€ WühltishQuäken aus;)
    Samsung kann nicht einfach beliebige Preise verlangen, auch dann nicht wenn sie eine Monopolstellung haben. Der MArkt für Ramschware und damit der Preisdruck ist nunmal eine feste Größe, den kann auch ein Monopolist nie abschaffen. WEnn Samsung diesen MArkt nicht bedient tut das ebenn ein anderer.
    Intel hat nahezu eine Monopolstellung auf dem x86 MArkt, und läßt sich trotzdem nicht den LowPrice CPU Bereich entgehen.

  5. 09.08.12 21:49 bocadillo (Professional Handy Master)

    Frankfurter

    Sei die sicher - Samsung würde den gleichen profit anstreben wenn es denn nicht darum ginge erstmal paar androidwettbewerber wegzubeißen . Keiner setzt die Preise von sich aus möglichst niedrig an der noch alle latten am Zaun hat .


    Der Preisdruck unter den androiden
    Bleibt nämlich auch nicht bei den großen Namen allein hängen.

  6. 09.08.12 21:33 Heisenberg (Advanced Handy Profi)

    @Chief
    > Es zeigt mir, dass es den Leuten hauptsächlich nur darum geht ihren Frust oder sogar Hass
    > (wo immer der herkommen mag) gegen ein Unternehmen abzulassen.

    Jepp. Den meisten, die sich hier und in den entsprechenden Apple-Threads aufregen, geht weder um schlechte Arbeitsbedingungen, noch um Kinderarbeit, sondern um Samsung und Apple. Ziemlich erbärmlich. Deswegen ist hier auch nicht das Forum, um über solche Sache ernsthaft zu reden.

    > Ich weiß das dies "nur" Vorwürfe sind, aber irgendwo her müssen diese Vermutungen her kommen.

    Unabhängig von diese Fall, finde ich die Aussage finde gefährlich. Es heißt ja nicht umsonst "mud sticks". Sobald mal irgendwelche Vorwürfe im Raum stehen, bleibt das bei den Leuten hängen, egal, ob was dran ist oder nicht. So macht man Rufmord. Wie gesagt, hat jetzt weniger mit der Samsungsache zu tun.

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