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Autor: Tobias Czullay | 20.11.2012 - 16:13 | (4)

Recht: Rooten oder Flashen des Smartphones kein Grund für Gewährleistungsverlust

Der Händler muss nach dem Bespielen des verkauften Geräts mit einer Custom-Firmware durch den Käufer keine Reparatur- oder Ersatzleistung verrichten. Wer bislang davon ausging, liegt falsch, wie eine EU-Verordnung deutlich macht.

Recht: Rooten oder Flashen des Smartphones kein Grund für Gewährleistungsverlust

Android-Smartphones | (c) Areamobile

1999/44/CE. Diese Abfolge aus sechs Zahlen und zwei Buchstaben sollten sich Nutzer von Smartphones merken, für den Fall, dass der Händler die Annahme eures gerooteten bzw. geflashten Geräten bei einem nicht selbst verschuldeten Defekt verweigert. Die Richtlinie für Gewährleistungsansprüche innerhalb der EU stellt klar, dass trotz Änderungen und Eingriffe in die Software nicht automatisch der Anspruch auf Gewährleistung erlischt. Lange Zeit hieß es – wohl auch durch die ablehnenden Meldungen der Hersteller –, das Verschaffen von Systemrechten (Rooten) und Bespielen des Geräts mit einer modifizierten Firmware oder Custom-ROM (Flashen) führe zu Garantie- und Gewährleistungsverlust.

Nun ist dieser Sachverhalt durch einen aktuellen Beitrag auf dem Internet-Blog Free Software Foundation Europe (FSFE) wieder ins Gespräch gekommen. In der Verordnung vom Mai 1999 wurde festgelegt, dass Geräte wie Telefone, Computer und Router eine verpflichtende zweijährige Gewährleistungsfrist beim Händler haben – wohlgemerkt beim Händler, nicht beim Hersteller der Ware. Auch sind hier die Unterschiede der Beweislast erläutert: Während der ersten sechs Monate nach dem Kauf liegt diese beim Verkäufer, d.h. er muss beweisen, dass der Hardwaredefekt durch das Verschulden des Käufers – etwa durch das Installieren einer Custom-ROM – ausgelöst wurde. Sind die sechs Monate vorüber, geht man davon aus, dass Herstellungsfehler innerhalb des ersten halben Jahres beanstandet worden wären – die Beweislast kehrt sich um und der Käufer ist in der Bringschuld.

Der Haken an der Sache ist allerdings, dass einige Hersteller in ihrer Garantieerklärung auch den Garantieverlust durch das Rooten des Geräts vermerken. Während die Garantie allerdings eine freiwillige Leistung des Herstellers oder Händler ist, ist die zweijährige Gewährleistung verpflichtend und wird davon nicht außer Kraft gesetzt. Zur Erinnerung: Die Garantie bezeichnet eine Schadensersatzleistung, während die Gewährleistung eine Nachbesserungsverpflichtung für bereits zum Zeitpunkt des Kaufes bestehende Mängel beschreibt. Kann vom Verkäufer nicht nachgewiesen werden, dass Smartphone oder Tablet während des Flashens einen Hardwaredefekt erlitten haben, muss er die Reparatur oder den Ersatz tragen.

Ob das Gerät nun durch das Flashen beschädigt wurde – was in Ausnahmesituationen tatsächlich passieren kann –, kann der Besitzer leicht durch das erneute Installieren der ursprünglich installierten Firmware herausfinden und damit gegebenenfalls also auch die Beweislast nach Ablauf der ersten sechs Monate erfüllen. Aus diesem Grund sollte vor dem Bespielen eines Geräts mit einer modifizierten Firmware immer auch eine Sicherheitskopie der "Stock-ROM" angelegt werden (Nandroid Backup).

Themen: Android-Smartphone
Quelle: FSFE
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Kommentare
  1. 21.11.12 12:53 pixelflicker (GURU)

    Hattet ihr denn schon mal Probleme deswegen?

  2. 20.11.12 19:33 IOSammy (Advanced Handy Profi)

    aber das ist ja gut das man dann hier mal die Fakten hat :)

  3. 20.11.12 19:06 handyhacho (Advanced Handy Profi)

    Das predige ich ja schon seit Jahren.
    Aber auf mich hört ja wieder keiner:)
    Gerade im letzten Monat noch im Applestore rumgeärgert, wegen genau dem Thema.

  4. 20.11.12 16:48 In Money We Trust (Advanced Member)

    Bitte in der Einführung "Verordnung" durch "Richtlinie" ersetzen. Sind zwei grundverschiedene Dinge...

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