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Autor:
Björn Brodersen
| 37

E-Plus löst die Tempo-Bremse beim mobilen Internet

Erst die "Redefreiheit", jetzt "Highspeed für Jedermann". E-Plus verfolgt seine wirtschaftlichen Ziele unter dem politischen Motto "Demokratisierung des Mobilfunks". Ab morgen dürfen rund 25 Millionen Mobilfunk-Nutzer im E-Plus-Netz Vollgas beim mobilen Surfen im Internet und bei Downloads per Smartphone, Tablet oder Surfstick geben.

E-Plus löst die Tempo-Bremse beim mobilen Internet

Smartphone-Nutzung | (c) E-Plus

Ab morgen lockert das Unternehmen - wie bereits berichtet - die Bremse für alle Mobilfunknutzer in seinem E-Plus - für die eigenen Postpaid- und Prepaid-Kunden sowie für die Kunden der eigenen Marken wie Base, Simyo und Ay Yildiz und der Partner-Anbieter wie Blau, Medion Mobile (Aldi Talk) und Yourfone. Alle 25 Millionen Kunden können jetzt ihr sogenanntes Highspeed-Datenvolumen, das ihnen laut Tarif-AGB pro Monat zur Verfügug steht, mit der vollen zur Verfügung stehenden Bandbreite nutzen - ab März kommenden Jahres auch via LTE.

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Nutzer einer SIM-Karte für das E-Plus-Netz in ihrem Smartphone, Tablet oder Surfstick dürfen jetzt natürlich nicht davon ausgehen, dass sie künftig Datenraten von 42 MBit/s im Downstream beim mobilen Surfen via UMTS oder ab Frühjahr 2014 mit 100 bzw. 150 MBit/s im Downstream auf ihrem Gerät angezeigt bekommen. Bei diesen Werten handelt es sich wie bei den Wettbewerbern Telekom, Vodafone und O2 nur um theoretische Maximalwerte, die in der Praxis nie erreicht werden. E-Plus geht es aber auch nicht darum, das schnellste Mobilfunknetz im Land, sondern allen Kunden ein Datennetz mit einer für die gängigen Smartphone- und Tablet-Anwendungen ausreichenden Kapazität und Bandbreite anzubieten.

UMTS-Netz von E-Plus erreicht 88 Prozent der Bevölkerung

6 MBit/s, 8 MBit/s oder 10 MBit/s im Downstream - solche Datenübertragungsraten reichen für Musik- und Video-Streaming-Dienste für Smartphone und Tablet aus. Für E-Mail und Messaging, Apps, das mobile Surfen auf Websites oder die mobile Nutzung von Sozialen Netzwerken wie Facebook genügen eigentlich viel geringere Datenraten. Manchmal ist jedoch nicht einmal das gegeben, etwas in der U-Bahn, im ICE, im Innern von Gebäuden oder in ländlichen Gebieten. Oder auf dem Display des Mobilgeräts wird eine theoretisch ausreichende Datennetz-Abdeckung angezeigt, diese können jedoch über den sogenannten Backbone nicht abtransportiert werden - dann kann sich beispielsweise auch beim mobilen Surfen mitten im Zentrum einer großen Stadt nichts im Browser des Smartphones oder Tablets tun.

Smartphone-Nutzung | (c) E-Plus

Smartphone-Nutzung | (c) E-Plus

"Das beste Netz aus Kundensicht", formulierte E-Plus-Chef Torsten Dirks vor drei Jahren in einem Interview das Ziel. Andreas Pfisterer, Chief Technical Officer der E-Plus Gruppe, spricht von einem "massiven Qualitätsprung" des E-Plus-Netzes besonders bei den Daten innerhalb der vergangenen zwölf Monate. Die Datendurchsätze seien um das Vier- bis Fünffache erhöht worden, die für den einzelnen Kunden verfügbare Bandbreite reiche für jeden relevanten Anwendungsfall aus, und die Datenverbindungen seien stabil. Jetzt komme noch Speed dazu - "diskriminierungsfrei für alle Kunden und Tarife". Ab heute mit bis zu 42 MBit/s via DC-HSPA+ im UMTS-Netz, ab März 2014 mit theoretisch noch höherer Datenrate an Standorten mit LTE-Netzabdeckung. Der weitere Netzausbau erfolge zurzeit völlig unabhängig von einer möglichen Übernahme durch die Telefónica (O2). Das Transportnetz hat E-Plus nach eigener Aussage bereits soweit ausgebaut, dass es sämtlichen Highspeed-Datenverkehr ohne Stau abführen kann.

LTE dort, wo Kapazität benötigt wird

LTE-Netze von E-Plus soll es anfangs in Berlin, Leipzig, Nürnberg, im Ruhrgebiet und entlang des Rheins sowie in Düsseldorf und anderen umliegenden Städten geben. Die Auswahl der Standorte erfolgt dabei rein nach kapazitativen Gesichtspunkten: Dort, wo mehr Kapazität im E-Plus-Datennetz benötigt wird, wird es LTE geben. "Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist, dass die Erwartung des Nutzers an das Datennetz nicht erfüllt wird, weil die Kapazität fehlt", sagt Jürgen Rösger, Chief Marketing Officer bei E-Plus. Dabei setzt der Mobilfunker mit Hauptsitz in Düsseldorf vor allem auf den Frequenzbereich um 1.800 MHz, das im Vergleich zum 800-MHz-Bereich weniger Fläche abdeckt, aber mehr Kapazität bietet. Das Unternehmen hat aber bis zum Jahr 2021 auch für LTE nutzbares Spektrum im Bereich um 3.500 MHz.

Als einziger deutscher Netzbetreiber hat E-Plus bei der Frequenzauktion im Mai 2010 keine Frequenzen im Bereich um 800 MHz erworben. Damit ging das Unternehmen auch anders als Telekom, Vodafone und O2 keine Ausbau-Verpflichtung in den weißen Flecken auf der Breitband-Karte ein. Durch den späteren Start hat E-Plus auch den Vorteil, bei den Netzwerkausrüstern LTE-Technologie zu günstigeren Preisen als die Konkurrenz einkaufen zu können. Diesen Preisvorteil gibt der Mobilfunker jetzt an seine Kunden weiter: Die Aufhebung des Tempo-Limits im Rahmen des monatlichen Higspeed-Traffics kostet die E-Plus-Kunden keinen zusätzlichen Cent.

Keine Preiserhöhungen für schnelleren Speed

Zwar ist die Aufhebung des Tempo-Limits im E-Plus-Netz vorerst bis Mitte 2014 befristet, Pläne für eine besondere Bepreisung für mehr Geschwindigkeit hat das Unternehmen nach eigenen Angaben aber nicht in der Schublade liegen. Für die heutige Speed-Umstellung hat es auch keine Änderungen in den AGB der E-Plus-Tarife gegeben. Das heißt aber auch: Tethering und VoIP sind beispielsweise mit einer SIM-Karte der E-Plus-Marke Base technisch zwar möglich, laut Vertragsbedingungen aber untersagt. Und ein Anheben des im Tarif inbegriffenen Inklusiv-Kontingents für schnellere Datenübertragungen - was schneller fließt, ist möglicherweise schneller weg - gibt es nicht. E-Plus-Kunden können aber bei Bedarf spontan Highspeed-Datenvolumen nachbuchen.

Doch wie monetarisiert der Mobilfunkbetreiber seine Datendienste? Der E-Plus-Kunde zahlt nicht für den Speed, sondern für die Traffic-Menge. Der Anreiz dafür erfolgt unter anderem über Tarif-Pakete mit Inklusivleistungen wie einer Musik-Streaming-Flatrate, wie sie beispielsweise Base im Programm hat. 200.000 zahlende Kunden hat E-Plus nach eigenen Angaben für die Musik-Flat von Rhapsody in einem Base-Tarif gewonnen. Ein wichtiger Teil dieser Strategie ist auch ein breites Angebot an erschwinglichen Smartphones und Tablets. Diese bietet E-Plus seinen Kunden über die vor drei Wochen gelaunchte Verkaufs-Plattform Smartkauf.de an.

Fazit

E-Plus legt als letzter deutscher Netzbetreiber mit mobilem Highspeed-Internet via DC-HSPA+ und LTE los. Solche technischen Begriffe und Unterscheidungen in der Netzleistung spielen aber in der Vermarktung des Unternehmens eine geringe Rolle - der E-Plus-Kunde gilt ohnehin als weniger Technik-affin als Nutzer mit Telekom-, Vodafone- oder O2-SIM-Karte. E-Plus stellt Tarife, Zusatzdienste und Anwendungsfälle in den Vordergrund und will durch den Netzausbau dafür sorgen, dass dem Nutzer diese jederzeit problemlos zur Verfügung stehen.

Dass E-Plus jetzt das "Highspeed für Jedermann" startet, zeugt davon, dass Smartphones, Tablets und mobiles Internet längst im Massenmarkt angekommen sind. Das Unternehmen sieht sich nicht als technischer Vorreiter auf dem Mobilfunkmarkt, sondern als Herausforderer der beiden großen Konzerne Telekom und Vodafone, der seine Kunden vor allem über den Preis für seine Dienste gewinnt. Die spannende Frage ist, wie die Konkurrenz auf den Vorstoß von E-Plus reagiert. Krempelt E-Plus jetzt auch im Datengeschäft den Mobilfunkmarkt um?

Wie gut ist das E-Plus-Datennnetz? Dieser Frage werden wir in den kommenden Wochen in Tests nachgehen. Wie sind bislang eure Erfahrungen? Teilt eure Eindrücke in den Kommentaren mit!

Mehr zum Thema: LTE, UMTS, Smartphone-Tarif, Tarif

Quelle: AM

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Kommentare
  1. 07.12.13 16:08 HerrRossi

    Hallo,
    bei mir ist die Surf Geschwindigkeit effektiv um ca. 50% langsamer als letzten Monat. Durschnitt war so 150 kb/s und ab Dezember laut Speedtest um die 50 kb/s.
    "Tempo Bremse" alles andere als gelöst - geht nix hier.
    Anbieter ist Medion mobile und die 15€/Monat Option mit 5 GB highspeed Traffic ist aktiviert.
    Greetz

  2. 03.12.13 15:14 pixelflicker (GURU)

    Ja, das weiß ich. Die wollten weg von der Telekom. Ist ja auch verständlich, aber das Netz hat es halt nicht wirklich hergegeben.
    Die konnten sich halt gerade durch diesen Roamingvertrag sehr auf den Loorbeeren, die eigentlich der Telekom gehörten ausruhen.

  3. 03.12.13 14:40 nohtz (Professional Handy Master)

    "Das Problem ist ja nicht nur, dass o2 so schnell gewachsen ist, das Problem ist ja, dass sie das Roaming mit der Telekom abgeschaltet haben"
    -->zu dem zeitpunkt, als o2 von der spanischen telefonica gekauft wurde. da wurden wohl "partnerverträge mit T" gekündigt.

  4. 03.12.13 14:38 pixelflicker (GURU)

    Das Problem ist ja nicht nur, dass o2 so schnell gewachsen ist, das Problem ist ja, dass sie das Roaming mit der Telekom abgeschaltet haben. Als sie das hatten war es natürlich kein Problem, da konnte man das Telekom-Netz mitnutzen. Das hieß aber auch, dass o2 sich deutlich weniger um den Netzausbau gesorgt hat wie E-Plus, die ja schon immer alleine agieren mussten. Daher ist das o2-Eigene Netz ziemlich vernachlässigt worden und davon haben sie sich bis heute nicht erholt.


    @ichbinsnur:
    Wer ist mit Vodafone ins Internet gegangen? Deine Ausführungen wirken reichlich konfus, sorry.

  5. 02.12.13 22:12 Heisenberg (Gast)

    > Ich befürchte die Fusion geht zulasten der E-Plus Kunden...

    Das denke ich auch fast. o2 ist in den letzten Jahren so gewachsen, dass das Netz quasi nicht mehr zu gebrauchen ist. Ich bin nun ein Jahr von o2 weg, aber es hat sich offenbar nichts grundsätzliches geändert.

  6. 02.12.13 20:40 FoVITIS (Member)

    Da kann ich mich anschließen für Berlin... O2 nur Probleme... hab nicht mal zuhause anständig Netz...

    Und wenn man Netz hat, bedeutet das noch lange nicht das es auch klingelt ;)


    Oder man hat 3G oder H+ und es kommen einfach keine Daten durch... oder muss die U Bahn nehmen.. da kann man es auch vergessen mit den Daten...

    Ich befürchte die Fusion geht zulasten der E-Plus Kunden...

    Gab ja damals nicht umsonst die Aktion http://wir-sind-einzelfall.de/ ...

    Hat sich zwar gebessert... aber E-Plus ist hier noch immer besser.

    Ich hoffe aber das durch LTE sich die Leute ein wenig verteilen zwischen HSPA und LTE Netz und dadurch die Last abgeschwächt wird.

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