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Autor:
Stefan Schomberg
| 32

Nachhaltigkeits-Report: Fairphone überzeugt, HTC versagt

Die Unternehmen Rank a Brand und Friends of the Earth Netherlands haben in ihrem "Sustainable Elektronikreport 2014" untersucht, wie nachhaltig die Handyhersteller bei der Produktion vorgehen. Dabei waren neben Klimaschutz und Umweltschutz auch faire Arbeitsbedingungen gefragt. Am besten schnitt das Startup Fairphone ab, am schlechtesten HTC.

Nachhaltigkeits-Report: Fairphone überzeugt, HTC versagt

Fairphone überzeugt am meisten, wenn auch nicht restlos. Der Rest versteckt sich mehr oder weniger hinter einem Umweltschutz-Feigenblatt | (c) rankabrand

Der Nachhaltigkeits-Report 2014 von Rank a Brand und Friends of the Earth Netherlands erhebt schwere Vorwürfe. So gehe aus den Informationen der Hersteller zu Klima-, Umwelt- und Mitarbeiterschutz bei 21 Prozent der untersuchten Firmen auch wirklich hervor, was sie tatsächlich in diesen Bereichen unternehmen. 75 Prozent der Hersteller machen entweder insgesamt oder zu einigen Bereichen nur sehr oberflächliche Angaben. Bei einigen Herstellern wie HTC, Microsoft und Nintendo vermuten die Ersteller des Reports gar, dass sie ihre Berichte schönen.

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Am meisten Wert legen die Hersteller offenbar auf akzeptable Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter. So haben 19 von 20 Firmen einen Verhaltenskodex für Zulieferer aufgestellt, allerdings nutzen nur Fairphone und HP einen Kodex, der wirklich alle ILO Kernarbeitsnormen für Zulieferer berücksichtigt. Dabei handelt es sich um Sozialstandards im Rahmen der Welthandelsordnung, die menschenwürdige Arbeitsbedingungen und einen hinreichenden Schutz gewährleisten sollen. Dazu gehören etwa Konventionen gegen Zwangsarbeit, Recht auf Gewerkschaften und die Einhaltung eines Mindestalters.

Fairphone, Apple und HP legen Lieferanten offen

Auch über Verbesserungen in den Fabriken unterrichten nur Fairphone und HP nachvollziehbar, erklärt der Bericht. Allerdings könnten auch diese beiden Unternehmen nicht nachweisen, dass mindestens die Hälfte der Gesamtproduktion gemäß Arbeitsnormen fair hergestellt wird - einschließlich eines zum Leben ausreichenden Gehalts. Gleiches gelte für Konfliktmineralien wie seltene Erden. Obwohl 85 Prozent der Hersteller in mindestens einer entsprechenden Initiative mitwirkten, könnten nur Fairphone und Apple nachweisen, dass mindestens eines der Mineralien für ihre Produktion konfliktfrei bezogen wird. Fairphone, Apple und HP seien auch die einzigen Unternehmen, die ausführliche Listen aller direkten Zulieferer und Schmelzhütten offenlegen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch beim Klimaschutz. Alle Hersteller berichteten entsprechende Maßnahmen, 80 Prozent veröffentlichten aussagekräftige Bilanzen und 55 Prozent überzeugten mit einer Reduzierung der Treibhausgase in ihren Betriebsbereichen. Ausreichende Maßnahmen zum Klimaschutz in ihrer Produktion ergreifen aber offenbar nur Lenovo, HP und Nokia. Außerdem formulieren nach Angaben des Reports nur Sony, Philips, Microsoft und Dell ihre Umweltziele ausreichend. Nur Apple bezog 2013 nach eigenen Angaben bis zu 75 Prozent seiner Energie aus erneuerbaren Quellen. Der Rest setze kaum auf regenerative Energiequellen.

Schädliche Chemikalien weiter genutzt

Kostenaufstellung für das Fairphone | (c) Fairphone-Projekt

Kostenaufstellung für das Fairphone | (c) Fairphone-Projekt

Noch schlechter stehe es um den Umweltschutz. Keiner der Hersteller könne belegen, dass die schädlichen Chemikalien PVC, bromierte Flammschutzmittel, Beryllium, Antimon und Phthalate nicht mehr verarbeitet werden. Nokia und Motorola verzichten offenbar immerhin auf PVC und bromierte Flammenschutzmittel, Nokia zudem auf Beryllium und Motorola auf Phthalate. Beim diesjährigen Schwerpunkt Produktionslebenszyklus und Müllvermeidung überzeugte wieder Fairphone am meisten. Das Unternehmen weise etwa eine sehr hohe Rücknahmequote von alten Mobiltelefonen in Relation zum Absatz von Neugeräten auf. Mit Samsung sei Fairphone zudem der einzige Hersteller, der zu über 10 Prozent recyceltes Plastik in den Geräten verarbeitet. Das Fairphone ist außerdem mit austauschbaren Batterien sowie universellen Ladegeräten ausgestattet. Ebenfalls hervorgehoben werden die Pläne von Fairphone, nach denen an der Erstellung eines Do-It-Yourself Reparatur Online-Handbuchs gearbeitet wird. Zudem werden gezielt umweltfreundliche Materialien für die Produktverpackung verwendet, heißt es im Report. Die anderen Hersteller schneiden deutlich schlechter ab.

Quelle: rankabrand.de

Schön, dass wir hier "billige" Smartphones genießen können, schade, dass das trotz teils gegenteiliger Beteuerungen der Hersteller immer noch auf Kosten der Umwelt geht. Das ist nicht neu, aber betrachtet man die Zahlen dieses Artikels wird einem Angst und Bange. Gut, dass wir in 100 Jahren eh nicht mehr Leben - das ist wohl das Motoo der meisten Hersteller und Käufer.

Persönlicher Kommentar von Stefan Schomberg

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Kommentare
  1. 09.06.14 15:56 pixelflicker (GURU)

    @boca:
    Ich betrachtet halt erstmal den teuersten Posten. Du negierst den vollkommen.

  2. 09.06.14 15:49 IchBinNichtAreamobile.de (Advanced Handy Master)

    @M.a.K:"natürlich sind mir die menschen nicht egal, es hat halt nur keinen einfluss darauf was mit den altgeräten passiert, egal ob der angestellte für 3000€ brutto ein nokia n95 in finnland zusammenbaut oder ein arbeiter für 400€ in china."
    >>Aso, dir geht es also ausschließlich um Altgeräte. Ich sag mal soviel dazu. Das regelt der Markt und alles was nichts bringt wird entsorgt wie alles andere auch (mglw ein generelles Problem). Elektronikgeräte spielen dabei aber eine eher untergeordnete Rolle, da steht Verpackungsmüll glaube ich immernoch viel weiter oben. Seltene Erden und so weiter sind so wertvoll, dass sich das Recyclen tatsächlich lohnt (bei Mineralölwerkstoffen sind wir noch nicht so weit) und dann brauchst du auch keinen extra Pfand, zumindest nicht in Deutschland. Wir trennen sogar, obwohl wir wissen, dass das wieder zusammengeworfen wird ;) Separate Elektronik-Entsorgung gibt's ja mitlerweile auch in sehr vielen Supermärkten.

    "Und auch das fairphone besteht aus plastik und metallen welche irgendwoher kommen. An ein echtes sauber-image glaube ich nicht, [...]"
    >>Das ist doch gar nicht das Ziel. Das Ziel ist es so fair /wie möglich/ ein Smartphone zu bauen. Und dem zu urteilen, was man dazu gehört hat, ist das durchaus ein guter Weg. Auch wenn man wie immer darüber streiten kann inwiefern da mehr möglich ist. Nachvollziehbarkeit ist bei der Sache ohnehin mehr wert als vollmundige Versprechen und Absolute (sauber-image).

  3. 09.06.14 13:47 bocadillo (GURU)

    Pf

    Allein der Post in sich von dir ist ein Kracher ;-)

    Ich sehe den Markt , den Wettbewerb , die Spannen , die aktuelle Entwicklung , neue Wettbewerber , die Preisentwicklung , die Möglichkeit für zielgerichtetes Marketing , die zukunfstfähigkeit des Unternehmens .

    Du siehst dagegen meist nur 1 Punkt für sich - und das unterscheidet uns!

  4. 09.06.14 11:48 Fritz_The_Cat (Advanced Handy Master)

    "Du bist da wie Wirtschafler halt sind, du siehst nur den Markt und dir ist der Aufwand vollkommen egal. Aber das kostet schließlich auch Geld."
    ==> Und die durch den Aufwand verursachte Kosten sind Wirtschaftlern vollkommen egal? - Interessante These … :rolleyes:

  5. 08.06.14 15:08 pixelflicker (GURU)

    @Boca:
    > Bei den Themen bei Du nämlich Ahnung haben könntest halte ich es nämlich nach Dieter Nuhr...
    So? Du machst das? Na das wäre mir aber neu.


    > Und somit entscheidet sich das Ganze auf wirtschaftlicher Ebene
    Natürlich entscheidet sich das mit Tizen auf wirtschaftlicher Ebene. Das Problem ist vielmehr, dass du dir nicht vorstellen kannst, was das für ein Aufwand ist, solch ein OS zu Positionieren und technisch so weit zu bringen. Du bist da wie Wirtschafler halt sind, du siehst nur den Markt und dir ist der Aufwand vollkommen egal. Aber das kostet schließlich auch Geld.

  6. 07.06.14 12:34 M.a.K (Handy Master)

    @ IBNAM,

    natürlich sind mir die menschen nicht egal, es hat halt nur keinen einfluss darauf was mit den altgeräten passiert, egal ob der angestellte für 3000€ brutto ein nokia n95 in finnland zusammenbaut oder ein arbeiter für 400€ in china.

    Es wäre ohne probleme möglich ein system in der eu aufzubauen in dem die hersteller in die verantwortung gezogen werden, nur passiert das nicht von allein, da müssten die in brüssel schon druck machen. Am ende kostet das aber wieder geld und anstatt die kosten auf die mobilfunkgeräte zu verteilen was alle hersteller betreffen würde und keiner einen nachteil gegenüber anderen hätte da alle betroffen wären wird einfach nichts gemacht.

    Und auch das fairphone besteht aus plastik und metallen welche irgendwoher kommen. An ein echtes sauber-image glaube ich nicht, denn wenn selbst bei burgerking, real oder wo auch immer die haltbarkeit der lebensmittel offensichtlich und ohne skrupel verlängert werden ohne das es jemanden interessiert, wie verhält es sich dann erst mit den rohstoffen die irgendwo im nirgendwo abgebaut werden?

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