Werde Teil der Community - Registriere dich jetzt kostenlos! | Login
Anzeige
 
 
Autor:
Björn Brodersen
| 9

Explosiv: Modulares Vsenn-Smartphone kommt nicht heraus

Das modulare Vsenn-Smartphone kommt nicht heraus, zumindest nicht unter der Marke des Start-ups. Das Team um ehemalige Nokia-Mitarbeiter verkauft die Technologie vor dem Marktstart des Geräts. Damit scheitert ein spannendes Smartphone-Projekt - das ist schade. Richtig explosiv ist aber, was Vsenn andeutet: Nur über geplante Obsoleszenz, also einen bewusst herbeigeführten vorzeitigen Verschleiß der Geräte, wäre das Projekt realisierbar gewesen.

Explosiv: Modulares Vsenn-Smartphone kommt nicht heraus

Vsenn-Logo | (c) Vsenn

Das modulare Vsenn-Smartphone wird nicht auf den Markt kommen - zumindest nicht unter diesem Markennamen. Über Twitter und Facebook verkündet das Unternehmen, dass es seine Technologie an ein anderes Unternehmen lizensiert habe. Mehr als ein paar Sätze verliert das finnische Start-up allerdings nicht über die neueste Entwicklung. "Vsenn lizensiert seine Technologie an eine andere Marke. Wir haben alles versucht, um unabhängig zu bleiben, aber wir haben den finanziellen Druck nicht aushalten können", heißt es. "Das bedeutet, Vsenn ist nicht länger eine Marke, sondern eine Bewegung für Modularity und elektronische Geräte mit kleinem ökologischen Abdruck." Der mit dem Lizenznehmer geschlossene Vertrag verbiete es dem Start-up um ehemalige Nokia-Mitarbeiter, weitere Informationen zur Situation zu veröffentlichen. Wir haben am frühen Samstagnachmittag beim Vsenn-Pressesprecher nähere Informationen angefordert, bislang aber keine Antwort erhalten.

Anzeige

Vorwurf von Vsenn mit Sprengkraft: Geplante Obsoleszenz

Damit bleibt vorerst unklar, an welchen Smartphone-Hersteller Vsenn seine Modular-Technologie verkauft und wie es mit dem Projekt konkret weitergeht. Riesiges Sprengpotenzial steckt jedoch in zwei weiteren Äußerungen von Vsenn über Twitter: "Wir wollten nicht, dass das andere Unternehmen unseren Namen verwendet, wenn es nicht unsere Werte teilt." Und: "Die größte Hürde für Vsenn war, dass wir gegen jede geplante Obsoleszenz (Hardware oder Software) zur Absatzsteigerung sind." Da steckt ganz unverblümt der Vorwurf drin, andere Smartphone-Hersteller verkürzten bewusst künstlich die Lebenszeit ihrer Produkte.

Tweet über das Aus des Vsenn-Projects | (c) Vsenn

Tweet über das Aus des Vsenn-Projects | (c) Vsenn

Der Verdacht, dass mehrere Unternehmen in der Elektronikbranche durch geplante Obsoleszenz versuchen, die Absatzzahlen ihrer Geräte zu steigern, besteht schon lange. 2013 kamen Experten in einem von der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen in Auftrag gegebenen Gutachten zu dem Schluss, dass Verbraucher durch Tricksereien der Hersteller an Hard- und Software ihrer Geräte jährlich mit unnötigen Ausgaben in Millardenhöhe belastet werden. Den Einbau von minderwertigen Bauteilen oder von Komponenten an Stellen, an denen sie schnell verschleißen, sowie fest verbaute Akkus, die vom Anwender nicht bei Bedarf ersetzt werden können, benannten die Gutachter als Maßnahmen der Hersteller, die Lebenszeit ihrer Geräte kürzer als möglich zu halten. Im Smartphone- und Tablet-Bereich gelten auch gerade viele preisgünstigere schnell als veraltet, weil die Hersteller hierfür keine Betriebssystem-Updates nachliefern.

Die Stiftung Warentests hatte nach Auswertung ihrer Dauertests keine Beweise für geplante Obsoleszenz gefunden, geht aber davon aus, dass Hersteller das frühzeitige Lebenszeitende ihrer Geräte billigend in Kauf nehmen. Eine Studie des Umweltbundesamts zu dem Thema, die in Kürze veröffentlicht werden soll, hatte Ende 2014 keinen allgemeinen Trend zu von den Herstellern bewusst herbeigeführtem Verschleiß von Elektrogeräten erkennen können.

Fairphone 2 | (c) Fairphone

Modular für längere Gerätelebenszeit: Das Fairphone 2 | (c) Fairphone

Modulare Smartphones werden noch dieses Jahr zu kaufen sein

Plattform-Offenheit, garantierte Software-Updates (bei Android über vier Jahre) sowie die Austauschbarkeit von Basismodulen wie Akku, Kamera sowie Prozessor und Arbeitsspeicher waren die Kernpunkte des Smartphone-Konzepts von Vsenn, für das es auch schon einen Prototypen gab. Der Marktstart des modularen Smartphones war für die zweite Jahreshälfte 2015 vorgesehen. Nähere Informationen zum Vsenn-Smartphone liefern wir euch in unserem Überblick über die verschiedenen Konzepte zu modularen Smartphones, inklusive Project Ara von Google und Puzzlephone von Circular Devices. Der erste Marktstart und Testlauf des Project-Ara-Smartphones soll später in diesem Jahr in Puerto Rico erfolgen. Der Internetkonzern will es unter anderem aus einem herumfahrenden Minibus verkaufen. Vor kurzem stellte auch Fairphone ein modular aufgebautes Smartphone vor, das im Herbst herauskommen wird.

Jetzt seid ihr an der Reihe: Welche Marke hat eurer Einschätzung nach die Vsenn-Technologie übernommen? Vielen Dank für eure Kommentare!

Mehr zum Thema: Android-Smartphones, Smartphones, Smartphone-Markt, Modulare Smartphones

Kommentar schreiben

Die Kommentarfunktion ist hier leider nur für angemeldete Benutzer freigegeben.

Du bist nicht dabei?
Werde Teil der Community
Registriere Dich jetzt kostenlos! | Login
Sichere Dir Deinen Usernamen, damit Deine Beiträge und Bewertungen nicht verloren gehen.
 
Lesen Sie alle 9 Kommentare in unser Community.
Kommentare
  1. 23.06.15 11:05 pixelflicker (GURU)

    An modulare Geräte glaube ich ja sowieso nicht (hab ich bei Ara ja schon oft gesagt). Ich denke die werden zu klobig und der Bedarf ist gar nicht da. Ein aktuelles Smartphone kann man auch nach 4 Jahren noch gut nutzen. Einzig der Akku ist der Schwachpunkt. Alles andere ist heute sowieso so schnell, dass genug Reserven da sind. Da wird keiner sein Gerät modulweise aufrüsten und dafür die Nachteile in Kauf nehmen. Warum auch?

  2. 23.06.15 09:35 IchBinNichtAreamobile.de (Advanced Handy Master)

    @Laborant: Zugegeben etwas provokant formuliert, aber dir ist schon bewusst, das Mindestanforderungen zumindest bisher nicht ohne Grund eingeführt wurden (und keineswegs verpflichtend sind) und Checkups in der Form nicht existieren. Ansonsten ist es nicht verwunderlich das die Arbeitsspeicheranforderungen mit jeder neuen Aufgabe steigen. Auch müssen die Anforderungen selbst gar nicht steigen um vom Arbeitsspeicher zu profitieren, denn die Ladelatenzen kann man damit oftmals auch senken (2GB+ ist da momentan wirklich angeraten). Das ist insbesondere beim Browsen offensichtlich zu beobachten, aber auch bei der Nutzung vieler Apps.

    Es gibt heutzutage einfach keinen Grund (vom Funktions- und Kostenstandpunkt) weniger als 2GB RAM zu verbauen. Und es wäre ja durchaus sinnig das man den RAM nachrüsten kann, weil das sicherlich noch bis 4GB+ getrieben wird, wenn denn visuelles Multitasking endlich ausgereift ist und man die Geräte auch als Desktop nutzen kann und was dann noch alles kommt, was ich gerade nicht prognostizieren kann ;D Arbeitsspeicher ist billig und eine Resource bei der es sich oft lohnt damit "verschwenderisch" umzugehen (nicht zu wörtlich nehmen).

  3. 23.06.15 08:22 Laborant (Expert Handy Profi)

    ">>Sry, das hört sich schlicht nach technischem Unverständnis an, aber du meinst sicherlich nicht den Arbeitsspeicherverbrauch ;) " --ibnam

    Hardware-Checkups sind einfacher einprogrammiert als du glaubst. ;) Selbst wenn der Arbeitsspeicherverbrauch eigentlich nicht steigen würde, könnte der SW-Hersteller kurzerhand sagen: "Nönö, den neuen Patch gibts erst mit 3GB RAM".
    Was daran "Technisches Unverständnis" sein soll, stösst bei mir nun auf Unverständnis ;)

  4. 23.06.15 06:32 IchBinNichtAreamobile.de (Advanced Handy Master)

    @Laborant:"Wenn ich mir anschaue, wie flüssig mein drei Jahre altes Lumia 920 läuft... oder ich sehe, wie flüssig mein zwei Jahre altes Jolla läuft (welches schon damals keine Aktuelle Hardware hatte)... oder ich sehe, dass selbst das Nokia N9 von 2011 noch rund läuft, dann frage ich mich, wie die Hersteller die neuen Geräte noch weiters rechtfertigen wollen."
    >>Mein Nokia 3310 läuft auch noch flüssig.

    "Google Ara oder Vsenn hätten vor einigen Jahren noch eine wirkliche Berechtigung gehabt - mittlerweile ist die Prozessorleistung aber gross genug, dass selbst nach einigen Jahren die Geräte noch flüssig laufen sollten. Sofern das OS nicht irgendwelche Bremsklötze nachpatcht. "
    >>Ich gebe dir Recht, wenn es wirklich nur darum ginge den SoC auszutauschen. Keine Frage, ich bin kein besonderer Fan der Modulargeräte, vor allen Dingen weil ich nicht sehe, dass das gut funktionieren kann, aber die Sache an sich wäre schon ziemlich gut. Ich würde zB gerne meinen GPS-Empfänger austauschen, aber bei manchen wird es auch die Kamera sein oder sie wollen einen IR-Transceiver nachrüsten etc. Die Leistung des SoC ist in der Tat nicht mehr maßgeblich, aber der Energieverbrauch wäre sogar etwas, das ein Nachrüsten vllt noch rechtfertigen würde.

    "Gegen das "Totpatchen" wäre man auch mit Ara oder Vsenn nicht gefeit gewesen. "Oh, du brauchst nun plötzlich 3GB ram, sorry" - "Oh, für den neuesten Patch musst du einen neuen SOC einbauen." - "Oh, die neue Kamera-App ist mit deinem Kameramodul nicht kompatibel.". Das könnte man damit sich richtig auf die Spitze treiben."
    >>Sry, das hört sich schlicht nach technischem Unverständnis an, aber du meinst sicherlich nicht den Arbeitsspeicherverbrauch ;)

  5. 22.06.15 15:46 Laborant (Expert Handy Profi)

    Wenn ich mir anschaue, wie flüssig mein drei Jahre altes Lumia 920 läuft... oder ich sehe, wie flüssig mein zwei Jahre altes Jolla läuft (welches schon damals keine Aktuelle Hardware hatte)... oder ich sehe, dass selbst das Nokia N9 von 2011 noch rund läuft, dann frage ich mich, wie die Hersteller die neuen Geräte noch weiters rechtfertigen wollen.

    Ein Galaxy S4 dürfte auch heute noch flüssig laufen, ein iPhone 5 ebenso.

    Mit Bestandskunden ist kein Geld zu verdienen... ja. Dann muss man eben neue Innovationen bringen, damit die Finanzen nicht ausgehen.

    Google Ara oder Vsenn hätten vor einigen Jahren noch eine wirkliche Berechtigung gehabt - mittlerweile ist die Prozessorleistung aber gross genug, dass selbst nach einigen Jahren die Geräte noch flüssig laufen sollten. Sofern das OS nicht irgendwelche Bremsklötze nachpatcht.
    Gegen das "Totpatchen" wäre man auch mit Ara oder Vsenn nicht gefeit gewesen. "Oh, du brauchst nun plötzlich 3GB ram, sorry" - "Oh, für den neuesten Patch musst du einen neuen SOC einbauen." - "Oh, die neue Kamera-App ist mit deinem Kameramodul nicht kompatibel.". Das könnte man damit sich richtig auf die Spitze treiben.

    Wenn heute ein Gerät wirklich zu laggen beginnt, kann man davon ausgehen, dass der Akku sowieso langsam kaputt ist, der SOC seine besten Tage hinter sich hat, mittlerweile mehr RAM verbaut werden und auch die Kamera schon gewisse UV-schäden davongetragen hat. Ergo kann man gleich das ganze Ding wechseln.

    *shrug*

  6. 22.06.15 14:56 Noticed (Handy Master)

    Erster Abschnitt: "Nur über geplante Obsoleszenz, also einen bewusst herbeigeführten vorzeitigen Verschleiß der Geräte, wäre das Projekt realisierbar gewesen."

    Dann die Quelle im Text: "Die größte Hürde für Vsenn war, dass wir gegen jede geplante Obsoleszenz (Hardware oder Software) zur Absatzsteigerung sind."

    Woher hat am die Info, dass sich Vsenn nur über geplante Osoleszenz hätte realisieren können? Die Aussage gibt das jedenfalls nicht wieder. Also hat am entweder weitere Quellen oder wieder mal eine blühende Phantasie...

antworten
 
Anzeige
Aktuelle Geräte im Test
Anzeige