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Autor: Stefan Schomberg 09.01.2016 - 17:00 | 0

Connected Car: Die Auto-Trends der CES 2016 im Überblick

Neben Smartphones und Tablets wollen wir in diesem Jahr zum Abschluss der Consumer Electronics Show (CES) 2016 in Las Vegas auch einen Blick über den Tellerrand wagen und uns dem Thema Connected Car widmen. So weit ist der Blick auch gar nicht ab vom Thema Smartphone, denn Autos entwickeln sich immer mehr zum vollvernetzten Tablet auf Rädern.

Connected Car: Die Auto-Trends der CES 2016 im Überblick

Connected Car auf der CES 2016 | (c) Mercedes / AM

Ein Connected Car ist dem Namen nach mit der Umwelt und/oder dem Nutzer verbunden. Doch inzwischen gehen die Vorstellungen von Autoherstellern und Zulieferern viel weiter. Die auf der CES 2016 in Las Vegas vorgestellten Fahrzeuge wurden fast immer über riesige Touchscreens, Sprache oder Gesten gesteuert, kommunizieren mit anderen Fahrzeugen, den Smartphones von Passanten im Umfeld, dem eigenen Zuhause, nehmen die Umwelt wahr und fahren eigenständig - die Zukunft ist heute könnte man meinen. Dabei darf man natürlich nicht vergessen, dass viele der auf der Elektronikshow gezeigten Entwicklungen noch lange nicht serienreif sind und erst für 2020 oder später erwartet werden. Andere Dinge sollen schon in diesem Jahr zu kaufen sein. Wir zeigen, was die CES auf dem Autosektor und dem Bereich Connected Car zu bieten hatte.

BMW: Berührungslose Touchscreens und ein Motorradhelm mit HUD

Die Münchener präsentierten auf der CES 2016 das i Vision Future Interaction Concept Car, bei dem es sich um eine seriennahe Spyder-Version des i8-Serien-Hybridsportlers handelt. Sie verfügt über Laserlicht, das bis zu 600 Meter weit leuchten soll, und ersetzt Seitenspiegel durch Kameras. Die Sitze passen sich bei Komfort und Seitenhalt zudem dem Fahrmodus an. Gesteuert wird das Fahrzeug über einen "berührungslosen Touchscreen", den BMW AirTouch nennt. Dank zahlreicher Sensoren soll der Fahrer Fahrzeugfunktionen ohne Berührung wählen können. Am Lenkrad und auch für den Beifahrer gibt es dafür einen verdeckten AirTouch-Taster. Er leuchtet auf, wenn ein Menü oder eine Schaltfläche aktiviert werden kann. Ein Druck des Schalters dient dann als Bestätigung. Da das System viel intuitiver als bisher sein soll, will der Hersteller so eine komfortable Bedienung ermöglichen, die die Konzentration des Fahrers möglichst wenig von der Straße ablenkt. Einen Vorläufer mit Gestensteuerung gibt es bereits in den aktuellen 7er-Modellen der Bayern. Ein weiteres Ziel: Die Vernetzung zwischen Auto und Haus. Zusätzlich hat BMW einen Helm mit integriertem Head-up-Display gezeigt. Ein ähnliches Konzept gibt es mit dem Skully AR-1 bereits.

Connected Car auf der IFA 2016 - BMW i8 Spyder | (c) Hersteller

Touchscreens überall | (c) Hersteller

Connected Car auf der IFA 2016 - Motorradhelm mit HUD von BMW | (c) Hersteller

Motorradhelm mit HUD von BMW | (c) Hersteller

 

Ford: Mit Alexa über Auto, Drohne und eigenes Heim sprechen

Fort stellt mit einer Version des Ford GT mit viel Carbon das Titelauto der CES 2016. Vorgestellt wurde auf der Messe außerdem eine Kooperation mit dem Drohnen-Hersteller DJI. Künftige Ford-Modelle könnten eigene Drohnen im Gepäck haben oder mit anderen Drohnen kommunizieren, um etwa nach Unfällen in schwer zugänglichen Gebieten schneller für Hilfe sorgen zu können. Dafür entwickelte der Konzern eine spezielle Car-to-Drone-Software, mit deren Hilfe Daten einer Flugdrohne an ein Fahrzeug übermittelt werden. Spannender und vor allem zeitnäher umsetzbar klingt aber die Cooperation des Autobauers mit Amazon. Ford will seine Fahrzeuge in Zukunft mit Amazon Echo und der Smart-Home-Plattform Wink vernetzen. Die neueste Generation des Ford-Infotainmentsystems Sync unterstützt nun außerdem auch Android Auto und Apple Carplay.

Mercedes Benz: Neue E-Klasse mit intelligenten LED-Scheinwerfern und ein Transformer

Der Stuttgarter Autobauer Mercedes stellte auf der CES 2016 zwar nicht seine komplette neue E-Klasse aus, zeigte aber einige Details wie seine neuen Multibeam-Schweinwerfersystem mit 84 statt bislang 24 einzeln ansteuerbare Hochleistungs-LEDs pro Seite. Bei Teilfernlicht soll so eine 2,5-fach größere Leuchtkraft als bei derzeitigen Systemen erreicht werden. Eine Blendung anderer Verkehrsteilnehmer ist aufgrund der Anordnung der Lichtelemente angeblich ausgeschlossen. Das neue Schweinwerfersystem bietet zudem dynamisches Kurvenlicht und adaptive Lichtfunktionen wie etwa ein entwickeltes Schlechtwetterlicht, das störende Reflexionen für den Gegenverkehr bei Regen durch gezieltes Abdimmen einzelner LEDs minimiert. Ebenfalls mit an Bord: ein Citylicht, das dem Fahrer bei niedrigen Geschwindigkeiten eine besonders breite Lichtverteilung bietet und dadurch schwer einsehbare Bereiche wie Gehwege ausleuchtet. Besonders spannend: Ein System soll Kreuzungen anhand der Daten des Navigationssystems erkennen und die Lichtverteilung automatisch an die Umgebung anpassen. Sehr smart.

Connected Car auf der IFA 2016 - Cockpit der neuen E-Klasse | (c) Hersteller

Cockpit der neuen E-Klasse. Alles digital, alles vernetzt | (c) Hersteller

Das ausgestellte Interieur der E-Klasse war hingegen serienreif. Es enthält zwei hochauflösende 12,3-Zoll Displays und Touch-Buttons am Lenkrad für mehr Komfort. Ein rein virtuelles Instrumenten-Display gibt es nur gegen Aufpreis, es beinhaltet dann einen zweiten Monitor. Vollständig autonom kann die 2016er E-Klasse noch nicht fahren, aber Autobahnfahrten von Ausfahrt zu Ausfahrt brauchen nur wenig Unterstützung durch den Fahrer. Das neue Modell unterstützt sowohl Android Auto als auch Apple CarPlay, entsprechende Smartphones mit Induktion können drahtlos geladen werden. Neben der neuen E-Klasse stand auch wieder das von der internationalen Automobilausststellung (IAA) in Frankfurt bekannte Concept IAA im Blickpunkt, das auf der CES Concept Intelligent Aerodynamic Verhicle genannt wurde. Seitenspiegel und Türgriffe gibt es nicht, deren Funktion übernehmen Kameras und Sensoren. Dank ausfahrbarer Frontflaps, beweglichem Frontstoßfänger, Felgen, die während der Fahrt zu glatten Scheiben werden, und einem Heck, das sich um bis zu 39 Zentimeter verlängern kann, erreicht die Studie mit aktiver Aerodynamik einen extrem niedrigen cW-Wert von 0,19.

Toyota: Konzepte für Echtzeitkarten und ein Faltauto

Bislang wurden hochpräzise Karten von speziellen Fahrzeugen mit 3D-Laserkameras aufgenommen. Toyota will das mit Map Generation ändern. Das System soll ab 2020 in Fahrzeugen des Herstellers enthalten sein, das dann Informationen über die Umgebung des Fahrzeuges erfasst und an Server des Herstellers schickt. Dort werden sie ausgewertet und an andere Fahrzeuge weitergegeben, wo sie etwa in die Navigation einfließen können. Dazu werden Sensoren wie Kameras und GPS verwendet, die selbstlernenden Karten sollen durch Echtzeitübertragung auf einem viel aktuelleren Stand als heute sein. Für die Zukunft versprach der Autobauer außerdem, dass intelligente selbstfahrenden Fahrzeuge so sicher sein werden, dass sie selbst nie einen Unfall verursachen könnten.

Connected Car auf der IFA 2016 - Toyota FCV Plus | (c) Hersteller

Cockpit des Toyota FCV Plus | (c) Hersteller

Zu bestaunen gab es auf der CES aber auch handfestere Dinge von Toyoto: Der Kikai ist ein Strandbuggy für bis zu drei Personen, bei dem bewusst Dinge wie eine Motorverkleidung weggelassen wurde. Da alle sichtbaren Teile dann allerdings verchromt sind und ohne Schutz schnell unansehnlich werden dürften, werden wir dieses Fahrzeug so wohl kaum zu kaufen bekommen. Ebenfalls noch weit von der Serienreife entfernt: Das Konzept Toyota FCV Plus mit Brennstoffzelle, das durch seinen extrem anpassungsfähigen Innenraum überzeugen will. Obwohl es sich um einen Kleinwagen handelt, ist der Innenraum dank Radnabenmotoren sehr geräumig. Zusätzlich können Sitze bewegt, zusammengeklappt und völlig umfunktioniert werden, sogar das Lenkrad verschwindet auf Befehl.

Volvo: Partnerschaften mit Ericsson und Microsoft

Volvo zeigte weniger Handfestes, sondern stellte stattdessen zwei Partnerschaften mit dem Netzwerkausstatter Ericsson und dem IT-Riesen Microsoft vor. Die vielen zusätzlichen Daten, von denen andere Automobilanbieter sprechen, müssen auch irgendwie übermittelt und genutzt werden können. Die Kooperation mit Ericsson soll genau diese Problem beseitigen. Intelligente Breitband-Dienste sollen im autonomen Auto dafür sorgen, dass die Insassen HD-Inhalte jederzeit verzögerungsfrei genießen können. Die Partnerschaft mit Microsoft bringt außerdem Cortana ins Auto- mehr bei Microsoft.

Volkswagen: Elektro-Bulli und E-Golf mit smartem Bedienkonzept

Nach dem Abgasskandal tut Volkswagen wohl gut daran, seinen Fokus auf Elektroantrieb zu richten. So heißt der Nachfolger des legendären Bulli nicht nur Budd-E, sondern fährt auch elektrisch. Der Bus basiert auf VWs neuem, modularen Elektrifizierungsbaukasten. Er verfügt über Allradantrieb, insgesamt 306 PS und soll mit einer Akkuladung mehr als 500 Kilometer weit kommen. Dabei hilft ein aerodynamisches Design mit Kameras statt Außenspiegeln, Luftleitspoiler und spezielle Reifen, die den Rollwiderstand verringern. Über Schnellladesäulen lassen sich die Akkus dann in der Vorstellung des Autobauers in 15 Minuten auf bis zu 80 Prozent der Gesamtkapazität aufladen. Im Innenraum gibt es einen großen Touchscreen, der zusätzlich auf Gesten reagiert, auch die Türen lassen sich per Geste öffnen. Natürlich ist auch der Budd-E ist mit dem Smart Home vernetzt. Ein Highlight ist wohl auch die Schublade in der Heckstoßstange, die Pakete annimmt.

Connected Car auf der IFA 2016 - VW Budd-e | (c) Hersteller

Der VW Budd-e ist der indirekte Nachfolger des VW Bulli| (c) Hersteller

Außerdem zeigte VW den neuen E-Golf Touch, in dem vor allem die nächste Generation des Infotainmentbaukastens interessant ist. Bei dem Fahrzeug handelt es sich in erster Linie um die Elektroversion des 2015er Golf R Touch. VW setzt weiterhin auf Gesten- und Sprachsteuerung, allerdings zeigt der E-Golf verwendbare Sprachbefehle jetzt an. Die Aktivierung der Sprachbedienung erfolgt über ein Schlüsselwort. Zudem wird Sprache über Mikrofone und Lautsprecher so verstärkt, dass Gespräche von vorn und hinten sitzenden Passagieren einfacher werden. Unterhalb des des zentralen Displays gibt es eine Smartphone-Ablage, mit der Geräte auch kabellos geladen werden können. USB-Anschlüsse gibt es vorn und auch im Fond, Volkswagen setzt hier schon auf USB Typ C. Das System soll noch in der ersten Jahreshälfte 2016 in den USA verfügbar sein.

Audi: Vorsprung durch Technik in der Oberklasse

Die Ingolstädter VW-Tochter Audi zeigt auf der CES 2016 das e-Tron Quattro Concept mit Elektromotor und 500 Kilometern Reichweite. Drei E-Motoren sorgen für ein maximales Drehmoment von 800 Newtonmetern, außerdem gibt es OLED-Laserlicht, ein großes Curved-OLED-Display im Innenraum mit 14,1-Zoll-Diagonale und  einer Auflösung von 2.240 x 720 Pixel, bewegliche Aerodynamik-Elemente und ein Solardach zur Stromgewinnung. Rundinstrumente gibt es nicht mehr. Ein trapezförmiger Touchscreen rechts vom Lenkrad erkennt bei Bedarf die Handschrift des Fahrers, in zusätzlicher 8,4-Zoll-Bildschirm erlaubt die Veränderung der Klimatisierung im Auto. Selbst die Gesundheit des Fahrers wird vom Auto überwacht. Das System heißt Audi Fit Driver und bezieht seine Informationen aus Fitness-Trackern von Fitbit oder einer Apple Watch. Je nach Herzfrequenz oder Hauttemperatur gibt das Fahrzeug dann etwa Tipps zur richtigen Atemtechnik oder schlägt dem Fahrer eine Pause vor.

Connected Car auf der CES 2016 - Aufi e-Tron-Quattro-Concept | (c) Hersteller

Connected Car auf der CES 2016 - Aufi e-Tron-Quattro-Concept | (c) Hersteller

Mit dem neuen Audi A8 will der Ingolstädter Autobauer erstmals den Schritt vom assistierten zum pilotierten Fahren vollziehen. Bis 60 km/h kann der A8 dann etwa bei Stopp-and-Go auf der Autobahn vollständig selbständig fahren und nach dem Aussteigen per App-Befehl Einparken. Möglich wird das durch mehrere Kameras sowie Radar-, Laser- und Ultraschallsensoren. Mit einem Audi RS7 hat der Autohersteller im vergangenen Jahr bereits bewiesen, dass autonomes Fahren auch bei deutlich höheren Geschwindigkeiten funktioniert. Auf dem Sonoma Raceway in den USA und dem deutschen Hockenheimring fuhr das Gefährt selbständig Zeiten, die mit einem ambitionierten Sportfahrer mithalten konnten. Theoretisch war eine Höchstgeschwindigkeit von 305 km/h autonom möglich.

General Motors: Schickes Elektroauto für die Massen

General Motors präsentierte zur CES 2016 die Serienversion seines Elektro-Kleinwagens Bolt EV. Der Wagen wurde zusammen mit dem koreanischen Tech-Riesen LG realisiert. Zwar verrät GM noch keine Details, aber die Reichweite soll über 300 Kilometern liegen, die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h gelingt in unter sieben Sekunden. Der Preis für den Wagen fängt bei 30.000 US-Dollar an, er kommt in den USA schon 2016 auf den Markt. Die Batterie soll per Schnellladestation in 60 Minuten auf 80 Prozent der Kapazität aufgeladen werden, an der Haushaltssteckdose dauert eine volle Ladung eine Nacht. Der Rückspiegel ist ein Display, auf dem Bilder von einer Kamera übertragen werden. Das Infotainment-System versteht sich auf Apple CarPLay, OnStar und Android Auto, natürlich gibt es einen großen Touchscreen, eine kabellose Lademöglichkeit für das Smartphone und USB-Anschlüsse. GM-Tochter Opel könnte den Elektrowagen in angepasster Form auch nach Europa bringen.

Connected Car auf der CES 2016 - Chevrolet Bolt EV  | (c) Hersteller

Chevrolet Bolt EV - Stromer für 30.000 USD | (c) Hersteller

Rinspeed Etos: Selbstfahrer mit BMW-Technik

Die Schweizer Automanufaktur Rinspeed ist für ihre oft skurrilen Fahrzeuge bekannt. Der Rinspeed Etos ist da schon fast normal gegen - fast. Die technische Basis bildet ein BMW i8, im Innenraum des Hybrid-Sportwagens sorgen zwei 21,5-Zoll-Ulra-HD-Monitore für Überblick, die Steuerung erfolgt per Touch-, Gesten- oder Sprachbefehl. Acht HD-Kameras überwachen die Umgebung und eliminieren tote Winkel, weitere Sensoren wie GPS und eine 3D-Datenbank mit Fahrzeugen und Hindernissen sorgen dafür, dass das Fahrzeug auch autonom fahren kann. Dafür sorgt ein lernfähiger und adaptiver Autopilot. Auf dem Heck des Fahrzeugs soll darüber hinaus eine DJI-Drohne landen können, die etwa Fahraunahmen in Echtzeit streamen kann und Einkäufe zum Fahrzeug bringen können soll. Die Rückspiegel bestehen aus kleinen Displays, die nur etwas anzeigen, wenn der Fahrer auf sie schaut.

Connected Car CES 2016 - Rinspeed Etos | (c) Hersteller

Rinspeed Etos - nicht nur mit Drohne | (c) Hersteller

Faraday Future: Futuristischer Mega-E-Racer oder Hirngespinst?

Connected Car CES 2016 - Faraday Future FF Zero1| (c) Hersteller

Smartphone ins Lenkrad integriert | (c) Hersteller

Für Furore sorgte der neue Hersteller Faraday. Als erstes Conceptcar brachte das junge Unternehmen den FFZero1 mit zur CES 2016. Er basiert auf einem eigends entwickelten Baukastensystem, mit dem der Hersteller unterschiedlichste Fahrzeuge bauen will. Der FFZero1 hat vier Elektromotoren, Allradantrieb und rund 1.000 PS. Der selbstfahrende FFZERO1 soll eine Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h haben und in weniger als drei Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Motoren und andere Teile sollen sich modular austauschen lassen, etwa die Bodenplatte mit der Batterie.

Das Smartphone soll bei Faraday wie ein Co-Pilot fungieren. Per App lassen sich Einstellungen wie die Traktionskontrolle oder die Strecke einstellen, die das Auto von allein fahren soll. Als Aufbewahrungsort dient ein Schacht im Lenkrad, wo es fortan als zentrales Steuerorgan des Wagens arbeitet. Als Anzeigen dienen im Cockpit mehrere Displays für Multimedia-Anwendungen, Augmented-Reality-Technik projiziert Gegenstände und Anzeigen in das Sichtfeld des Fahrers. Nicht ganz ohne Grund bezeichnet der Hersteller sein Extremkonzept als "extremes Tablet auf Rädern". Angeblich sollen schon 2017 die ersten Modelle in Produktion gehen. Für rund eine Milliarde US-Dollar wird dafür in Las Vegas eine Fertigungsanlage gebaut, auch in Deutschland könnte ein eigenes Werk entstehen.

Auffällig ist der kurze Zeitraum, in dem das bislang unbekannte Unternehmen angeblich autonome Fahrzeuge anbieten will. Außerdem wirft es mit Geldbeträgen um sich, die nur von einem finanzstarken Investor stammen können - die nennt Faraday aber nicht. Hoffentlich entpuppt sich der Tesla-Schreck nicht bald zum Gespött der Welt.

Connected Car CES 2016 - Faraday Future FFZero1 | (c) Hersteller

Ob der Faraday Future FFZero1 jemals gebaut wird? | (c) Hersteller

Kia: Näher an der Realität als vieles andere auf der CES

Den Kia Soul EV gibt es nicht erst seit der CES 2016, auch nicht als autonomes Fahrzeug. Trotzdem präsentierten ihn die Koreaner dort erneut - mit einem Unterschied. Die Technik in dem Wagen ist offenbar inzwischen so weit fortgeschritten, dass der Hersteller inzwischen ganz offiziell in Nevada im öffentlichen Straßenverkehr testet. Trotzdem ist erst von einer Marktreife um 2030 die Rede - komisch, das klingt bei der Konkurrenz immer ganz anders.

ZF: Intelligentes Lenkrad und Sicherheitsgurte sowie totale Überwachung

Der Automobil-Zulieferer ZF aus Friedrichshafen hat auch ein paar Vorschläge für das autonome Fahren. Besonderes Augenmerk legte er dabei auf das Zusammenspiel von Mensch und Maschine beim autonomen Fahren. So zeigte der Hersteller ein Lenkrad, das über Sensoren erkennen kann, ob der Fahrer das Steuer selbst hält. Ein LED-Contdown zeigt ihm zudem an, wann er wieder die Gewalt über das Fahrzeug hat - das kann auch per Zusatztaste abgekürzt werden. Die Bedienung erfolgt überwiegend per Touchscreen, der kann aber haptischem Feedback liefern, damit Nutzer auch ohne Hinsehen Knöpfe erfühlen können. Außerdem implementiert ZF Gesichts- und Emotionserkennung, um den Fahrer weiter unterstützen zu können. Smarte Sicherheitsgurte sollen nicht nur immer der Situation angepasst fest sitzen, sondern durch Vibration auch signalisieren können, wenn der Fahrer wieder eingreifen muss.

Connected Car CES 2016 - ZF Concept Cockpit | (c) Hersteller

ZF Concept Cockpit | (c) Hersteller

Bosch: Taktiles Feedback und freie Parkplätze für alle

Die Robert Bosch GmbH zeigte ein Conceptcar, das wie ZF auf taktiles Feedback bei Touchscreens setzt, aber auch die Parkplatzsituation in Städten verbessern soll. Mittelkonsole und Armaturenbrett des Bosch Showcars bestehen aus einem riesigen Display, dessen Inhalte sich automatisch an die Umgebung und die Wünsche des Fahrers anpasst. Er kann durch haptisches Feedback die Existenz mechanischer Buttons vortäuschen, damit der Fahrer Elemente ertasten kann und damit weniger abgelenkt ist. Das Fahrzeug beinhaltet außerdem in cloudbasiertes Falschfahrer-Warnsystem, kann automatisch Einparken und ist unter anderem mit dem Smart Home zuhause vernetzt. Zudem erfasst es im Vorbeifahren freie Parkplätze, vermisst sie und sendet sie an andere an andere Verkehrsteilnehmer weiter. Zudem trägt das Fahrzeug die Daten automatisch in Echtzeitkarten ein, die dann vom Navigationssystem dazu genutzt werden können, direkt leere Parklücken anzusteuern. Bosch nennt das Community-based Parking.

Connected Car CES 2016 - Bosch Concept Cockpit | (c) Hersteller

Connected Car CES 2016 - Bosch Concept Cockpit | (c) Hersteller

Delphi: Wissen ist Macht

Zulieferer Delphi ist auf dem Gebiet des autonomen Fahrens kein Unbekannter. In Las Vegas zeigte das Unternehmen die V2E-Technologie. Unter diesem Begriff V2E (Vehicle to Everything) fasst Delphi verschiedene Kommunikationstechnologien zusammen. Dabei kommuniziert ein Fahrzeug nicht nur mit anderen Autos und der Infrastruktur, sondern über deren Smartphones auch mit Fußgängern. Dadurch will Delphi die Unfallgefahr deutlich senken.

Nvidia: Supercomputer für das Auto

Der Chiphersteller Nvidia präsentiert auf der CES 2016 einen Supercomputer für Connected Cars und autonomes Fahren. Der Nvidia Drive PX 2 verfügt angeblich über die Rechenpower von 150 Macbook Pros, ist dabei aber nicht größer als eine Lunchbox. Nvidia will das Superhirn allen Autobauern zur Verfügung stellen. Hoffentlich klappt das besser als bei dem von Nvidia betriebenen Touchscreen des Testla Modell S, der zumindest anfangs deutlich ruckelte.

Connected Car CES 2016 - Nvidia Drive PX 2 | (c) Hersteller

Connected Car CES 2016 - Nvidia Drive PX 2 | (c) Hersteller

Microsoft: Cortana für das Auto

Die Redmonder kündigten auf der CES 2016 Kooperationen mit Volvo und Harman an. Volvo-Fahrer sollen zukünftig mit einem Smartband 2 oder einer entsprechenden Windows Phone App mit ihrem Auto sprechen können. So könnte man dann etwa den Ladezustand seines Elektrofahrzeugs abfragen oder die Heizung fernstarten. Zusammen mit Harman arbeitet Microsoft außerdem daran, Office 365 in Harmans Infotainment-System für Connected Cars zu integrieren. Dann könnten unterwegs Termine erstellt, E-Mails beantwortet und Skype-Telefonate getätigt werden. Für die Spracheingabe setzt Microsoft auf seinen eigenen Sprachassistenten Cortana.

Amazon: Einfach mal mit dem Auto reden

Auch Amazon verfügt über einen eigenen Sprachassistenten - Alexa. Zusammen mit Ford will der Großhändler seine Echo-Sprachbox mobil werden. Zukünftige Ford-Modelle könnten sich dann über den Sprachassistenten Alexa steuern lassen, der Bestandteil von Echo ist. So könnte man morgens beim Frühstück Alexa fragen, wie viel Strom der Akku des E-Ford noch hat. Alternativ sind Szenarien wie das Öffnen der Türen und Starten des Motors denkbar - sicherlich nicht nur bei einem Banküberfall praktisch. In Kombination mit dem Smartphone öffnet Alexa dann auf dem Heimweg etwa per Spracheingabe das Garagentor oder dreht zuhause schon mal die Heizung auf. Klingt nicht ganz so abgefahren wie einige andere Ideen der Konkurrenz, ist dafür aber schon ab der zweiten Jahreshälfte erhältlich.

Fazit: Die Zukunft ist heute

Die Auto-Trends der CES 2016 waren ganz klar autonomes Fahren, Elektroantrieb und Vernetzung. Dabei sind die Übergänge immer fließender und längst gilt ein Auto nicht mehr als "connected", bloß weil es einen WLAN-Hotspot aufbauen kann. Es geht weiter, wird allgegenwärtiger und damit auch normaler. Technik entwickelt sich so schnell weiter, das Dinge, die jetzt noch als Utopie gelten, schon in wenigen Jahren Alltag werden. Das kannte man bislang vor allem bei Smartphones, jetzt ist das auch bei Autos so.

Mehr zum Thema: CES, Apple CarPlay

Klasse - in den nächsten paar Jahren entwickeln sich Autos schneller als in den letzten 50 Jahren! Da werde ich autopilotierte Autos ja tatsächlich doch noch selbst erleben können. Von mir aus lieber gleich als später. Auf den nervigen Weg zur Arbeit kann ich gerne verzichten! Es muss nur funktionieren und bezahlbar sein.

Persönlicher Kommentar von Stefan Schomberg

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