Werde Teil der Community - Registriere dich jetzt kostenlos! | Login
 
 
Autor:
Björn Brodersen
| (8)

Kazam: Britischer Smartphone-Hersteller auf Tauchstation

Was ist los mit dem britischen Smartphone-Hersteller Kazam? In Deutschland gibt es seit langem kein Lebenszeichen vom Unternehmen, obwohl der Smartphone-Kauf im Online-Shop weiterläuft und offenbar auch der Service-Partner weiter tätig ist. Zieht sich Kazam vom deutschen Markt zurück?

Kazam: Britischer Smartphone-Hersteller auf Tauchstation

Kazam Tornado 348 | (c) AM

Im Juli 2013 kündigte das britische Unternehmen Kazam seinen Markteinstieg und ein Smartphone-Geschäft mit lokaler Ausrichtung an. An seiner Spitze vereinigte es geballtes Branchen-Know-how: Die Gründer Michael Coombes und James Atkins arbeiteten zuvor für den taiwanischen Hersteller HTC. Im November 2013 stellte Kazam die ersten eigenen Smartphone-Modelle mit Android vor, die Features wie Dual-SIM, herausnehmbare Akkus und erweiterbare Speicherkapazität boten. Im Herbst 2014 präsentierte Kazam mit dem Tornado 348 mit 5,15 Millimetern Bautiefe das zum damaligen Zeitpunkt flachste Smartphone der Welt, das für 299 Euro ohne Vertrag an den Start ging. Weitergehende Service-Leistungen wie ein kostenloser Display-Tausch, eine Rescue genannte Funktion für Fernzugriffs-Support sowie eine bis zu drei Jahre währende Herstellergarantie gehören jeweils zum Smartphone-Paket.

Funkstille auf der Facebook-Seite von Kazam Deutschland

Das Tornado 348 war jedoch die letzte gute Nachricht vom Hersteller. In den vergangenen Monaten ging er in Deutschland ganz auf Tauchstation: Der letzte Facebook-Eintrag von Kazam Deutschland stammt vom 9. September vergangenen Jahres. Dort bleiben auch Nachfragen und Kommentare von Kunden des Unternehmens unbeantwortet. "Kein Service für Garantiefälle mehr in Deutschland? Geräte müssen nach London verschickt werden? Was ist da dran?", fragt einer. "Hallo Kazam. Ich komme nicht mehr auf meinen Account auf eurer Seite!", beschwert sich ein anderer. Und eine dritte berichtet: "Mir wurde gestern von einem Saturn-Mitarbeiter mitgeteilt, dass es Kazam Deutschland nicht mehr gibt und die sich nach England verzogen haben." Unsere Versuche in den vergangenen Tagen, telefonisch, per Mail und über soziale Netzwerke Kontakt mit Vertretern des Unternehmens aufzunehmen, blieben bislang unbeantwortet.

Der deutsche Service-Partner von Kazam arbeitet nach eigenen Angaben weiter wie bisher und leitet Schadens- und Garantiefälle weiter an den Reparaturdienstleister. Auch bietet Kazam auf der eigenen deutschen Website weiterhin Smartphones zum Kauf an. Zieht sich Kazam vom deutschen Markt zurück? Oder stellt sich der junge Hersteller derzeit hierzulande nur neu auf?

Was wollen die Verbraucher?

Hinweise darauf könnten sich in Aussagen von Unternehmenschef Michael Coombes gegenüber dem britischen Mobilfunkportal Mobile Today finden. "Da neue Technologien wie Wearables und das Internet der Dinge die Aufmerksamkeit der Konsumenten gewinnen, muss die Branche einige wichtige Fragen beantworten", so Coombes. "Was wollen die Verbraucher? Wo können Mobilfunkbetreiber und Hersteller angesichts zusammengequetschter Gewinnspannen Geld verdienen? Wo sollen Marken investieren? In einer solch schnelllebigen Branche ist es notwendig, sich die Zeit zu nehmen und darüber nachzudenken." Auch bei früheren Gelegenheiten hatte Coombs immer wieder die Schnelllebigkeit des Smartphone-Markts betont und erklärt, dass Kazam die Verbraucherbedürfnisse genau kenne und auf neue Entwicklungen schnell und effizient reagieren könne. Offenbar ist Kazam am eigenen Anspruch gescheitert. Bestes Anzeichen dafür: Den Europastart des im Frühjahr 2015 auf dem Mobile World Congress in Barcelona angekündigten Android-Phablets Tornado 552L blies das Unternehmen im vergangenen Juni ab - offenbar war der Preisdruck zu groß.

Im Heimatmarkt hat Kazam Fuß gefasst

Während die Briten seit dem Jahreswechsel bereits mehrere neue Handy- und Smartphone-Modelle für den Heimatmarkt angekündigt haben, finden sich Kazam-Smartphones nur noch vereinzelt in deutschen Läden - lediglich das schicke Tornado 348 ist breiter verfügbar. In den Handy-Shops der hiesigen Mobilfunkbetreiber gibt es Kazam-Smartphones gar nicht zu kaufen. Die Netzbetreiber stehen wenig auf unbekannte Marken und noch weniger auf Dual-SIM-Smartphones mit militärischem Anklang - Display-Tausch hin oder her. In Großbritannien profitiert Kazam offenbar vom Heimvorteil: Mobilfunkanbieter, Händler und auch einige Anwender sehen eine britische Marke im amerikanisch und asiatisch geprägten Smartphone-Markt wohlwollend. Dort hat das Unternehmen einige namhafte Vertriebspartner wie beispielsweise Virgin Media gewonnen und offenbar mittlerweile die "kritische Masse" erreicht. In Deutschland hat dagegen ein junges Unternehmen aus Spanien, das auch auf besondere Service- und Garantieleistungen setzt, Kazam überholt: BQ.

Nähere Informationen, wie es mit Kazam weitergeht, werden wir spätestens im kommenden Monat auf dem Mobile World Congress erhalten. Dort wird der Underdog in Halle 7 (Stand 7M08) neue Produkte präsentieren, darunter wohl Windows-10-Smartphones und Wearables. Bleibt nur zu hoffen, dass Kazam-Kunden in Deutschland in jedem Fall alle vom Hersteller zugesagten Service-Leistungen erhalten.

Wie wichtig sind euch Service-Leistungen des Smartphone-Herstellers? Berücksichtigt ihr diese bei der Kaufentscheidung? Vielen Dank für eure Kommentare zum Thema!

Mehr zum Thema: Android-Smartphones, Smartphones, Smartphone-Markt

Gefällt dir der Artikel?
Gefällt mir
Gefällt mir nicht
Kommentar schreiben

Die Kommentarfunktion ist hier leider nur für angemeldete Benutzer freigegeben.

Du bist nicht dabei?
Werde Teil der Community
Registriere Dich jetzt kostenlos! | Login
Sichere Dir Deinen Usernamen, damit Deine Beiträge und Bewertungen nicht verloren gehen.
 
Lesen Sie alle 8 Kommentare in unser Community.
Kommentare
  1. 25.01.16 18:08 Applenerd (Advanced Member)

    Kazam habe ich ehrlich noch nie gehört. :p

  2. 25.01.16 17:18 Gandalf (Advanced Handy Profi)

    Schade eigentlich. Hätte mich über eine britische Smartphone Marke sehr gefreut.
    Gibt ja nicht mehr viele größere Hersteller.

    Und dann einen aus dem erweiterten Europa wäre schon was.

    So muss eben BQ herhalten.

  3. 15.01.16 19:15 George Straßburger (Moderator)

    Ich denke Kazam wird es nicht mehr lange machen. Eines von vielen unbedeutenden Start Ups die es nie schaffen.

  4. 15.01.16 07:53 dragon-tmd (Member)

    Liebe Kollegen von AM,

    ich bin mir zwar sicher, dass ihr euch die Frage auch selber beantworten könnt: aber es bringt rein gar nichts, wenn ein "neuer Hersteller" sich Smartphones in China einkauft, sein Label draufpackt, völlig überzogene Preise aufruft und dann keine eigene Softwareentwickler beschäftigt :D

    Das kann Wiko nämlich auch, die sind nur deutlich billiger. Die Qualität ist hingegen gleich (schlecht).

    Wenn Hersteller wie Xiaomi mehr "Elan" hätten, dann wäre der Markt hierzulande bei Mittelklasse-Smartphones deutlich interessanter.

    Warum sollte ein chinesicher Hersteller seine Smartphones nicht auch selbst vermarkten? Immer nur im Hintergrund ist langweilig :D

  5. 14.01.16 19:13 Nuvolari (Advanced Handy Profi)

    "...mit dem Tornado 348 mit 5,15 Millimetern Bautiefe das zum damaligen Zeitpunkt flachste Smartphone der Welt, das für 299 Euro ohne Vertrag an den Start ging."

    Knapp daneben! In den ersten Monaten wurde das Tornado 348 für wahnwitzige 499 bis 549 EUR verkauft, bis es dann nach einem zähen Preisrutsch lange Zeit im Bereich von 249 bis 299 EUR hängen blieb.

  6. 14.01.16 19:05 Gandalf (Advanced Handy Profi)

    Und dass Deutschland als Markt immer unwichtiger wird, ist so auch nicht richtig.
    Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt und zudem als Europa's "Zentrale" anzusehen.

    Nur ist Deutschland auf die Masse bezogen kein Schlüsselmarkt. Daher für solche Mittelstandsunternehmen nicht wirklich lohnenswert.

    Die Frage ist eben, wo die Prioritäten liegen. Und bei Kazam muss Marktanteil gewonnen werden, um überhaupt wahrgenommen zu werden.
    Zudem sind sie kein Großunternehmen wie Huawei oder Lenovo, mit deutlich geringeren finanziellem Rückhalt.
    Die haben's eben naturgemäß sehr schwer.

antworten
 
Anzeige
Aktuelle Geräte im Test
Anzeige