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Autor:
Björn Brodersen
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eSIM: Die Angst der Mobilfunkbetreiber vor der Apple-SIM

Anbieter-, Tarif- und Netzwechsel, die Mobilfunknutzung im Ausland und die Vernetzung von verschiedenen Geräten - mit der eSIM wird alles leichter. Das versprechen zumindest Gerätehersteller und Mobilfunkbetreiber. Doch inwieweit Verbraucher tatsächlich von der fest in die Geräte integrierten SIM-Karte profitieren, bleibt abzuwarten. Noch gibt es zu viele offene Fragen.

eSIM: Die Angst der Mobilfunkbetreiber vor der Apple-SIM

Die klassische SIM-Karte hat bald ausgedient. | (c) Telekom

2016 werden vermutlich die ersten Tablets und Smartphones mit einer integrierten Chipkarte statt einer herausnehmbaren SIM-Karte in den Handel kommen. Embedded-SIM oder kurz eSIM heißt diese Lösung, die im Bereich der Maschine-zu-Maschine-Kommunikation (M2M) bereits seit Jahren vorzufinden ist. Die fest eingebaute SIM hat die gleiche Funktionalität wie eine herkömmliche wechselbare SIM-Karte im Mini-, Micro- oder Nano-Format, aber einen anderen Formfaktor. Hersteller von Internet-fähigen Geräten versprechen sich von der fest eingebauten, (um-) programmierbaren SIM-Karte unter anderem mehr Flexibilität beim Design ihrer Geräte, bessere Vertriebsmöglichkeiten und leichteren Zugang zu neuen Märkten. Zu den vernetzten Geräten gehören nicht nur Smartphones, Tablets und Laptops, sondern künftig auch immer mehr Wearables wie Smartwatches und Fitness-Tracker oder auch Kameras, Haushaltsgeräte, Fahrräder und Autos - sogar Kleidung.

Auch für Smartphone- und Tablet-Nutzer soll die eSIM Vorteile bieten. Anbieter-, Tarif- oder Netzwechsel sollen dadurch vereinfacht und ein direkter Vergleich von verschiedenen Angeboten auf dem Gerät möglich werden. Statt eine neue SIM-Karte im richtigen Format zu kaufen und mit diese in den entsprechenden Einschub im Handy oder Tablet einzulegen, wird der integrierte Chip neu programmiert. Dies könnte sogar spontan möglich sein, um beispielsweise bei einer Auslandsreise hohe Roaming-Kosten zu umgehen, und eventuell einfach durch Abfotografieren eines QR-Codes mit der Smartphone- oder Tablet-Kamera erfolgen. Auch sollen sich so mehrere Mobilfunk-fähige Geräte einfacher unter einem Vertrag nutzen lassen, und die im Gerät versiegelte SIM-Karte mehr Sicherheit bieten.

Einsatzszenarien für E-SIM | (c) Telekom

Einsatzszenarien für E-SIM | (c) Telekom

"Die Einführung der eSIM wird die Vernetzung von Maschinen und das Internet der Dinge beflügeln", schreibt die Telekom in einem Blogbeitrag zum Thema. "Immer mehr Geräte werden in Zukunft mit einem Internetzugang ausgerüstet sein. Und jeder einzelne von uns wird Schätzungen zufolge im Jahr 2020 über bis zu zehn vernetzte Geräte verfügt: Smartphones, Laptops, Autos, Fitnessarmbänder, Computeruhren und und und. Eine einfach Aktivierung, Verwaltung und Handhabung dieser Geräte ist daher wünschenswert. Und das kann die eSIM leisten." Dass die Telekom beim Thema eSIM in die Offensive geht, überrascht nur auf den ersten Blick. Die Mobilfunkbetreiber mit ihren zig Millionen Kundenverträgen haben durch die eSIM viel zu verlieren und versuchen daher lieber Einfluss auf die künftige Gestaltung der eSIM-Angebote zu nehmen als tatenlos zuzuschauen. Auch Vodafone und O2 und viele andere Mobilfunkbetreiber haben sich eingeschaltet, um sich nicht das Heft des Handelns aus der Hand nehmen zu lassen.

Apple und Samsung preschen bei der eSIM vor

Ihr Interessenverband GSMA verhandelt zurzeit mit führenden Geräteherstellern wie Apple und Samsung um einen einheitlichen eSIM-Standard, der die technischen Anforderungen an die eSIM und die Regeln für die Profilverwaltung auf der Karte festlegen soll. Eigentlich war eine Einigung noch vor dem Jahreswechsel erwartet worden. Diese beiden Unternehmen, die derzeit zusammen wohl auf einen Marktanteil von knapp über 40 Prozent bei Smartphones kommen, machen Druck mit eigenen SIM-Karten: Cupertino bietet in ausgewählten Ländern wie USA und Großbritannien - seit Mitte vergangenen Jahres auch in deutschen Apple-Stores - das iPad Pro, das iPad Air 2 sowie das iPad Mini 3 und das iPad Mini 4 in den Wifi+Cellular-Versionen mit integrierter SIM-Karte an. Die Apple-SIM lässt Nutzer direkt auf dem Gerät einen Netzbetreiber wählen, die Konfiguration erfolgt über die Einstellungen für "Mobile Daten". Samsung hat im vergangenen September auf der IFA die Smartwatch Gear S2 mit fest eingebauter SIM-Karte vorgestellt. In Deutschland ist das Gerät nicht verfügbar, weil - so der Hersteller - hierzulande die technische Unterstützung durch die Mobilfunkbetreiber fehlt. Und auch Microsoft soll an einer eSIM für Windows-Tablets und -Rechner arbeiten.

Apple-SIM auf dem iPad | (c) Apple

Apple-SIM auf dem iPad | (c) Apple

Bei den Verhandlungen zwischen Apple, Samsung, Mobilfunkbetreibern und anderen Branchenunternehmen dürfte es vor allem um die Frage gehen, wer künftig die Hoheit über die SIM-Karte hat: Behalten die Mobilfunkunternehmen den direkten Kundenkontakt oder nehmen die Hardware-Hersteller oder ein anderer Anbieter diese Position ein? Folgende, aus Verbrauchersicht wichtige Fragen sind: Wer legt fest, welche Netz- und Tarifangebote zur Auswahl stehen? Wie sieht es hinsichtlich der Preisgestaltung und der vertraglichen Mindestlaufzeiten der Tarife aus? Und lassen sich auf der eSIM mehrere Profile speichern und je nach Bedarf aktivieren? Neben einem  Komfortgewinn werden die Tarifangebote für eSIM-Geräte erst zeigen müssen, dass sie den Anwendern mehr Transparenz und mehr Freiheit bei der Vertragswahl bieten. Die Apple-SIM, die bislang noch wie üblich über den Schlitten in das iPad eingeführt wird und Datendienste von nur vier Anbietern für die Nutzung in 90 Ländern und Regionen zur Auswahl stellt, zeigt, wie begrenzt ein solches Angebot sein kann.

"Wir sind überzeugt, dass der neue eSIM Standard ab 2016 in den Markt kommt und sich dann ab 2017 richtig durchsetzt. Die ersten Lösungen werden wohl mit Tablets angeboten, aber auch Wearables stehen in den Startlöchern", schreibt die Telekom. "Am Anfang werden wir sicher auch Hybridlösungen aus eSIM und Plastikkarte sehen. In zehn Jahren wird es aus unserer Sicht aber keine Plastik-SIM mehr geben."

Mehr zum Thema: Smartphones, Tablet, Smartphone-Markt, Apple-SIM, E-SIM

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Kommentare
  1. 17.01.16 18:10 Fritz_The_Cat (Advanced Handy Master)

    Ich warte ganz entspannt ab, wann die eSIM kommt. Denn DASS sie eingeführt werden wird, steht ja wohl fest.

  2. 16.01.16 22:56 chief (Advanced Handy Master)

    "Wir sind überzeugt, dass der neue eSIM Standard ab 2016 in den Markt kommt "

    Kommt das iPhone 7 damit? Würde ich nach dieser Aussage nicht komplett ausschließen.

    Wäre fast wieder ein Grund auf die IFA zu fahren, dieses Jahr. Vor 2 Jahren konnte ich auch das iPhone6 in seiner vollen Pracht bestaunen, bevor es offiziell vorgestellt wurde.

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