Autor: Tobias Czullay 21.01.2016 - 18:30 | (7)

Android-Update erklärt: Von der Entwicklung bis zum Roll-out

Von der Bereitstellung einer neuen Android-Version bis zum Roll-out eines Updates durch die Hersteller kann viel Zeit vergehen. Woran liegt das? Wir beleuchten die einzelnen Schritte, die ein Android-Update fürs Smartphone oder Tablet nach dem Release durch Google durchläuft.

Android-Update erklärt: Von der Entwicklung bis zum Roll-out

Android-Updates | (c) Areamobile

Pünktlich zur Veröffentlichung einer jeden neuen Android-Version durch Google kommt seitens vieler Smartphone-Nutzer die Frage auf, wann denn ihr Gerät ein entsprechendes Update erhält. Das ist durchaus nachvollziehbar, schließlich haucht ein neues Betriebssystem dem alten Smartphone neues Leben ein und hält es mit neuen Features und Sicherheitspatches auf dem aktuellsten Stand. Umso ärgerlicher ist es da, dass viele Gerätehersteller erst mit einigen Monaten Verzug ein Update ausliefern - nicht selten hat Google da schon die nächste Android-Generation vorgestellt. Bekannt ist: Hersteller, die auf ein eigenes Interface und eigene Funktionen setzen, müssen die rohe neue Betriebssystemversion erst nach ihren Vorstellungen anpassen und das kostet Zeit. Doch ist das längst nicht der einzige Grund für die langen Wartezeiten.

Schon im Vorfeld der Präsentation einer neuen Android-Ausgabe gibt Google an die Hersteller von Geräten auf Android-Basis sowie jene von Smartphone- und Tablet-Chipsätzen ein Platform Development Kit (PDK) heraus, das ihnen als Werkzeug für Anpassungen an die Neuerungen des Betriebssystems dient. Chiphersteller müssen anhand des PDK das sogenannte Board Support Package (BSP) entwickeln oder aktualisieren, das eine für jede Platine einzigartige Sammlung aus Kernel, Treibern und Bibliotheken enthält und Voraussetzungdafür ist, dass das später ausgelieferte Betriebssystem auch die einzelnen Komponenten ansprechen kann. Jede neue Android-Version bringt auch neue Schnittstellen (API) und damit einen veränderten Zugriff auf die Komponenten des Chipsatz mit sich, wodurch neue Treiber erforderlich werden. Das BSP ist damit für die Gerätehersteller besonders wichtig: Ohne dessen Aktualisierung können sie die neue Android-Version nicht für ihre Geräte anpassen.

Der Gerätehersteller ist vom Chiphersteller abhängig

Der Entwicklung des BSP voraus geht eine Evaluierung seitens Qualcomm, Mediatek und anderen Chip-Herstellern. Sie prüfen, ob sie denn überhaupt ein entsprechendes Paket für einen bestimmten Chipsatz bereitstellen möchten oder anhand der technischen Voraussetzungen überhaupt können. Entscheidet sich ein Chiphersteller dagegen, dann kann auch der Gerätehersteller seine Arbeit nicht aufnehmen - er ist von dieser Zuarbeit abhängig. Allerdings führen nicht nur die Chiphersteller, sondern eben auch Samsung, HTC & Co. eine solche Prüfung durch und schätzen die Mindestvoraussetzungen eines Smartphones oder Tablets sowie die nötigen Ressourcen für eine Entwicklung ab. Entscheidet man sich dort nun gegen diesen Aufwand, geht der Endverbraucher ebenfalls leer aus.

Mit dem Monate vor Release der finalen neuen Android-Version ausgelieferten PDK können Gerätehersteller zwar die Vorarbeit leisten, am Ende müssen sie allerdings trotzdem darauf warten, dass Google den Quellcode über das Android Open Source Project (AOSP) freigibt, denn nur der ist auch fehlerfrei und enthält alle Features. In der nun folgenden und abschließenden Entwicklung erfolgt auch die Integration von eventuell von Mobilfunkprovidern geforderten Apps und Diensten sowie andere Anpassungen. Im Anschluss durchläuft die Firmware das Qualitätstesting, das intern oder bei einem Branding beim Provider ausgeführt wird - werden Fehler ausfindig gemacht, müssen sie behoben und die Firmware erneut durch den Test geschickt werden.

Zertifizierung und Roll-out

Android Marshmallow | (c) Areamobile

Android Marshmallow | (c) AM

Schließlich wollen auch einige Regulierungsbehörden noch einen Blick auf die neue Software werfen, beispielsweise um die Erfüllung bestimmter Richtlinien für Funkstandards wie WLAN oder Bluetooth zu überprüfen. Auch die Provider und Google selbst nehmen die Android-Firmware des Geräteherstellers ab und erteilen eine Zertifizierung, bevor es an die Verteilung des Updates geht. Der Roll-out wird dabei in der Regel über die Server des Herstellers abgewickelt, bei Datenpaketen mit Branding wird mitunter auch die Infrastruktur des Mobilfunkanbieters genutzt. Die Auslieferung geschieht meist in Form der drahtlosen "Over-the-Air-Übertragung" über das Internet direkt auf das Smartphone oder Tablet, bei einigen Geräten kann für das Aufspielen eines Updates aber die Anbindung an einen Rechner nötig werden.

Der Roll-out eines Android-Updates, das dürften viele Nutzer eines Android-Smartphones mittlerweile selbst erfahren haben, geschieht in Schüben: Nicht jedes Gerät erhält die neue Betriebssystemversion direkt mit dem verkündeten Startschuss, sondern vielleicht erst einige Tage oder Wochen später. Die Philosophie dahinter erklärte vor geraumer Zeit der nunmehr ehemalige Google-Entwickler Dan Morrill am Beispiel der Nexus-Geräte. Dort wird innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden nur ein sehr kleiner Anteil der Smartphones und Tablets mit der neuen Version bedacht, um möglicherweise auftretende Probleme erkennen und darauf reagieren zu können. Die Wahrscheinlichkeit, dass das eigene Gerät in diesem Zeitraum bei einer automatischen oder manuellen Suche das OTA-Update erhält liegt bei gerade einmal einem Prozent, mit den nächsten Wellen steigt diese Chance auf 25, 50 und schließlich 100 Prozent.

Zum Weiterlesen

Mehr zum Thema: Android-Update, Android-Smartphones, Smartphones, Tablet, Android-Tablet, Mobile Betriebssysteme, Android 6 Marshmallow

Quelle: BQ, HTC

Gefällt dir der Artikel?
Gefällt mir
Gefällt mir nicht
Kommentar schreiben

Die Kommentarfunktion ist hier leider nur für angemeldete Benutzer freigegeben.

Du bist nicht dabei?
Werde Teil der Community
Registriere Dich jetzt kostenlos! | Login
Sichere Dir Deinen Usernamen, damit Deine Beiträge und Bewertungen nicht verloren gehen.
 
Lesen Sie alle 7 Kommentare in unser Community.
Kommentare
  1. 22.01.16 12:04 pixelflicker (GURU)

    Das macht doch jeder Hersteller so. Auch in Unternehmen werden Patches nie überall sofort ausgerollt. Ist doch klar. Software ist so extrem komplex, da ist immer irgendwo ein Fehler. Unter Softwareentwicklern sagt man ja auch: "Wenn du noch keinen Fehler beim Testen gefunden hast, hast du noch nicht lange genug getestet".

  2. 22.01.16 09:20 nohtz (Professional Handy Master)

    habe auch ein nexus7 (2012)
    je älter das im vergleich zu anderen nexen wurde, desto länger musste ich warten...
    manchmal 1 woche im vergleich zum nexus7-2013

  3. 22.01.16 08:53 foetor (Advanced Handy Profi)

    @nohtz
    Also bei meinem Nexus 7 früher war das nicht so, da hat es auch immer gedauert bis das Update kam und war nicht von jetzt auf nacher da

  4. 22.01.16 08:43 nohtz (Professional Handy Master)

    foetor
    "man muss nur auf das Handy schauen und schon ist es da"
    -->ist doch bei android auch so ?!?
    dafür dass die hersteller dann so lange brauchen, bis die in die neue android-version ihre spielereien eingebaut haben, dafür kann google nicht so viel

    naja, apple loben...
    die größeren updates gehen bei denen auch öfters in die hose (was ich hier im forum so mitlesen konnte) wenn sie per OTA durchgeführt werden, nur per kabel scheint das zu funktionieren.

  5. 22.01.16 07:48 foetor (Advanced Handy Profi)

    @nohtz
    Leider muss ich hier mal Apple loben, bei denen klappt es doch auch (meist). Und da wird ein Update angekündigt und man muss nur auf das Handy schauen und schon ist es da. Klar es ist einfach wenn "alles" aus einem Haus kommt aber wenigstens bei den Nexus Geräten könnte man das ja erwarten.

  6. 22.01.16 07:41 nohtz (Professional Handy Master)

    "Das beweist ja nur, dass man keine Qualitätssicherung hat und ist eigentlich ein Armutszeugnis für Google!"
    -->nicht zwingend
    manche nutzerszenarien, bei denen dann die fehler in real life auftreten, kann man sich garnicht ausdenken

antworten
 
Anzeige
Aktuelle Geräte im Test
Anzeige