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Autor: Stefan Schomberg 15.02.2016 - 13:34 | 53

Studie zur "geplanten Obsoleszenz": Nichts spricht für fest verbaute Akkus

Elektronische Geräte werden immer früher ausgetauscht – ist das von den Herstellern geplant? Öko-Institut e.V. und Wissenschaftler der Universität Bonn fordern nach der Auswertung einer Studie, dass die Politik Hersteller zu mehr Transparenz zwingt, um Lebens- und Nutzungsdauer von Produkten zu verlängern. Das käme nicht nur den Nutzern zugute, sondern auch der Umwelt.

Studie zur

Smartphones 2015 | (c) Hersteller / AM

Man kauft einen Fernseher und der geht gefühlt zwei Wochen nach Ablauf der Garantie kaputt - so oder so ähnlich ist es wohl schon vielen Menschen oder zumindest jemandem im Freundes- oder Bekanntenkreis schon mal passiert. Denn die Lebensdauer von elektronischen Geräten scheint in den letzten Jahren immer weiter abzunehmen. Das geht sogar so weit, dass von einer "geplanten Obsoleszenz", also einer absichtlich verkürzten Lebensdauer der Geräte, die Rede ist. Eine Studie von Öko Institut e.V. und der Universität Bonn hat das empirisch untersucht.

Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass es einerseits zwischen 2004 und 2012 tatsächlich eine Steigerung des Prozentsatzes von 3,5 Prozent auf 8,3 Prozent bei elektronischen Geräten gegeben hat, die innerhalb der ersten fünf Jahre wegen eines Defektes ausgetauscht werden mussten. Andererseits tauschen Verbraucher auch immer mehr Geräte aus, obwohl das noch gar nicht nötig ist. Das wirkt sich negativ auf den kumulierten Energieaufwand und die CO2-Bilanz der Geräte aus. So verursacht eine langlebige Waschmaschine 700 bis 1.000 kg weniger Treibhausemmissionen als eine kurzlebige, ein entsprechendes Notebook etwa 300 kg und ein Fernseher 600 kg weniger. Ausgewertet wurden dabei Haushaltsgroß- und -kleingeräte, Geräte aus der Unterhaltungselektronik sowie von Informations- und Kommunikationstechnologie.

Gibt es wirklich eine geplante Obsoleszenz?

Eine absichtliche Manipulation der Hersteller mit dem Ziel, nach möglichst kurzer Zeit nach Ende der Garantiezeit Defekte hervorzurufen, konnte die Studie nicht belegen. Vielmehr planen Hersteller die Belastbarkeit ihrer Produkte, aus der sich dann die zu erwartende Lebensdauer und die Kosten des Produkts ergeben. Abhängig von der realen Belastung kann die Lebensdauer dann kürzer oder länger ausfallen - die Produkte sollen also so lange wie nötig, nicht aber so lange wie möglich halten. Auch die Stiftung Warentest hatte das bereits vor einigen Jahren herausgefunden. Das Problem dabei: Für den Endkunden ist das vor dem Kauf nicht ersichtlich, denn der Preis lässt keinen Rückschluss auf die Haltbarkeit eines Gerätes zu. Das Umweltbundesamt fordert daher mehr Transparenz, etwa eine einheitliche Angabe der voraussichtlichen Nutzungsstunden. Außerdem fordert es einen Anreiz, Produkte länger zu nutzen.

Grund für den tausch von Geräten | (c) Öko Institut e.V.

Grund für den tausch von Geräten | (c) Öko Institut e.V.

Kein Grund für fest verbaute Akkus

Die Wissenschaftler der Studie haben Vorschläge gemacht, wie man durch Zusammenarbeit von Politik, Herstellern, Wissenschaft und Verbrauchern Verbesserungen erreichen kann. So empfehlen sie die Definition von Mindestanforderungen an Qualität und Haltbarkeit und die Entwicklung von Standards und Messnormen für Bauteile. Zusätzlich fordern sie Hersteller auf, für leichtere Reparatur ihrer Geräte zu sorgen und den Zugang zu Ersatzteilen zu erleichtern. Akkus in Smartphones und Notebooks sollten leicht selbst oder kostengünstig durch einen Fachbetrieb zu wechseln sein, denn nach Angaben von Studienführer Siddharth Prakash spricht "nichts für fest verbaute Akkus".

Als politisches Druckmittel sehen die Wissenschaftler die Ökodesign-Richtlinien der EU, in denen festgeschrieben werden könnte, wie lange Produkte mindestens halten müssten. Von Verbrauchern forderten die Studienmacher, nicht jedem Trend hinterherzulaufen und Geräte lieber länger zu nutzen. Hersteller sollten außerdem auf einen Teil des Profits verzichten und stattdessen langlebigere Produkte herstellen.

Mehr zum Thema: Smartphones, Tablet

via Spiegel Online

Super – jetzt wissen wir endlich, wie man alles zum Besseren wenden könnte. Und passieren wird wieder nichts. Hersteller sollen auf Profit verzichten? Freiwillig wohl kaum. Und ansonsten wird schon wieder eine Lobby entsprechende Gesetze so verwässern, dass man sie auch gleich weglassen könnte. Konsumenten sollen zudem auf Konsum verzichten? Was da unsere Wirtschaftsökonomen zu sagen werden... Seien wir doch mal ehrlich: Umweltschutz und freie Marktwirtschaft vertragen sich einfach nicht. Das ist kein politisches Statement, sondern eine Tatsache.

Persönlicher Kommentar von Stefan Schomberg

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Kommentare
  1. 16.02.16 23:12 M.a.K (Handy Master)

    @ homeend,

    was hindert die Hersteller daran die Teile billiger zu Produzieren und für 1000 Stunden auszulegen? 4-5€, da lässt sich bestimnt etwas einsparen damit es sich mehr Leute leisten können :D

  2. 16.02.16 21:04 homeend (Advanced Handy Profi)

    >-->deswegen kein liebherr-kühli mehr (nach 4 jahren den geist aufgegeben), sondern nur ein Bauknecht

    Oder noch besser einen Beko oder Gorenje.

    >Warum gibt keine LED's mit 1000h Lebensdauer wie bei einer Glühbirne? Wäre doch ein Kinderspiel für die Hersteller Schwachstellen einzubauen um die Laufzeit so extrem zu verringern.

    Naja, vergleiche mal die Preise einer LED mit denen einer herkömmlichen Glühbirne. Wenn die nach 1.000 Stunden platt wären, dann würde keiner mehr 4-5 EUR pro Stück bezahlen. ;-)

  3. 16.02.16 18:54 M.a.K (Handy Master)

    Wahrscheinlich gibt es nicht einmal einen Preisunterschied in der Herstellung und zu dem Preis... Das entkräftet wohl die Aussage, dass die Hersteller das Doppelte verdienen müssen wenn Produkte die doppelte Lebensdauer haben. Ansonsten müsste Benzin das Doppelte kosten wenn Autos nur noch die Hälfte verbrauchen. Aber genau das Gegenteil passiert und die Ölfirmen gibt es noch immer. Macht also nicht wirklich Sinn.

    Trotzdem würde ich in diesem Fall etwas mehr ausgeben und gleich auf LED umrüsten, Halogen verbraucht mir zu viel und die Lebensdauer ist viel zu kurz.

    Warum gibt keine LED's mit 1000h Lebensdauer wie bei einer Glühbirne? Wäre doch ein Kinderspiel für die Hersteller Schwachstellen einzubauen um die Laufzeit so extrem zu verringern.

  4. 16.02.16 17:40 N73Willi (Handy Profi)

    ...kurzer Nachtrag, war gerade im Baumarkt, weil ich Halogen-Lampen brachte... Da gibt es die Superstar 2000 und die Superstar 4000... Unterschied: Die 2000er sollen 2 Jahre halten die anderen 4 Jahre... das steht auch so offen auf der Packung... Zusätzlich kosten die 4000er das 2,5-Fache wodurch die Wahl welche Lampe genommen wird leicht fallen soll und der Kunde noch denken soll "Mensch bin ich clever"... Auf Nachaltigkeit ist sowas also nicht ausgelegt... Da werfen die Meisten es lieber weg wenn es günstiger ist...

  5. 16.02.16 16:08 nohtz (Professional Handy Master)

    applenerd #30
    -->so isses

    homeend
    "Daher kommt es bei vielen Konsumenten auch zu der Einstellung, dass sich ein teures Gerät gar nicht mehr lohnt."
    -->deswegen kein liebherr-kühli mehr (nach 4 jahren den geist aufgegeben), sondern nur ein bauknecht

    "Aber ich glaube die Sehnsucht nach haltbarer Qualität, auch wenn sie mehr kostet, ist bei einer gar nicht so kleinen Kundengruppe sehr groß"
    -->definitiv, aber wenn man sich bei fast jedem höherpreisigen produkt erstmal "verarscht" vorkommt, und denkt, das isses eh nicht wert, wird es schwierig

  6. 16.02.16 15:49 M.a.K (Handy Master)

    @ Fritz,

    "Sind wir nicht alle ein bisschen …… Blu…, äh Bestandteil dieses Systems?"

    Ja sind wir, aber wir sind am unteren Ende der Nahrungskette wenn du verstehst was ich meine. Freie Meinungsäußerung, Religionsfreiheit oder das Recht sein Geld (wenn vorhanden) auszugeben für das was einem gerade passt sind nicht zu vergleichen mit wirtschaftlichen Entscheidungen der Großkonzerne und deren Politiker die uns lenken. Wählen bringt auch nichts. Sieht man ja an der tollen großen Koalition. Niemand der CDU/CSU oder SPD gewählt hat ist wohl zufrieden mit der derzeitigen Situation. Also haben wir keine Wahl das das zu Fre**en.


    "Liegt das nun am "System" der Billigprodukte? Oder liegt es vielleicht auch daran, daß hierzulande die Steuern + Abgaben so / ZU hoch sind, daß vom (eigentlich ganz anständigen) Bruttoverdienst zu wenig netto übrig bleibt? "

    Vor einiger Zeit war das noch kein Problem. Wo wir wieder bei den Firmen sind die angefangen haben us Profitgier die Produkte in Entwicklungsländern produzieren zu lassen.


    "Womit wir wieder bei der klassischen Henne-Ei-Frage aus #32 wären…"

    Und wie ich schon sagte war es die E.U und vor allem deutsche Politiker die einfach eigene Entscheidungen für das Volk durchgeboxt haben. Jede Wette, hätte es damals zu allen wichtigen Fragen Volksentscheide gegeben, wäre heute einiges anders. Aber nun ist es zu spät und dadurch haben wir uns selber zu Lohnsklaven gemacht.

    Vielleicht ist das hier in Deutschland noch nicht richtig angekommen, da wir eines der wenigen Länder der E.U sind denen es noch ganz gut geht. Den rest Europas, also etwa 80% der Länder sind doch schon den Bach runter gegangen. Jedenfalls haben Politiker und Firmen den Kontient extrem geschwächt, sogar fast zur bedeutungslosigkeit gebracht.

    Diese ganze Diskussion über Elektroschrott zeigt doch eigentlich nur wie Hilflos wir bereits sind, dabei geht es nur um das reduzieren von Müll... Aber okay, das ist nun wirklich zu viel OT.

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