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Autor: Tobias Czullay 17.02.2016 - 11:45 | 42

US-Gericht fordert: Apple soll Hintertür in iOS einbauen

Ein US-Gericht fordert Apple auf, eine Hintertür in das iOS-Betriebssystem einzubauen. Über die bewusst eingebaute Schwachstelle sollen Behörden wie das FBI Zugriff auf das iPhone mutmaßlicher Terroristen erhalten. Apple lehnt das ab und warnt vor den Folgen einer solchen digitalen Schwachstelle des iPhone und anderen Smartphones.

US-Gericht fordert: Apple soll Hintertür in iOS einbauen

Das Apple-Logo könnte Kratzer nehmen, wenn sich die US-Behörden mit ihrer Forderung nach einer Hintertür in iOS durchsetzen. | (c) Areamobile

Ein Richter des Bezirksgerichts Kalifornien hat Apple dazu aufgefordert, dem FBI Hilfestellung bei der Entschlüsselung ihrer iOS-Geräte zu leisten. Das schreibt unter anderem die "Süddeutsche Zeitung" am Mittwochmorgen. Die Bundesbehörde beißt sich offenbar derzeit an einem verschlüsselten iPhone 5C mit installiertem iOS 9 die Zähne aus, das einer der zwei mutmaßlichen IS-Sympathisanten und Verantwortlichen für den Terroranschlag im kalifornischen San Bernadino, bei dem im vergangenen Dezember 14 Menschen ums Leben kamen, genutzt hatte. Das FBI will zur weiteren Aufklärung Einsicht in die gespeicherten Daten erhalten, arbeitet aber seit zwei Monaten an der bislang erfolglosen Entschlüsselung.

Apple soll nun nach Einschätzung des Gerichts (hier der Beschluss als PDF) dazu gezwungen werden, die automatische Löschfunktion bei mehrmaliger falscher Passworteingabe zu deaktivieren sowie die Wartezeit für die erneute Eingabe zu verkürzen. Erst danach könnten sogenannte Brute-Force-Attacken auf das Gerät gefahren werden, bei dem das vier- bis sechsstellige Passwort durch automatisiert erstellte Zahlen- und Buchstabenkombinationen aufgebrochen wird. Das kann je nach Stärke des Passworts allerdings mehrere Jahre dauern. Ferner fordert das Gericht vom Unternehmen, dem FBI Software zur Verfügung zu stellen, mit der explizit dieses eine iPhone geknackt werden kann, ohne das Betriebssystem oder die Daten auf dem Gerät abzuändern.

Apple bezieht Stellung: Es wird keine Hintertür geben

In einem offenen Brief hat Apple-Chef Tim Cook nun Stellung zum Thema bezogen, in dem er die geforderten Maßnahmen kategorisch ablehnt. So habe man dem FBI schon so weit wie möglich unter die Arme gegriffen und für den aktuellen Fall sogar Entwickler zur Beratung abbestellt, die verlangte Software existiere allerdings schlicht und ergreifend nicht. Auch zieht Apple nicht in Betracht, eine solche überhaupt zu entwickeln, da eine offene Hintertür anders als von den Behörden behauptet wohl nicht nur in einem akuten Fall ausgenutzt werde. In falschen Händen sei eine Software dieser Art zu gefährlich und könne für den unbemerkten Eingriff in die Privatsphäre der Nutzer missbraucht werden.

Schon in der bloßen Forderung nach einer Hintertür sieht Cook eine Gefahr für die Freiheit der Nutzer: Wenn eine Regierung unter Berufung auf den im Jahr 1789 erstellten All Writs Act die Abschaffung von Sicherheitsfunktionen fordert, dann besäße sie auch die Macht, von Apple die Entwicklung weiterer Überwachungswerkzeuge zu verlangen.

Mehr zum Thema: iPad, iPhone, Smartphones, Tablet, iPad Mini, Apple-Smartphones, Apple-Tablets

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Kommentare
  1. 19.02.16 16:19 Applenerd (Handy Profi)

    Wenn ich organisierter Krimineller oder Terrorist wäre, dann wüßte ich schon, wie ich es anstelle, dass meine Daten geheim bleiben.
    Mit den allermeisten Überwachungsmassnahmen trifft man vor allem die Normalos und die Kleinen.

    Beispiel: Das Abfragen der Kontodaten und das Aufweichen des Bankgeheimnisses würde damals auch mit organisierter Kriminalität und Terrorismusbekämpfung begründet.

    Und wer fragt in Deutschland mehr als 302.150 Mal (!)l im Jahr (2015) Kontodaten ab? Vorallem die Finanzämter, die Jobcenter wegen der Hartz IV Leistungsträger und andere Behörden Bezug von Sozialleistungen (Wohngeld und BAföG etc.)

    Wer im Jahre 2016 noch glaubt, dass man Bürgerrechte nur wegen Terrorismus oder organisierter Kriminalität aufweicht, der ist echt naiv.

    EDIT:

    2005 - 9.000 Kontoabfragen
    2010 - 50.000 Kontoabfragen
    2013 - 142.000 Kontoabfragen
    2015 - 302.150 Kontoabfragen

  2. 19.02.16 15:30 IchBinNichtAreamobile.de (Handy Master)

    @cookieman:"Wenn der User sein iPhone so eingerichtet hat, das nach max. 10 Versuchen alle Daten gelöscht werden, ist eh vorbei. Viele nutzen zwar auch die iCloud, aber auch hier können nur Daten abgegriffen werden die für die iCloud eingerichtet sind."
    >>Wenn du wirklich glaubst, dass die lokale Verschlüsselung auf dem iPhone dich vor irgendwas bewahrt, dann bist du kein guter Terrorist (aber du bist trotzdem einer so wie wir alle).

  3. 19.02.16 14:02 cookieman (Advanced Handy Master)
    @Ibnam

    >Du glaubst doch nicht wirklich, dass das eine Rolle spielt oder? Wenn du deine Daten sichern willst, dann schaffst du das auch mit Hintertür. Terroristen sind auch wirklich die Letzten, die dadurch entdeckt werden. Obwohl! Die Terrorismus-Definition ist so dünn, dass im Grunde jeder ein Terrorist ist ... von daher trifft man ja immer die Richtigen ;) (so denkt sich das die NSA bei Skynet wohl)

    Wenn der User sein iPhone so eingerichtet hat, das nach max. 10 Versuchen alle Daten gelöscht werden, ist eh vorbei. Viele nutzen zwar auch die iCloud, aber auch hier können nur Daten abgegriffen werden die für die iCloud eingerichtet sind.

  4. 19.02.16 13:51 Applenerd (Handy Profi)

    @IBNAM
    > Man muss hier auch ganz klar zwischen externem Zugriff und physischem bzw direkten
    > Zugang unterscheiden. Bei ersterem spielt die Verschlüsselung der Partitionen keine Rolle.

    Ja, ganz wichtig zu unterscheiden. (Habe ich im anderen Thread bereits ausgeführt.) Google kann die Geräte ruhig lokal verschlüsseln. Das schadet ihrem Geschäftsmodell nicht. Die Daten fallen ja direkt auf den Googleservern an. (Suchanfragen, Mails, Maps, Google+, etc.)

  5. 19.02.16 13:49 Applenerd (Handy Profi)

    >> Strohmann-Argumentation

    Außerdem impliziert die Konstruktion "die Meinung herrscht", dass es eine weitverbreitete Meinung ist, die der überwiegende Teil der Foristen hier teilt. "Ich erinnere mich schon hier im Forum Sätze gelesen zu haben wie" klingt schon ganz anders.

    (Nur wo wir gerade bei schlechter Argumentation und Diskussionführung sind. ;)

  6. 19.02.16 10:34 IchBinNichtAreamobile.de (Handy Master)

    @Echse: Also niemand hier in diesem Thread -> Strohmann-Argumentation

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