Autor: Tobias Czullay 19.02.2016 - 17:00 | (55)

Android-Updates: Die Bombe tickt und tickt und tickt

Die aktuelle Update-Situation in der Android-Welt ist nicht tragbar. Viele Smartphones werden viel zu spät, die meisten gar nicht mit Aktualisierungen des Betriebssystems bedacht. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern wird früher oder später aus dem Ruder laufen. Ein Kommentar.

Android-Updates: Die Bombe tickt und tickt und tickt

Android 6.0 | (c) Areamobile

Wieder kommt kein Update für das Smartphone und wieder gibt der Hersteller keine Auskunft darüber, ob und wann denn überhaupt damit zu rechnen ist. Und wieder fällt die Empörung darüber groß aus, die die betroffenen Nutzer in den sozialen Netzwerken an die Hersteller ihres Geräts richten. Dort quellen die Pinnwände über vor Anfragen zu Updates für Gerät XY, nicht selten ufern Kommentare auch an wilden Beschimpfungen unter der Gürtellinie aus. Als leiser Beobachter stellt man hier schnell fest: Updates sind nicht nur gefragt, sie sind vor allem ein sehr emotionales Thema. Mit Rationalität haben die Aktionen und Reaktionen nicht immer viel zu tun. Obwohl viele Smartphones mit der vorinstallierten Software rund und nicht selten sogar runder laufen als nach der Installation, bestehen Nutzer auf einem Update. Die Angst davor, vom Neuen und vermeintlich Besseren ausgeschlossen zu werden, die provoziert offenbar auch verquere, völlig übertriebene Reaktionen. Als hinge das eigene Leben davon ab! Das ist natürlich völliger Quatsch. Wichtig ist die Betriebssystempflege durch die Hersteller aber trotzdem.

Denn, wie es scheint sorgen, Updates in einer Zeit, in der eine Errungenschaft die nächste jagt und jedes technische Gerät mit dem Kaufdatum eigentlich schon längst wieder veraltet ist, für ein gewisses Sicherheitsgefühl beim Nutzer. Immerhin werden damit nicht nur Fehler ausgemerzt und mögliche Angriffspunkte geschlossen, sondern auch neue Funktionen und dann und wann ein neu gestaltetes Nutzerinterface eingeführt - kurz: Das Gerät wird auf einen aktuelleren, zeitgemäßen Stand gebracht. Wie wichtig das vor allem im Online- und Digital-Zeitalter ist, das haben nicht zuletzt solche Sicherheitslücken wie Stagefright bewiesen, die noch immer auf den meisten Android-Smartphones auf der Welt unbehandelt ist. Doch der nächste Sicherheitsskandal mit wahrscheinlich größeren Auswirkungen kommt garantiert, Ars Technica prophezeit gar ein nahendes Sicherheits-Armageddon.

Aus Stagefright nicht gelernt

Als Reaktion auf Stagefright gelobten viele Hersteller Besserung bei der Update-Versorgung, monatliche Sicherheitspatches sollen es künftig richten. Doch ganz so einfach wie das klingt ist es offenbar nicht, denn als wirklich zuverlässig erwiesen sich bislang nur Google selbst und der frisch in die Android-Welt eingestiegene Hersteller Blackberry. Selbst bei Samsung und LG, die ihrerseits ebenfalls solche monatlichen Sicherheitsflicken angekündigt hatten, erscheinen diese - wenn überhaupt - unregelmäßig und auch nur für die aktuellsten und höherpreisigen Smartphones. Kaum mehr also als ein Tropfen auf den heißen Stein. Gleichzeitig steht dieses Verhalten stellvertretend für die schlechte und äußerst undurchsichtige Updatepolitik der meisten Unternehmen über die vergangenen Jahre.

Denn wo die einen schweigen, da machen die anderen Andeutungen oder geben leere Versprechungen ab, während viele eben nur die teuren Smartphones mit neuen Android-Versionen bedienen und die Masse an preiswerteren Einsteiger- oder Mittelklasse-Modellen unter den Tisch fallen lassen. Sie kommen nicht nur häufig mit einem schon veralteten Betriebssystem auf den Markt, sie werden auch nie auf einen aktuelleren Stand gebracht. Schlimmer noch: Den Besitzern eines solchen Smartphones wird spätestens mit dem Auftauchen der nächsten schweren Sicherheitslücke klar vor Augen geführt, dass es nicht nur für die aktuelle, sondern auch für jede noch aufkommende Gefahr anfällig ist und ihnen angesichts ausbleibender Update-Abhilfe nur ein Ausweg bleibt, nämlich der Kauf eines neuen, teureren und damit scheinbar besser mit Updates versorgten Smartphone. Wer einmal billig kauft, der kauft zweimal. Überspitzt: Wer ein günstiges Smartphone kauft, dem können Sicherheit, Datenschutz und Privatsphäre ja gar nicht so wichtig sein.

Updates nach Geräten | (c) Areamobile

Unser Update-Check im Januar: Meist mehr gelb (Geräte ohne Update) als blau (Geräte mit Update) bei bekannten Smartphone-Marken. Bei unbekannteren Herstellern sieht es meist noch schlechter aus. | (c) Areamobile

Schuld haben immer die Anderen

In dieser geradezu fahrlässigen Selbstverständlichkeit liegt das eigentliche Problem. Es sollte eben nicht normal sein, dass günstige Geräte keine Updates erhalten. Ebenso wenig sollten Unternehmen eine mittlere Sensation daraus machen, wenn sie einem ihrer Smartphones eine neue Firmware "spendieren". Viele Hersteller geben sich mittlerweile transparent und verweisen darauf, dass die Entscheidung für oder wider ein Update in einem komplizierten Abhängigkeitsgefüge aus Software-Entwicklern, Chipsatz- und Geräteherstellern verankert ist, was es ihnen allerdings auf krude Art auch erleichtert, sich gegenseitig den schwarzen Peter zuzuschieben. Fakt ist, dass mindestens ein Glied in dieser Kette diese Entscheidung trifft, einer den Stein ins Getriebe wirft.

Natürlich spielt bei der Entscheidungsfindung auch die Wirtschaftlichkeit eine Rolle, die Entwicklung und Verteilung einer neuen Software für bereits erhältliche Geräte kostet Geld. Eine häufig unausgesprochene oder eben nur sehr vage Update-Garantie, die diese Kosten gewissermaßen subventioniert, erkauft sich der Verbraucher durch die hohen Preise der Highend-Smartphones. Hieran zeigt sich auch wieder das grundlegende Android-Dilemma: Um sich vom Rest abzuheben, setzen die Hersteller auf ihre angepassten Versionen des Betriebssystems. Die Aufgabe von TouchWiz, EMUI, Sense & Co. würde möglicherweise zwar eine schnellere und breitere Updateversorgung, aber auch den Verlust einer eigenen "Identität" und damit die vollständige Unterwerfung an Google bedeuten. Und da beißt sich die Katze in den Schwanz: Der Kunde entscheidet sich bewusst für das Gerät eines Herstellers und zahlt dafür, dass dieser seine - für ihn am Ende ja problematische - Identität weiter pflegen kann.

Andersherum dürfte auch Google selbst viel daran gelegen sein, dass der Ruf von Android nicht beschädigt wird - vor allem von einem Unternehmen, das weltweit die meisten Geräte damit absetzt. Auch Google steht in der Verantwortung, das Banner hochzuhalten.

Fazit

Dass sich so schnell etwas an der langsamen, aber vor allem sehr lückenhaften Verteilung ändern wird, ist kaum zu erwarten. Wie eingangs erwähnt stehen die Aussagen der Hersteller im Widerspruch zur tatsächlichen Situation, selbst die kleinen aber wichtigen Sicherheitsupdates werden gar nicht, verspätet oder eben nur an bestimmte Geräte ausgeliefert. Der immer lauter werdende Frust der Nutzer ist den Herstellern offenbar noch nicht Grund genug dafür, die tickende Zeitbombe zu entschärfen. Doch sie werden sich noch wundern: Wo die Hardware immer unwichtiger und die Software immer wichtiger wird, da steigt am Ende auch der Anspruch an ihre Sicherheit. Und wenn die nicht gegeben ist, dann gehen am Ende andere Plattformen als Sieger hervor.

Weitere Informationen zu Android-Updates:

Mehr zum Thema: Android-Update, Android-Smartphones, Smartphones, Tablet, Android-Tablet, Android 6 Marshmallow

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Kommentare
  1. 02.03.16 13:23 modena (Member)

    Die Stagefright Lücken könnten auch über sonstige Patches gefixt worden sein.
    Dafür muss keiner ein Android Major Update fahren.

    Mein S5 und mein Tab S haben beide noch Android 5.0.(2)
    aber Android Sicherheitspatch Stand von Dez 15.
    Damit sind diverse Lücken inkl. Stagefright gefixt auch mit 5.0.

    Und Sony und gute Kamera, naja, auf dem Papier vielleicht, in der Praxis holt selbst
    Meizu sehr viel mehr aus der gleichen Hardware als Sony.

  2. 29.02.16 17:07 pixelflicker (GURU)

    So? Hab ich gar nicht mitbekommen.
    Positive News von htc werden hier wohl nicht veröffentlicht...

  3. 28.02.16 21:07 Gorki (Advanced Handy Master)

    .. und das One M8/M9 und das Desire 816 haben inzwischen auch Marshmellow erhalten. Erstere vor ein paar Wochen.

  4. 28.02.16 16:44 pixelflicker (GURU)

    Hmm, komisch. Dabei hat Sony das bisher immer sehr gut gemacht. Wenn man überlegt, wie lange das erste Z supportet wurde...
    Android 6 ist allerdings noch fast nirgendwo ausgeliefert. Derzeit verteilt es wohl Samsung für das S6 und Huawei für das Honor 7 (wobei ich es noch nicht bekommen habe, nur vor ein paar Tagen einen kleinen Patch).
    Da würde ich also nicht sagen, dass sie bei Android 6 hinterherhinken. Andere sind da auch nicht schneller.

    Stagefright haben aber nach meiner Wahrnehmung die Hersteller ganz gut gefixt. Das Sony da so hinterherhinkt, hätte ich nicht gedacht. Selbst unser mittlerweile ja über 3 Jahre altes One M7 hat vor kurzem erst wieder einen Patch bekommen und Stagefright schon vor Monaten.

  5. 27.02.16 21:08 Iderf (Newcomer)

    @pixelflicker:

    Sony hat was die Updates angeht kräftig nachgelassen.
    Ich habe neben dem Z3 Compact Tablet das Sony Z4 Tablet, übrigens ein sehr gutes und schnelles Tablet und das leichteste Tablet auf dem Markt, aber die Sony Update Politik empfinde ich als eine Katastrophe:
    Auf dem Z4 läuft immer noch Android 5.0.2, nicht mal 5.1 hat Sony auf dem Z4 bisher geschafft.
    Und die Stagefright Lücke wurde auch nicht geschlossen.
    Sogar auf dem älteren Z3 Tablet läuft die Version 5.1.1!
    Von einem Update auf Android 6 ist weit und breit nach fast einem halben (!) Jahr, so lange gibt es nämlich schon Android 6, weder für das Z3 Compct noch für das Z4 Tablet, nichts zu sehen.
    Sony macht zwar Werbung damit, dass sie direkt von 5.0 auf 6.0 updaten wollen, aber es kommt leider nichts.

  6. 27.02.16 19:21 pixelflicker (GURU)

    Sony hat sich doch gerade in den Punkten Updates und Kamera bisher eher positiv abgesetzt, oder? Das würde doch für ein Xperia Compact sprechen, oder?

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