Autor:
Björn Brodersen
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Sonyness: Sony setzt auf Smartphones, die Emotionen wecken

Die wirtschaftliche Talsohle hat Sony durchschritten, künftig wollen die Japaner den Smartphone-Markt demütiger und mit einer großen Portion "Sonyness" angehen. Was das heißt: Sony-Smartphones sollen vor allem Emotionen wecken. Das Xperia X zeugt bereits davon.

Sonyness: Sony setzt auf Smartphones, die Emotionen wecken

Sony Xperia X | (c) Areamobile

Sony hat sich gesund geschrumpft und die Talsohle durchschritten - das war eine der Botschaften, die man in dieser Woche auf dem Mobile World Congress (MWC) von Sony-Vertretern mit auf den Weg bekam. Das bekräftigt auch Sony-Chef Kazuo Hirai im Interview mit der "Welt am Sonntag" (WamS). Computer- und Chemie-Geschäft haben die Japaner abgestoßen, Immobilien verkauft, den Vertrieb in manchen Ländern umgestellt und Stellen auch in der Zentrale in Tokio abgebaut. Nur mit dem Umbau der Mobil-Sparte sei Sony noch ein Jahr im Verzug, so der 55-jährige Sony-Chef. Dieser soll im kommenden März abgeschlossen sein. Statt auf Masse setzt Sony bei Smartphones weiterhin auf Klasse - und auf die "Sonyness" der Mobilgeräte.

Sony-Smartphones sollen Emotionen wecken

"Es geht ja nicht nur darum, die neuesten Technologien zu verbauen", sagt Hirai. "Es geht auch um die emotionalen Werte unserer Geräte, die beispielsweise von unserem Industriedesign und der Benutzerführung unterstützt werden. Hier unterscheiden wir uns von unseren Konkurrenten. Wir nennen das Sonyness und müssen sie immer stärker in unsere Produkte bringen." Sony hatte in diesem Jahr auf dem MWC in Barcelona mit der neuen Smartphone-Serie Xperia X überrascht, die die aktuelle Flaggschiff-Serie Xperia Z ablöst. Vorab war über Xperia X, Xperia XA und Xperia X Performance so gut wie nichts durchgesickert - ein Ergebnis einer Nachrichtensperre vor allem in Frankreich und Spanien, wo offenbar viele vorab herausgegebene Informationen trotz Sperrfristen weitergegeben werden.

Die Xperia-X-Smartphones bieten im Vergleich zu den Xperia-Z-Geräten ein verfeinertes Design, eine schnellere Kamera sowie schnellere Ladezeiten und eine längere Akku-Lebenszeit. Fürs schnelle Auslösen hat beispielsweise die 13-Megapixel-Hauptkamera des Xperia XA einen Hybrid-Autofokus mit Phasen- und Kontrastmessung. Die überarbeitete Kamera-Technik der 23-Megapixel-Kamera des Xperia X beinhaltet dagegen einen prädiktiven Autofokus. Für schnellere Akku-Ladezeiten und längere Akku-Lebensdauer sorgt neue Technologie von Qnovo - bis zu 800 Ladezyklen sollen die Akku in den Xperia-X-Smartphones ohne Kapazitätsverlust überstehen. Abgerundet wird die Xperia-X-Serie mit neuem intelligentem Smartphone-Zubehör wie etwa dem drahtlosen Ohrhörer Xperia Ear, der kompakten Kamera Xperia Eye mit Weitwinkelobjektiv, dem Xperia Projector und dem digitalen, personalisierten Assistenten Xperia Agent mit eingebauter Kamera und einem Mini-Beamer, um Inhalte auf flache Oberflächen zu projizieren.

Statt Specs-Rennen: Sony schaltet wieder einen Gang zurück

Allerdings schaltet Sony mit Xperia X auch einen Gang zurück: Während das Unternehmen im Spätsommer vergangenen Jahres noch das erste Smartphone im Markt mit 4K-Display präsentierte, kommen die neuen, in Barcelona vorgestellten Geräte mit bodenständigerer technischer Ausstattung daher. Der Hersteller will sich offenbar fortan wieder aus dem Specs-Rennen heraushalten und stattdessen mit kleinen eigenen Innovationen und durch die eigene Designsprache von Geräten und deren Benutzeroberflächen überzeugen - so wie er es auch schon 2012 auf dem MWC im Interview mit Areamobile als eigene Marschroute ausgab. "Für uns ist es wichtiger, die richtigen Produkte in den richtigen Märkten zu haben. Dabei konzentrieren wir uns auf Geräte im mittleren und oberen Preissegment", sagte jetzt Hirai der WamS. Den Rückzug auf dem Einsteiger-Segment hatte Sony bereits 2013 mit dem Launch des ersten Xperia Z angekündigt.

Statt auf Marktanteile achten die Japaner jetzt im Smartphone-Geschäft mehr auf Profitabilität und geben sich bescheidener bei neuen Entwicklungen: "Es stimmt zwar, dass wir innerhalb des Konzerns großen Aufwand für Forschung und Entwicklung betreiben. Das gilt unter anderem auch für Sprach-, Gesichts- und Mustererkennung. Aber wir arbeiten bei Themen wie künstliche Intelligenz auch mit anderen Unternehmen zusammen", erläutert Hirai. "Das war noch vor fünf Jahren bei Sony undenkbar, als man der Meinung war, alles selbst besser machen zu können. Unsere Perspektive darauf hat sich inzwischen verändert. Wir können vieles, aber nicht alles."

Hirai sieht Branche am Scheidepunkt wie vor zehn Jahren

Er sieht die Branche derzeit an einem Scheidepunkt, wesentliche Innovationssprünge bei Smartphones erkennt er nicht mehr. Das Smartphone könnte schon in fünf Jahren nicht mehr das wichtigste Kommunikationsgerät sein, so der Sony-Chef. Was das nächste große Ding danach sein wird, wisse er selbst noch nicht. "Wenn wir nicht mehr an die Größe von Batterien und Displays gebunden sind, ist vieles denkbar", sagt Hirai. "Wir überlegen bei Sony ständig, was nach dem Smartphone kommt. Derzeit hat noch niemand die Antwort darauf." Der auf dem MWC allgegenwärtigen Virtuelle Realität (VR) traut er diese Rolle diese nicht zu: "Ich glaube nicht, dass die Leute das unterwegs viel nutzen und mit Brillen herumlaufen werden", sagt er. "Virtual Reality ist eher etwas für zu Hause."

Das Xperia X mit Metallgehäuse wird ab Ende Mai mit Android 6.0 Marshmallow in den Farben Lime-Gold, Graphit-Schwarz, Weiß oder Rosé-Gold für voraussichtlich 599 Euro (UVP) erhältlich sein, das Xperia XA im Kunststoffgehäuse ebenfalls ab Ende Mai in den gleichen Farbenvarianten für voraussichtlich 299 Euro (UVP). Das Xperia X Performance kommt nach derzeitigem Stand nicht nach Deutschland.

Das vollständige WamS-Interview mit Sony-Chef Kazuo Hirai findet ihr über diesen Link. Wie bewertet ihr die aktuelle Marschroute von Sony im Smartphone-Bereich? Vielen Dank für eure Kommentare zum Thema!

Mehr zum Thema: Android-Smartphones, Smartphones, Xperia, Smartphone-Markt

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Kommentare
  1. 29.02.16 07:54 foetor (Advanced Handy Profi)

    Für mich war Sony seit dem "Ur Z" immer die erste Wahl. Vor allem wegen der IP Zertifizierung. Leider hatte ich immer enttäuschenden "Emotionen " was die Kamera angeht. Mit dem S7 und der Entscheidung das Performance nicht nach D zu bringen werde ich mich für das S7 Edge entscheiden. Das hat alles was ich mir von Sony gewünscht hätte....

  2. 28.02.16 23:02 chief (Advanced Handy Master)

    Bei den ganzen Vorhaben, frage ich mich, was die die letzten 3 Jahre gemacht haben?

    Sony sollte weniger labbern und mehr liefern. Die Kamera wird (leider) wieder mal, trotz vollmundigen Ankündigungen, nicht an die Kameras der anderen Top Geräte kommen.

    Und bei den Updates auf Android 6 schleift es auch ganz schön.

  3. 28.02.16 22:13 OvO (Member)

    Sony weckt schon seit ihrer Trennung von Ericsson keine Emotionen mehr bei mir. Das was man da liest ist auch nur technisches Blabla. Vermutlich ein "angepasstes Design". Formfaktor etwas ändern und Tasten etwas anders anordnen. Aber das macht jeder. Also unterscheiden sie sich nicht wirklich von ihrer Konkurrenz. Die Emotionen im Sinne der Vielfalt und Innovationen in der SmartphoneWelt sind schon lange tot. Jetzt gehts nur noch um eines: Wer hat den Längsten?

  4. 28.02.16 14:46 Pikachus (Handy Profi)

    Smartphones mit Emozzione..;D

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