Am Dienstag wurde bekannt, dass sich der taiwanesische Konzern BenQ beim Verkauf von Mobiltelefonen die Marken- und Namensrechte von Siemens für einen Zeitraum von fünf Jahren gesichert hat. Aktuellen Medienberichten zufolge soll BenQ allerdings überhaupt kein Interesse daran haben, den Markennamen beizubehalten bzw. Handys weiterhin mit dem Siemens-Logo in Deutschland zu vertreiben. Allenfalls bis September 2005 werden noch von Siemens gebrandete Handys über den Ladentisch gehen. Danach sollen die ersten Mobiltelefone mit BenQ-Logo oder zumindest mit einem Doppellogo auf dem deutschen Markt erhältlich sein. Letztendlich ging es den Taiwanesen also nicht in erster Linie um die Markenbekanntheit von Siemens, sondern um den Zugang zum deutschen Mobilfunkmarkt sowie zu wesentlichen Patenten bzw. dem im Telekommunikationsgeschäft entscheidenden Technologie-Know-how.
Die neuen BenQ-Geräte werden sich in einer gehobenen Preisklasse ab 200 Euro ansiedeln, da Deutschland nach Ansicht der Taiwanesen ungeeignet ist, um hier Handys für das untere Marktsegment herzustellen. Hierbei klingt erneut die Problematik heraus, die durch die Übernahme der Siemens Handy-Sparte an die Taiwanesen entstanden ist. Nach Ansicht der BenQ-Konzernleitung ist der deutsche Wirtschaftsstandort zu teuer und die Löhne angesichts der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit im Vergleich mit Taiwan zu hoch. Der Chef von BenQ hat die Beschäftigten bereits zu mehr Flexibilität aufgefordert und will über alte Betriebsvereinbarungen neu verhandeln. Dennoch erwartet er nach eigenen Aussagen nicht von den deutschen Arbeitnehmern, dass sie künftig so hart wie die Chinesen arbeiten.
Derweil wurde zudem bekannt, welche schwerwiegenden Fehler der Münchner Konzern in Bezug auf seine defizitäre Handy-Sparte nach Ansicht von BenQ begangen hat. Demnach habe man am Kundenwunsch vorbei gearbeitet, indem falsche Design-Offensiven gestartet wurden (z.B. Xelibri-Modellreihe) und man der Technik immer hinterherhinkte. Außerdem gab es zu lange Entscheidungswege, keine langfristige Strategie und das Management wurde zu oft ausgewechselt.
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