Werde Teil der Community - Registriere dich jetzt kostenlos! | Login
Anzeige
 
 
Autor:
Björn Brodersen
| 0

AlphaGo: Künstliche Intelligenz schlägt Go-Spitzenspieler Lee Sedol

Der Wettkampf gegen die künstliche Intelligenz ist verloren, doch Go-Profi Lee Sedol hält das von der Google-Tochter DeepMind entwickelte Programm AlphaGo nicht für perfekt. Es habe aber nicht mit menschlichen Schwächen zu kämpfen. Go-Europameister Fan Hui vergleicht AlphaGo mit einer sehr starken und stabilen Mauer.

AlphaGo: Künstliche Intelligenz schlägt Go-Spitzenspieler Lee Sedol

Vor der dritten Partie: Alphabet-CTO und Google-Mitgründer Sergey Brin (rechts) wünscht Lee Sedol (Mitte) Glück. Links Demis Hassabis, CEO von DeepMind. | (c) Google

Drei Spiele, drei Siege: Googles AlphaGo führt uneinholbar mit 3:0 im vielbeachteten Go-Wettkampf zwischen Mensch und Maschine gegen den koreanischen Spitzenspieler Lee Sedol. Der als einer der weltbesten Go-Spieler geltende Profi hatte im dritten Match taktisch noch einmal alles versucht, um AlphaGo in die Enge zu treiben. Von der Eröffnung an suchte er eine möglichst komplizierte Stellung und wählte teilweise bewusst unerwartete Züge, um AlphaGo auf unbekannteres Terrain zu führen. Doch das von Google bzw. DeepMind entwickelte selbstlernende Programm hatte auf alles eine Antwort.

Den Erfolg von AlphaGo gegen den starken menschlichen Gegner werten Beobachter als Meilenstein der Entwicklung selbstlernender Maschinen. Manche feiern das auch schon als Sieg der künstlichen Intelligenz über das menschliche Hirn. Das Jahrhunderte alte Strategiespiel zwischen zwei Gegnern mit weißen bzw. schwarzen Steinen ist komplex, weil auf dem Brett mit 19 vertikalen und 19 horizontalen Linien eine riesige Anzahl von Zügen möglich ist, und gilt daher als besonderer Prüfstein für künstliche Intelligenz. Anders als der IBM-Computer Deep Blue, der speziell fürs Schachspielen programmiert war und 1997 den Schachgroßmeister Garri Kasparow besiegte, ist AlphaGo nicht mit unzähligen Go-Regeln und -Zügen gefüttert. Vielmehr kann AlphaGo dank eines Algorithmus komplexe Muster erkennen und interpretieren. Dieses Prinzip, aus Fehlern und Erfolgen zu lernen und daraus Rückschlüsse zu ziehen und Zusammenhänge zu erkennen, nutzte vor fünf Jahren auch IBMs Watson beim Sieg in der US-Spieleshow "Jeopardy!" und wird künftig in immer mehr Bereichen des menschlichen Lebens Einzug halten, etwa in der Medizin bei Diagnosen oder in Unternehmen zur Optimierung von Arbeitsabläufen.

Lee: AlphaGo ist nicht perfekt

Mag Lee im laufenden Go-Wettkampf das Google-Programm anfangs noch unterschätzt haben, so zeigte er sich nach der dritten verlorenen Partie in Folge etwas ratlos. "Ich fühle mich machtlos", gestand Lee Sedol laut Heise auf der anschließenden Pressekonferenz und schilderte den bisherigen Turnierverlauf aus seiner Sicht: "Sogar wenn ich das erste Match wiederholen dürfte, ich wüsste nicht, wie ich es gewinnen sollte. Die zweite Partie lief besser, floss durchaus so, wie ich es mir gedacht hatte, aber ich habe einige gute Gelegenheiten verpasst. In der dritten Partie habe ich so viel Druck gespürt wie nie zuvor und war nicht in der Lage, diesen Druck zu überwinden." Als perfekt möchte der Profi, dem nach eigenen Angaben neben den Nerven auch der Zeitdruck zu schaffen machte, das Programm nicht bezeichnen. AlphaGo habe aber anders als ein Mensch gespielt. "Ich denke noch nicht, dass jetzt schon der Zeitpunkt ist, wo Computer das Go übernehmen. Heute habe ich, Lee Sedol, verloren, nicht die Menschheit", sagte der geschlagene Spitzenspieler.

Go-Wettkampf: AlphaGo gegen Lee Sedol | (c) Google

Go-Wettkampf: AlphaGo gegen Lee Sedol | (c) Google

Go-Experte: AlphaGo hat seit Oktober-Wettkampf dazugelernt

Andere Go-Experten bewerten den aktuellen Wettkampf ähnlich wie Lee und sehen die Möglichkeit, dass der Computer die Eröffnungstheorie des Brettspiels erneuern könnte. Schon bei der Eröffnung hatte sich AlphaGo vor allem in den ersten beiden Partien gegen den Koreaner Vorteile verschafft. "Wenn Lee Sedol eine vorteilhafte Position im Mittelspiel erlangt, wäre das eine neue Situation für AlphaGo und etwas, das wir bislang nicht gesehen haben", sagte der kommentierende amerikanische Go-Profi Michael Redmond vor Beginn der dritten Partie. Nach dem dritten Sieg der künstlichen Intelligenz von Google zeigte er sich beeindruckt davon, wie sich AlphaGo seit den Vergleichen mit dem europäischen Go-Europameister Fan Hui im vergangenen Herbst (Endstand 5:0 für AlphaGo) im Eröffnungsspiel verbessert hat. "Heute hat Lee definitiv sein eigenes Spiel gespielt, von einer starken Eröffnung bis hin zu den komplizierten Zügen im finalen Ko. AlphaGo war auf alles vorbereitet, auch auf die Ko-Kämpfe, und konnte daher siegen", urteilte Redmond. Dabei weise AlphaGos Spielweise nichts Originelles auf, das Programm spiele einfach nur sehr stark.

"Das Problem ist, das Menschen manchmal gravierende Fehler machen, weil sie eben Menschen sind", erläuterte Hui nach seiner Niederlage gegen AlphaGo dem Wissenschaftsmagazin "Nature". "Manchmal sind wir müde, manchmal wollen wir unbedingt gewinnen und haben dann diesen Druck. Das Programm kennt dies alles nicht. Es ist stark und stabil, wie eine Mauer. Das ist für mich ein wesentlicher Unterschied." Wenn er nicht wüsste, dass AlphaGo ein Computer wäre, würde er den "Spieler" als etwas seltsam, aber als sehr stark einschätzen und für eine echte Person halten. Chancen im Spiel gegen AlphaGo sehen Go-Spieler in kreativen Zügen, die das Programm überraschen.

Livestream und weitere Informationen zu AlphaGo

Die verbleibenden zwei Partien von Lee Sedol gegen AlphaGo werden am morgigen Sonntag und am folgenden Dienstag absolviert. Ihr könnt über den Youtube-Livestream von DeepMind dabei zusehen. Näheres darüber, wie AlphaGo arbeitet, erfahrt ihr in einem Google-Blogbeitrag, auf der Website der Google-Tochter DeepMind sowie im folgenden Video.

Erläuterung: Ko bezeichnet eine Stellung mit Wiederholungs- und damit quasi Stillstandsgefahr, weil beide Spieler jeweils wechselseitig einzelne Steine des anderen schlagen können und sich so die vorherige Situation wieder ergibt. Die Go-Regeln untersagen einen solchen Schlagwechsel.

Kommentar schreiben

Die Kommentarfunktion ist hier leider nur für angemeldete Benutzer freigegeben.

Du bist nicht dabei?
Werde Teil der Community
Registriere Dich jetzt kostenlos! | Login
Sichere Dir Deinen Usernamen, damit Deine Beiträge und Bewertungen nicht verloren gehen.
 
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare abgegeben.

 
Anzeige
Aktuelle Geräte im Test
Anzeige