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Autor:
Björn Brodersen
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AlphaGo und Deep Blue - was ist da im Spiel?

Spielerisch zeigt Google gerade, wie künstliche Intelligenz dem Menschen im Alltag nicht nur helfen, sondern menschliches Handeln sogar verbessern kann. Das von der Google-Tochter entwickelte Programm AlphaGo spielt im Go-Duell mit Lee Sedol konstant stark und macht Züge, die laut Beobachtern kein menschlicher Spieler machen würde - und lässt dem Spitzenspieler bislang keine Chance. Aber ist AlphaGo wirklich schon intelligent?

AlphaGo und Deep Blue - was ist da im Spiel?

Go ist komplexer als Schach | (c) Google

Eine schnell anwachsende Zahl an Optionen ist für Computer-Programme mit strikter Vorausberechnung ein Problem, denn sie prüfen jeweils alle Möglichkeiten - auch die unsinnigen, die Menschen von vornherein abtun würden. Dennoch hat es vor knapp 20 Jahren der IBM-Rechner Deep Blue geschafft, den Großmeister Garri Kasparow im Schach zu besiegen. Und jetzt dominiert sogar das von der Google-Tochter Deep Mind entwickelte Programm AlphaGo im Go-Wettkampf mit dem koreanischen Spitzenspieler Lee Sedol. Dabei ist Go ist viel komplexer als Schach: Das Brett hat 19 mal 19 Felder (Schach: 8 mal 8), und jedes frei Feld kann von dem Spieler am Zug mit einem Stein belegt werden (Schach: stark eingeschränkte Zugmöglichkeiten der Figuren). Die Zahl der möglichen Positionen im Go hat 171 Nullen, rechnet Google vor - das sei mehr als es Atome im ganzen bekannten Universum gibt.

Ist AlphaGo wirklich intelligent?

Was hat sich in den knapp 20 Jahren Entwicklungszeit getan? Worin besteht der Unterschied in der Funktionsweise zwischen AlphaGo beim Go heute und Deep Blue beim Schach damals? Ist es wirklich künstliche Intelligenz (KI) oder doch hauptsächlich Rechenleistung, mit der AlphaGo den Mensch besiegt? Wir haben jemanden gefragt, der es wissen muss: Prof. Dr. Christian Bauckhage ist Lead Scientist für Mustererkennung am Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS und Professor für Informatik an der Universität Bonn. Er sagt, dass AlphaGo noch nicht wirklich intelligent sei, aber menschenähnliche, künstliche Intelligenz langsam in den Bereich des Möglichen rücke. Hier seine Erläuterung im ganzen Wortlaut:

"Deep Blue, der IBM-Rechner, der 1997 Kasparow im Schach besiegte, wertete sogenannte Spiel-Bäume aus. Das heißt, er testete systematisch die Erfolgsaussichten möglicher Spielzüge und wählte dann den jeweils Besten aus. Um auf diese Weise den Schachweltmeister zu schlagen, war zum einen unglaubliche Rechenpower nötig. Depp Blue testete 200 Millionen Spielzüge pro Sekunde. Zum anderen hatten die Programmierer von Deep Blue, die alle sehr gute Schachspieler waren, enorm viele zusätzliche Regeln programmiert, die es Deep Blue erlaubten, sinnlose Züge schnell als solche zu erkennen und gar nicht erst zu testen.

AlphaGo, das Programm von Google bzw. Deep Mind, das gerade die ersten drei Partien gegen den Go-Weltmeister Lee Sedol gewonnen hat, nutzt hingegen ein künstliches neuronales Netz. Vereinfacht gesagt testet es mögliche Spielzüge nicht systematisch durch, sondern erkennt intuitiv, welcher Zug in welcher Spielsituation angebracht ist. Auch haben die Programmierer hier keine Regeln vorgegeben, sondern das neuronale Netz anhand von Millionen von Go-Partien lernen lassen, welche Züge wann erfolgreich sind.

Das ist in der Tat ein Triumph der KI-Forschung, denn Go ist so unglaublich viel komplexer als Schach, dass klassische Methoden - systematische Tests aller möglichen Züge - hier niemals funktionieren würden. In der Tat galt Go bis vor zwei Monaten wegen seiner Komplexität als eine der größten Herausforderungen in der Informatik überhaupt. Aber diese hat sich, dank sogenannter Deep-Learning-Techniken, nun scheinbar erledigt.

Wirklich intelligent ist AlphaGo natürlich noch nicht. Das Programm kann Go spielen und sonst nichts. Der generelle Fortschritt, den wir in den vergangenen drei Jahren im Bereich neuronaler Netze beobachten - dramatische Fortschritte in der Bildanalyse, der Spracherkennung und der Robotik -, deutet jedoch darauf hin, dass wirkliche, also menschenähnliche, künstliche Intelligenz langsam in den Bereich des Möglichen rückt."

Nähere Informationen zur Funktionsweise von AlphaGo liefert Google in einem Blogeintrag und gibt es auf der Website von Deep Mind. Weiterer Lesetipp zum Thema Künstliche Intelligenz: Der Gastbeitrag "'Her' konstruieren: Was Samantha uns über künstliche Intelligenz sagt" von Vlad Sejnoha, dem Chief Technology Officer (CTO) von Nuance.

Wir hatten kurzfristig auch IBM um eine Einschätzung gebeten. Das Unternehmen hat den Schachcomputer Deep Blue, der 1997 den Schach-Großmeister Garri Kasparow besiegte, und das kognitive System Watson, das vor fünf Jahren zwei Meister in der amerikanischen Spieleshow "Jeopardy!" schlug, entwickelt. Wegen der morgen beginnenden CeBIT konnte IBM uns leider kein Experten-Statement zu senden. Dafür erreichte uns dieser witzige und offenbar auch treffende Gedanke der Pressesprecherin: "Was würde Watson wohl über Googles AlphaGo sagen? Vielleicht: 'Der will nur spielen!'."

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Kommentare
  1. 13.03.16 20:47 Frankfurter Knackarsch (Advanced Handy Profi)

    "Auch haben die Programmierer hier keine Regeln vorgegeben, sondern das neuronale Netz anhand von Millionen von Go-Partien lernen lassen, welche Züge wann erfolgreich sind."

    Klingt vom Prinzip her wie die KI von Watsons. Auch die beherrschte maschinelles lernen, die mit unzähligen Jeopardy Bsp. trainiert wurde.
    Also kein wirklicher Fortschritt, außer dass sich die Rechenleistung gesteigert hat.

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