Digital Video Broadcasting für Handhelds (DVB-H), der in letzter Zeit in Mode gekommene Standard für digitales Fernsehen für mobile Endgeräte, Halbbruder des digitalen TV-Funks DVB-T und schärfster Konkurrent des Alternativstandards DMB, findet nun auch seinen Weg nach Spanien. Wie die Telefónica Móviles España und Nokia gestern bekanntgaben, starten die beiden Unternehmen zusammen mit regionalen und überregionalen Fernsehkanälen ein gemeinsames Pilotprojekt in Madrid und Barcelona im Zeitraum von September 2005 bis Februar 2006. Die Testperiode ist nicht zufällig gewählt: ihr Ende fällt mit dem Beginn der nächsten 3GSM-World zusammen, die im kommenden Jahr in Barcelona ausgetragen wird.
Als Endgerät für die Tester kommt Nokias Multimedia-Terminal 7710 auf Series90-Basis zum Einsatz. Die Unternehmen wollen ergründen, ob mobiles TV zum massentauglichen Medium werden kann und ob die Signalqualität für einen qualitativ hochwertigen TV-Empfang ausreicht. T-Mobile will nach Aussagen von Ende Juni bereits die kommende Fußball-WM über DVB-H ausstrahlen, auch die France Telecom und die französische Bouygues Telecom testen seit März den digitalen TV-Empfang via DVB-H. Im November 2004 endete ein erster Pilotversuch von Nokia in Berlin, der einen frühestmöglichen Starttermin der Technik Anfang 2006 realistisch erscheinen ließ. Ob sich DVB-H auf breiter Front bei der Kundschaft durchsetzen kann, ist allerdings bei weitem nicht geklärt: Erst im Oktober 2004 fand eine in den USA durchgeführte Studie heraus, dass das Interesse am "Handy-TV" eher gering sei: damals befanden lediglich 14% aller Befragten den Dienst für interessant. Medienforscher des Instituts für Journalistik und Kommunikationsforschung (IJK) führen derzeit eine Studie über die Akzeptanz von Handy-TV-Applikationen in Deutschland durch, die vermutlich ebenfalls nicht allzu rosig aussehen wird.
Vodafones MobileTV-Initiative, die das Fernseherlebnis mit Hilfe von übers UMTS-Netz verschickten Videostreams simuliert, ist qualitativ eher wenig interessant. Ein funktionierendes DVB-H-Netz könnte hingegen die Nutzer in ihren Bann ziehen: zur CeBIT zeigte Vodafone auf Siemens-Endgeräten flüssige und kontrastreiche Mitschnitte von Musik- und Sportsendern.
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