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Autor: AreaMobile Redaktion | 28.07.2005 - 09:57 | 0

Gehen Nokia und Symbian getrennte Wege?

Gehen Nokia und Symbian getrennte Wege?
Nokia 6600 mit Symbian Display

Foto: Nokia 6600

Seit dem verfehlten Versuch von Nokia im letzten Jahr, weitere Anteile des britischen Systemherstellers Symbian zu erwerben, scheint das Verhältnis zwischen dem finnischen Handyhersteller und seiner Quasi-Tochter, die zu großen Teilen von Nokia selbst finanziert und kontrolliert wird, abgekühlt zu sein. Der Mobilfunk-Riese hält zwar mit 47,9 Prozent den mit Abstand größten Anteil an Symbian und wollte diesen einst durch Zukauf der Anteile des scheidenden Gesellschafters Psion auf 63,3 Prozent erhöhen; die anderen Teilhaber (Ericsson 15,6%, Sony Ericsson 13,1%, Panasonic 10,5%, Siemens 8,4%, Samsung 4,5 %) sahen hierin jedoch eine Gefährdung der Unabhängigkeit des Softwareunternehmens und verweigerten den Deal, indem sie gezwungenermaßen von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machten.

Seitdem gab es eine Reihe von Entwicklungen, die auf ein differenziertes Verhältnis der beiden Unternehmen hinweisen. Zum Beispiel schloss Nokia im Februar direkt mit Microsoft ein Lizenzabkommen über ActiveSync, obwohl der Mobilfunkriese wusste, dass Symbian damals bereits mit Microsoft über ein ähnliches Abkommen verhandelte. Die momentan ausschließlich von Windows Mobile-Smartphones verwendete Synchronisationslösung hätte damit ohnehin fast automatisch Einzug in Nokias Neuentwicklungen gefunden. Offenbar hat Nokia mit ActiveSync noch größeres vor als die alleinige Integration in entsprechende Series60/80-Geräte. Besonders schwer dürften Nokia derzeit die laufenden Kosten fürs Symbian-System im Magen liegen, die im vergangenen Jahr in Höhe von 55 Millionen US-Dollar an Symbian gezahlt wurden und die sich nach Schätzungen bis Ende 2006 fast verfünffachen könnten. Angesichts des Aufwandes, mit dem die Finnen an der Entwicklung des Betriebssystems, mit dem Geräte wie Nokias 6680, die kommende N-Series und das Konsolentelefon N-Gage, der Communicator 9300/9500, Motorolas A1000 oder Sony Ericssons P910i betrieben werden, beteiligt sind, dürfte Jorma Ollila nicht besonders amüsiert auf die 5€ pro Gerät blicken, die pro Symbian-Einsatz fällig werden. Die Anzeichen verdichten sich mittlerweile, dass Nokia – so unglaublich es klingen mag - Symbian möglicherweise den Rücken kehren könnte, um mit Hilfe von Open Source-Systemen Lizenzkosten einzusparen. Insider schätzen den Aufwand, beispielsweise eine Series60-ähnliche Plattform für ein Linux Mobile-System umzuschreiben ähnlich hoch ein, wie die angestrebte Portierung der PalmOS-Oberfläche auf Linux.

770

Foto: Nokia 770 | mobiles Terminal mit WiFi und Linux-System

Ein erster, wenn auch reichlich diskussionsbedürftiger Indikator für diese Spekulation ist Nokias Tablet-PC 770, das im Herbst mit einem Linux-System auf den Markt kommen soll. Der große Verlierer einer solchen Entscheidung wäre Symbian, denn das Unternehmen würde mit Nokia seinen wichtigsten Kunden verlieren - 70 Prozent der Umsätze werden momentan durch die Lizenzvergabe an die Finnen erwirtschaftet. Mobilfunknutzer und Entwickler brauchen sich im Falle des Paradigmenwechsels zunächst nicht auf grundlegende Veränderungen gefasst machen, denn viele Series60-Applikationen von Drittherstellern werden ohnehin in Java geschrieben und würden mit einem Minimum an Portieraufwand auch auf einem anderen Basissystem funktionieren.

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