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20 Jahre Nokia Communicator: Von der Smartphone-Revolution gefressen

Björn Brodersen 15.08.2016 - 08:00|16
20 Jahre Nokia Communicator: Von der Smartphone-Revolution gefressen

Vor genau 20 Jahren begann mit dem Nokia Communicator das Zeitalter der Smartphones. Dem Siegeszug dieses Gerätetyps fielen die Nokia Communicator mit aufklappbarer Volltastatur jedoch schnell zum Opfer: Eine intuitive Touchscreen-Bedienung sowie ein einfach funktionierendes Betriebssystem mit attraktiven Apps wie das iPhone boten die für Business-Anwender konzipierten Geräte nicht.

Für viele ist der Nokia Communicator das erste Smartphone. Auch mein erstes Mobiltelefon mit mobiler Datenverbindung, das ich mir 2005 zulegte, war mit dem Nokia 9500 ein Communicator. Der Kollege schrieb darauf von unterwegs ganze Artikel - das beeindruckte mich. Da war die Communicator-Reihe allerdings schon fast 10 Jahre alt und auf ihrem Höhepunkt. Denn zwei Jahre später präsentierte Appel mit dem ersten iPhone ein Smartphone, da den ganzen Markt umkrempelte und auch die Machtverhältnisse unter den Herstellern umkippte. Im Jahr darauf brachte Google mit dem HTC Dream das erste Android-Smartphone heraus.

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Das mit einem Touchscreen bestückte Apple iPhone war Mobiltelefon, ein Musikplayer und ein Internet-Zugangsgerät in einem und der Anfang vom Ende für Nokia. Einen Monat nach der Ankündigung des ersten Apple-Smartphones stellten die Finnen den Communicator E90 mit klobigem, aufklappbaren Gehäuse und reiner Tastenbedienung vor. 2011 brachten die damals noch amtierenden Marktführer mit dem Nokia E7 den letzten Communicator seiner Art heraus, Anfang 2012 löste Samsung Nokia als absatzstärksten Hersteller von Mobiltelefonen ab.

Nokia 9000: Teures Telefon mit Organizer und Browser für Manager

nokia 9210i

Nokia 9210i | (c) Nokia

Vor genau 20 Jahren, am 15. August 1996, startete mit dem Nokia 9000 der erste Communicator in den Verkauf. Das 400 Gramm schwere Gerät im "hosentaschentauglichen Format" kombinierte ein GSM-Handy mit Fax-, E-Mail- und Organizer-Anwendungen sowie mit einem Internetzugang und einem HTML-Browser und lief mit dem Nokia-eigenen Betriebssystem S80. "Das Nokia 9000 ist ein großer Schritt für Nokia im Bereich der Mobile-Daten-Produkte und zeugt von unserer Führung im Bereich der mobilen Kommunikation", heißt es in der damaligen Pressemitteilung des Herstellers. Das Gerät eröffne eine "neue Dimension in der mobilen Kommunikation". Kaufpreis in Deutschland: schlappe 3.000 DM (Deutsche Mark).

Der Browser unterstützt nur einen beschränkten HTML-Satz, die leitungsvermittelte Datenübertragung per Mobilfunk (Circuit Switched Data bzw. CSD) ist mit 9,6 kBit/s aus heutiger Sicht unfassbar langsam. Für den Empfang war das Nokia 9000 mit einer Mehrgelenkantenne ausgestattet.

Communicator-Zeitleiste

1996: Nokia 9000
1999: Nokia 9110
2001: Nokia 9210 und Nokia 9210i
2004: Nokia 9500
2005: Nokia 9300 und Nokia 9300i
2007: Nokia E90
2011: Nokia E7

Letzter Nokia Communicator startete unter schlechten Vorzeichen

Die für Business-Anwender entwickelten Nokia Communicator besaßen eine umfangreiche Ausstattung zur Organisation und Verarbeitung von Daten und boten allesamt eine echte QWERTZ-Tastatur - mit dieser Ausrichtung ganz auf Produktivitäts-Anwendungen und einem eigenen Betriebssystem, das wenig für Privatanwender bot, geriet auch Blackberry ins Strudeln.

Nokia E7 Test | (c) Areamobile
Nokia E7-00 Unboxing | (c) areamobile

Nokia E7 Communicator | (c) Areamobile

Nokia E7 Communicator | (c) Areamobile

 

Der im Frühjahr 2011 herausgebrachte letzte Communicator, das Nokia E7, startete schon unter schlechten Bedingungen. Das zum Start ab 520 Euro teure Gerät mit topaktueller Hardware, Volltastatur und ClearBlack-Touchscreen und starker Akkulaufzeit kam noch mit dem wenig intuitiven Betriebssystem Symbian heraus, Nokia hatte aber bereits eine Zusammenarbeit mit Microsoft vereinbart und Windows-Phones in Planung. Im April 2014 verkaufte das finnische Unternehmen die ganze Gerätesparte mit Patenten für 5,4 Milliarden Euro an Microsoft, der aber mit Smartphones ebenfalls keinen Erfolg hatte und sich künftig auf Geräte für Business-Anwender konzentriert.

Noch dieses Jahr kommen neue Nokia-Smartphones mit Android

Schon bald wird es wieder neue Smartphones der Marke Nokia geben - allerdings mit Googles Android als Betriebssystem. Wie von uns im Mai berichtet, hat Microsoft die Nutzungsrechte an der Marke Nokia für vorerst zehn Jahre an FIH Mobile, einer Tochtergesellschaft des Auftragsfertigers Foxconn, sowie HMD Global veräußert. HMD Global ist ein im Jahr 2015 gegründetes und von ehemaligen Nokia- und Microsoft-Mitarbeitern geführtes, aber unabhängig von Nokia agierendes Start-up, das die kommenden Smartphones und Tablets unter dem Nokia-Brand herstellt. Inwieweit der Nokia-Konzern selbst an der Finanzierung und Gründung von HMD Global beteiligt ist oder war, ist unklar. Die Finnen gewähren dem Start-up aber Zugriff auf patentierte Technologien und sammeln Tantiemen für HMD-Global-Geräte ein.

Noch in diesem Jahr sollen zwei erste Smartphone-Modelle mit 5,2 Zoll bzw. 5,5 Zoll großem Display mit QHD-Auflösung, Snapdragon-820-Prozessor von Qualcomm, 23-Megapixel-Kamera sowie Android 7.0 Nougat als Betriebssystem mit dem System-UI Z-Launcher herauskommen. Sie bringen laut Insidern auch hochempfindsame Graphen-Sensoren mit.

Neue Communicator-Modelle von Nokia oder Microsoft wird es aber sicherlich nicht geben. Die erste Smartphone-Serie ist dem vom iPhone begründeten Smartphone-Boom zum Opfer gefallen. Schon der Serienname wirkt längst antiquiert. Ich selbst hatte schon nach dem Nokia 9500 keinen weiteren Communicator mehr gekauft, sondern war zunächst auf Blackberry umgesattelt - mit Android als Betriebssystem und portierten Blackberry-Diensten wie dem Hub, dem Kalender, der Tastatur und der Kontroll-App DTEK werden die Geräte der Kanadier jetzt auch für Privatanwender wieder richtig interessant. Und eine echte Volltastatur bietet das Blackberry Priv auch.

Mehr zum Thema: Smartphones, Smartphone-Markt

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Kommentare
  1. 17.08.16 19:00 Laborant (Expert Handy Profi)

    Der Communicator war seiner Zeit voraus - zu weit voraus, meiner Meinung nach. Solche Power verlangte durchaus auch ein passendes Netzwerk - was bringt mir ein Mail-Client auf dem Handy, wenn mich das Abrufen einer E-Mail in den Finanziellen Ruin treibt? Mal davon abgesehen davon, dass der Communicator selbst sehr Kostspielig war - und Vertragsverlängerungen damals noch keinen SOLCHEN Bonus auf Geräte gaben. (Zumindest wenn ich mich recht erinnere).
    Nur schon deswegen konnte der Communicator keine wirkliche Verbreitung erreichen.

    Die "Featuritis" welche man Nokia ankreidet, halte ich für unbegründet - die N-Series-Geräte waren (bis auf das N9) immer Nerd-Flagships. Diese hätte man auch weiterpflegen können. Nokia hat es jedoch schlichtwegs verpennt, dass auch "nicht-Nerds" Geld für ein Premium-Gerät haben... denn mal ehrlich: Technisch waren die ersten iPhones keine Überflieger.

  2. 16.08.16 15:10 nohtz (Professional Handy Master)

    "Deswegen finde ich es auch so spaßig wie hier einige immer nach neuen features per updates schreien"
    -->wer schreit denn in diesem forum nach immer neue features? die strohmänner?
    featuritis is ein phänomen, dass man zZ eher bei iOS beobachten "kann"...

    -->hat aber mit dem geburtstag des communicators nix zu tun

  3. 16.08.16 15:07 IchBinNichtAreamobile.de (Advanced Handy Master)

    @mkk:"Ja, aber die Kundensicht sollte die Unternehmer interessieren. [...]"
    >>Da gebe ich dir recht.

  4. 16.08.16 14:40 bocadillo (GURU)

    Fritz

    Das problem vieler unternehmen - sie kümmern sich um das technisch mögliche ubd forcieren es oft am kunden vorbei . Das technisch sinnvolle bleibt dabei auf der strecke .

    Hätte Nokia nicht aus Symbian ( ubd auch die winmobhersteller) ein so überfrachtetes nerdspielzeug kreiert hätte ihnen Apple nie so das Wasser abgraben können .

    Deswegen finde ich es auch so spaßig wie hier einige immer nach neuen features per updates schreien . Mit jedem dieser schritte wünscht sich die masse der kunden einen neuen "Vereinfacher"

  5. 16.08.16 14:30 mkk (Gast)

    @ Ibam

    "Das ist aber eher die Kundensicht und nicht direkt die Unternehmenssicht ;)"

    Ja, aber die Kundensicht sollte die Unternehmer interessieren. Sehr sogar. Somit sollten große Teile der Kundensicht in die Unternehmersicht übergehen, wenn man so möchte. Kein erfolgreicher Unternehmer würde ein Smartphone so konzipieren, dass sich 10% der potentiellen User damit zurecht finden! ;-)



    @Fritz
    "Im Prinzip stimme ich Dir da zu. Meinem Eindruck nach verzetteln sich Unternehmen dabei aber auch gerne mal und geben stattdessen einem Ausbau der Funktionen mit manchmal zweifelhaftem Zusatznutzen den Vorzug vor einer möglichst einfachen Bedienung."

    Nun ja, das mag durchaus so sein. Aber das sei meines Erachtens bis zu einem gewissen Maß gestattet, solange das OS einfach und verständlich bleibt. Und du stimmst mir sicherlich zu, dass sowohl Android, als auch iOS problemlos sogar von Kindern bedient werden können. Auch ein Switchen zwischen den Systemen ist mit einer extrem kurzen Umgewöhnungsphase leicht möglich. Und so sollte es auch sein. Bei Android lassen sich halt zusätzlich noch div Optionen aktivieren, um mehr Sachen steuern zu können (ähnlich einem "Expertenmodes", wie man ihn aus div Programmen am PC kennt). Da kann dann jeder selbst entscheiden, wieviel er einstellen möchte oder eben nicht. Das ist dann eben Geschmackssache! ;-)

  6. 16.08.16 12:58 Fritz_The_Cat (Advanced Handy Master)

    Der Nokia Communicator war für seine Zeit schon ein gutes Gerät. Und das sage sogar ich, der ich Nokia Handys eigentlich nie mochte, eben weil ich sie zu kompliziert fand.
    Neben seiner technischen Ausstattung hatte der erste Communicator noch einen weiteren Vorteil: man wußte immer genau, in welcher Jackentasche er steckte [dort, wo die Jacke "Schlagseite" hatte ;-) ].


    @ mkk:
    "[…] das Hauptziel besagter Unternehmen ist es nun mal, möglichst vielen Menschen einen einfachen Zugang zu ihren Geräten zu schaffen. "
    ==> Im Prinzip stimme ich Dir da zu. Meinem Eindruck nach verzetteln sich Unternehmen dabei aber auch gerne mal und geben stattdessen einem Ausbau der Funktionen mit manchmal zweifelhaftem Zusatznutzen den Vorzug vor einer möglichst einfachen Bedienung.

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