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Hedy Lamarr: Vom gefeierten Filmstar zur genialen Erfinderin

Björn Brodersen 06.11.2016 - 16:00|0
Hedy Lamarr: Vom gefeierten Filmstar zur genialen Erfinderin

Mit einer Orgasmusszene im Film "Ekstase" wurde die Schauspielerin Hedy Lamarr international bekannt, nach der Flucht vor den Nazis in die USA stieg sie zum Filmstar in Hollywood auf. Was viele nicht wissen: Die Österreicherin erfand auch das für den Mobilfunk wichtige Frequenzsprungverfahren.

Vergewaltigungsopfer im Teenager-Alter, Schauspielerin, Filmstar, Kaufhausdiebin, Ehefrau eines Waffenfabrikanten, Geflüchtete vor den Nazis sowie Technikerin und Erfinderin - das Leben der Hedy Lamarr, die 1913 in Wien als Hedwig Eva Maria Kiesler zur Welt kam, war turbulent und dramatisch. Während sie den meisten "nur" als Schauspielerin, Skandalnudel oder als "schönste Frau der Welt" (so der Berliner Theaterleiter Max Reinhardt 1932) bekannt war, legte sie während des Zweiten Weltkriegs mit der Entwicklung des Frequenzsprungverfahrens die technische Grundlage für die heutige Mobiltelefonie. Heute sind ihre Leistungen weitgehend vergessen. Seit 2005 wird Hedy Lamarr aber an ihrem Geburtstag, dem 9. November, mit dem "Tag der Erfinder" geehrt, stellvertretend für alle anderen Erfinder.

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Nach ihrer Flucht in die USA entwickelt Hedy Lamarr zusammen mit dem Avantgarde-Musiker und Instrumentenbauer George Antheil das sogenannte Frequenzsprungverfahren als störungssicheren Steuermechanismus für Torpedos gegen U-Boote der Deutschen. Das Prinzip - der Sender auf der Kommandobrücke und der Empfänger im Torpedo wechseln ständig zwischen verschiedenen Frequenzen hin- und her - fußt auf einem Mechanismus, der Lamarr und Antheil zur Synchronisierung von 16 mechanischen Klavieren eingefallen war: identische Papierrollen bei Sender und Empfänger, in die Noten als Löcher eingestanzt sind. Eine Piano-Rolle beim Transmitter gibt für das Senden der Steuerbefehle eine bestimmte Funkfrequenz vor, eine Piano-Rolle im Torpedo dem Receiver die jeweilige Frequenz für den Empfang. Und das in ständigem Wechsel der Frequenzen für die relevante Kommunikation, während ständig auf beiden Frequenzen gesendet wird.

1942 erhalten Lamarr und Antheil ein Patent auf das Frequenzsprungverfahren (1959 ausgelaufen) und bieten es der US-Navy an. Die lehnt zunächst aus Kostengründen ab, entwickelt das Frequenzsprungverfahren aber in den 1950er Jahren im Geheimen weiter und verwendet 1962 in der Kuba-Krise ein darauf basierendes internes Kommunikationssystem ("Secret Communication"). 1981 gibt die US-Army das Frequenzsprungverfahren zur zivilen Nutzung wie etwa in der Mobiltelefonie frei. Heute werden die Funkfrequenzen natürlich nicht mehr von Piano-Rollen festgelegt, sondern Computern erzeugen nach komplizierten Rechenoperationen sogenannte Pseudozufallszahlen. So werden auch Geheimcodes zur Verschlüsselung und Entschlüsselung von Nachrichten erstellt. Die Prinzipien der Funkfernsteuerung finden heute auch in anderen kabellosen Übertragungstechnologien wie WLAN und Bluetooth Verwendung. Verdient haben Lamarr und Antheil an ihrer technischen Erfindung nie.

Frequenzsprungverfahren: Patent-Skizzen von Hedy Lamarr | (c) US-Patentamt

Frequenzsprungverfahren: Patent-Skizzen von Hedy Lamarr | (c) US-Patentamt

International bekannt wird die Österreicherin 1933 durch ihre Rolle im tschechischen Film "Ekstase": In dem muss sie in einer Szene einen Orgamus simulieren, während die Kamera dabei minutenlang auf ihr Gesicht hält - damals ein Skandal. 1937 flieht die Jüdin vor den Nazis und aus der Ehe mit dem Rüstungsfabrikanten Friedrich Alexander Maria Mandl, der unter anderem Mussolini mit modernen Waffen belieferte, in die USA und schließt dort als Hedy Lamarr einen Vertrag mit den Filmstudios Metro Goldwyn Meyer in Hollywood ab. Sie spielt in Filmen wie "Lady of the Tropics" (1939) mit Robert Taylor, "Boom Town" (1940) mit Clark Gable, "Tortilla Flat" (1942) mit Spencer Tracy sowie "Samson and Delilah" (1949) mit Victor Mature. Die weibliche Hauptrolle in "Casablanca", die schließlich Ingrid Bergman übertragen bekommt, lehnt sie ebenso ab wie eine Zusammenarbeit mit Alfred Hitchcock.

Weitere Informationen:

Mehr zum Thema: Wlan, Bluetooth

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