Ein Anruf vom Festnetztelefon zum Handy ist bekanntermaßen die mit Abstand teuerste Variante, jemanden zu erreichen. Die zu entrichtenden Gebühren hierfür fallen aber keineswegs der T-Com, Arcor, HanseNet oder allen anderen Anbietern von Festnetztelefonie zu, sondern den Mobilfunkbetreibern. Hoch sind vor allem die Kosten für die Vermittlung eines Telefonats, in Fachkreisen Terminierung genannt. Der Preis je Minute liegt hier derzeit bei 13 bis 15 Cents. Man kann sich leicht vorstellen, dass hierüber in den letzten Jahren Milliardensummen vom Festnetz in den Mobilfunkmarkt geflossen sind.
Bislang fühlten sich die Festnetzbetreiber von den hohen Preisen für Anrufe ins Mobilfunknetz nicht unbedingt in ihrem Markt gestört. Doch mittlerweile pieksen die Betreiber von Mobilfunknetzen ganz gewaltig in den Marktanteil der etablierten Festnetzmarken. 3-Cent-Pakete, Billigmarken, Sprach- oder Datenflatrates jagen T-Com und Co. stetig Marktanteile ab, das Gleichgewicht gerät ins Wanken. Aufgrund der zunehmenden Sättigung des Mobilfunkmarktes in Europa und dem erst anlaufenden Datengeschäft, suchen die Mobilfunker neue vielversprechende Märkte und sichern sich darüber hinaus auch den Fortbestand des Trends, ihr Festnetzkabel durch das Handy zu ersetzen: Laut dem Branchenverband VATM telefonierten 2004 rund 2 Millionen Menschen auch zu Hause mit ihrem Handy, Tendenz steigend.
Bei den Festnetzbetreibern stoßen die Aktivitäten auf alles andere als eine positive Resonanz. Denn die Kosten für die billige "Festnetztelefonie" der Genion-, Zuhause oder mobile@home-Angebote decken die Mobilfunker mit den von der Terminierung der eingehenden Festnetzanrufe erzielten Geldern. Der Chef des Bundesverbandes der regionalen und lokalen Telefongesellschaften (Breko), Rainer Lüddemann wörtlich: "Es kann doch nicht sein, dass wir unseren eigenen Tod subventionieren".
Die Festnetzbetreiber fürchten mittlerweile einen Wettbewerb, den sie nicht gewinnen können. Die Bundesnetzagentur (Regulierungsbehörde) hat das Problem inzwischen ebenfalls erkannt: ihr Präsident Matthias Kurth spricht aber nur von einer "moderaten Absenkung". Zunächst wird die EU- Kommission auf Grund vorliegender Marktanalysen auch in anderen Ländern zu dem Thema Stellung nehmen. Keiner bestreitet, dass die Mobilfunkgesellschaften auf ihren Märkten ein Terminierungsmonopol besitzen, sie müssen aber darauf vorbereitet sein, dass die Regulierungsbehörde zum Schutze des Festnetzes eingreifen wird.
Dass sich das als Vorteil für den Kunden herausstellt, scheint unwahrscheinlich: sinken die Subventionen durchs Festnetz, drosselt das auch die Geschwindigkeit, mit der die Mobilfunkpreise sinken können - und dass die Festnetzanbieter ihrerseits mit "sensationellen Angeboten" wieder Neukunden gewinnen können, darf in einer immer mobiler und flexibler werdenden Welt bezweifelt werden.
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