Werde Teil der Community - Registriere dich jetzt kostenlos! | Login
Anzeige
 

Benchmark-Schummelei bei Smartphones und Autos im Vergleich

Stefan Schomberg 11.02.2017 - 18:00|4
Benchmark-Schummelei bei Smartphones und Autos im Vergleich

Per Software sorgte der Autohersteller VW dafür, dass seine Dieselfahrzeuge in Labortests bessere Abgaswerte als im Fahrbetrieb auf der Straße lieferten. Schummel-Software kommt auch auf einigen Smartphones zum Einsatz, um in Benchmarks höchstmögliche Leistung aus den Geräten herauszukitzeln. Sind der VW-Abgasskandal und die Benchmark-Schummelei bei Smartphones vergleichbar?

Das ist doch Betrug! Dieser Satz fällt schnell, sobald sich jemand benachteiligt fühlt. Beim Abgasskandal, der inzwischen nach Volkswagen längst auch andere Autohersteller eingeholt hat, stimmt er auf jeden Fall. Das hat nicht nur Volkes Stimme in zahllosen Foreneinträgen verkündet, sondern auch Gerichte entschieden so. Als Resultat mussten betroffene Hersteller teils empfindliche Geldstrafen zahlen und mehr oder weniger freiwillig Millionen von Diesel-Fahrzeugen in die Werkstätten beordern, um sie dort nachzurüsten.

Anzeige

Hersteller aus anderen Branchen haben wegen Schummel-Software weit weniger zu befürchten. So machten Unternehmen wie Samsung oder OnePlus in der Vergangenheit von sich reden, weil sie ihre Smartphones mit einer Software versahen, die in Benchmarks mehr Leistung aus ihnen herauskitzelte, als sie im Alltag bringen können. Aber ist das wirklich Betrug? Ist ein Verbrechen ohne Opfer überhaupt ein Verbrechen? Oder gibt es vielleicht sogar Opfer?

Der Diesel-Skandal: Opfer sind schnell ausgemacht

Beim Diesel-Skandal hatte Volkswagen eine Software eingesetzt, die bestimmte Dieselfahrzeuge bei Abgasuntersuchungen dazu veranlasste, die Abgasrückführungsrate zu erhöhen, während sie abseits von Prüfständen wesentlich geringer ausfiel. Da die Abgasrückführung zur Minderung der Emissionen von Stickoxiden dient, gaukelten die Fahrzeuge bei einer Überprüfung also weit bessere Abgaswerte vor, als sie den Großteil der Zeit tatsächlich ausstießen. Damit genossen sie etwa in Deutschland eine niedrigere Besteuerung und galten insgesamt als umweltschonender, was das Image des Unternehmens besserte und so indirekt höhere Absatzzahlen generierte.

Bei diesen Dieselfahrzeugen gab es also mit Sicherheit Opfer - oder nennen wir sie lieber Leidtragende - nämlich die Umwelt, Astmathiker und nicht zuletzt auch die Käufer solcher Fahrzeuge. So sahen in den USA die Behörden eine Täuschung der Käufer, deren Fahrzeuge nach Bekanntwerden des Einsatzes einer Schummel-Software nicht nur einen deutlichen Imageschaden und damit verbunden einen hohen Wertverlust erlitten, sondern auch eine höhere Umweltbelastung bei weniger Leistung und mehr Verbrauch. Entsprechend wurde VW hier neben Strafen zusätzlich zu Schadensersatz verdonnert.

Top-10-Chipsätze im Antutu-Benchmark | (c) Antutu

Benchmark: Mehr Punkte sind besser. Auch wenn sie erlogen sind? | (c) Antutu

Benchmark-Trickserei: Nur auf ersten Blick harmlos

Aber wie sieht es mit Schummel-Software bei Smartphones aus? Echte Leidtragende gibt es hier nicht, zumindest nicht auf den ersten Blick. Denn durch die Software erkennt ein Smartphone lediglich Benchmarks und initiiert Vorgänge, um Höchstleistung bringen zu können - über das Limit im Alltag hinaus. Als Resultat darf sich der geneigte Smartphone-Nutzer über ein besseres Ergebnis freuen, als er mit der Alltagsleistung hätte bewundern dürfen. Wem sollen so ein paar Zahlen denn wehtun? Unter Umständen der Geldbörse des Nutzers.

Denn die verdeckten Optimierungen für Benchmarks reichen vom Anheben des Grundtakts über das künstliche Zuschalten weiterer, eigentlich nicht benötigter CPU-Kerne bis hin zum kompletten Übertakten des Prozessors. Das geht zulasten der Lebensspanne der Technik. Und wenn das Smartphone schon nach 1,5 Jahren defekt ist, nimmt sich keiner der Hersteller, die mit ihrer Schummel-Software indirekt dafür gesorgt haben könnten, der Sache an. Zudem könnten sich auch Käufer gerade wegen der höheren Benchmark-Ergebnisse für ein bestimmtes Smartphone entschieden haben, sie sind dann der Vorspielung falscher Tatsachen aufgesessen.

Der Hauptunterschied zum Diesel-Skandal ist hier vor allem, dass nicht nur Käufer und die Umwelt die Leidtragenden sind. Sondern nur ein sehr kleiner Teil der Besitzer entsprechender Smartphones, die wirklich intensiv Benchmarks nutzen oder aus solchen Ergebnissen die Güte eines Produktes ablesen. Eine Rechtfertigung für die Trickserei ist das aber trotzdem nicht.

Mehr zum Thema: Smartphone

Kommentar schreiben

Die Kommentarfunktion ist hier leider nur für angemeldete Benutzer freigegeben.

Du bist nicht dabei?
Werde Teil der Community
Registriere Dich jetzt kostenlos! | Login
Sichere Dir Deinen Usernamen, damit Deine Beiträge und Bewertungen nicht verloren gehen.
 
Kommentare
  1. 12.02.17 22:24 kaffeevernichter

    dieser Vergleich ist lächerlich.

    Bei einer Benchmark wird doch angegeben was maximal möglich ist oder habe ich das falsch verstanden.

    Ein PC der übertaktet wird liefert auch bessere Ergebnisse für eine kürzere Lebensdauer.

    Das ist für mich kein Betrug.

    Das einzige Argument wenn man etwas sinnvolles dazu beitragen will ist das die Umwelt durch eine kürzere Lebensdauer mehr belastet wird.

    genau deshalb schaltet auch der Hersteller nicht auf Maximum Leistung sondern auf Maximum Freude am Gerät mit einer angenehmen Akku Reichweite.

    Das ein Benchmarktest das Gerät kaputt macht halte ich für Blödsinn da kein Dauertest.

  2. 12.02.17 15:16 Frankfurter Knackarsch (Expert Handy Profi)

    VW &Co haben gegen verbindliche Normen verstoßen, was es für Benchmarks nicht gibt.
    Ganz einfach. Und wenn man konsequent ist kann man auch Apple genauso Schummelei vorwerfen.

    http://www.pcworld.com/article/3146630/mobile/the-mysteries-of-the-gpu-in-apples-iphone-7-are-unlocked.html

    “We believe the iPhone 7, to avoid overheating, throttles back from its top GPU speed after a minute or less, preventing it from achieving a high score for all users,” Gwennap said. "

    der unterschied ist nur, dass der Schummelmodus hier erst aktiviert werden muss, während Apple darauf verzichtet, da er beim iP7 permanent aktiviert ist.

  3. 11.02.17 20:28 Fritz_The_Cat (Advanced Handy Master)
    Da hat aber jemand alle Ecken ausgekehrt, …

    … um einen Skandal zu konstruieren…. Dabei ist weder Optimierung der Abgaswerte durch Abgasrückführung noch die Optimierung von Benchmarkergenissen durch Softwareanpassungen etwas neues noch in meinen Augen besonders skandalös sondern schlicht und einfach ein alter Hut und gängige Praxis.

  4. 11.02.17 20:09 Andre2779 (Expert Handy Profi)

    Als ich meinen ersten 486er gekauft hatte, gab es auch schon Benchmarks wie viel schneller die Spiele nun laufen im Vergleich zum 386er, auch da wurde schon das ein oder andere FPS geschummelt. Wer sich ein Smartphone nur aufgrund irgendwelche Benchmarks kauft hat im Leben noch ganz andere Probleme.

    Der Vergleich mit VW hinkt auch mehr als deutlich, keine Ahnung wie man das miteinander Vergleichen will.

antworten
 
Anzeige
Aktuelle Geräte im Test
Anzeige