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Autor: AreaMobile Redaktion | 27.09.2005 - 00:52 | 0

Palm Treo 700: Microsoft wins again

Palm Treo 700: Microsoft wins again

Um 09:00 Pazifischer Standardzeit enthüllten die CEOs von Palm, Verizon Wireless und Microsoft (in Person von Bill Gates höchstpersönlich) das nach ihren eigenen Angaben wahrscheinlich "schlechtgehütetste Geheimnis der Welt": den Treo 700. Vorbei ist es mit Mutmaßungen und falschen Bildern.

Treo 700 Vergleich mit Treo 650 Hand

Assimiliert: Palm Treo 700 (r.) im Vergleich zum PalmOS-Vorgänger Treo 650 (l.)

Palm-CEO Ed Colligan (vorher übrigens Chef des von Palm gekauften Treo-Bauers Handspring) gesteht mit unmissverständlich zusammengekniffen lächelnden Lippen, dass die Kooperation zwischen Palms Hard- und Microsofts Software ein Gerät hervorgebracht habe, das dem Wunsch von Kundschaft und Netzbetreibern gleichermaßen vollständig entspreche. Bill Gates verpasste es dagegen nicht, unter unmissverständlich verschmitztem Lächeln zu erwähnen, dass der Markt noch ungeheure Wachstumspotenziale vorhalte. Lediglich 130 Millionen Nutzer von mobilen EMail-Lösungen gäbe es derzeit weltweit und über die Hälfte aller mittlerweile 2 Milliarden Mobilfunknutzer möchte der Konzern gerne mit der neuen Messaging-Dimension versorgen. Das Konzept, den Nutzer mit Vertrautem zu begeistern, soll Erfolg haben: der Treo 700 versteht sich auf die EMail-Verwaltung mit Pocket Outlook und auf Push-Serivces via neuster Exchange-Server 2003-Version. Keine Frage, dass Gates den Vorteil in der Ganzheitlichkeit sieht: "wenn ein Unternehmen bereits seinen EMail-Verkehr über Exchange abwickelt, kann er ohne Neuinstallation fremder Serversoftware Push-Services nutzen". Über die tausenden Unternehmen, die nicht auf Exchange setzen, verliert der reichste Mann der Welt kein Wort. Die Frage, ob sich Palm in Zukunft auch auf andere Betriebssysteme als das quasi hauseigene PalmOS einlassen werde - so zum Beispiel Linux - antwortete das Triumvirat zunächst mit Gelächter und Bill Gates mit einem fast schon siegerischen Schmunzeln. Ed Colligan verspricht: "mit Microsoft haben wir einen starken und verlässlichen Partner gefunden. Es wird keine weiteren Anstrengungen geben, mit Symbian oder einem Linux-Konstortium zusammenzuarbeiten".

Eher eine Nebenrolle spielte Verizons Chief Executive Officer Dennis Strigl, der vor allem auf die enorme Netzgeschwindigkeit hinwies, die der Treo 700 im EV-DO-Netz erreiche: bis zu 700kBit/s lassen sich im Praxisbetrieb erzielen - einzig und allein die nutzbaren Dienste im mobilen Breitbandnetz fehlen; anders als Vodafone fehlt Verizon eine Strategie zum Anziehen von Multimedia-affiner Kundschaft. Der Treo 700 ist hierfür zwar vorbereitet, aber nicht ausgelegt: ein reines "Business"-Gerät sei er, Lifestyle-Produkte auf Windows Mobile-Basis werden folgen. Dass der Treo 700 auch in einer GSM/UMTS-Variante nach Europa kommen wird, steht für Ed Colligan bereits fest; doch bis dahin werden noch viele Monate vergehen. Während die heute angekündigte Version erst für Anfang 2006 geplant wird, dürfte eine UMTS-Version noch bis zur zweiten Jahreshälfte auf sich warten lassen. Der Treo 650 mit PalmOS-Betriebssystem bleibt laut Dennis Strigl der Kundschaft darüber hinaus weiterhin erhalten.

Der Treo 700 ist letztlich aber doch etwas mehr als ein alter Treo mit neuem System: davon abgesehen, dass der Hersteller das Gehäuse minimal verschlankt hat, wurden auch Treo-typische Modifikationen an der Funktionalität vorgenommen. Dazu gehört in erster Linie das "dial by name"-genannte Feature, dass es aus beinahe jeder Ansicht erlaubt, einfach durch Eintippen der ersten Buchstaben eines Kontakts direkt zu dessen Kontaktinformationen wie Telefonnummern oder EMail-Adressen zu gelangen.

Treo 700 frontal

Foto: Treo 700

Tippt man auf den Absender einer EMail, öffnet sich nicht nur ein Kontextmenü zum Beantworten der Mail, es enthält sogar alle relevanten Kontaktdaten dieser Person - ein Feature, das Windows Mobile in anderen Geräten oftmals lediglich beim Versand von Kurzmitteilungen erlaubt. Darüber hinaus wurde der "Today"-Screen der Treo-Variante angepasst. Hier findet man in einem horizontal scrollbaren Bilderband alle Konterfeis zuletzt kontaktierter Personen, sodass man intuitiv und extrem schnell einen Anruf bzw. das Schreiben einer Nachicht starten kann (Photo Speed Dial). Wenn eine Person auf den Anrufbeantworter spricht, kann man je nach Anrufer unterscheiden, in welcher Voice-Mailbox die Aufnahme landen soll.

Ruft ein Kontakt zu einem ungelegenen Zeitpunkt an, kann man via einfachem Tastendruck den Anruf abweisen und sofort eine SMS - ggf. mit Standardtext - als Abwesenheitsnotiz zurückschicken. Auch wenn die drei CEOs auf ihrer via Livestream in alle Welt übertragenen Pressekonferenz recht gutgelaunt und voller Überzeugung der Fachpresse auf ihren Barhockern gegenübersaßen, lässt sich ein weiteres Mal feststellen, dass Bill Gates Redmonder Softwarekonzern erfolgreich einen langjährigen Erzrivalen mit einer Schmusetaktik überwältigt hat, die ihresgleichen sucht. Anstatt die offene Konfrontation mit Microsoft zu suchen, flüchtet sich Ed Colligan in die Kooperation: nach seinen Worten können Partner konkurrieren und Konkurrenten Partnerschaften eingehen. Seiner Meinung nach wird die Kundschaft es Palm danken, den überfälligen Schritt getan zu haben. Die Fan-Gemeinde um PalmOS steht dem ganzen derzeit aber mit Sicherheit eher skeptisch gegenüber.

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