Jetzt wollen es auch die Finnen noch einmal wissen. Pünktlich zum Herbstlaub stellt Nokia eine Handy-Kollektion vor, die ausschließlich Extravaganz-betonte Nutzer anspricht - oder alle diejenigen, die sich nach einem unverwechselbaren Mobiltelefon sehnen, das man nicht so schnell an jeder Straßenecke wiedersieht.
Dabei bedient sich der Konzern wie für diesen Bereich gewohnt glücklicherweise nicht an der Konkurrenz, sondern vielmehr an seiner Vergangenheit; im Falle des 7360 beschreitet man sogar gänzlich neue Wege. Alle drei neuen vorgestellten Handys der "L'Amour"-Kollektion sind in hellbraun/gold (warm amber) und schwarz (coffee brown) erhältlich, wobei erstgenannte Farbtönung in der Regel eher weibliche Kundschaft anziehen dürfte. Nokia bekennt sich mit den Mobiltelefonen zu seinem starken Engagement und vor allem der jahrelangen Marktforschung auf dem Gebiet der Style-Phones. Trotz aller Anstrengung verbuchte im letzten Jahr allerdings der Konkurrent Motorola aus dem Stand den Erfolg für sich und machte das legendäre RAZR V3 zum unbestreitbaren Kassenschlager (gibts auch in den Editionen Black, Pink und Unrath&Strano). Zwei Damen sollen das nun ändern: Nokia beauftragte mit dem Design der neuen L'Amour-Reihe die Senior Design Managerinnen Liisa Puolakka (Trend Analyst) und Tanja Fisher (Creative Director). Produkte für den Massenmarkt wollte der Hersteller allerdings nicht entwerfen, sondern in erster Linie wieder zum innovativen Impulsgeber werden. So innovativ wie mit Klingeltönen, mehrzeiligen Displays, wechselbaren Gehäuseschalen oder völlig ungewöhnlichen Formfaktoren ist man in diesem Jahr allerdings nicht: die Geräte fallen eher mit ihren blümerant bemalten Gehäusedesigns und den wie aus einem Guss wirkenden Schalungen auf, sind geradezu um Mainstream bemüht. Ob sich damit Blumentöpfe gewinnen lassen, muss letztlich König Kunde entscheiden.
Das Nokia 7360 ist der konsequente Nachfolger des im letzten Jahr erschienenen 7260, das offenbar etwas zu häufig in den Manteltaschen hängengeblieben war: die "überschüssigen" zwei Ecken wurden abgeschliffen.
An der Seite des 6030-ähnlichen Barren-Handys ragt ein unverwechselbares Stofflabel mit dem Emblem der Reihe aus dem Gerät: diese Spielerei leistete sich Nokia zuletzt nur beim 7280. Technisch ist das 7360 das einfachste der neuen Reihe, basiert wie alle Handys auf der Series40-Plattform und bietet (E)GPRS-Connectivity. Ein 760mAh starker Li-Ionen-Akku hält das Telefon bis zu 14 Tage am Leben, das Display gehört noch zur Generation des letzten Jahres und stellt bei 128x160 Pixel 65.536 Farben dar (entspricht beispielsweise dem des Modells 7270). Über den integrierten Speicherausbau hat Nokia noch nichts verlautbart, das 7360 wird aber MP3-Klingeltöne wiedergeben und Fotos mit VGA-Auflösung aufnehmen können. Mangels Speicherkarte dürfte der mobile Musikgenuss schnell ins Hintertreffen geraten, ein UKW-Radio sorgt für Linderung. Darüber hinaus werden dem 7360 ein Push-To-Talk-Client und eine Freisprecheinrichtung sowie ein POP-Port spendiert, mit dem sich das Gerät auch an gängigen Car-Kits betreiben lässt.
Dabei bleibt das 7360 auch für kleinere Geldbeutel erschwinglich: bei geschätzten €200,- UVP könnte man das Gerät sogar bald nach seinem Erscheinen im 1.Quartal 2006 als PrePaid-Modell in den Läden finden.
Mit dem 7370 beschreitet der Hersteller gemessen an seiner vorherigen Gerätelinie neue Wege und stellt erstmals ein Handy im Swivel-Design (Jack-Knife) vor. Auch ohne das Gerät jemals in der Hand gehabt zu haben, wirkt der Versuch leider etwas plump und wenig ausgereift - gemessen an Sony Ericssons W900i oder Motorolas V80. Vorbei sind die Zeiten experimentellen Tastaturdesigns: das Tastenfeld des 7370 ist aufgeräumt, geradlinig und um einen 5-Wege-Navkey zentriert, der Geräten wie dem 6170 entlehnt wurde. In die Mitte der Zifferntasten integriert Nokia einen leichten Hügel, der die Tasten 5 und 8 auch im Dunkeln erfühlbar macht. Das 7370 basiert auf der Series40-Plattform, deren Bildschirmdarstellung sich beim Drehen des Handys anpasst. Der Akku des Geräts ist etwas kleiner als beim Barren-Pendant und schafft laut Hersteller mit 700mAh Kapazität 10 Tage Standby.
Der neue Formfaktor geht dem Handy im übrigen auf die Hüften: 104,4 Gramm bringt es auf die Waage - satte 10g mehr als Motorolas V80. Dafür gibts eine 1,3-Megapixelkamera, Video-Ringtones, Stereo-Lautsprecher mit 3D-Soundeffekten, Bluetooth und MP3- sowie AAC-Sound. Auch bei diesem Gerät bleibt unbekannt, über wieviel Speicher es verfügt, dramatische Abweichungen gegenüber dem Mainstream wie es sich Sony Ericssons W900i (mehr als 400MB) leistet, dürfte es nicht geben. Dafür rüstet Nokia das Gerät mit einem anspruchsvollen Multimedia-Display aus, das man erst seit Erscheinen der neuen Series40-Version nutzen kann: es stellt auf 320x240 Pixeln (QVGA) bis zu 262.144 Farben dar. Für das 7370 strebt Nokia einen Handelspreis von €300,- an. Das exotischste und teuerste (ca. €500,-), wenn auch bei weitem nicht unerwartetste Gerät der neuen Reihe hat einen klar identifzierbaren Vorgänger: das 7380 beerbt das 7280 nicht nur optisch, sondern auch technisch. Statt mit (E)GPRS der Klasse 10 surft es nur mit Klasse 8 durchs Web, angesichts eines kleinen, im ausgeschalteten Zustand vollverspiegelten Displays mit 104x208 Pixeln Auflösung (65.536 Farben) wird man selten mehr benötigen, denn auch die Eingabe von Webadressen dürfte sich mit dem Gerät schwierig gestalten: anstelle eines Tastenfeldes gibt man Buchstaben über einen Jogdial ein - beim 7280 klappte das in der Praxis sogar besser als erwartet. Anstatt den praktischen MP3-Player mit erhöhtem Speicherausbau aufzuwerten, setzt Nokia auf eine dramatisch verbesserte Kamerakomponente mit abzugsreifen 2 Megapixeln Auflösung und LED-Blitz: das hätte man mit Sicherheit nicht in diesem Gerät erwartet. Mit 114x30x20mm Größe und lediglich 80g Gewicht ist es das kleinste 2MPixel-Handy, das es demnächst am Markt geben wird und sogar etwas kleiner und leichter als sein Vorgänger.
Mit den drei Geräten hat Nokia zwar die logische Fortführung seiner Designlinie geschafft, letztlich aber vor allem im Bereich der Ausstattung leisere Klänge angeschlagen. Während die Konkurrenz in ihre neuen Designmodelle teilweise Speicherkarten und UMTS-Connectivity verbaut, gibts bei Nokia noch VGA-Kameras und MP3-Klingeltöne als Highlight. Nichtsdestotrotz bleibt das Design ausnahmslos elegant und überaus ansprechend - wer sich vor allem von der Optik zu einem Kauf hinreißen lässt, achtet allerdings auch auf das haptische Erlebnis und das hinkt bei den Finnen oftmals der Konkurrenz hinterher. Der Claim (L'Amour), den Nokia über alles stellt, entspricht dem Vorhaben: Die Nutzer müssen sich in das Gerät "verlieben", um die Verkaufszahlen in die Höhe zu treiben - ob das angesichts von Motorolas V3x, Samsungs D600, Sony Ericssons W900i oder Siemens/BenQs SG75 viele Nutzer tun werden, bleibt abzuwarten. Alle drei Telefone sollen dem Markt ab Q1/2006 zur Verfügung stehen. » Datenblatt | Mehr Bilder zum Nokia 7360 » Datenblatt | Mehr Bilder zum Nokia 7370 » Datenblatt | Mehr Bilder zum Nokia 7380 » Alle Geräte aus Nokias 7er-Reihe
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