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Windows 10 S: Grundstein für neues Mobile-Betriebssystem?

Tobias Czullay 03.05.2017 - 12:10|14
Windows 10 S: Grundstein für neues Mobile-Betriebssystem?

Es ist wieder da. Ein vollwertiges Windows-Betriebssystem, das eigentlich keines ist. Windows 10 S hat alle üblichen Windows-Features, gestattet aber nur die Installation von Anwendungen aus dem Windows Store. Was hat Microsoft diesmal vor und ist Windows 10 S ebenso eine Totgeburt, wie vor einigen Jahren Windows RT?

Auf einem Event am Dienstagabend hat Microsoft mit Windows 10 S einen neuen Ableger seines Betriebssystems und die dazugehörige Referenz-Hardware, das Surface Laptop, vorgestellt. Das S im Namen von Windows 10 S soll unter anderem für "Speed" und "Seele" stehen, speziell für den Bildungsbereich will Microsoft die neue Software auf die Essenz reduziert haben. Reduziert meint in diesem Fall nicht einmal den Funktionsumfang oder die Optik, denn hierbei müssen Nutzer keine Kompromisse eingehen. Allerdings können Programme mit Windows 10 S nur installiert werden, wenn sie aus dem Windows Store geladen werden - Datenträger werden ebenso außen vor gelassen wie Downloads aus anderen Quellen.

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Microsoft betont, dass es keine Einschränkung bei der Kompatibilität gibt und alle gewöhnlichen x64- und x86-Anwendungen auch unter Windows 10 S laufen. Das mag der Wahrheit entsprechen, nur ist das Angebot im Windows Store eben deutlich überschaubarer als bei vielen anderen Downloadplattformen im Internet. Microsoft ist offenbar viel daran gelegen, den seit der Einführung mit Windows 8 eher ein Nischendasein fristenden Marktplatz voran zu bringen, mehr Kontrolle über das Angebot zu erlangen und freilich Tantiemen von kostenpflichtigen Programmen einzustreichen. Auch in einem anderen Bereicht zieht das Unternehmen das Korsett etwas enger: Bing und Edge können als Standard-Anwendungen nicht abgewählt werden.

Windows 10 S | (c) Microsoft

Windows 10 S | (c) Microsoft

Doch ergeben sich aus diesem scheinbaren Minuspunkt auch Vorteile. Das S in Windows 10 S steht schließlich auch für ein Mehr an "Sicherheit" und eben das dürfte eine solche App-Beschränkung auch bieten. Schließlich wirft Microsoft ein wachsames Auge auf das Angebot und überprüft die Programme auf Malware, wodurch wiederum ein weitestgehend sauberes Netzwerk in Bildungseinrichtungen gewährleistet werden kann. Lehrende dürften sich sehr über eine einfache Restriktion freuen, die die Installation von Programmen aus fraglichen Quellen auf den Lehrmitteln ab Werk unterbindet. Die Einrichtungen werden begrüßen, dass Windows 10 S und das Office-Paket für sie kostenlos ist.

Surface Laptop und die Frage nach der Zielgruppe

Als Zielgruppe für Windows 10 S hat Microsoft vor allem Schüler und Lehrer im Sinn. Allerdings: Ganz festlegen will sich die Software-Schmiede dann aber doch nicht, was an mehreren weiteren Ankündigungen deutlich wird. Am wenigsten ins Bild passt dabei das Surface Laptop, das mit vorinstalliertem Windows 10 S ausgeliefert und in seiner Minimal-Ausstattung mal eben mit 1.149 Euro zu Buche schlägt. Das dürfte bei vielen Eltern und Schulen eindeutig das Budget sprengen, als bloßes Unterrichtsmittel fällt das Gerät damit wohl aus.

Vielmehr dürften sich Technik-Liebhaber auf das Neid erweckend schön gestaltete Laptop stürzen, denen dann aber die App-Schranke von Windows 10 S ein Dorn im Auge sein wird. Ihnen wiederum bietet Microsoft bis Ende dieses Jahres die Möglichkeit an, kostenlos auf Windows 10 Pro zu upgraden - danach kostet es 50 Euro extra. Das Unternehmen verkauft also ein Design-Laptop mit einem abgespeckten Betriebssystem, das der Zielgruppe zu teuer und den potenziellen Käufern durch Windows 10 S zu stark eingeschränkt sein wird.

Windows 10 S als Grundstein für neue Smartphones?

Und noch etwas fällt auf: Wo Microsoft nun Windows für Laptops mit PC-Architektur beschneidet, da kündigte das Unternehmen im Vorjahr noch die Kompatibilität von Windows-Programmen mit ARM-Prozessoren an. Noch ist nicht geklärt, ob Microsoft ARM-Geräte auch mit einem vollwertigen Windows oder eben mit Windows 10 S unterstützen wird. Kommende mobile Microsoft-Hardware vom Schlage eines Surface Phone könnte danach also wie angekündigt x86- und x64-Apps wiedergeben können, sich dabei aber wiederum nur auf solche Programme beschränken, die es auch im Windows Store gibt.

Womöglich ist Windows 10 S nun auch ein erster Testballon für eine - schon lange unterstellte - Rückkehr ins Mobile-Geschäft. Einerseits könnte damit das Kundeninteresse ausgelotet werden, andererseits müssten Entwickler für das Konzept gewonnen werden. Anders als noch bei Windows RT ließe sich Windows 10 S im Falle eines Fehlschlags ganz leicht auf eine Version ohne Store-Pflicht upgraden, die Risiken für Microsoft sind also überschaubar. Sollten sich Nutzer damit anfreunden können, dass sie ihre Programme so einfach und sicher wie auf dem Smartphone aus nur einer Quelle herunterladen können, dann dürfte auch der Grundstein für weitere mobile Geräte mit Windows 10 S gelegt worden sein - und damit wohl auch für ein Surface Phone.

Mehr zum Thema: Windows, Windows 10

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Kommentare
  1. 05.05.17 19:41 cookieman (Professional Handy Master)

    @laborant
    Zitat Heise
    "S wie Spielverderber
    Mag sein, dass der Ausschluss der Spiele nur ein Kollateral-Schaden ist und Microsoft eigentlich den Schulen nur die Sicherungen seiner Enterprise-Version schmackhaft machen will. Doch ob sie wollen oder nicht, sie schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe: Einerseits vereinfachen sie den Support-Aufwand, indem Lehrer jetzt einfach festlegen können, was auf den Kisten laufen soll und was nicht. Zum anderen werden die Kleinen nun nicht mehr durch irgendeinen Ego-Shooter vom Büffeln abgelenkt – das freut System-Admins wie auch besorgte Eltern und Lehrer."

    Weitere Infos dazu hier:
    https://www.heise.de/newsticker/meldung/Kommentar-Windows-10-S-endlich-Schluss-mit-lustig-3703515.html

  2. 05.05.17 14:32 Gorki (Advanced Handy Master)

    Dieser Artikel ist es auch ein wenig informativer: http://www.it-business.de/windows-geht-in-die-schule-a-605562/?cmp=nl-356&uuid=F05C194A-21D8-4229-BCE37DB72CBAE598

  3. 05.05.17 08:42 DerZander (Handy Profi)

    @IBNAM
    >> Windows RT als WinRT abzukürzen ist doch sinnig und trotzdem unmissverständlich in diesem Kontext.
    Finde ich nicht, da WinRT ja frisch und lebendig ist in Windows 10. Die Namensgebung von MS war eben einfach ziemliche Grütze. ;)

    Die Verwechselungsgefahr ist durchaus gegeben. Wenn jemand schreibt "WinRT war ein Fehlschuss", dann weiß ich zumindest nicht, was er meint. Meint er, dass die Windows-ARM-Variante "Windows RT" gefloppt ist oder meint er, dass die Windows8/10-Apps (WinRT) ein Fehlweg sind?

    >> Der Unterschied ist vor allen Dingen, dass es mitlerweile einfache Wege gibt seine Win32-Apps
    >> in UWP-Apps zu konvertieren und insgesamt einfach eine moderate Auswahl an Apps.
    >> Zu Zeiten von Windows RT war das nicht der Fall.

    Es gab ja auch zu Windows RT-Zeiten schon als Win32-Programme im Store, wenn ich mich recht erinnere, aber die liefen eben nicht auf dem ARM-Windows-RT.

    Soweit ich das weiß, werden auch die Win32-Apps gar nicht im eigentlichen Sinne "konvertiert", sondern quasi in eine UWP-Hülle gekapselt, oder? Die würden dann auch heutzutage nicht auf einem ARM-Windows RT laufen.

    Im Endeffekt kommt es aber auf dasselbe hinaus: Windows RT und Windows 10 S haben zwar beiden die Einschränkung auf den Store, aber trotzdem bei Windows 10 S laufen dank x86-Prozessoren eben auch die Win32-Programme aus dem Store, was die Softwareverfügbarkeit deutlich erhöht (oder in Zukunft ggf. erhöhen wird).

  4. 04.05.17 21:32 IchBinNichtAreamobile.de (Advanced Handy Master)

    @chief:"Weiß ich. Aber zur Zeit von RT war es nun mal Win8. Gab ja kein Win10 ;)"
    >>Ah ok, ja stimmt das ergibt Sinn. Sorry.

    @DerZander: Windows RT als WinRT abzukürzen ist doch sinnig und trotzdem unmissverständlich in diesem Kontext.

    @mcRebe: Der Unterschied ist vor allen Dingen, dass es mitlerweile einfache Wege gibt seine Win32-Apps in UWP-Apps zu konvertieren und insgesamt einfach eine moderate Auswahl an Apps. Zu Zeiten von Windows RT war das nicht der Fall.

    @Laborant: Ja offensichtlich ist das so.

    Ich finde den Weg den Microsoft da einschlägt nicht besonders toll. Die Einschränkung auf einen Store kann ich einfach nicht gutheißen.

  5. 04.05.17 14:11 REhuus (Handy Profi)

    Laborant,

    Ja, im Grunde geht es da wohl vor allem um die Aufwertung des eigenen Stores. Die Frage ist allerdings, wie viele Unternehmen da mitmachen oder doch bei ihrem derzeitigen Geschäftsmodell bleiben. Und da man ja davon ausgehen muss, dass bei den Anbietern von Software auch keine Idioten sitzen, ist natürlich die Frage, warum man jetzt Programme in den Store einstellt, wenn man es bislang och nicht getan hat. Denn aktuell ist Microsoft da ja dank des "freien" Windows 10 in der deutlich schlechteren Position.

  6. 04.05.17 09:45 Laborant (Expert Handy Profi)

    Soweit ich weiss, ist die einzige Limite von Windows 10 S, dass man nur Programme aus dem offiziellen Store installieren kann. Prinzipiell könnte z.B. Adobe ihr Premiere Pro im Store verfügbar machen. Ich hege die Vermutung, dass MS versucht, den Store damit zu stärken und Firmen quasi dazu zu zwingen, Software im Store verfügbar zu machen.

    Mit starkem Store kann MS tolle Zahlen präsentieren, Entwickler anlocken, das Windows Universal Ecosystem ausbauen und dafür sorgen, dass ein Launch eines Surface Phone nicht direkt am App-Mangel stirbt.

    Das ist zumindest meine Vermutung.

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