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OnePlus 5: OnePlus erneut bei Benchmark-Manipulation erwischt

Björn Brodersen 21.06.2017 - 12:10|29
OnePlus 5: OnePlus erneut bei Benchmark-Manipulation erwischt

Das OnePlus 5 schlägt in Benchmark-Tests Konkurrenzmodelle wie das Samsung Galaxy S8 oder das HTC U11. Doch die Performance-Werte sind mit Vorsicht zu genießen: OnePlus hat in das Smartphone-Modell Mechanismen eingebaut, die in Leistungstests wie Antutu und Geekbench künstlich die Taktrate der schwächeren CPUs des Snapdragon 835 hochhalten - so wie beispielsweise in rechenintensiven 3D-Spielen.

Das von dem Snapdragon 835 befeuerte OnePlus 5 lässt in Benchmark-Tests Konkurrenzmodelle wie das Samsung Galaxy S8 oder das HTC U11 hinter sich. Doch die herausragenden Performance-Werte sind mit Vorsicht zu genießen. Nicht nur, weil wie üblich in Benchmarks die Leistung unter synthetischen Bedingungen gemessen wird, sondern weil OnePlus offenbar das Verhalten des neuen Smartphone-Modells in den Leistungstests künstlich hochhält - wieder einmal. Schon beim OnePlus 3T war dem chinesischen Hersteller Benchmark-Trickserei vorgeworfen worden.

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Das System des Modells halte die vier Rechenkerne des Qualcomm-Chips Snapdragon 821 auch dann auf Hochbetrieb, wenn keine CPU-Last besteht, warfen die XDA-Developers im Februar dem Unternehmen vor. Sie hatten das ungewöhnliche Verhalten mit Kontroll-Apps wie Qualcomm Trepn und Snapdragon Performance Visualizer entdeckt. Statt der erwarteten Leistung von 0,31 GHz im "Leerlauf" arbeiteten bei einigen Apps die schwächeren beiden CPUs des OnePlus 3T mit 0,98 GHz und die beiden stärkeren Rechenkerne mit 1,29 GHz weiter. Der damalige Verdacht: Bei bestimmten Benchmark-Apps schaltete das OnePlus 3T in einen gesonderten Taktungsmodus mit einem schwächeren Überhitzungsschutz, um möglichst hohe Benchmark-Werte zu erzielen.

OnePlus reagierte auf den Bericht und kündigte an, diesen Trigger-Prozess für Benchmark-Apps nicht in kommende Oxygen-OS-Builds auf dem OnePlus 3 und dem OnePlus 3T zu integrieren, die Leistungsmodi für grafikintensive Spiele aber beizubehalten. Doch entweder hat der chinesische Hersteller dieses Versprechen nicht eingehalten, oder er setzt auf Wortklauberei - das OnePlus 5 hatte er damals ja nicht explizit erwähnt. Vier Monate nach dem Bericht über die Benchmark-Schummelei steht der Vorwurf wieder im Raum.

OnePlus: Wollen Leistungspotenzial des OnePlus 5 aufzeigen

In Tests mit einem vorab ausgehändigten OnePlus 5 haben die XDA-Developers erneut auffälliges Benchmark-Verhalten bemerkt. Konkret in den Benchmark-Apps Antutu, Androbench, Geekbench, GFXBench, Nenamark und Quadrant, um die es auch im Februar ging. Diesmal gehe der chinesische Hersteller sogar unverfrorener vor und versuche gar nicht erst, die Steigerungsmechanismen zu verbergen, heißt es in dem Bericht. In 95 Prozent der Testläufe in den Standardeinstellungen haben laut XDA-Developers die schwächeren vier CPUs des Snapdragon 835 im OnePlus 5 mit der Maximaltaktrate von 1,9 GHz gearbeitet. Ohne Schummel-Mechanismus nur in etwa 24 Prozent der Fälle. Das reicht, um gerade in den Multi-Core-Benchmarks bessere Werte als ebenfalls mit Snapdragon 835 ausgestattete Konkurrenzmodelle zu erreichen.

OnePlus sieht im eigenen Tun offenbar kein Fehlverhalten. Gegenüber den XDA-Developers erklärte das Unternehmen:

"Menschen nutzen Benchmark-Apps, um die Performance ihres Geräts festzustellen, und wir wollen, dass die Nutzer die wahre Performance des OnePlus 5 sehen. Daher lassen wir Benchmark-Apps in einem der alltäglichen Nutzungsmodus laufen, inklusive ressourcenintensiver Apps und Spiele. Auch beim Starten von Apps läuft das OnePlus 5 in einem solchen Modus, um die Öffnungsgeschwindigkeit von Apps zu erhöhen. Wir übertakten das Gerät nicht, sondern zeigen vielmehr das Performance-Potenzial des OnePlus 5."

Oder kurz: Ja, OnePlus legt Hand an und schraubt absichtlich die Performance in Benchmarks hoch, um das Leistungspotenzial aufzuzeigen. Künstliches Hochhalten der möglichen Maximalleistung der schwächeren Rechenkerne läuft jedoch einem üblichen Verhalten des Smartphone-Systems bei der Alltagsnutzung zuwider.

Im Reddit-Forum legt OnePlus-Mitgründer Carl Pei nach. "Wir machen es für den Chipsatz nicht einfacher, indem wir beispielsweise für einen Benchmarkdurchlauf die Displayauflösung herunterregeln. Wir verändern nicht die Performance des Chipsatzes, indem wir ihn beispielsweise übertakten", erläutert er. "Jeder OEM legt Wert auf bestimmte Performance-Profile seiner Geräte. Ich schätze, dass wir solch technikbegeisterte Anhänger haben."

Die Eingriffe des Herstellers hinterlassen zumindest einen faden Beigeschmack beim Launch des OnePlus 5 - gerade angesichts der vor wenigen gemachten Beteuerung, diese künftig zu unterlassen. Es ist nicht das erste Mal, dass OnePlus nicht Wort hält.

Mehr zum Thema: Android-Smartphone, Smartphone, Antutu, Geekbench, Quadrant, GFXBench

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Kommentare
  1. 23.06.17 19:43 Antiappler (Advanced Handy Profi)

    @Fritz

    Auch wenn der Begriff "Grenzwertig" jetzt nicht wortwörtlich in der Rechtsprechung existiert, gibt es diesen Begriff trotzdem!

    Laut Duden:"gerade noch im Bereich des Positiven, Erträglichen o.?Ä. liegend".

    Und Ibnam hat Recht mit der Behauptung:"Gelogen "das sich die Balken biegen",

    Beispiel: Es gab vor einiger Zeit ein Smartphone von Samsung, welches mit wasserdicht beworben wurde. In einem dafür produzierten Film, der auch im Fernsehen zu sehen war, sitzt eine junge Frau in einer Badewanne mit Seifenschaum und ist am telefonieren. Plötzlich fällt ihr das Gerät in die Badewanne. Sie holt es wieder aus der Seifenlauge und telefoniert weiter als wäre nichts passiert.

    Bloß wenn man sich mal die Arbeit macht und die Bedingungen für den Gebrauch dieses Gerätes durchliest, stehen da drin plötzlich so "gemeine" Einschränkungen:Das Gerät darf nicht mit bestimmten Flüssigkeiten in Kontakt kommen, da dann der Schutz vor Flüssigkeiten erlischt und der Kunde selbst für den Schaden und Reparaturkosten verantwortlich ist.

    Und als Krönung dieser Ausschlüsse war auch der Kontakt mit Seifenwasser verboten.
    Obwohl dieser Werbefilm ganz etwas anderes suggeriert.

    So etwas ist einfach eine Lüge, "dass sich die Balken biegen"!

    Besonders wenn man sich alle Fälle durchgelesen hat, wäre nach den Bedingungen von Samsung nur der Kontakt mit reinem Quellwasser erlaubt gewesen, dass noch nicht mal besonders tief sein durfte.

    Da ich schon lange auf ZDNnet.de "beheimatet" bin, kann ich mich noch sehr gut an die Entrüstung der Foristen erinnern.

    Und grenzwertig, damit legal und damit wahr, ist die Werbung, wo man sich ein Auto zum ausprobieren nimmt, das total dreckig wieder zurückbringt, der Autohändler aber so tut, als wäre das überhaupt kein Problem.

    Nur wenn man das mal in der Praxis selbst macht, dann gibt es aber ganz schön Zoff.

    So eine Werbung find ich jetzt schon sehr grenzwertig, weil kein Mensch fährt mit einem Stadtwagen zum testen in den "Busch", und kein Autohändler findet es gut und normal, wenn der Kunde einen total verdreckten Wagen zurückbringt.

    Außerdem bekommen die Verbraucherschützer auch nicht alles mit, es gibt auch genug Urteile, wo die Gerichte keine Verbrauchertäuschung gesehen haben, obwohl es doch sogar ganz offensichtlich Beschiss war, zumindest für die Verbraucher und Verbraucherzentrale.

    Und es ist eigentlich auch sehr bekannt, dass besonders in den Möbelhäusern ohne Ende gelogen wird,"dass sich die Balken biegen", ich kann mich aber nicht daran erinnern, dass deshalb schon mal ein Möbelhaus seinen Konkurrenten verklagt hat. Die werden ganz bestimmt wissen, warum sie das nicht machen, zumindest wenn es in dem Rahmen bleibt, wie es auch die Konkurrenz macht.

  2. 23.06.17 13:15 IchBinNichtAreamobile.de (Advanced Handy Master)

    @FTC:"==> Was denn nun? Gelogen "das sich die Balken biegen", wie von @Ibnam behauptet, oder legal und damit wahr? Grenzwertig gibt es in der Rechtsprechung nicht. "
    >>Da stimmt so einiges nicht.
    1.) Lügen ist für sich genommen noch kein Vergehen.
    2.) Grenzwertig gibt es in der Rechtssprechung - nennt sich Grauzone.
    3.) OnePlus hat hier nicht gelogen.

    "Ganz nebenbei: Nicht nur Konkurrenten kommen als Kläger gegen Lügen in der Werbung in Frage sondern auch Verbraucher(schutz)verbände. Insofern verfängt Dein EInwand, daß 'eine Krähe der anderen kein Auge aushackt' hier nicht."
    >>Du musst mir erstmal zeigen, wo OnePlus hier gelogen hat. Dann sehen wir weiter ;)

  3. 23.06.17 11:47 DerZander (Handy Profi)

    @Fritz
    Du glaubst ehrlich, dass in der Werbung immer die Wahrheit gesagt wird? Dass das Waschmittel XY wirklich viel weißer wäscht als das Waschmittel YZ? Ich wusste ja, dass du manchmal ein sehr schlichtes Weltbild hast, aber come on, die ist schon klar, dass Werbung nicht die Wahrheit ist, oder?

    Ich bin etwas erschüttert.

    @FRankfurter
    >> Oneplus kopiert ja alles, warum also auch nicht Tricksereien?

    Das ist ein Argument.^^

    >> Das Problem an Benchmarks sind zum einen die Benchmarkhersteller, die Cheats ermöglichen und zum anderen die Tester,
    >> die BM in ihre Wertung berücksichtigen.

    Tja, das Vertrauen in solche generischen Benchmarks ist sicherlich Teil des Problems. Ebenso, dass sich die Benchmarks so einfach manipulieren lassen. Man sollte einfach nicht so viel drauf geben. Warum das manche so auf die Palme bringt, verstehe ich nicht so ganz.

  4. 23.06.17 01:38 Fritz_The_Cat (Advanced Handy Master)
    @ Antiappler:

    "Vieles in der Werbung ist aber schon sehr grenzwertig, und da das die allermeisten Firmen so praktizieren, wird es wohl deswegen auch wenige Klagen geben. Wenn sich nicht eine Firma mal erdreistet sehr doll zu übertreiben/lügen."

    ==> Was denn nun? Gelogen "das sich die Balken biegen", wie von @Ibnam behauptet, oder legal und damit wahr? Grenzwertig gibt es in der Rechtsprechung nicht.

    Ganz nebenbei: Nicht nur Konkurrenten kommen als Kläger gegen Lügen in der Werbung in Frage sondern auch Verbraucher(schutz)verbände. Insofern verfängt Dein EInwand, daß "eine Krähe der anderen kein Auge aushackt" hier nicht.

  5. 23.06.17 01:03 Frankfurter Knackarsch (Expert Handy Profi)

    Oneplus kopiert ja alles, warum also auch nicht Tricksereien?

    Das Problem an Benchmarks sind zum einen die Benchmarkhersteller, die Cheats ermöglichen und zum anderen die Tester, die BM in ihre Wertung berücksichtigen.

  6. 23.06.17 00:12 IchBinNichtAreamobile.de (Advanced Handy Master)

    @FTC:"Würde Werbung nachweislich lügen, hätte der/die Werbetreiber von seiner Konkurrenz schneller eine Klage am Hals als die Werbung veröffentlicht wäre."
    >>An welcher Stelle hat OnePlus denn gelogen? Vielleicht verstehst du ja langsam wie Werbung funktioniert ;)

    "==> Oh, da versucht sich aber einer ziemlich aus dem Unsinn herauszustehlen, den er gerade noch verzapft hat.… ;-)"
    >>Halt stopp mal, du meinst also, dass es sich hier um Betrug im strafrechtlichen Sinn handelt?

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