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Verbraucherschützer: Kein Aldi Talk für geflüchtete Menschen ohne Ausweis

Björn Brodersen 29.08.2017 - 12:06|0
Verbraucherschützer: Kein Aldi Talk für geflüchtete Menschen ohne Ausweis

Aldi-Talk-Anbieter Medion Mobile wird mit den aktuellen Identifizierungsverfahren für neue Prepaid-Verträge nicht allen potenziellen Kunden gerecht. Das kritisiert die Verbraucherzentrale Niedersachen. Leidtragende seien nach Deutschland geflüchtete Menschen, die keinen Personalausweis oder Reisepass hätten. Es gibt aber eine Alternative für manche Betroffene.

Kein Aldi Talk für viele Geflüchtete, seit die Ausweispflicht für Prepaid-Verträge gilt: Die vom Mobilfunkanbieter eingesetzten Verfahren zur Identifizierung der Neukunden können keine Aufenthaltsgestattung verarbeiten, kritisiert die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Damit sei die Aktivierung der SIM-Karte für viele nach Deutschland Geflüchtete nicht möglich, das beim Discounter gekaufte Prepaid-Paket damit nutzlos. Dabei seien Prepaid-Tarife für Handys gerade für diese Menschen häufig die erste Wahl, da sie meist keine Vertragslaufzeit haben und die Abrechnung auf Guthabenbasis erfolgt.

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Seit 1. Juli 2017 gilt in Deutschland für Prepaid-Verträge eine Ausweispflicht. Die Identifizierung kann laut Gesetz durch einen Personalausweis oder Reisepass oder auch durch Aufenthaltstitel, Ankunftsnachweise und die Bescheinigung über die Aufenthaltsgestattung bzw. die Aussetzung der Abschiebung erfolgen. Einen Reisepass oder Personalausweis haben viele Geflüchtete jedoch nicht bei sich.

Aldi-Nord: Medion Mobile will Lösung im Einzelfall prüfen

"Bei den von ALDI Nord eingesetzten Post- und Video-Ident-Verfahren können Dokumente wie die Aufenthaltsgestattung nicht gelesen werden, da die Schrift anscheinend zu klein ist", sagt Marvin Momberg, Projektkoordinator "Verbraucherschutz für Flüchtlinge" bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Auf den Fall gestoßen sind die Verbraucherschützer durch Berichte von Fluchthelfern. Regionsgemäß kritisieren sie das Identifizierungsverfahren für die in Aldi-Nord-Filialen erhältlichen Prepaid-Pakete im Telefónica-Netz.

Nachfragen beim Aldi-Talk-Anbieter Medion Mobile, einem sogenannten Branded Reseller der Telefónica Deutschland, haben nach Angaben der Verbraucherzentrale widersprüchliche Aussagen ergeben. Zuletzt habe der Provider angeboten, betroffene Kunden könnten sich an den Aldi-Talk-Kundenservice wenden, der eine individuelle Lösung prüfe. Einen konkreten Lösungsansatz habe das Unternehmen jedoch nicht genannt. "Wir können Geflüchteten daher nur raten, die gekauften Prepaid-Pakete zurückzugeben, sofern eine Aktivierung nicht möglich ist", sagt Momberg. "Es wäre aber wünschenswert, dass Aldi-Nord nachbessert und Identifizierungsmöglichkeiten auch für diese Kundengruppe anbietet."

eAufenthaltstitel: Alternative Lösung zur Identifizierung

"Die von der Verbraucherzentrale erwähnten Limitierungen bei der Prepaid-Zulassung liegen nicht im Einflussbereich von Aldi Talk", erklärt Telefónica-Pressesprecher Florian Streicher auf Nachfrage von Areamobile. Das Post- oder Video-Ident-Verfahren werde wie branchenweit üblich von Kooperationspartnern durchgeführt - unter anderem von der Deutschen Post. Im Vergleich zu Identifizierungsverfahren anderer Prepaid-Anbieter sei das von Aldi Talk angebotene Spektrum eher umfangreich, weil beispielsweise auch mit Nicht-EU-Reisepässen die Identifizierung und Aktivierung der Prepaid-SIM möglich sein.

Die Verfahren anderer Prepaid-Anbieter kritisiert die Verbraucherzentrale bislang nicht, weil sie nach Aussage gegenüber Areamobile entsprechende Beschwerden nur über das Aldi-Talk-Angebot erhalten hat und sich die angesprochenen Probleme im Kontakt mit dem Anbieter bestätigt haben. "Wir können nicht ausschließen, dass die gleichen Probleme auch bei anderen Prepaid-Anbietern bestehen, die keine Aktivierung der SIM-Karte im Shop ermöglichen", so Momberg.

Wie eine Prepaid-Aktivierung auch ohne Perso oder Reisepass gelingt, schildert der Telefónica-Presseprecher: Die Identifizierung könne auch mit einem Aufenthaltstitel mit Chip (eAufenthaltstitel) über das Video-Ident-Verfahren oder - im Bereich von Aldi-Süd - am Point of Sale erfolgen. "In der Nachprüfung durch den Telekommunikationsanbieter werden dann alle anerkannten Ausweisdokumente akzeptiert, insofern diese den BNetzA-Vorgaben entsprechen und erfolgreich geprüft wurden", so Streicher. "Wir arbeiten zusammen mit unseren Dienstleistern daran, die Services für die Prepaid-Identifizierung - und damit auch das Angebot an akzeptierten Dokumenten - in den kommenden Monaten nach gesetzlichen Vorgaben zu erweitern.

Mehr zum Thema: Prepaid, Smartphone-Tarif, Tarif

Quelle: Verbraucherzentrale Niedersachsen

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