Damit eine Technologie in der Industrie Fuß fassen kann, muss sie eine von zwei Voraussetzungen erfüllen: entweder sie entspricht zu 100% einem Standard, den ein unabhängiges Gremium festlegt oder sie wird von einem Unternehmen mit Monopolstellung am Markt vertreten. Im Falle der drahtlosen Breitband-Technologie WiMAX traf bislang genaugenommen keine der Voraussetzungen zu. Der amerikanische Verband der Elektroingenieure (IEEE) zögerte die endgültige Standardisierung lange hinaus, weil zu viele Unternehmen zu unterschiedliche Vorstellungen von Technik, Frequenzen und Anwendungsbereichen einbrachten.
Am heutigen Tage wird das mobile WiMAX mit der endgültigen Verabschiedung des Standards auf ein sicheres Fundament gestellt. Die IEEE verabschiedete heute den Standard "802.16-2005", der auf dem bislang benutzten Vorschlag 802.16e beruht. Bevor nun ein WiMAX-fähiges Produkt den Markt erreichen kann, muss das WiMAXForum die Konformität zum Standard und dessen Kompatibilität zu Basisstationen und Produkten anderer Hersteller bescheinigen. Bis ein einheitlicher, den allgemeinen Qualitätskriterien entsprechender Standard für den Zertifizierungsvorgang existiert, könnte nach Expertenmeinung aber noch etwas Zeit ins Land gehen. Einige mutmaßen, dass erste Datenkarten oder Handys, die das Siegel "konform zu 802.16-2005" tragen, noch bis 2008 auf sich warten lassen könnten. Konkurrenten zum eigentlichen Standard gibt es einige. So stellte der koreanische Elektronikriese Samsung Electronics bereits Anfang Dezember zwei Handys vor, die über den WiMAX-ähnlichen Standard WiBro durchs Netz funken und sich ausstattungsmäßig an aktuellen Smart- und Businessphones orientieren.
Auch Motorola, Siemens und Ericsson forschen an Lösungen und
Services fürs Ultrabreitband. Spannend bleibt die Frage, wie
viel Einfluss mobile WiMAX-Endgeräte auf
gängige GSM-Standards wie EDGE, UMTS und HSDPA
nehmen: gerade letztgenanntes Speedupgrade verspricht
Datenraten, die für gängige Anforderungen wie EMail-Abruf,
Internet-Surfen und Unternehmensanwendungen völlig ausreichen.
Das Mehr an Geschwindigkeit wird also letztlich vor allem für
neue Dienste wie höherauflösende Videotelefonie oder
Video on Demand-Dienste interessant.
Letztgenannte müssen sich allerdings auch im Konkurrenzkampf
mit DVB-H / DMB behaupten, womit zumindest
mobilem WiMAX eine aus technischer Sicht relativ unsichere
Zukunft bescheiden sein dürfte. Ganz anders siehts bei den
Anwendungen für flächendeckendes Breitband in Städten und
Regionen aus: erst gestern kündigte Arcor an, Kaiserslautern
mit einem MAN, einem Metropolitan Area Network, ausstatten zu
wollen. Der Betreiber Deutsche Breitband
Dienste schaltet für Berliner
Bürger feste WiMAX-Verbindungen frei, in Österreich
plant eine
Firma bereits die Abdeckung des gesamten
Bundesgebietes.
» Hintergrund-Infos:
Telephony's Complete Guide To Wimax (PDF)
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