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Nokia N-Gage und Sony Ericsson Xperia Play: Meilensteine oder Rohrkrepierer des Mobile-Gamings?

Tobias Czullay 31.10.2017 - 10:00|0
Nokia N-Gage und Sony Ericsson Xperia Play: Meilensteine oder Rohrkrepierer des Mobile-Gamings?

Was der Gameboy für die Handheld-Konsole war, das waren sie für das Spiele-Handy: Nokias N-Gage und das Sony Ericsson Xperia Play. Wir blicken zurück auf zwei spannende Nischengeräte, die das mobile Gaming von heute vielleicht so sehr geprägt haben, wie kein anderes Handy.

Der Gameboy war die perfekte Lösung für all jene, die von ihren Eltern von der Flimmerkiste zum Spielen nach draußen vertrieben wurden. Für Pendler, die sich trauten, ihren morgendlichen Tetris-Frust im überfüllten Zug kund zu tun. Oder eben für solche, die statt in die Welt eines gepflegten Buches in die pixelhaften Levels eines Super Mario oder Kirby eintauchen wollten. Lange war die Konsole von Nintendo unangefochtene Spitze unter den Handhelds - dann kam das Mobiltelefon. Snake und andere kurzweilige Spiele, die über das Nummernfeld des Handys gesteuert werden, konnten auch dem italienischen Klempner in Rot-Blau zunächst nichts anhaben. Heute sieht die Sache bekanntlich ganz anders aus. Diese zwei Geräte könnten ihren Beitrag zum Durchbruch des Smartphone-Gamings beigetragen haben.

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Nokia N-Gage

Das N-Gage zählt sicherlich zu einem der extravagantesten Mobiltelefone, die Nokia je herausgebracht hat. Tatsächlich ähnelt das Gerät mehr einer Handheld-Konsole denn einem Handy: Um den 2,1 Zoll großen Bildschirm mit 4.096 Farben formieren sich ein Steuerkreuz und eine Vielzahl an Tasten, die Aktionsknöpfe waren in das klassische Nummernfeld eingegliedert. Aufmerksamkeit zogen Nutzer des N-Gage vor allem beim Telefonieren auf sich, denn Hörmuschel und Mikrofon des Gaming-Handy befinden sich an der Oberkante, weswegen es mit dem Rahmen zum Ohr geführt werden musste (Stichwort: Sidetalking).

Nokia N-Gage | (c) Hersteller
Nokia N-Gage | (c) Hersteller
Nokia N-Gage | (c) Hersteller
Das N-Gage hat eine sehr eigenwillige Form | (c) Hersteller
Nokia N-Gage | (c) Hersteller
Das Gehäuse besteht ganz aus Plastik | (c) Hersteller

Mit Symbian OS als Betriebssystem-Basis erscheint das N-Gage im Jahr 2003. Die Spiele wurden zunächst wie bei den zu dieser Zeit üblichen Handhelds auf physischen Medien verkauft - allerdings nicht auf einer Cartridge, sondern auf einer MMC-Speicherkarte. Erst mit der Etablierung der N-Gage-Plattform für andere Mobiltelefone von Nokia konnten die Spiele aus dem Internet geladen werden.

Nokia machte N-Gage zur Plattform

Das N-Gage war einerseits eine Spielekonsole im Sinne eines Gameboy, andererseits ein Mobiltelefon mit Internetzugang (GPRS), PDA-Features und Multimedia-Anwendungen wie einem MP3-Player oder einem Radio. Die mit rund 40 Euro zu Buche schlagenden Spiele wurden über den Game Manager verwaltet, Speicherstände auf dem 4 MB großen Gerätespeicher abgelegt oder auf MMC-Karten ausgelagert. Über die N-Gage Arena ließen sich zudem Multiplayer-Sitzungen mit anderen Nutzern eines N-Gage austragen - die GPRS-Verbindung dafür war jedoch sehr langsam, das Datenvolumen damals sehr teuer.

Nokias Spielekonsole war somit zwar ambitioniert, musste aber letztendlich am Fortschritt scheitern. Der Kartenslot, der sich in der ersten N-Gage-Ausgabe noch unter dem Akku befand und beim Spielewechsel das Herausnehmen des selbigen erforderte, wurde zwar für das N-Gage QD gegen einen Hot-Swap-Slot getauscht. Bei der wachsenden Verbreitung des mobilen Internets, dem aufkommenden Hype um Touchscreen-Smartphones und damit einhergehend der neuen App-Ökonomie erschien dieser Medienwechsel bald antiquiert, es war kein Platz mehr für ein N-Gage für das es ohnehin zu wenige - und noch dazu recht teure - Spiele gab.

Die Zukunft sollte dem Download-Spiel gehören, das immer von überall aus verfügbar ist. Auch Nokia erkannte das und wandelte N-Gage vom Gerät zur Plattform um: Ab 2008 wurden mehrere Nokia-Telefone mit N-Gage-Zertifizierung und Zugang zu einem entsprechenden Downloadportal ausgeliefert. Doch 2010 - rechtzeitig bevor Nokia von Symbian Abstand nahm, und auf Windows Phone umsattelte - war auch damit Schluss, die Spiele wanderten in den Nokia Store.

Sony Ericsson Xperia Play

Mit der 2005 erschienenen PlayStation Portable sammelte Sony erste Erfahrungen mit Handheld-Konsolen - und war damit sogar recht erfolgreich. Da erschien es nur konsequent, dass das japanische Technikschwergewicht seine Stärken kombiniert, dem während des iPhone-Booms schwächelnden Handy-Geschäft mit der zugkräftigen PlayStation-Sparte unter die Arme greift. Das lange erwartete Xperia Play erschien schließlich 2011 - als eines der letzten Geräte aus dem Joint Venture mit Ericsson und eines der ersten Sony-Smartphones mit Android - und war ein Smartphone wie kein anderes.

Vorinstallierte Spiele des Sony Ericsson Xperia Play | (c) areamobile
Sony Ericsson Xperia Play | (c) areamobile
Sony Ericsson Xperia Play Test | (c) areamobile
Das Xperia Play hat einen 4 Zoll großen Bildschirm | (c) areamobile
Vorinstallierte Spiele des Sony Ericsson Xperia Play | (c) areamobile
Es gibt sogar Trigger-Tasten | (c) areamobile

Statt einer herausziehbaren haptischen Tastatur, wie es sie seinerzeit noch hin und wieder bei den Touchscreen-Telefonen gab, bot der Hybrid aus Handy und Handheld ein Gamepad, das aus dem Rücken geschoben wird. Im Layout orientiert das sich am klassischen PlayStation-Controller, mitsamt digitalem Steuerkreuz, vier Aktionsknöpfen und zwei Triggertasten. Die Analogsticks wurden zugunsten der schlanken Linie gegen zwei berührungsempfindliche Eingabeflächen ausgetauscht - dem Spielespaß für unterwegs tat das aber keinen Abbruch.

Playstation Exklusives zum Mitnehmen

Als Smartphone mit dem Android-Betriebssystem und 4-Zoll-Touchscreen war das Xperia Play natürlich in der Lage, jedes im Android Market angebotene Spiel wiederzugeben. Gebrauch vom Sony-Gamepad machte dabei aber nur eine Auswahl an Spielen, die von den Herstellern wie Gameloft entsprechend angepasst werden mussten. Spannender als die für Standard-Smartphones erhältlichen Games waren aber natürlich die exklusiven PlayStation-Titel, die über die PlayStation Suite verkauft wurden.

Darunter befanden zum Marktstart des Xperia Play viele Klassiker aus der ersten PlayStation-Generation wie Crash Bandicoot, später kamen dann auch solche der zweiten und dritten Ausgabe der Wohnzimmer-Konsole - in grafisch stark abgespeckter Form - hinzu, darunter Spiele wie Dead Space, Battlefield: Bad Company 2, FIFA12 oder Need for Speed: Shift.

Sony machte sich selbst Konkurrenz

Sony hat es seinem Xperia Play nicht leicht gemacht, sich am Markt durchzusetzen. Die Portierungen längst erhältlicher PlayStation-Spiele waren für mobile Games verhältnismäßig teuer, die 5 bis 10 Euro durften auch Besitzer einer Original-Disc aufbringen. Zudem schmälerte Sony durch die - an sich ja gut gemeinte - Ausweitung der PlayStation-Zertifizierung auf andere Smartphones aus eigener und fremder Herstellung ein Alleinstellungsmerkmal, das Gamepad alleine dürfte vor allem Hardcore-Spielern nicht ausgereicht haben. Die werden ohnehin zu einer günstigeren PlayStation Portable mit deutlich größerem Spieleangebot gegriffen haben. Oder aber zur PlayStation Vita.

Die von Sony nur kurz nach der Markteinführung des Xperia Play vorgestellte Handheld-Konsole dürfte dem Gaming-Smartphone endgültig das Genick gebrochen haben. Auch die zu dieser Zeit immer größer werdenden Bildschirme am Smartphone werden mit dafür gesorgt haben, dass dem Gamepad der Nutzen abging. Einen Nachfolger zum Xperia Play gab es nicht, auch ein angekündigtes Update von Android 2.3.7 auf Android 4.0 Ice Cream Sandwich wurde kurzerhand eingestellt.

Fazit

Smartphones haben den mobilen Handheld-Konsolen schon lange den Rang abgelaufen. Und die Beiträge von Nokia und Sony Ericsson haben einen Beitrag dazu geleistet. Nicht, weil N-Gage oder Xperia Play sonderlich erfolgreich gewesen wären. Sie kamen rückblickend betrachtet zur falschen Zeit auf den Markt: Das N-Gage hätte Jahre früher vielleicht als Gameboy-Rivale getaugt, so kam dem ambitionierten Gerät das Smartphone mit allen Vorzügen dazwischen.

Das Xperia Play erschien, als sich Casual-Games gerade durchsetzten und komplexe Core-Games in die Existenzkrise gerieten - selbst 5 Euro wollten viele Nutzer nicht mehr ausgeben, wenn sie doch für ihren Zeitvertreib auch kostenlose Spiele herunterladen konnten. Hinzu kommt, dass Sony dem Gerät selbst nicht genug Raum gab, sich zu entfalten. Aus diesen Beispielen können und müssen Hersteller lernen, wollen sie erfolgreich ein neues Gaming-Smartphone auf den Markt bringen. Vielleicht steht uns mit dem kommenden Smartphone von Razer ja genau ein solches Gerät bevor.

Mehr zum Thema: Smartphone, Gaming, Handy-Games

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