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Android 8 Oreo: Weniger Update-Trouble dank Project Treble?

Christopher Gabbert 28.11.2017 - 12:00|1
Android 8 Oreo: Weniger Update-Trouble dank Project Treble?

Ist Android 8 Oreo mit Project Treble die Lösung für schnellere Updates und damit gegen die fortbestehende Android-Fragmentierung? Das steht noch nicht fest. Das Google-Projekt könnte auch negative Folgen für Android-Nutzer haben.

Bei der Vorstellung von Android 8 Oreo präsentierte Google zahlreiche für Nutzer sichtbare Neuerungen. Für die Nutzer nicht sichtbar, aber trotzdem nicht weniger interessant, ist "Project Treble". Dabei handelt es sich um eine Umstrukturierung des Android OS Framework, dem Programmiergerüst von Googles mobilen Betriebssystem, das von Hersteller-spezifische Komponenten wie Nutzeroberflächen und Low-Level-Treiber für Bauteile wie den Chipsatz getrennt wird.

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Die Hoffnung: Google und andere Hersteller können für schnellere Updates über einen längeren Zeitraum für Smartphones und Tablets sorgen, da so theoretisch eine neue Android-Version für ein Smartphone auch dann erscheinen kann, wenn Chiphersteller wie Qualcomm oder Mediatek keinen Support mehr für die darin verbaute Hardware anbieten.

Mit Project Treble könnten also auch Gerätehersteller wie Samsung, LG oder HTC schneller und unabhängiger ihre Systemupdates ausliefern, außerdem über einen längeren Zeitraum und theoretisch auch für Modelle mit weniger potenter Hardware. Hat sich Google damit das Problem der Fragmentierung des Betriebssystems gelöst? Um das zu beantworten, muss erst einmal die Funktionsweise von Project Treble betrachtet werden.

So funktioniert die Integration von Project Treble

Bei der Integration von Project Treble ist zunächst entscheidend, ob ein Hersteller ein Smartphone direkt mit Android 8 Oreo ausliefert oder über ein Update auf dem Gerät ankommt. Smartphones oder Tablets, auf denen Android 8 vorinstalliert ist, müssen mehrere von Google festgelegte Bedingungen erfüllen.

Die Bestandteile des Hardware Abstraction Layer | (c) Google
Die Bestandteile des Hardware Abstraction Layer | (c) Google

Besonders wichtig ist, dass der Software-Teil aus Hardware Abstraction Layer (HAL) und Frameworks klar von der Hardware getrennt sind. Der Software-Teil von HAL ermöglicht es Anwendungen, Informationen über verfügbare Hardware abzurufen und mit ihr zu kommunizieren. Die Frameworks sind das Programmiergerüst für die Software. Damit sie trotzdem mit den Sensoren des Smartphones und Chipsatz, Grafikeinheit oder Mobilfunkeinheit kommunizieren können, wird die Interaktion durch den sogenannten Software-Binder geschleust. Zudem müssen alle Änderungen durch den Smartphone-Hersteller, Händler oder Mobilfunkanbieter auf einer separaten Partition vorliegen.

Diese Schritte durchläufte eine neue Android-Firmware vor dem Release | (c) Google
Diese Schritte durchläufte eine neue Android-Firmware vor dem Release | (c) Google

Zum Schluss müssen die Geräte dann die Android Vendor Test Suite (VTS) durchlaufen und bestehen. Dabei handelt es sich um einen Belastungstest mit einer Reihe von Testframeworks und Testfällen. Überprüft wird die Robustheit, Zuverlässigkeit und Compliance des Android-Systems wie dem Hardware Abstraction Layer, den Programmierbibliotheken und den Low-Level-Bestandteilen der Software wie Kernel, Module und Firmware.

Lockere Zügel beim Oreo-Update

Bei Updates auf Android 8 Oreo ist Google deutlich weniger streng. Wird ein Smartphone lediglich auf das neue Betriebssystem aktualisiert, muss zwar der Hardware Abstraction Layer von den Interfacekomponenten getrennt sein, aber nicht durch den Software-Binder geschleust werden. Auch die Android Vendor Test Suite müssen die Geräte nicht durchlaufen, und Änderungen durch den Hersteller, Händler oder Mobilfunkanbieter brauchen nicht auf einer separaten Partition vorliegen.

Das gilt somit für so gut wie jedes Smartphone, das im Jahr 2017 vorgestellt wurde, mit Ausnahme der Pixel-Smartphones der zweiten Generation, auf denen schnelle Updates ohnehin kein Problem sind, oder beispielsweise das Sony Xperia XZ1. Schnellere Updates wird es also für Smartphones, die noch mit Android 7 Nougat ausgeliefert wurden, nicht geben, auch wenn diese danach offiziell Treble unterstützen.

Wird die Update-Situation unter Android 8 besser?

Anders sieht es bei den Flaggschiff-Smartphones des kommenden Jahres aus, die voraussichtlich mit Android 8 Oreo ausgeliefert werden. Doch dürfen Kunden hier wirklich auf eine bessere Update-Situation hoffen? Leider nur teilweise, denn die Update-Situation könnte sich in einigen Punkten sogar verschlechtern. Mit der Abspaltung des Android OS von anderen System-Komponenten entfällt nämlich auch die Pflicht für die Hersteller, neue Treiber mit Fehlerbehebungen und gestopften Sicherheitslücken in einer Android-Version einzubauen. Damit könnten die Hersteller aus Kostengründen auch davon absehen. Die Folge: im schlimmsten Fall ein löchrigeres Android-Betriebssystem.

Project Treble | (c) Google
Vor Project Treble mussten Hersteller auch ihren eigenen Teil des Betriebssystems aktualisieren | (c) Google
Project Treble | (c) Google
Mit Project Treble muss nur das Android OS Framework aktualisiert werden | (c) Google

Unterm Strich hieße das, dass Updates vielleicht schneller ausgeliefert werden, längst aber nicht häufiger, über einen längeren Zeitraum oder für mehr Geräte. Gerade Mittelklasse-Smartphones dürften noch bis Mitte kommenden Jahres in der Regel mit Android 7 Nougat ausgeliefert werden. Eine weitreichende Verbesserung der Update-Situation und damit vielleicht auch eine geringere Fragmentierung von Android OS ist damit frühestens 2019 zu erwarten.

Project Treble: Boost für Entwickler von Custom Roms

Deutlich mehr von Project Treble dürften Nutzer und Entwickler von Custom-ROMs profitieren. Erst kürzlich haben die XDA-Developer Phhusson und Mishaal Rahman anhand des Huawei Mate 9 (Testbericht) demonstriert, dass der Bau von ROMs dank Project Treble deutlich schneller vonstatten geht. Weniger als einen Tag brauchten die beiden Entwickler, um ein ROM auf AOSP-Basis (Stock Android) auf dem Huawei-Phablet zum Laufen zu bringen. Anpassungen des Kernels, wie sonst üblich, waren dafür nicht notwendig.

Entwickler Phhusson hat es sogar geschafft ein Custom-ROM zu kreieren, das auf Smartphones unterschiedlichster Hersteller bootfähig ist. Dabei ließ sich die angepasste Firmware auf dem Huawei Mate 9, Honor 8 Pro, Sonys Xperia XZ1 und dem Xperia XZ1 Compact sowie dem Essential Phone aufspielen. Auch wenn das Betriebssystem noch mit einigen Fehlern behaftet war, lief es beeindruckend performant auf unterschiedlicher Hardware. Damit könnten Entwickler in naher Zukunft kombinierte ROMs für viele Geräte anbieten, die Treble unterstützen.

Mehr zum Thema: Android-Update, Android-Smartphones, Android-Version, Smartphone, Android, Android 8 Oreo, Project Treble

Quelle: Google (1), (2)

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Kommentare
  1. 28.11.17 12:19 M.a.K (Handy Master)

    Was macht es für einen Unterschied ob Updates nun einfacher verteilt werden können, wenn die Hersteller gar kein Interesse daran haben etwas zu ändern?

    Es wird sich nur eines ändern und zwar die Ausreden der Hersteller keine Updates bringen zu können.

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