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Android-Smartwatches scheinen dank Qualcomm stehen geblieben

Christopher Gabbert 14.02.2018 - 18:10|13
Android-Smartwatches scheinen dank Qualcomm stehen geblieben

Seit zwei Jahren müssen sich außer Samsung und Apple alle anderen Smartwatch-Hersteller auf einen veralteten Qualcomm-Chip verlassen. Eine Neuauflage ist nicht in Sicht und lässt die Branche der Uhren mit Android Wear stagnieren.

Am vergangenen Wochenende gab es ein trauriges Jubiläum: Zwei Jahre ist es nun her, seitdem Qualcomm mit dem Snapdragon Wear 2100 seinen letzten Chipsatz für Smartwatches herausgebracht hat. Der Qualcomm-Chip wurde im Februar 2016 vorgestellt, erhielt im Jahr 2017 kein Upgrade und bislang sieht es nicht so aus, als wenn es dieses Jahr so weit wäre. Während der Chiphersteller also jährlich neue Generationen an SoCs (System on a Chip) für Einstiegs-, Mittelklasse- und Highend-Smartphones herausbringt, scheint er den Smartwatch-Markt sich selbst zu überlassen.

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Aktuell müssen Smartwatch-Hersteller deswegen auf einen Chip zurückgreifen, der im 28-Nanometer-Verfahren gefertigt wird, was schon 2016 nicht mehr State of the Art war. Der um die gleiche Zeit herausgebrachte Snapdragon 820 setzte zum Beispiel auf den deutlich besseren 14-Nanometer-Prozess. Um einen vergleichbaren Chipsatz mit 28 nm im Smartphone-Bereich von Qualcomm zu finden, muss man schon ins Jahr 2013 zurückgehen, um auf SoCs wie den Snapdragon 801/800 oder 430/435 zu stoßen. Genau genommen ist der Snapdragon Wear 2100 aber auch nur eine Version der Smart Audio Plattform QSD8x09, die im Snapdragon 210 und 212 aus 2014 zu finden ist.

Der Chipsatz ist der Flaschenhals

Dabei würden durch die neue Fertigung erreichte Vorteile wie eine kleinere Größe, weniger Wärmeabstrahlung, mehr Leistung und ein energiesparender Betrieb gerade bei Smartwatches einen größeren Unterschied als bei Smartphones machen. Denn auch wenn Android Wear nicht das perfekte Betriebssystem für die kleinen Computer-Uhren ist, sind viele der Ursachen für die mangelnde Weiterentwicklung in der Hardware begründet. Bei der Größe der Uhren, deren Geschwindigkeit und Akkulaufzeit kommen alle Hersteller ohne einen neuen, besseren Chipsatz an ihre Grenzen.

Anstieg des Smartphones-Absatzes bis 2021 laut IDC | (c) IDC
Bis 2021 soll der Smartwatch-Absatzes weiter steigen | (c) IDC

Aus finanzieller Sicht mag das für Qualcomm natürlich sinnvoll sein, denn auch wenn der Smartwatch-Markt laut einer Analyse der Marktforschungsfirma IDC in 2017 ein Wachstum verzeichnen konnte und bis 2021 weiter wachsen soll, verkaufen sich Smartphones immer noch deutlich besser als die Computer-Uhren. Für den US-Hersteller würde es wohl ein nur schwer einschätzbares Risiko bedeuten, Ressourcen in die Entwicklung eines neuen SoCs zu stecken. Immerhin sind derzeit zwei andere große Hersteller an der Marktspitze, die ohne Qualcomm auskommen.

Apple und Samsung dominieren den Smartwatch-Markt

Während Qualcomm den Markt für Computeruhren nämlich mehr als stiefmütterlich behandelt, haben ihn Samsung und Apple an sich genommen. Der Marktforschungsfirma IDC zufolge stammt die Hälfte von 62 Millionen Smartwatches, die im Jahr 2017 verkauft wurden, vom Unternehmen aus Cupertino. Auf Platz zwei reihen sich die Samsung-Smartwatches mit Tizen OS ein, die mit Android- und iOS-Smartphones  funktionieren, ein.

Beide Unternehmen sind nicht auf die Entwicklung von Qualcomm angewiesen, sondern bauen ihre eigenen Chipsätze. Dabei gibt es jedes Jahr eine neue Generation, die mit besserer Performance und längerer Akkulaufzeit aufwartet. Allerdings werden beide wohl in der nächsten Zeit nicht auf die Idee kommen, den eigens entwickelten Prozessor anderen Unternehmen zum Bau neuer Uhren zur Verfügung zu stellen.

Damit bleibt Unternehmen, die weiterhin auf dem Smartwatch-Markt präsent sein wollen, nur der Bau eigener Chipsätze. Neben Apple und Samsung hätte zum Beispiel Huawei mit HiSilicon die Möglichkeit eigene SoCs für Computeruhren zu produzieren. Auch Google scheint sich aktuell eine SoC-Abteilung aufzubauen und hat dafür zuletzt einen der Architekten der Apple-Chipsätze angeheuert. Bislang ist der in den Pixel-Smartphones zu findende Co-Prozessor "Visual Core" allerdings der einzige Chip aus eigener Entwicklung.

Die Sache mit dem Huhn und dem Ei

Es scheint wie mit dem Huhn und dem Ei: Qualcomm entwickelt keinen neuen Smartwatch-Chipsatz, weil das Interesse der Kunden an den Uhren zu gering erscheint. Das Interesse der Kunden scheint hingegen so gering, weil die Android-Wear-Smartwatches nicht durch übermäßig lange Akkulaufzeit überzeugen und keine zufriedenstellende Performance bieten. Hinzu kommt, dass die Computer-Uhren derzeit höchstens "Nice to have" sind, aber kein so essenzieller Begleiter wie das Smartphone.

Bis Qualcomm also endlich eine neue Version seines Smartwatch-Prozessors auf den Markt bringt, mit dem auch die diversen Uhren-Hersteller bessere Smartwatch-Modelle bieten können, bleiben Smartwatches von Apple und Samsung wohl das Maß aller Dinge. Zweifelsohne muss aber auch Google deutlich mehr dafür tun, dass Android Wear intuitiver funktioniert und weniger fehlerbehaftet ist, als es aktuell der Fall ist.

Mehr zum Thema: Qualcomm, Smartwatch, Wearable Gadgets, Apple Watch

Quelle: Business Wire, IDC via ArsTechnica

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Kommentare
  1. 15.02.18 09:20 polli69 (Advanced Handy Profi)
    Schmuckstück oder Funktionsuhr (oder beides?)

    Die smarte Watch wir sich in welcher Form auch immer durchsetzen, da bin ich mir ganz sicher.
    Die Automatik Uhr ist natürlich weiterhin DAS Schmuckstück des Mannes, aber mittelfristig werden die möglichen Funktionen und längeren Akkulaufzeiten und weitere Features dem klassischen Chronographen ganz schön einheizen.
    Sicher werden zukünftige Smartwatches besser aussehen und vielleicht gibt es ja auch irgendwann eine Automatik Uhr mit vielen smarten Funktionen.
    Die Zeit bleibt nicht stehen.

  2. 14.02.18 22:21 AlfredENeumann (Advanced Handy Profi)

    Dem SoC Markt feht es an echtem Wettbewerb. Solange Qualcomm keinen wirklichen Wettbewerb hat bauen die nur das was sie so oder so weiterentwickeln. Aber richtigen ansporn haben sie nicht. Wozu auch. Erst wenn ein richtiger Wettbewerber da ist gehts los. Hat man im Grafikkartenmarkt auch gesehen. ATI/AMT und Nvidia. Die haben von Jahr zu Jahr richtig was rausgehauen.

  3. 14.02.18 20:56 Fritz_The_Cat (Advanced Handy Master)

    Och, ist doch überhaupt kein Problem. Präzision schätze auch ich sehr hoch.

  4. 14.02.18 20:06 Arminator (Advanced Handy Profi)

    "Die eine Sekunde Abweichung (!) meiner Uhr pro Tag ist für mich allerdings tolerabel…"

    Ist es sicherlich für die meisten Menschen, ist einfach so ein spleen von mir, von dem ich selbst weiß dass er nichts bringt und einfach nur merkwürdig ist.

  5. 14.02.18 20:04 Echse (Handy Master)

    Fritz

    Sagt ja auch niemand, dass jeder unbedingt eine sw kaufen muss. Aber der Trend ist nunmal nicht von der Hand zu weisen.
    Ich möchte ja auch auf meine mechanische nicht komplett verzichten. Aber beim Sport taugt sie nicht.
    Wenn du beim Sport keine Uhr dabeihaben willst, ok.
    Trotzdem gibt es etliche, die wollen alles aufgezeichnet wissen. Die beim Sport Musik hören wollen. Ohne noch extra Geräte „mitschleppen“ zu müssen etc.
    Du kannst auch eine klassische Uhr nicht mit einer sw vergleichen.
    Für mich ergänzen sich beide optimal.
    Also nicht „ entweder oder“ sondern „und“

  6. 14.02.18 19:50 Fritz_The_Cat (Advanced Handy Master)

    @ Arminator:
    Danke! Schön, daß wir einer Meinung sind. Auch ich achte auf die Zeit und bin sehr pünktlich. Die eine Sekunde Abweichung (!) meiner Uhr pro Tag ist für mich allerdings tolerabel… ;-)

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