Werde Teil der Community - Registriere dich jetzt kostenlos! | Login
Anzeige
 
 

Windows On ARM: Windows-RT-Nachfolger hinterlässt Fragezeichen

Andreas Sebayang | Golem.de 10.03.2018 - 10:00|0
Windows On ARM: Windows-RT-Nachfolger hinterlässt Fragezeichen

Die ersten Always Connected PCs mit Qualcomms ARM-SoC stehen an der Startlinie. Doch während Microsoft bei Windows RT noch groß aufgefahren hat, fehlen bei Windows on ARM vor allem in Deutschland die Partner.

Sie sollen bald kommen: Microsofts neue Always Connected PCs sollen die ersten größeren Windows-Geräte sein, die fast nie ausgeschaltet werden müssen. Dafür nutzen sie ein ARM-System-on-a-Chip: Qualcomms Snapdragon 835. Auf dem System läuft ein fast vollwertiges Windows. Das Konzept steht kurz vor dem Marktstart und dementsprechend haben Microsoft und Qualcomm gemeinsam auf dem Mobile World Congress in Barcelona die ersten fertigen Geräte gezeigt und ein wenig über die weiteren Pläne der Zukunft verraten.

Anzeige

Die Partner für Windows on ARM sind für den Anfang Asus, HP und Lenovo, die in den nächsten Monaten jeweils ein Gerät auf Basis der Snapdragon-Plattform auf den Markt bringen werden. Wichtig ist dabei, dass die Gerätekategorie grundsätzlich mit einem LTE-Modem ausgestattet und damit eigentlich immer online sein wird.

Zielgruppe von Windows on ARM sind sogenannte Prosumer, also Kunden, die sich zwischen dem professionellen Markt und dem Endkundenmarkt bewegen. Sie sollen nicht nur möglichst immer online sein können, sondern auch möglichst selten das Ladegerät mitnehmen müssen: Für die klassische Tagesreise zu einem Termin soll die Akkukapazität ausreichen, selbst der kurze Urlaub mit gelegentlichem E-Mail-Abrufen soll ohne Laden möglich werden.

Zwei Detachables, ein Convertible

Windows 10S mit Snapdragon 835 | (c) Michael Wieczorek/Golem.de
Windows 10S mit Snapdragon 835 | (c) Michael Wieczorek/Golem.de

Zwei der Notebooks werden eine eSIM haben: das Miix 630 von Lenovo und das Nova Go von Asus. Das Asus-Gerät hat eine Besonderheit: Es ist das einzige Convertible zum Umklappen, kann also auch als vollwertiges Notebook auf dem Schoß verwendet werden. Die Geräte von Lenovo und HP sind Detachables, bei denen sich das Tablet von der Tastatur abtrennen lässt, und damit eher Tischgeräte.
    Die Geräte von HP und Lenovo werden mit USB Typ C aufgeladen und können mit vielen Ladegeräten zusammenarbeiten. Laut Qualcomm werden auch niedrige Power-Delivery-Profile unterstützt. Eine USB-C-Powerbank sollte also ohne Probleme verwendet werden können.

HP zögert, Lenovo braucht Zeit

Das HP Envy x2 (12e) wird überraschenderweise allerdings nur in wenigen Märkten angeboten. Die neue Gerätekategorie wird im Asien-Pazifik-Raum beispielsweise in Australien angeboten. In Europa sind Großbritannien und Nordirland geplant. Die USA sind als Heimatmarkt auch dabei. Das vorsichtige Vorgehen von HP deutet darauf hin, dass wohl kein großer Markt erwartet wird - keine gute Voraussetzung für Microsofts und Qualcomms neue Plattform.

Lenovo hingegen plant, sein Miix 630 im deutschsprachigen Raum auf den Markt zu bringen. Auf Nachfrage konnte uns das Unternehmen grob sagen, dass die Jahresmitte 2018 geplant ist. Die Ausstattung ist noch nicht final festgelegt, derzeit sieht es aber nach einer Konfiguration mit 8 GByte RAM und 128 GByte SSD aus. Ob diese Variante neben einem Nano-SIM-Slot auch eine eSIM aktiv haben wird, ist noch unklar. Der Preis wird vermutlich bei ungefähr 1.000 Euro liegen.

Asus dürfte deutlich früher auf den Markt kommen. Offiziell ist vom 2. Quartal 2018 die Rede, doch es könnte schon die nächsten Wochen so weit sein - zu einem Preis von 800 Euro. Die Konfiguration ähnelt der von Lenovo.

Das erfolglose RT hatte mehr Ankündigungen

Mit der ersten Generation von Windows-on-ARM-Geräten wird also nur ein kleiner Anfang gemacht. Schaut man sechs Jahre in die Vergangenheit zum Start von Windows RT, das eine angepasste Windows-Version auf ARM-Prozessoren brachte, waren die Hersteller damals noch mutiger - obwohl Windows RT auf ARM-Geräten selbst arg wenig zu bieten hatte. Anders als bei Windows-8-Geräten mit AMD- und Intel-CPUs ließen sich etwa alte Anwendungen nicht starten. Obwohl keine dicke x86-CPU in den Geräten steckt, sind die neuen Windows-on-ARM-Notebooks alles andere als Leichtgewichte. Das klang auf der Computex 2017 noch anders, als besonders dünne, 700 Gramm leichte Geräte in Aussicht gestellt wurden. Tatsächlich wiegen die Geräte der neuen Windows-on-ARM-Generation ab 1,2 kg. Das Nova Go ist mit rund 1,4 kg dabei das schwerste. Die Windows-RT-Generation war dagegen ziemlich leicht: 520 bis 1.200 Gramm waren die Startgewichte. Jetzt geht es allerdings auch darum, tatsächlich Geräte für den produktiven Einsatz zu konstruieren.

Upgrade von Windows 10 S soll kostenlos möglich sein

Windows 10S mit Snapdragon 835 | (c) Michael Wieczorek/Golem.de
Windows 10S mit Snapdragon 835 | (c) Michael Wieczorek/Golem.de

Ausgeliefert werden die Systeme grundsätzlich mit Windows 10 S. Ein Upgrade auf Pro soll kostenlos möglich sein, wie uns Microsoft auf dem Mobile World Congress versicherte. Bei dem ständigen Hin und Her würden wir aber dazu raten, sich vor dem Kauf noch einmal gezielt zu informieren. Erst mit einer Nicht-S-Version lassen sich herkömmliche 32-Bit-Programme, die nicht aus dem Store kommen, ausführen.
    Eine bisherige Unklarheit zu 64-Bit-Programmen hat Microsoft auf dem MWC beseitigt. 64-Bit-Programme für x86-Architekturen werden auch in Zukunft nicht unter Windows on ARM arbeiten. Es gibt vorerst keine Pläne, die Emulation auszubauen. Der Grund: Die wenigen Programme, die es nur als 64-Bit-Version gibt, sind leistungsfordernd und daher meist nicht geeignet für die neuen mobilen Geräte. Sollte es dennoch 64-Bit sein, empfiehlt Microsoft das Rekompilieren als ARM64. Allerdings geht das noch nicht. Das notwendige SDK für ARM64 auf Windows on ARM kommt erst später - wann, hat Microsoft uns nicht verraten.

Allgemein sollen Kompatibilitätsprobleme selten sein. Wird allerdings ein Kernel-Mode-Treiber benötigt, wird eine Anwendung nicht funktionieren. Das gilt etwa für Virenscanner, aber auch einige sehr alte Programme. Mit Spielen sieht es freilich auch nicht besonders gut aus, insbesondere für OpenGL, das liegt aber vorwiegend an der schwachen Grafikhardware. Auf Atom-basierten x86-Systemen sieht das auch nicht besser aus.

Der Enterprise-Markt soll folgen

Damit Microsoft wie geplant mit Windows on ARM auch professionelle Kunden ansprechen kann, muss noch einiges getan werden. Prinzipiell lassen sich die derzeitigen Geräte zwar bereits in Unternehmen verwalten und ein Lizenzwechsel ist laut Microsoft unproblematisch. Das Integrieren in einen Enterprise-Lizenz-Pool soll allerdings Limitationen haben. Die Hypervisor-Unterstützung ist beispielsweise derzeit noch auf der Roadmap. Microsoft und Qualcomm wollten zum Zeitplan nicht viel sagen.

Selbiges gilt für die nächste Generation der Geräte. Nur so viel: In späteren Geräten wird der Snapdragon 845 stecken. Das wäre dann die Phase zwei von Windows on ARM. Bis dahin würde ein Surface-basiertes Gerät von Microsoft dem jungen Segment sicher nicht schaden. Bei Windows RT war Microsoft jedenfalls schneller. Das Surface RT war Teil des Marktstartkonzepts für Microsofts damals neue RT-Plattform.

Kommentar schreiben

Die Kommentarfunktion ist hier leider nur für angemeldete Benutzer freigegeben.

Du bist nicht dabei?
Werde Teil der Community
Registriere Dich jetzt kostenlos! | Login
Sichere Dir Deinen Usernamen, damit Deine Beiträge und Bewertungen nicht verloren gehen.
 
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare abgegeben.

 
Mehr Informationen
Anzeige
Aktuelle Geräte im Test
Anzeige