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Cambridge Analytica: Wahlkampf für Trump mit 50 Millionen Facebook-Profilen

Oliver Nickel | Golem.de 21.03.2018 - 10:15|11
Cambridge Analytica: Wahlkampf für Trump mit 50 Millionen Facebook-Profilen

Über eine bezahlte Studie haben Nutzer eine App installiert, welche die Daten ihrer Facebook-Profile und die der Facebook-Kontakte sammelte. Ein Analysetool konnte dann ihre Vorlieben und Ängste vorhersehen. Trump konnte das wohl zu seinem Vorteil nutzen. Ein Gründer von Cambridge Analytica verriet Details.

Datenanalysten der Organisation Cambridge Analytica haben 2014 etwa 50 Millionen private Nutzerdaten des sozialen Netzwerks Facebook gesammelt und darauf aufbauend eine Analysesoftware entwickelt. Diese sollte das Verhalten von US-Wählern vorhersagen und deren Vorlieben und Ängste herausfinden, um den damaligen Präsidentschaftskandidaten und heutigen US-Präsidenten Donald Trump beim Wahlkampf zu unterstützen. Die Daten seien jedoch unrechtmäßig weitergegeben worden, wie Online-Magazine der New York Times und auch Facebook selbst mitteilten.

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Über eine separate App mit Namen thisisyourdigitallife konnten die Datenanalysten an die eigentlich geschützten persönlichen Daten gelangen. Dazu wurden mehrere Hunderttausend US-Bürger für eine Studie bezahlt, die ihre Daten preisgaben. Die App musste als Teil der Studie auf den Geräten der Nutzer installiert werden und arbeitete wie Spyware. Sie sammelte die Daten der Facebook-Freunde der Probanden unbemerkt und ohne Erlaubnis. Die App wurde vom Informatiker Aleksandr Kogan neben seiner Arbeit an der Cambridge University entwickelt.

In einem Statement versuchte Facebook, die Behauptungen zu widerlegen. Demnach handelte es sich nicht um ein unerlaubtes Datenleck. Die Nutzer hätten unterschrieben und in ihrem Einversändnis die App installiert. Es seien keine Passwörter gestohlen oder Systeme infiltriert worden. Allerdings ging das Unternehmen nicht weiter auf die Rechte der unwissenden Facebook-Kontakte ein - außer, dass die Weitergabe von gesammelten Daten an Dritte gegen die Richtlinien verstoße. Laut Facebook installierten etwa 270.000 Menschen die als Wissenschafts-App bezeichnete Software.

6,2 Millionen US-Dollar für Wählerdaten

Das Trump-Wahlteam habe im Jahr 2016 Cambridge Analytica für 6,2 Millionen US-Dollar angeheuert, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Die Daten stammten direkt aus den Daten der US-Wahlbehörde. Die 50 Millionen Datenprofile entsprachen etwa einem Viertel der US-Wählerschaft und einem Drittel aller in den USA ansässigen Facebook-Nutzer. Ein anonymer Sprecher von Trumps Wahlteam dementierte die Fakten: Es sei das Nationalkomitee der Republikaner für die Kampagne angeheuert worden.

In einem Interview mit dem britischen Magazin The Guardian sagte Christopher Wylie, Mitbegründer von Cambridge Analytica:

"Wir haben Facebook ausgenuzt, um Millionen von Nutzerprofilen zu sammeln. Darauf haben wir Modelle aufgebaut, um auf ihre inneren Dämonen abzuzielen. Das war die Grundlage, auf der die gesamte Firma aufbaute." Für ihn war das Unternehmen eine Art Propagandamaschine. "Wenn man alle Informationsströme um seinen Gegenspieler kontrolliert, kann man beeinflussen, wie dieser das Kampfgebiet wahrnimmt und wie sie sich dann verhalten und reagieren", sagt er. Wylie arbeitete bis 2014 bei Cambridge Analytica.

Über diese Strategie habe das Unternehmen auch 15 Millionen US-Dollar an Investitionen erhalten. Diese seien von Robert Mercer gekommen, einem Milliardär mit konservativen Hintergrund. Wylie sei der schwule vegane Kanadier gewesen, der Bannons "Mindfuck-Werkzeug der psychologischen Kriegsführung" aufgebaut hatte, heißt es im Interview.

Facebook habe mittlerweile Cambridge Analytica als Kunden suspendiert. Das Unternehmen habe nach Aufforderung nicht alle betroffenen Daten gelöscht. Das soziale Netzwerk behält sich vor, eventuell weitere rechtliche Maßnahmen einzuleiten.

Mehr zum Thema: Facebook

Quelle: The New York Times

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Kommentare
  1. 23.03.18 05:08 bocadillo (GURU)

    Nohtz

    Hört hört .... da bin ich ähnlicher Meinung . Man muß Informationen aus mehreren Quellen beziehen und diese kritisch begutachten. Die meisten konsumieren aber nur die Quellen die ihnen nach dem maul reden .

    Der überzeugte Russia today Zuschauer ist nicht objektiver als sein foxnews gegenüber - und der überzeugte tazleser keinen deut besser als ein kritikbefreiter Bildleser auf def anderen Seite .

    Früher haben die Leute meist Informationen hinterfragt nicht zuletzt wegen der Erfahrungen aus der Vergangenheit . Heut werden Nachrichten konsumiert und man geht leicht Verschwörungsbabblern auf den Leim

  2. 22.03.18 20:32 nohtz (Professional Handy Master)

    ibnam
    ging mir nicht darum, wer welche quelle bevorzugt, sondern darum seine quellen zu diversifizieren

  3. 22.03.18 20:28 IchBinNichtAreamobile.de (Advanced Handy Master)

    @nohtz: Ja es gibt auch Leute, die Bild, Zeit, FAZ, Spiegel lesen oder ARD/ZDF, RTL oder Pro7SatKabel1 Nachrichten schauen. Was ist da schlimmer? Ist doch am Ende alles eine Frage der Medienkompetenz, denn der Grad der Manipulation ist überall der Gleiche.

  4. 22.03.18 20:18 nohtz (Professional Handy Master)

    ibnam
    "Ich habe einige Zweifel daran, dass Facebook für die überwiegende Masse eine ernsthafte Informationsquelle darstellt"
    -->hab ich so ja auch nicht gesagt, aber geben wird es solche leute

  5. 22.03.18 20:03 IchBinNichtAreamobile.de (Advanced Handy Master)

    @nohtz: Ich habe einige Zweifel daran, dass Facebook für die überwiegende Masse eine ernsthafte Informationsquelle darstellt. Allerdings ist der Grad der Manipulation bei den Massenmedien ohnehin nicht geringer, also ist es auch egal, wenn es so wäre.

    Könnt ihr euch auch erinnern, dass 2007 groß darüber berichtet wurde, dass Israel einen im Bau befindlichen Atomreaktor in Syrien zerstört hat? Ich auch nicht. Komisch oder?

  6. 21.03.18 16:54 Fritz_The_Cat (Advanced Handy Master)

    @ Polli:
    "Das einzige, was meines Erachtens gegen solche Vorgehensweisen hilft ist Bildung und das Nutzen sovieler Quellen wie möglich, bevor man als einzelner eine Entscheidung trifft.
    Nebenbei könnte aber auch der gesunde Menschenverstand helfen dich davor zu bewahren Leute wie Mr. T zu wählen."

    ==> Da stimme ich Dir zu. Allerdings geht das Bildungsniveau auch hierzulande meinem Eindruck nach in genau die entgegengesetzte Richtung und beherrschen RTL & Consorten, "BLÖD", Yellow Press sowie Facebook und WhatsApp den Meinungsbildungsprozess. Armes Deutschland!

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