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Porträtfoto-Test: Huawei P20 Pro im Vergleich mit Galaxy S9 Plus, Xperia XZ2 und iPhone X

Stefan Schomberg 13.04.2018 - 12:21|3
Porträtfoto-Test: Huawei P20 Pro im Vergleich mit Galaxy S9 Plus, Xperia XZ2 und iPhone X

Der Bokeh-Effekt eignet sich vor allem für Porträt-Fotos: Durch geringe Tiefenschärfe wird die scharf abgelichtete Person vom Hintergrund abgehoben. Das funktioniert inzwischen auch mit vielen Smartphone-Kameras: Wie gut die Kameras Huawei P20 Pro, Apple iPhone X, Samsung Galaxy S9 Plus und Sony Xperia XZ2 den Trick beherrschen, haben wir im Vergleichstest überprüft.

Eine scharf abgebildete Person vor verschwommem Hintergrund ist ein häufig erwünschter Effekt für Porträtfotos. DSLRs erzeugen den Unschärfeeffekt durch Objektive mit größerer Brennweite, bei Smartphone-Kameras wird dieser von der Software errechnet - es handelt sich hier also um ein "künstliches Bokeh". Wir haben im Test die Performance der Kameras von Huawei P20 Pro, Samsung Galaxy S9 Plus, Apple iPhone X und Sony Xperia XZ2 in der Disziplin "Porträtfotos" verglichen.

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Die Kamera-Apps aller vier Smartphones im Test haben für Fotos mit Bokeh-Effekt spezielle Modi, auch das Sony-Modell, deren Kamera als einzige im Vergleich keinen zweiten Bildsensor zu Messen der Distanz zwischen Kamera und Motiv hat und daher die Tiefe auf andere Weise berechnen muss.

Huawei P20 Pro: Porträt- und Offene-Blende-Modus

Die Triple-Kamera des Huawei P20 Pro bietet grundsätzlich zwei unterschiedliche Möglichkeiten, ein künstliches Bokeh zu erzeugen. Eine davon ist der mit Künstlicher Intelligenz arbeitende "Portrait"-Modus, der ausschließlich mit Gesichtern von Personen funktioniert. Manuelles Verändern des Tiefenschärfegrads ist nicht möglich, nur das Ausschalten des Bokeh-Effekts.

Zusätzlich können ein zehnstufiger "Beauty"-Modus zum Herausrechnen von Hautunreinheiten aus dem Gesicht der fotografierten Person sowie 3D-Funktionen aktiviert werden. Wie beim iPhone X lassen sich mit dem Huawei P20 Pro künstlich spezielle Beleuchtungssituationen erzeugen. In der Kamera-Anwendung des Huawei-Handys stehen sechs zur Auswahl, mit der iPhone-Kamera nur vier. "Bühnenbeleuchtung" schwärzt beispielsweise den kompletten Hintergrundbereich und lässt das porträtierte Gesicht wie im Spotlight erscheinen. Die Belichtungseinstellungen lassen sich auch zu einem späteren Zeitpunkt auf gespeicherten Aufnahmen verändern, indem man mit dem Finger ein kleines Sonnen-Symbol um den Kopf des Fotomodells herumbewegt - grandios!

Huawei P20 Pro Bokeh | (c) Areamobile
Huawei P20 Pro: Testfoto im Poträt-Modus
Huawei P20 Pro Bokeh | (c) Areamobile
Sehr gut: Wenig Fehler bei schwierigem, weil unruhigen Hintergrund.

Die andere Möglichkeit zum Erzeugen eines künstlichen Bokehs mit der Triple-Kamera des Huawei P20 Pro ist der "Blende"-Modus, der schafft auch Unschärfe im Hintergrund auf Aufnahmen ohne Personen im Bild. Dieser Modus simuliert eine stufenlos einstellbare Blenden-Öffnung von f/0.95 bis f/16, wobei eine weiter geöffnete Blende mit kleinerem f-Wert für eine geringere Tiefenschärfe sorgt. Bei Fotos, die im "Blende"-Modus aufgenommen werden, lässt sich auch bei einer späteren Bildbearbeitung die Tiefenschärfe verstärken oder mindern.

Huawei P20 Pro Bokeh | (c) Areamobile
Testfoto mit Huawei P20 Pro im Offene-Blende-Modus: Schwächeres Bokeh bringt weniger Fehler.

Der Bokeh-Effekt auf den mit der Leica-Kamera im fixen "Portrait"-Modus gemachten Fotos ist stark ausgeprägt, in manchen Fällen wirkt er wie "optisch-echt". Im Vergleich zum Fotografieren mit den anderen Geräten im Test setzt die Kamera des Huawei-Handys jedoch dafür einen rechtgroßen Abstand zur Person oder zum Objekt im Vordergrund voraus - "näher ran" kommt man nur bei Einsatz des Dreifach-Zooms. Auf den ersten Blick trennt die Kamera-Software des Huawei P20 Pro die Person im Vordergrund sauber selbst von unruhigen Hintergründen. Perfekt gelingt der Übergang aber nicht an allen Stellen, und sehr feine Objekte wie durch den Wind aufgewirbelte Haare werden weichgezeichnet. Die 3D-Effekte sollten aber bei Porträtfotos draußen im Sonnenschein ausgeschaltet bleiben, denn es schleichen sich hier zu viele Fehler ein.

Huawei P20 Pro Bokeh | (c) Areamobile
Testbilder mit Huawei P20 Pro: Bokeh und Dreifach-Zoom
Huawei P20 Pro Bokeh | (c) Areamobile
Mittelstarkes Bokeh und Weitwinkel
Huawei P20 Pro Bokeh | (c) Areamobile
Starkes Bokeh mit Weitwinkel

Im Blende-Modus kann die Stärke des Bokehs variiert werden. Aber besser nicht die Intensität übertreiben: Je stärker das Bokeh, desto mehr Fehler im Bild. Nur bei einfachen Motiven mit sehr klaren Linien und ruhigen Hintergründen sind kleinere Blendenwerte bzw. eine größere Blendenöffnung zu empfehlen. Je weiter die Blende geschlossen wird, desto wenige Fehler treten auf. Stimmungsvoller Nebeneffekt können die je nach Lichtsituation auftretenden Reflektionen sein, die eigentlich durch Lichtbrechung zustande kommen, von der Smartphone-Kamera aber wie die Weichzeichnung des Hintergrundes errechnet werden.

Samsung Galaxy S9 Plus: Live-Fokus

Auf dem Samsung Galaxy S9 Plus können Anwender nicht zwischen Porträt- und sonstigem Modus wählen, um ein künstliches Bokeh zu erzeugen. Hierfür gibt es den "Live-Fokus", der auf Fotos von Personen und Gegenstände gleichermaßen für geringe Tiefenschärfe sorgt. Aber auch hier retuschiert die Software auf Wunsch Hautunebenheiten, allerdings nur in acht Stufen. Interessanter: Der Grad der Hintergrundunschärfe ist ebenfalls in acht Stufen einstellbar. Per Texteinblendung wird der Nutzer angeleitet und etwa darauf hingewiesen, wenn zu wenig Licht zur Verfügung steht oder das Motiv zu nah ist. Ebenfalls klasse: Da jeweils gleichzeitig das Motiv mit normalem Weitwinkel- und mit dem Zoom-Objektiv aufgenommen werden, sind danach in der Galerie zwei verschiedene Bilder vom Motiv gespeichert. Auf diesen können die Anwender noch - wie auf dem Huawei P20 Pro - die Intensität der Tiefenschärfe verändern. sowohl zwischen den beiden Bildern wählen, als auch wie bei Huawei die Stärke der Tiefenschärfe anpassen.

Samsung Galaxy S9 Plus Bokeh | (c) Areamobile
Testfotos mit Samsung Galaxy S9 Plus: Sauberes Bokeh
Samsung Galaxy S9 Plus | (c) Areamobile
Anderer Hintergrund, mehr Bildfehler als beim P20 Pro

Beim Fotografieren im Live-Fokus des Samsung Galaxy S9 Plus muss man recht nah an das Objekt herangehen, bei recht einheitlichem Hintergrund ist die Bildqualität von Personenporträts durchaus ordentlich. Vor überwiegend strahlend blauem Himmel werden zwar wie bei allen Testmodellen abstehende Haare leicht weichgezeichnet, ansonsten gibt es aber keine Bildfehler. Vor unruhigem Hintergrund sieht das anders aus: Dann treten mehr Bildfehler als bei den mit der Huawei-Kamera gemachten Vergleichsfotos auf, bei unserem Motiv sichtbar an den Rändern der Sonnenbrille oder den Haaren unserer Testperson.

Samsung Galaxy S9 Plus Bokeh | (c) Areamobile
Auch für Bokeh-Aufnahmen mit dem Samsung Galaxy S9 Plus gilt zuweilen: Weniger ist mehr.

Mehr zum Thema: iPhone, Android-Smartphones, Smartphones, Kamera, Apple-Smartphones, Dual-Kamera

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Kommentare
  1. 13.04.18 19:14 giuseppe failla
    Treffenderweise ist hier von Bildfehlern die Rede

    Jedem sollte klar sein, ein echtes Bokeh können die Smartphones allesamt nicht erzeugen. Wenn man nur genau hinsieht, findet man immer einen Softwarefehler, umso mehr je anspruchsvoller die Szene.

    Bei echter, optischer Tiefenunschärfe tritt aber niemals ein Fehler auf, höchstens eine Fehleinstellung.

    Die Fake-Bokehs sind also im Endeffekt nur nett anzusehen und das auf möglichst kleinen Bildschirmen. Ideal also für Instagram & Co., jedoch nichts für halbwegs professionelle Anwendungen oder einen größeren Ausdruck. Dann noch lieber ein ganz normales Foto schießen und den Bokeh-Effekt nachträglich am PC hinzufügen. Dann kann man wenigstens feine Strukturen wie Haare retten.

  2. 13.04.18 14:50 FreefallRLC

    Hoffe Ihr macht auch noch einen Vergleich mit "normalen" Bildern wie Landschaft. Bin mal gespannt wie es da mit Details aussieht. Low light und Makro wäre natürlich auch noch interessant.
    Überrascht mich dass bei Euch das S9 deutlich besser abschneidet als das P20. Bei den meisten anderen Tests sieht das eher umgekehrt aus

  3. 13.04.18 13:45 jokerr (Member)

    Frage: Ihr, Areamobile, führt vor kurzem einen großen Kameratest durch, den das htc U11 gewinnt. Warum lasst Ihr das dann bei diesen komischen Tests außen vor? Ich finde es merkwürdig, den Gewinner nicht mit antreten zu lassen.
    Denn nach Alter der Geräte kann es ja nicht gehen, das iPhone X ist auch aus dem letzten Jahr und hat wie das U11 noch keinen Nachfolger (U11 Plus hat ja dieselbe Kamera)

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