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Wir brauchen ein neues OnePlus!

Tobias Czullay 24.04.2018 - 18:45|8
Wir brauchen ein neues OnePlus!

Angriffslustig und wild, manchmal total daneben und mitunter ganz schön nervig: Mit dem OnePlus vor vier Jahren hat OnePlus heute nicht mehr so viel gemein. Dabei bräuchten wir einen polarisierenden Hersteller wie OnePlus, der auch etwas vorweisen kann, heute dringender denn je.

"Begnüge dich nicht mit dem, was dir Andere vorsetzen." Mit dem angriffslustigen "Never Settle"-Motto ging OnePlus vor nunmehr vier Jahren auf Sendung. Seitdem ist es selten ruhig um den chinesischen Hersteller. Doch in dieser Zeit hat sich so viel getan, hat sich das Produkt OnePlus so sehr verändert, dass wir uns auch anlässlich des nahenden Launchs des OnePlus 6 schon die Frage stellen: Wie viel OnePlus steckt eigentlich noch in OnePlus? Gilt "Never Settle" noch?

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Wir erinnern uns: Vor ziemlich genau vier Jahren, am 23. April 2014, sorgte OnePlus mit dem One für großes Aufsehen. Nicht nur Technik-Fans, auch die großen Hersteller dürften angesichts des aufgebotenen Debüt-Smartphones Tränen in den Augen gehabt haben. Das Start-up kombinierte ein unverbrauchtes Design (Sandstein-Rückseite!) mit Highend-Ausstattung und verlangte für seinen "Flaggschiff-Killer" nur halb so viel wie Samsung, HTC & Co. für ihre Topmodelle. Mit frechen Werbekampagnen in den sozialen Netzwerken sorgte OnePlus für Schmunzler und Aufreger zugleich, die Chinesen polarisierten von Anfang an.

Dann kam das OnePlus 2: Ein fader Neuaufguss des One mit technischen Problemen, für das der Hersteller die Klappe doppelt so weit aufriss - und zu nerven begann. "Never Settle" bekam bei diesem schon als "Flaggschiff-Killer" für das Folgejahr angekündigten Smartphone erste Kratzer, Update-Verschleppung und vorzeitiges Support-Ende sorgten für das Übrige. Mit dem OnePlus 3 sollte es wieder besser gehen und wenngleich weiterhin hauptsächlich soziale Medien für die Werbung genutzt wurden, trat das Unternehmen vor Fans und Presse zurückhaltender, professioneller auf. Die Punk-Attitüde ist fort, OnePlus ist erwachsen geworden. Oder hat sich der Löwe selbst die Zähne gezogen?

OnePlus schwimmt mit dem statt gegen den Strom

Ich meine: "Never Settle" zieht nicht mehr. Keine Kompromisse machen - ohne Kompromisse ging das bei OnePlus eh nie. Dem One verzieh man noch, dass die Kamera nicht so gut war, der Speicher nicht erweitert werden konnte und das Display nicht auf Augenhöhe mit Samsung- und Apple-Smartphones war. Einerseits wegen des niedrigen Preises, klar. Andererseits, weil der Hersteller mit seinem Invite-System so ein Gewese machte, dass man sich schon glücklich schätzen konnte, wenn man das One überhaupt in der Hand hielt. Vielleicht auch, weil das Firmenmotto und die absurde "Flaggschiff-Killer"-Bezeichnung als aufrichtige Stänkerei eines Start-ups gegen die etablierten Hersteller aufgefasst werden konnten. Heute, zwischen OnePlus-Smartphones mit Star Wars- und Avengers-Aufdruck wissen wir: OnePlus wollte immer schon dazu gehören.

"Never Settle" hat sich über die Jahre vom ironischen Seitenhieb zum verbissenen Statement gewandelt. Streng genommen müssen bei aktuellen OnePlus-Smartphones noch immer dieselben Kompromisse gemacht werden wie beim One: Die Kamera ist nicht so gut, der Speicher ist nicht erweiterbar, das Display des OnePlus 5 hatte einen seltsamen Jelly-Effekt. Und die Konkurrenz hat längst andere Features zum Standard gemacht, die der Hersteller voraussichtlich erst mit dem OnePlus 6 ernsthaft angeht: Wasserschutz und Qi-Laden.

OnePlus 6 | (c) Sina Weibo
OnePlus 6 | (c) Sina Weibo

Doch es müssen neue Kompromisse gemacht werden. Das Design der Smartphones beispielsweise ist nicht mehr so eigenständig, wie man es noch von den ersten zwei Generationen kannte - mit dem OnePlus 6 bahnt sich ein iPhone-X-Klon unter vielen an. Heute scheint OnePlus sein Motto darin erfüllt zu sehen, mit der Konkurrenz gleichzuziehen und sie nicht mehr vorzuführen. Als gewachsenes Unternehmen mit hunderten Mitarbeitern kann es sich OnePlus offenbar schlicht nicht mehr leisten, gegen den Strom zu schwimmen.

Nicht so teuer ist nicht günstig genug

Den Kunden für weniger Geld das zu bieten, was andere Hersteller abliefern - reicht das aus? Und lehnt sich OnePlus nicht vielleicht etwas zu weit aus dem Fenster, wenn das nächste Smartphone zwischen 500 und 600 Euro kostet? Riskant ist das allemal, zum Spontankauf lädt ein solcher Preis - auch wenn er niedriger sein mag als bei der Konkurrenz - nicht ein. Und das könnte sich zum Nachteil entwickeln: Ab einem gewissen Preis dürften sich die meisten Käufer ihr Smartphone lieber über einen Provider zusammen mit ihrem Mobilfunkvertrag finanzieren, als mit einem Mal so viel Geld auszugeben. Da OnePlus die Smartphones nicht offen im Handel anbietet, kommen wir an den schwierigen Punkt, an dem günstiger rein objektiv zwar besser, aber für ein kleiner werdendes Publikum attraktiv erscheint.

Während sich OnePlus nun in Richtung Luxus-Hersteller entwickelt, da mischen andere das Feld von unten auf und bieten einer breiteren Masse das ansprechendere Gesamtpaket für weniger Geld. Honor, Motorola und HMD Global mit der Nokia-Marke verzichten weitestgehend auf Highend-Hardware, die heute ein Großteil der Smartphone-Nutzer ohnehin gar nicht mehr ausschöpfen kann. Mit "Never Settle" würde sich das beißen - ein Grund, warum OnePlus heute nicht mehr das OnePlus von vor vier Jahren sein kann. Im Angesicht der Langeweile wünsche ich mir einen neuen Hersteller, der den Markt ähnlich aufmischt wie damals OnePlus.

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Kommentare
  1. 25.04.18 11:07 polli69 (Advanced Handy Profi)

    Der Markt für Highend-Smartphones ist mittlerweile dichter besetzt, als noch vor 4 Jahren. Geändert hat sich das Preislevel insgesamt, sicher auch durch Apples absurden Vorstoß Richtung Eur 1.300,-. Ansonsten kann sich OnePlus leider nicht mehr durch besondere Designelemente von der Masse absetzen. Das Preis-Leistungsverhältnis bleibt interessant, aber Punkte wie Haptik, Update-Politik und Highend Kameralösungen treten mehr in den Vordergrund. Da muss OnePlus ganz schön strampeln, damit sie Samsung , Huawei und Co. weiterhin Paroli bieten können. Ein oder zwei "Schläge ins Wasser" und es wird um sie ähnlich leise wie um HTC oder Sony.

  2. 25.04.18 10:21 Geoldoc (Newcomer)

    Für mich ist das Oneplus wie Oberklasseautos aus Korea. Wer auf Geld achten muss, findet in einem Kia Cee´d oder Picanto ein bezahlbares, preiswertes Auto mit 7 Jahren Garantie und kauft sich keinen A8. Wer Geld für einen A8 hat, will keinen Kia, selbst wenn man damit 10.000 Euro oder mehr spart. Ginge es ums Geld, würde ein A6 auch reichen.
    Natürlich gibt es Ausnahmen und jedes halbe Jahr sieht man einen alten Kia Opirus auf deutschen Straßen, aber das ist kein Geschäftsmodell und 1+ kann ja noch nichtmal mit Imagegewinn für die billigeren Varianten argumentieren, da es nur das eine gibt.

    Wer ein günstiges Handy, dass einfach nur funktioniert, braucht, kauft sich ein Galaxy J oder Moto G in Deutschland oder ein Xiaomi in China. Mehr als ein Mittelklassegerät braucht eh fast keiner und wenn ist es auch zumindest teilweise (ja ich weiß, die Kamera!) ein Luxusstatment und Luxus kann man nicht mit gespartem Geld und Kompromissen verkörpern. 1+ hat sich so überlebt...

  3. 25.04.18 10:10 Hubelix (Member)
    dragon

    --> Auf Dauer hat OnePlus keine Chance gegen Honor, Huawei, Samung und Co. + <--

    Klar haben sie das! One+ gehört zu BBK Electronics, dem nach Samsung und Apple 3. größten Handyproduzenten der Welt. Zu BBK gehören die Marken Vivo / Oppo / One+ und als Konzern liegt BBK damit auch deutlich vor Huawei.

    Davon abgesehen ist Honor auch nur eine Tochtermarke von Huawei, als Ergänzung zu deiner Aufzählung oben.

  4. 25.04.18 09:52 fluxxis (Youngster)

    Das Oneplus 3 für 400 Euro war der "Sweet Spot" und jeder der das Oneplus 1 und das Oneplus 3 in den Händen gehalten hat, hat sofort verstanden, warum das Oneplus 3 mehr kostet - es war von vorne bis hinten das bessere, rundere Angebot sowohl was Hardware als auch Software anging. preisliche Unterschied zwischen dem Oneplus 3 und dem 5er ist genau so hoch - nur wo das Geld hin geflossen ist sieht man eher unter der Lupe, wenn überhaupt.

  5. 25.04.18 07:39 dragon-tmd (Advanced Member)

    Auf Dauer hat OnePlus keine Chance gegen Honor, Huawei, Samung und Co. +

    Wenn ich ein günstiges Smartphone will, kann ich auch ein Xiaomi nehmen. Und bei >500 Euro überlegen ich mir eh dreimal, ob ich für eher "dünn" aufgestellten Herstellern soviel Geld ausgebe (Garantie, Software, etc.). Das gilt sowohl für OnePLus als auch für Xiaomi und Co.

    Wenn ich sehen, dass man für ein Elendsphone (Elephone) mittlerweile 350 Euro verlangt, zweifel ich eh am Verstand der Käufer.

  6. 25.04.18 00:27 Flingern95 (Member)

    Schade das Sandstone so ins Abseits geraten ist.
    Meines Erachtens immer noch das absolute Optimum an Smartphone-Rücken.
    Tolle Haptik, Sehr griffig, widerstandsfähig, QI kein Problem

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