In der gestrigen Sitzung des Fachausschusses "Gemeinsame Stelle Programm, Werbung und Medienkompetenz" der Landesmedienanstalten gaben die Mitglieder eine Empfehlung zur Vergabe der Lizenzen für den neuen Handy-TV-Stadard DMB heraus. Das Düsseldorfer Unternehmen Mobiles Fernsehen Deutschland GmbH (MFD) soll den Zuschlag für bundesweites Fernsehen auf Mobiltelefonen erhalten. Die MFD, ein Konsortium aus den Gesellschaftern Ammax Verwaltungs GmbH, Grazia Equity GmbH, J² Verwaltungs GmbH, Catharina GmbH und Henrik Rinnert gilt im Vergleich zu anderen Ausschreibungsbewerbern als unabhängig von den Mobilfunkbetreibern. Der Startschuss für das Mobile-TV soll mit vier Fernsehprogrammen und zwei Hörfunk-Kanälen noch vor der Fußball-Weltmeisterschaft starten. Einziger Haken an der Sache: die 15 Landesmedienanstalten müssen dem noch zustimmen.
Dabei soll aufgrund noch bestehender Ausschreibungen in Berlin, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein eine dreijährige Erprobungsphase konzipiert werden, in der vor allem die Übertragunskapazitäten getestet werden sollen. Erst nach dieser Zeit ist mit einem Regelbetrieb des DMB-Standards zu rechnen. Für den DMB-Standard wurden in der Ausschreibung Unternehmen gesucht, die Plattformen mit ca. drei bis vier Fernseh- und bis zu zwei Radio-Angebote anbieten können. In Korea ist der DMB-Standard mit vielen Fernseh- und Radiosendern schon seit über einem Jahr alltägliche Realität. Insbesondere die am leistungsfähigeren Standard DVB-H forschenden Unternehmen Nokia, Ericsson und Siemens dürften sich vom Vorstoß des Ausschusses in Richtung DMB vor den Kopf gestoßen fühlen - DVB-H soll derzeit lediglich als Alternative weiter in der Diskussion gehalten werden. Für die entsprechende Ausschreibung in Hamburg haben sich alle vier deutschen Mobilfunkanbieter und die Telekom-Tochter T-Systems beworben.
Viele Hersteller haben bereits Endgeräte für die mobile Fernsehtechnik in Europa vorgestellt. So bietet Samsung neben seinem DMB-fähigen SGH-P900 auch das SGH-P910 mit DVB-H-Empfänger an, obwohl man in Korea ausschließlich auf Erfahrungen mit DMB-Handys zurückblicken kann.
Marktführer Nokia präsentierte vor über zwei Jahren ein erstes DVB-H-Modell, das in Form des 7710 mit exotischem Series90-Betriebssystem heute ein Nischendasein fristet. Mit dem aktuellen Nokia N92 setzt Nokia abermals auf das bewährte Symbian-basierte S60-System und DVB-H. Siemens testet schon seit der vergangenen CeBIT einen Linux-basierten Prototypen für DVB-H TV, der aber nicht im Portfolio des Unternehmens BenQ Siemens auftaucht, sondern derzeit von einer Innovationsinitiative des Mutterkonzerns weiterentwickelt wird. Die Frage, welcher Standard sich durchsetzen wird, ist nach wie vor offen; letztlich ist nur Samsung kurzfristig in der Lage, unabhängig von einer politischen Entscheidung Endgeräte für beide Standards zu liefern.
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